Einem sinnvollen Online Assessment geht aus unserer Sicht immer eine fundierte Anforderungsanalyse voraus, oft auch auf der Basis des Kompetenzmodells des Auftraggebers. Daran schließt sich die Auswahl (oder Neugestaltung) der für diesen Fall relevanten Testskalen oder Aufgaben an, ebenso die Klärung der Details des Prozessablaufes und der vom Kunden gewünschten Rückmeldungen. Alle anderen Details hängen davon ab, welche speziellen Ziele innerhalb des bei Frage 2 skizzierten Prozessablaufes der Kunde hat.
Projekteilnehmer sind im Allgemeinen Personal- und Recruitingexperten des Kunden, oft auch Linienvorgesetzte, IT-Experten und Vertreter des Betriebsrates.
Probleme im Unternehmen gibt es am ehesten mit Personen, die noch keinerlei Wissen über die modernen Möglichkeiten des Online Assessments haben und bei diesem Begriff vor allem an „Lesen von Bewerbungen via E-Mail“ denken. Strukturelle Probleme kann es geben, wenn Recruiter den Verlust ihrer gewohnten Routine-Arbeit befürchten. Schade ist, wenn das Unternehmen zwar ein Online Assessment möchte, aber dieses nur in einen schon bestehenden, auf die konventionelle Technik abgestellten Prozess einbauen möchte, also eine Art „Ersatz des bisherigen Papier/Bleistift-Tests durch irgendetwas im Internet“.
Da ist es dann manchmal nötig, die Möglichkeiten der Neugestaltung des ganzen Recruiting-Prozesses und die dann erreichbaren Effizienz- und Qualitätsgewinne deutlich zu machen.
Vielen ist auch noch nicht klar, dass Online Assessments ähnlich wie die früheren schriftlichen Bewerbungen eine Ergänzung und kein Ersatz für persönliche
Verfahren in der Endauswahl sind.
Die Akzeptanz bei den Bewerbern ist bisher nie ein Problem gewesen. Die dazu durchgeführten Evaluationsstudien zeigen gerade bei den Tools mit (zusätzlicher)
Beratungsfunktion für die Bewerber sehr gute Auswirkungen auf das Arbeitgeber-Image.
Technische Maßnahmen zur Sicherung der Personenidentität bei der Bearbeitung von Online Assessments ohne Aufsicht empfehlen wir nicht, schon wegen der prinzipiellen Haltung gegenüber den Bewerbern. Sinnvoll ist es, diese Art von Informationen genau so zu behandeln wie schriftliche Unterlagen. Es kann alles gelogen oder von anderen gemacht worden sein, so dass eine gute Passung im Online Assessment nur als eine notwendige, aber nicht hinreichende
Bedingung für die Eignung aufgefasst werden kann. Bei den Personen, die die Endauswahl erreichen, ist zumindest im Verdachtsfall die Überprüfung der Online-
Befunde zweckmäßig, etwa durch Testwiederholung mit ähnlichen Skalen vor Ort.