Mittel- und Osteuropa boomt derzeit als Investitionsraum. Das zeigt sich einerseits am Zufluss Ausländischer Direktinvestitionen (ADI), die sich innerhalb der letzten zehn Jahre verfünffacht haben, auf nunmehr 220 Mrd. US$. Andererseits wird dies ersichtlich anhand von Standortortbewertungen, die von multilateralen Organisationen, Unternehmensverbänden und Wirtschaftsförderern getroffen werden. So schätzt UNCTAD ein, dass Polen und Tschechien weltweit zu den beliebtesten Zielregionen für ADI zählen, nur übertroffen von China, Indien, USA und Thailand (vgl. UNCTAD 2004). Einer Studie der Economist Intelligence Unit zufolge bieten China und Indien zwar größere Wachstumschancen für Unternehmen, gelten im Gegensatz zu Mittel- und Osteuropa (MOE) allerdings als risikoreicher, weshalb europäische Unternehmen einen signifikanten Teil der ADI in räumlicher Nähe zu ihren Unternehmenssitzen tätigen, insbesondere in MOE (vgl. EIU 2006). Eine Umfrage deutscher Außenhandelskammern unter 1.000 deutschen Unternehmern ergab, dass 90% der Befragten das Investitionsklima in MOE als gut oder zufrieden stellend bewerten (vgl. DUIHK 2006). Eine der Branchen, die einen großen Teil dieser Investitionsmittel an sich bindet, ist die Automobilindustrie. Mehrere hundert Fahrzeughersteller und Zulieferer haben sich in Polen, Tschechien, Ungarn oder der Slowakei angesiedelt, reduzieren dadurch Kosten, nutzten lokale Qualifikationen und erschließen neue Märkte. Doch um welche Kompetenzen handelt es sich, die dezentral aufgebaut werden? Bleibt es ausschließlich bei Verlagerung oder Aufbau von Produktionskapazitäten oder finden sich auch Anzeichen für eine Ansiedlung von wissensintensiven Wertschöpfungsschritten? Dieser Beitrag untersucht den Umfang und die Zielrichtung von ADI in MOE und fragt nach aktuellen Trends bei der Verteilung von Unternehmensaufgaben inder Automobilindustrie.