Hallo Herr Streubel,
wenn es darauf doch nur eine einfache Antwort gäbe. Der Reflex in der aufziehenden Krise (sie muß noch nicht mal da sein) zuerst an das Marketingbudget zu gehen ist immer noch sehr verbreitet, wobei man das sicher auch differenziert betrachten muß. Unternehmen die in der Vergangenheit schon auf neue innovative Wege gesetzt haben, tun das auch in einer solchen Situation. Aber es gibt leider immer noch viel zu viele, die es nicht so sehen. An sich ist erst mal nichts schlimmes dran, das Budget zu kürzen. Viele Marketingleiter haben sich leider dran gewöhnt, dass es für das Budget nur den Weg nach oben gibt. Und da ist eine Kürzung erst mal kreativitätsfördernd. Problematisch dabei sind immer nur die etablierten Netzwerke - ich mache was hier für Dich, dann machst Du da was für mich. Die funktionieren dann nicht mehr. Zudem denke ich dann ein komplett antizyklisches Verhalten auch nicht sinnvoll ist, da man dann leicht in eine Investitionsfalle geraten kann. Sprich man geht von einer Krisendauer von 2 Jahren aus, aber sie dauert 4 Jahre und der schöne Effekt ist dahin. Da dann antizyklisches Marketing durchzuhalten dürfte schwer werden.
Im Grunde gibt es nur eine Strategie für das Marketing und die ist immer aktuell: Marketing muß aktiv, innovativ, offen für Neues und lebendig sein, zudem vertriebs- und produktnah agieren. Wenn ich das beherzige, dann findet sich immer ein Weg besser zu sein als der Wettbewerb. Aber dazu muss sowohl die Person des Marketingleiters/in als auch seine/ihre Geschäftsleitung bereit sein neue Wege zu beschreiten. Die Erfahrung, die ich dabei gemacht habe waren aber die, dass die Geschäftsleitung händeringend nach neuen Ideen aus dem Marketing gesucht hat, von dort aber nichts kam. Sonst gäbe es uns ProzessPiraten ja nicht (das war jetzt auch nicht ganz uneigennützig). Sprich ich glaube, dass viele Unternehmen einfach die Falschen für die Marketingleitung haben. Oder um es mit der Nationalmannschaft zu sagen. Wenn die Sonne scheint zaubern sie, wenn es regnet, verstecken sie sich.
Herzliche Grüße
Sebastian Grimm