vr_mes_2007_rockwell_automation_holtkamp.pdfVirtual Roundtable zum Thema Manufacturing
Execution Systems (MES)
MES-Trends 2007: Erfolge, Herausforderungen und
Ausblick aus Anwender und Anbieter-Sicht
Name: Edwin Holtkamp
Business Manager Software Central
Funktion/Bereich:
Europe
Organisation: Rockwell Automation GmbH
Kurzeinführung zum Thema
Die Etablierung des MES-Themas schreitet dank der vielfältigen Aktivitäten der
führenden Vereine, Verbände und Nutzerorganisationen auch hierzulande kon-
tinuierlich voran. Mit der Etablierung von MES-Fachausschüssen und Arbeits-
kreisen, der Veröffentlichung der Richtlinie VDI 5600, umgangreicher Öffent-
lichkeitsarbeit auf Tagungen und Messen sowie mit der Gründung der MESA
Europe im Jahr 2006 wurden wesentliche Meilensteine erreicht. Von daher stellt
sich die Frage, ob sich MES-Konzepte nun auch tatsächlich erfolgreich in der
betrieblichen Praxis durchsetzen und wo noch weiterer Handlungsbedarf be-
steht.
Dabei ist es in diesem Virtuellen Roundtable von herausragender Bedeutung,
alle Markt-Teilnehmer (d.h. sowohl MES-Anbieter bzw. –Dienstleister, als auch
MES-Anwender) zu befragen und eine ausgewogene Sicht zu erhalten. Durch
die Zusammenarbeit mit dem VDI ist es in diesem Sinne gelungen, hochkaräti-
ge Experten aus den genannten Gruppen für diesen VR zu gewinnen und so
eine vielfältige Sicht auf das Thema MES zu ermöglichen.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Ihr
NetSkill-Team
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Sehr geehrter Herr Holtkamp,
Frageblock 1: Etablierung des MES-Themas im Markt
Wie beurteilen Sie als Anbieter/Dienstleister im Bereich MES die Entwicklung
des MES-Themas in den letzten Jahren? Wie erfolgreich ist Ihrer Meinung nach
MES heute schon im Markt etabliert, welche Markt-Potenziale sind noch unge-
hoben (z.B. in % Markterschließung)? Gibt es noch unerschlossene Branchen
oder Segmente? Was sind die wichtigsten Treiber des Themas? Wie beurteilen
Sie die Rolle bzw. den Einfluss von Standardisierungen (z.B. durch MESA, ISA,
IEC, VDI)?
Inwiefern unterstützen Sie selbst bzw. Ihr Unternehmen die Etablierung und das
richtige Verständnis des MES-Themas im Markt (Mitarbeit Verbände, eigene
Kommunikation, ...)?
Antwort:
Heute sind MES in aller Munde. Aber bereits in den 1980er Jahren
beschäftigten sich viele Unternehmen und Experten mit diesem
Thema. Damals sprach man noch vom sogenannten ‚Computer
Integrated Manufacturing’ (CIM), das sich jedoch nie richtig auf dem
Markt etabliert hat. Hierfür gibt es eine Reihe von Gründen:
1. Die Integrationsdichte, die wir heute mit der Service Oriented Architectu-
re (SOA) plattformunabhängig erreichen, war vor 20 Jahren einfach un-
denkbar. Schließlich war damals keine passende Softwareplattform ver-
fügbar. Heute ist diese jedoch ausgereift und erfolgreich im Einsatz.
2. Zudem steht mit der Dual Core-Technologie heute eine Rechenleistung
zur Verfügung, die in den 80er Jahren - wenn überhaupt – nur mit einem
großen Mainframe realisierbar war. Und damit war es quasi unbezahl-
bar!
Heute stehen die Unternehmen immer wieder vor den gleichen typischen Her-
ausforderungen: die Einhaltung von Liefertreue und Qualität sowie die Fähigkeit
zur lückenlosen Produktrückverfolgung etc. All das lässt sich mit der „papierlo-
sen“ Fertigung - sprich einer guten MES-Lösung - verwirklichen.
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Die Investitionen in ein MES sind jedoch nicht unerheblich. Daher zögern viele
Unternehmen, den kompletten Schritt in diese Richtung oder einen Neuanfang,
mithilfe von MES zu wagen. Daher besteht in fast allen Industriebereichen ein
enormer Nachholbedarf. Die Automobilbranche und die pharmazeutische In-
dustrie haben jedoch den ersten Schritt in Richtung MES schon gewagt und
somit eine Vorreiterrolle bei der Einführung dieser Technologie eingenommen.
Eine wesentliche Rolle für die Verbreitung von MES spielen aber auch Verbän-
de wie ZVEI oder MESA etc., denn deren Meinung hat einen deutlichen Einfluss
auf eine Vielzahl von Branchen. Auch Rockwell Automation macht sich für die
Verbreitung von MES stark und engagiert sich aktiv in beiden genannten Ver-
bänden. Daher habe ich eine aktive Rolle im Arbeitskreis MES von ZVEI über-
nommen und unterstütze die MESA Europe als Board Member.
Ein weiterer wichtiger Aspekt für das allgemeine Verständnis von MES sind
Normierungen wie z. B. ISA S-95. Nur diese bilden verbindliche Normen und
Werte für alle Beteiligten.
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Frageblock 2: Potenziale und Herausforderungen, Kompetenzen
Welche Chancen, Nutzen oder Potenziale können Sie MES-Anwendern ver-
sprechen bzw. nachweisen? Wie lassen sich diese konkretisieren (z.B. ROI-
Analyse, Kennzahlen)?
