Billige Kredite und hohe Rabatte ließen den US-Autoabsatz im Jahr 2000 auf mehr als 17 Mio. Stück ansteigen. Der Tiefpunkt soll laut PA 2010 bei acht, bestenfalls bei neun Mio. verkauften Einheiten liegen. „Der amerikanische Automarkt durchläuft bis Ende 2010 schmerzhafte Zeiten“, sagt Engelbert Wimmer, Head of Manufacturing bei PA. Eine Abwrackprämie nach deutschem Vorbild könnte dieses Leiden geringfügig lindern. Für ähnliche Effekte wie in Deutschland müsste die US-Regierung jedoch ein weitaus größeres Paket schnüren. Schließlich ist der US-Automarkt nicht nur drei- bis viermal größer - auch der Anteil privater Zulassungen als "Umweltprämienempfänger" ist in den USA deutlich höher als in Deutschland. Vorsichtig geschätzt würde ein solches Programm den US-Steuerzahler etwa 20 Mrd. US$ kosten (gegenüber rund 6 Mrd. € in Deutschland).
Auf absehbare Zeit bremsen zudem moderate Benzinpreise und fehlende Kredite den Absatz neuer Fahrzeuge, die Verschrottungsrate liegt derzeit bei niedrigen vier bis fünf Prozent. "Ein Überangebot an Autos aus zweiter Hand, angeschafft in der Zeit billigen Geldes, zerdrückt die Nachfrage für Neuwagen“, sagt Wimmer. Auslaufende Leasingverträge oder geplatzte Kredite werden weiterhin zu viele junge und hochwertige Autos auf den Markt spülen. Aktuell hat sich ein Fahrzeugbestand von etwa 800 Autos auf 1.000 Amerikaner angestaut - Weltrekord. In europäischen Märkten sind es gewöhnlich rund 500 Autos pro 1.000 Einwohner. Auf Führerschein-Besitzer in den USA bezogen, immerhin knapp 70 Prozent der Bevölkerung, erscheint dies noch dramatischer: Je US-Führerschein sind derzeit "markt-übersättigende" 1,2 Fahrzeuge im Umlauf. Dies wird die Ankurbelung des Absatzes weiter erschweren.
Schlechte Nachrichten gibt es auch für die US-Werke. Von den 51 Autofabriken in den USA lastet die Nachfrage derzeit gerade einmal die Hälfte aus. Deutlicher Rückbau erschien schon vor der Wirtschaftskrise unausweichlich. Die US-Regierung müsse dabei wie ein guter Winzer vorgehen, sagt Wimmer. „Zurückschneiden, um Qualität zu bekommen – aber nicht so sehr, dass die Substanz zerstört wird.“
Der Kurs der US-Regierung von Barack Obama, einheimischen Herstellern nicht um jeden Preis beizuspringen, parallel aber am Plan zur Förderung umweltfreundlicher Autos festzuhalten, erscheint richtig. Die für 2010 geplante Verschrottungsprämie könnte zusätzliche Effekte bringen, jedoch stellt sich wie in Europa die Frage nach der "Streuung" einer solchen Initiative. Im Falle USA würde dies wahrscheinlich am meisten Toyota und Honda, aber auch Volkswagen nutzen: „Das wirkt wie ein Turbo für ausländische Konkurrenten aus Japan und Europa“, prognostiziert Wimmer. VW wolle die neue Fabrik 2010 hochfahren – perfektes Timing.
„Nach 2010 besteht eine reelle Chance zur nachhaltigen Gesundung des US-Marktes“, prognostiziert Wimmer. Schon im Jahr 2011 sieht PA den US-Markt wieder bei etwa elf Mio. verkauften Fahrzeugen – Tendenz weiter steigend. Treiber dafür ist nicht zuletzt die bis dahin hohe Alterung der US-Flotte: Pkw haben in den USA bisher ein Durchschnittsalter von 9,4 Jahren (gegenüber acht Jahren in Deutschland). Ein weiterer Effekt ist die im Gegensatz zu Deutschland zunehmende US-Bevölkerung. Die Wachstumsraten von jährlich mindestens ein Prozent addieren sich zu einem kleinen "Zusatzmarkt", selbst bei vermutlich leicht sinkender Fahrzeugquote steigert das die Nachfrage. Bei moderater wirtschaftlicher Erholung rechnet PA ab 2015 / 2016 wieder mit einem Absatz von 14 Mio. Stück.
Der Korridor der genannten Zahlen wird nun zunehmend in die Planungen der Hersteller und Zulieferer überführt. Wimmer erwartet daher in den kommenden Monaten reale Kapazitätsanpassungen, die dem neuen "Planungskonsens" für die nächsten Jahre folgen. Statt "Fahren auf Sicht" werde sich die Industrie an diesen vorsichtigen Leitplanken orientieren und dabei weiter so wenig Liquidität wie möglich verbrauchen wollen.
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