Für ein Computerauge sind Bilder zunächst nur eine Ansammlung von Pixeln. Grafik- und Bildbearbeitungsprogramme aber geben diesem Sammelsurium an Einzelinformationen eine Struktur. Durch die Definition von Kanten, Farbflächen und Texturen verknüpfen sie einzelne Bildpunkte zu Bildbereichen. So wird eine wichtige Voraussetzung geschaffen, dass ein Computer die gesehenen Strukturen mit seiner Datenbank mit programmierten »Erfahrungen« vergleichen kann: Er lernt, Bildinhalte richtig zu interpretieren. Was damit technisch heute machbar ist, zeigen anspruchsvolle Anwendungen wie die automatische Qualitätsinspektion beim Druck von Banknoten oder im Krankenhaus die computergestützte Suche nach erkranktem Gewebe. Doch nicht immer ist es sinnvoll, einem Computersystem möglichst umfassende Bildinformationen zur Verfügung zu stellen. Manchmal ist weniger eben mehr: Beim Einsatz von „Computer Vision“ zur Überwachung des Verkehrs oder öffentlicher Räume zum Beispiel würden zuviel Informationen nur eine schnelle Auswertung erschweren.
Kein Wimpernschlag, keine Ermüdung, keine Ablenkung ‑ die Augen eines Computers überprüfen unbestechlich und mit endloser „Geduld“ selbst mikroskopisch kleine Details auf ihre exakte Position, unterscheiden Nuancen in der Farbintensität oder nicht maßgenaue Fertigungskomponenten. Selbst kleinste Abweichungen bei Form, Farbe und Struktur erkennen elektronische Augen heute zweifelsfrei besser und zudem auch noch schneller, als es eine optische Kontrolle durch den Menschen je könnte. Dabei besteht „Sehvermögen“ des Computers aus drei Komponenten: einer Kamera oder einem Sensor zur optischen Erfassung des Prüfobjektes, der Recheneinheit und den darauf laufenden Softwareprogrammen zur Analyse der aufgenommenen Daten. Dennoch werden Praxislösungen für das maschinelle Sehen in der Regel als komplettes System konzipiert, da die Qualität der Ergebnisse vor allem davon abhängig ist, dass alle beteiligten Hard- und Softwarebestandteile bestmöglich aufeinander abgestimmt sind. „Sinnvoll einsetzbar für die Qualitätsinspektion im laufenden Produktionsprozess sind Computer-Vision-Systeme nur dann, wenn sie die beiden Kriterien Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit gleichermaßen erfüllen“, erklärt Raffael Binder von ARC / smart systems. Systeme, die wegen langsamer Hardware einen möglichen Fehler in der Produktion erst im Nachhinein feststellen können, sind ebenso unbrauchbar, wie eine Kombination aus Hochgeschwindigkeits-Kamera und einer unzureichenden Bildverarbeitung: Was nützt ein schnelles Auge, wenn die Software erst „überlegen“ muss, ob das Gesehene den Vorgaben entspricht oder nicht? Alle Teilsysteme müssen also auf gleich hohem Niveau arbeiten.
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