Was sind Ihrer Meinung nach Hemmnisse für den Erfolg eines MES-Projekts in
einem Unternehmen? Inwieweit entstehen Probleme bei der Integration von
MES in vorhandene Infrastrukturen der Leittechnik (z.B. bezüglich Schnittstel-
len, mehrfacher Datenhaltung, Aufgabentrennung)? Welche Möglichkeiten soll-
te ein MES zur Anbindung von Maschinen und Anlagen anbieten? Wie „bereit-
willig“ und wie kompetent sind bereits die Anwender? Wie begegnen Sie einer
möglichen Skepsis von Anwendern? Wie weit sollte ein MES horizontal integ-
riert sein?
Antwort:
Erfolgreiche MES-Implementierungen setzen die richtigen Prozesse
voraus. An erster Stelle steht dabei eine umfassende Planung unter
Berücksichtigung aller relevanten Parameter wie z. B. die Integration
von Altsystemen. Dabei stehen u.a. folgende Fragen im Mittelpunkt:
„Was will ich mit meiner MES Lösung erreichen?“, „Welchen Nutzen will ich er-
zielen?“, „Will ich die Qualität meines Produkts oder die Rückverfolgbarkeit bzw.
die Ressourcenplanung verbessern und will ich vielleicht noch mehr errei-
chen?“, „Wie viel Budget steht mir zur Verfügung?“, „Muss ich in mehreren
Schritten planen?“, „Welchen Grad der Integration brauche ich?“, „Habe ich ein
übergeordnetes ERP-System, das eingebunden werden muss?“, „Habe ich eine
homogene oder heterogene Automatisierungswelt zu betrachten?“ etc.
Nach der Planung folgt die eigentliche Implementierung, welche wiederum da-
von abhängt, ob ein Unternehmen das entsprechende MES-Know-how behal-
ten oder alle Aktivitäten über einen externen Partner abwickeln möchte. Eine Al-
ternative wäre hier auch der Einsatz einer Komplettlösung eines kompetenten
MES Anbieters.
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In vielen Fällen müssen wir feststellen, dass Unternehmen nach grundsätzli-
chen Veränderungen zugunsten von MES streben, aber der umfassenden Pla-
nung nur sehr wenig Aufmerksamkeit schenken. Wird jedoch in der Design-
Phase für die Implementierung etwas wichtiges vergessen oder schlichtweg ig-
noriert, kann eine nachträgliche Korrektur erhebliche Kosten nach sich ziehen.
Daher gilt ein allgemeiner Grundsatz: Je genauer die Planung und je konkreter
die zu erreichenden Ziele, desto besser werden entsprechend die Ergebnisse.
Gegen die Skepsis mancher Anwender sprechen zahlreiche unabhängige Stu-
dien (z. B. Aberdeen Group, Manufacturing Excellence Report 2006). Aber auch
sogenannte Success Stories und Referenzbesuche unterstreichen die Notwen-
digkeit einer sorgfältigen Planung. Zudem ist die Messung des ROI sehr ver-
breitet, jedoch ist diese Technik relativ fragwürdig, denn man weiß nie genau,
ob alle Parameter richtig bewertet und ausgewertet werden. Insgesamt ist es
jedoch unumstritten, dass Unternehmen, die MES konsequent einsetzen, profi-
tabler arbeiten als vergleichbare Firmen, die auf den Einsatz von MES verzich-
ten.
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Frage 3: Erfolgreiche MES-Akteure, eigene Markt-Position
Wodurch zeichnen sich erfolgreiche MES-Systeme und MES-Anbieter aus?
Welche erfolgreichen MES-Anwender kennen Sie bzw. würden Sie als „Best
Practice“ hervorheben und wodurch zeichnen sich diese MES-Projekte aus?
Welche Unternehmen konnten Sie als Kunde gewinnen? Warum setzen diese
Unternehmen auf Ihre Kompetenz? Wodurch differenzieren Sie sich am Markt?
Wie stark ist der Branchenbezug ihres MES-Konzeptes bzw. –Systems?
Welche Branche(n) oder Fertigungsstrukturen adressieren Sie hauptsächlich
mit Ihrem MES-Konzept bzw. –System?
Wie entwickeln Sie Ihre MES-Lösung weiter und wie berücksichtigen Sie dabei
die Wünsche Ihrer Anwender?
Antwort:
Erfolgreiche MES Lösungen vereinen unterschiedliche Eigenschaften
innerhalb eines einzigen Systems. Hierfür muss zunächst eine
horizontale Integration der einzelnen Anwendungen gegeben sein.
Dabei ist die Frage, ob das einzusetzende System monolithisch, oder
aber modular und skalierbar aufgebaut sein soll von zentraler Bedeutung. Die
Entscheidung für eine der zwei Varianten hängt dabei direkt von der jeweiligen
Problemstellung bzw. dem individuellen Anforderungsprofil eines Unterneh-
mens ab.
Monolithische Systeme bieten oftmals ein Höchstmaß an Integration, während
modular und skalierbar aufgebaute Lösungen preiswerter sind, denn ein Unter-
nehmen kauft lediglich jene Tools, die es benötigt.
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Eine grundlegende Aufgabe bei der Implementierung von MES ist die vertikale
Integration der Lösung, d. h. die Einbindung von übergeordneten ERP-
Systemen sowie die Integration der darunter liegenden Automatisierungssyste-
me in ein schlüssiges Gesamtkonzept.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der professionelle Support für die jeweils ein-
gesetzte Lösung bzw.
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