Droht das Asset-Meltdown Szenario durch den demographischen Wandel?
FORUM Online Interview mit Wirtschaftsprofessor Axel Börsch-Supan— Wird die Bevölkerung immer älter, sinkt auch die Nachfrage nach Kapitalanlagen – und damit die Renditen. Dieses Szenario ist jedoch übertrieben. FORUM online erklärt, warum die demografische Entwicklung sogar Chancen für Anleger bietet.
14. Dezember 2011. Die Bevölkerung Deutschlands schrumpft und wird älter. Das hat nicht nur erhebliche Folgen für die Renten, sondern auch für die Entwicklung an den Kapitalmärkten. Denn ältere Menschen sparen in der Regel weniger als jüngere – und insgesamt legen immer weniger Menschen Geld an. Dadurch sinkt die Nachfrage nach Kapitalanlagen und damit auch deren Renditen. Das zumindest besagt die Hypothese vom demografiebedingten „Asset Meltdown“, also übersetzt, vom „Abschmelzen“ der Kapitalanlagen.
Wie stark sich der „Asset Meltdown“ in den kommenden Jahrzehnten aber tatsächlich auf die Kapitalmarktrenditen auswirken wird, ist äußerst umstritten. Als „finanzwissenschaftliches Horrorszenario, das nicht haltbar ist“, bezeichnen renommierte Wissenschaftler der Universität Mannheim die Theorie. Das Team um den Wirtschaftsprofessor Axel Börsch-Supan hat den „Asset Meltdown“ kritisch analysiert und kommt zum Schluss: Der Effekt ist zwar da, aber die Auswirkungen sind keinesfalls gravierend. Sie können sogar durch andere Effekte überkompensiert werden.
FORUM Online hat nachgefragt
Herr Professor Börsch-Supan, immer wieder hört man Warnungen vor den negativen Auswirkungen der Bevölkerungsalterung in Deutschland auf die Kapitalmärkte. Was ist dran am Rückgang der Renditen im Rahmen des so genannten „Asset Meltdowns“?
Börsch-Supan: Der „Asset Meltdown“ ist lediglich ein sehr pessimistisches Szenario. Die Argumente für diesen Effekt sind zwar grundsätzlich korrekt, aber auch unvollständig. In der Tat wird die Haushaltsersparnis sinken, und zwar insbesondere, wenn die Generation der „Babyboomer“ in Rente geht. Die Alterung dürfte damit auch Auswirkungen auf die Renditen haben, aber diese Veränderungen bewegen sich in Größenordnungen, die das dramatisierende Schlagwort vom „Asset Meltdown“ weit überzogen erscheinen lassen.
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