Bestellungen von größeren Stückzahlen lohnen sich fast immer. Deshalb
entschlossen sich Werksvertretungen von japanischen Automobilherstellern
bereits in den 70er-Jahren, eine lose Einkaufskooperation zu bilden. Anfang
1981 gründeten sie dann offiziell Coparts (www.coparts.de). Die Führung der
Kooperation oblag für einen festen Zeitraum einem der Gesellschafter, bis
Mitte 1995 die Zentrale in Essen eröffnet wurde.
Beim Siegeszug des Internet lag es auch für Coparts nahe, Webtechnologien
bei der Beschaffung von Autoersatzteilen einzusetzen. Diese Aufgabe
übertrug der Einkaufsverbund der Barth EDV Systemberatung
(www.edv-barth.de). Seit 2002 agiert nun der Dienstleister aus
Recklinghausen als IT-Lieferant bei Coparts.
C & D-Ersatzteile im Automobilhandel
Bei einem der Webprojekte ging es nun darum, so genannte C- und D-Teile zu
beschaffen. Dabei handelt es sich um Automobilersatzteile, die nicht
unbedingt zum Kerngeschäft eines an Coparts beteiligten Kfz-Händlers
gehören. Wenn also einer von ihnen hauptsächlich mit Toyota- oder
Mitsubishi-Teilen handelt, dann gehören für ihn Scheinwerfer von Mercedes
oder Hupen von BMW der C- oder D-Kategorie an und umgekehrt.
Aufgabe von Barth war es, ein "Virtuelles Lager" aufzubauen, aus dem sich
ein Ersatzteilhändler auch Fremdprodukte beschaffen könnte, etwa von einem
Verbundskollegen, der genau mit derartigen Stücken handelt. Bevor sich aber
der IT-Dienstleister aus dem Ruhrpott daran machte, galt es erstmals, mit
Coparts den Projektrahmen auszuhandeln. Fragen nach den Dateninhalten und
Formaten mussten geklärt werden. Ferner musste man sich über die
einzusetzenden Technologien einigen. Auch die Voraussetzungen bei den im
Verbund zusammengeschlossenen Kfz-Ersatzteile-Händlern galt es zu prüfen -
hier ging es vornehmlich um die Anbindung ans Internet. Ferner mussten
beide hinsichtlich der Art und Modalität der Finanzierung Übereinstimmung
erzielen. Diese durchaus komplizierten Verhandlungen nahmen schlussendlich
etwa drei Monate in Anspruch.
Erst nach Abschluss dieser Gespräche ging man bei Barth daran, das vom
Kunden gewünschte System zu entwickeln. Dabei war dem Systemhaus aus
Gelsenkirchen von Anfang an klar, dass man bei dieser Aufgabe auf die
Version 5 der postrelationalen Datenbank Caché von Intersystems
(www.intersystems.de) setzen würde. Schließlich hatte Barth mit dieser
Technologie bereits gute Erfahrungen sammeln können - etwa bei der
Implementierung der Gateway-Lösung "Barth Enterprise TecCom" (BEGW), die
alle proprietären Warenwirtschaftssysteme der an der Internetplattform des
europäischen Automobilteile-Handels TecCom (www.teccom.de) teilnehmenden anbindet.
Nummernsalat
So basiert nun auch das "Virtuelle Lager" für C- und D-Teile bei Coparts
auf der Caché-Technologie. Dabei stellte der Aufbau des Lagers das
geringste Übel für Barth dar. Die richtigen Probleme begannen erst beim
"Befüllen" des virtuellen Lagerraums. Denn sowohl die Hersteller als auch
die Großhändler benutzen jeweils ihre eigene Syntax für die Nummerierung
der Artikel. Und die an Coparts angeschlossenen Kfz-Händler und
-Werkstätten verwenden wiederum eine andere Syntax. "Hier galt es, ein
Referenzsystem für 3,5 Milliarden Artikel zu finden", beschreibt
Karl-Rüdiger Barth, Inhaber von Barth EDV, die größte Herausforderung beim
Coparts-Projekt. Da angesichts dieser Größenordung die manuelle logische
Verknüpfung der drei unterschiedlichen Artikelnummern-Systeme miteinander
von vornherein ausschied, entschloss sich der Dienstleister, dem
Teilehändler mehr Freiheiten bei Einträgen in der Suchmaske einzuräumen.
