Standards sind gut und wichtig, aber kein Allheilmittel. BPEL und XPDL sind meiner Einschätzung nach nicht mehr relevant. BPMN 2.0 ist hier sicher der
führende Standard, lässt aber selbst viele Fragestellungen offen. Beispielsweise wie auf Systeme im Detail zugegriffen wird, wie die Benutzermasken im Detail aussehen oder wie bei Rückschleifen mit den Geschäftsdaten umgegangen werden muss.
Dass hier kein reibungsloses Zusammenspiel zwischen Modellierungswer kzeugen und Workflow Engines zustande kommen kann, ist für mich nur wenig verwunderlich. Die Übertragung und Pflege von BPM Modellen über mehrere Werkzeuge hinweg ist schwierig. Das ist nicht vorwiegend ein Problem der Standards, sondern des LifeCycle Managements. Hier haben wir mit unserem Tool FireStart einen Ansatz gewählt, der Modellierung und Ausführung aus einem System heraus unterstützt. Dieser Ansatz hat sich bisher sehr gut bewährt, da Fachabteilung und IT nicht mehr auf getrennten Systemen, sondern auf gemeinsamen Prozessmodellen arbeiten und dadurch ein gegenseitiges Verständnis entwickeln. Die Heterogenität der IT-Umgebungen ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass oftmals die Problemstellungen abseits des Standards mit proprietären Ansätzen gelöst werden. BPM Systeme bieten in der Regel aber einen komfortablen Zugang, um diese Problemstellungen mit möglichst wenig Aufwand zu lösen. Und dort, wo Standardschnittstellen verfügbar sind (SQL, WSDL, XML), bieten BPM Tools auch sehr gute Unterstützung, um diese einzubinden.
Ein grundsätzliches Problem dabei ist, dass Standards wie BPMN 2.0 immer der gemeinsame Nenner vieler Interessens- und Zielgruppen ist (Universitäten, Tool- Anbieter, Berater, Anwender, uvm). Der daraus resultierende Standard ist dann ein Kompromiss, der den Marktanforderungen hinterher hinkt. Viele Toolhersteller implementieren dann nur mehr das, was der Standard vorgibt. Kreative Ideen und Innovationen bleiben dabei auf der Strecke und werden auf dem Altar der Konformität geopfert. Ein Standard sollte meiner Ansicht nach mehr ein Leitfaden zur Orientierung sein. Ich kenne aber bis heute kein Unternehmen, das den BPMN 2.0 Standard bis ins letzte Detail anwenden könnte, ohne von der Komplexität erschlagen zu werden.