03.09.2015
Entscheidend für die Auswahl eines Systems ist immer die konkrete Anforderung der Anwendung – eine pauschale Aussage ist hier kaum möglich. Was man generell sagen kann: Es lohnt sich in den meisten Fällen, einen Vergleich der Kernkompetenzen sowohl des Anbieters als auch des Systems anzustellen. Denn in den wenigsten Fällen kann ein System alle Sichten auf einen Prozess abdecken. Am besten zeigt sich das bei der Betrachtung der Produktion. Ein ERP wird hier sehen, dass Material in den Prozess hinein fließt und ein fertiges Produkt am Ende heraus kommt. Dabei werden bestimmte Ressourcen genutzt und andere verbraucht. Das ERP bewertet diese Vorgänge monetär, um daraus einen Preis für den Kunden zu berechnen. Ein MES sieht den gleichen Prozess mit einer anderen Brille und wesentlich detaillierter: Eine bzw. mehrere Maschinen müssen reserviert werden, um das beigestellte Material in mehreren Schritten zu einem fertigen Produkt zu verarbeiten. Dabei kommen unterschiedliche Werkzeuge und Hilfsmittel zum Einsatz, die ebenfalls geplant werden müssen. Während der Produktion treten Störungen auf, die Einfluss auf den Gesamtablauf nehmen – ggf. muss der Prozess umgeplant werden. Auch die Qualität des hergestellten Produkts bzw. der Zwischenfabrikate ist für das MES relevant und ausschlaggebend für die kontinuierliche Optimierung. Zusätzlich sind die Belange der Mitarbeiter von Relevanz und fließen über die Personaleinsatzplanung in die Auftragsfeinplanung und Fertigungssteuerung ein. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass Schnittstellen immer dort sinnvoll sind, wo die Kernkompetenz eines Systems endet und die eines anderen beginnt. In der Regel sind solche Übergabepunkte auch daran zu erkennen, dass nur wenige und stark verdichtete Daten übertragen werden müssen. Innerhalb eines Systems ist die Vernetzung und damit gemeinsame Nutzung von Daten eine wichtige Voraussetzung für die Effizienz der Anwendung (Horizontale Integration). Auch dazu ein Beispiel: Die Berechung von Leistungslohn sollte einerseits im MES erfolgen, da hier alle Daten über die geleistete Arbeit und die Beteiligung der jeweiligen Mitarbeiter sekundengenau erfasst wird. Andererseits kann das MES nur Faktoren berechnen, aus denen ein Lohnabrechnungssystem dann den konkreten Geldbetrag ableitet, den der jeweilige Mitarbeiter bekommt. Kurz gesagt erfasst, berechnet und verdichtet das MES Daten, die über eine Schnittstelle zur monetären Bewertung übergeben werden. An dieser Stelle macht es Sinn, zwei vernetzte Systeme einzusetzen. Die Abspaltung der Leistungslohnermittlung von der Betriebs- und Maschienendatenerfassung im MES macht keinen Sinn, da in diesem Fall die zu übertragende Datenmenge gigantisch wäre. Ebenso verhält es sich bei der vertikalen Integration, also bei der Vernetzung von ERP, MES und Shopfloor. Schnittstellen sind wichtig und sollten an den Stellen implementiert werden, an denen die zu übergebenden Daten maximal verdichtet werden können. Daraus ergibt sich per Definition die Empfehlung, erst einmal die eigenen Prozesse zu analysieren und dabei festzustellen, welche Daten und Infromationen erfasst, verdichtet, übergeben und ausgewertet werden. Daraus ergeben sich dann auch sinnvolle Systemgrenzen.