Dort kann ein Coparts-Mitglied sowohl die Artikelnummer des
Originalherstellers als auch die Referenz des Großhändlers oder aber auch
einen frei wählbaren Volltext eintippen.
Diese Quer-Referenzierung zwischen den eigenen Artikelstamm-System und der
Hersteller/Großhändler-Nummerierung war notwendig geworden, damit die
Gesellschafter ihre per Web getätigten Orders mit ihren eigenen
Warenwirtschaftslösungen abgleichen konnten. Derartige Feinabstimmungen
baute Barth bereits in das erste Update der eigenen Software ein.
Trotz der damit einhergehenden Verzögerungen gelang es dem Dienstleister,
das "Virtuelle Lager" innerhalb von nur einer Woche in der Coparts-Zentrale
einzuführen. Hierfür wurde ein PC-Server mit Windows 2000 als
Betriebssystem angeschafft. Die Coparts-Teilhaber benötigen für das neue
System keinerlei Client-Installation - der handelsüblicher Webbrowser
genügt.
Dennoch ist das virtuelle Lager nicht "schnell mal so" und "intuitiv"
bedienbar. So erhielt jeder der insgesamt 16 Coparts-Gesellschafter von
Barth jeweils eine anderthalbtägige Schulung. Sie umfasste die Einweisung
des Systemadministrators in die Software; es ging dabei unter anderem um
den Umgang mit den Artikelstamm-Nummern und das Update-Verhalten.
Dafür erhielt der Kunde aber ein System, das im Prinzip immer verfügbar ist
- eine gute Internetverbindung vorausgesetzt. Durch den serverorientierten
Betrieb der Datenbank sind die Bestandsdaten stets auf dem aktuellen Stand.
Auch mit der Suchmaske zeigten sich die Coparts-Mitglieder zufrieden. Mit
dem webbasierten Zugriff auf die Daten entfallen teure und zeitaufwändige
Telefonate. Die gewünschten Waren lassen sich nun zu vertretbaren Kosten
beschaffen.
Folgegeschäfte winken
Selbstverständlich wartet Barth die komplette Beschaffungsplattform des
Kunden. Diese beinhaltet nicht nur das virtuelle Lager des Dienstleisters,
sondern auch Komponenten der postrelationale Datenbank "Caché" von
Intersystems. Darin sind Updates inbegriffen. Ferner kümmert sich der
Systemberater fortlaufend um die Anbindung des virtuellen Lagers an die
Warenwirtschaftssysteme der einzelnen Gesellschafter. Hierzu existiert ein
gesonderter Wartungsvertrag.
Auch erste Folgegeschäfte für Barth sind bereits in Sicht. So soll etwa das
virtuelle Lager bei Coparts um die Module "Ausschreibungen" und "Handel"
erweitert werden. Barths Internetplattform kann ohne größere Anpassungen
weiteren Ein- und Verkaufsverbänden zur Verfügung gestellt werden, zum
Beispiel Immobilienbörsen.
Dabei kann der Recklinghauser Dienstleister von den bei Coparts gesammelten
Erfahrungen vielfach zehren. Immerhin ging es hier nicht nur um die reine
Technik, also die Einbindung der Daten in das virtuelle Lager. Viel mehr
zählen die gewonnenen Erkenntnisse. "Welche Synergieeffekte aus der Zusa
mmenarbeit von ansonsten konkurrierenden Handelsunternehmen in einer
Einkaufsgemeinschaft resultieren, ist mir erst in dem Coparts-Projekt klar
geworden", zieht Karl-Rüdiger Barth sein persönliches Resümee.
Meinung des Redakteurs
Dass auch eine Fünf-MannFirma wie Barth-EDV innerhalb einer Woche ein
Projekt von über 50.000 Euro stemmen kann, beweist der vorangegangene
Bericht. Es kommt eben nicht auf die Menge der Mitarbeiter, sondern auf
deren Kenntnisse an. Hat man auch noch einen technologisch führenden
Hersteller als Partner im Rücken und die richtigen Kunden an der Angel,
lässt sich auch in der Baisse gutes Geld verdienen.
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