Bio ist in. Längst erstreckt sich der Bioboom nicht mehr nur auf Lebensmittel oder Kosmetika. Verstärkt achten Konsumenten auch bei Kleidung und Textilien auf ökologische und soziale Kriterien. Vor wenigen Jahren noch galten Nachhaltigkeit und Mode als Widerspruch, heute ist „green chic“ in ‑ sowohl auf den Laufstegen als auch in den Läden. Damit wächst die Bedeutung von Corporate Social Responsibility (CSR). Denn in moralisierten Märkten wird die Gewähr ökologischer und sozialer Standards zu einem echten Mehrwert für den Kunden. In der Zukunft wird der grüne Lebensstil die Konsummärkte dominieren. Alexandra Hildebrandt leitet den Bereich Kommunikation Gesellschaftspolitik bei der Arcandor AG.
Frau Hildebrandt, im Juli 2007 wurde der KarstadtQuelle-Konzern in Arcandor AG umfirmiert. Warum?
Dahinter stehen die Neuausrichtung auf internationale Geschäftsfelder und zugleich eine Gewichtung auf den Tourismus. Der Name ist ausschließlich für die Konzernholding und die Finanzkommunikation von Bedeutung ‑ die Traditionsmarken Karstadt, Primondo mit Quelle und den Spezialversandmarken sowie Thomas Cook bleiben erhalten.
ARCANDOR AG – Mehr Werte schaffen
Mehr Werte schaffen
Mit ökologischen und sozialen Standards schaffen Unternehmen
echten Mehrwert – ein Gespräch mit Alexandra Hildebrandt.
Von Ann-Christin Weber
Bio ist in. Längst erstreckt sich der Bioboom nicht mehr nur auf Lebens-
mittel oder Kosmetika. Verstärkt achten Konsumenten auch bei Klei-
dung und Textilien auf ökologische und soziale Kriterien. Vor wenigen
Jahren noch galten Nachhaltigkeit und Mode als Widerspruch, heute
ist „green chic“ in – sowohl auf den Laufstegen als auch in den Läden.
Damit wächst die Bedeutung von Corporate Social Responsibility (CSR).
Denn in moralisierten Märkten wird die Gewähr ökologischer und
sozialer Standards zu einem echten Mehrwert für den Kunden. In der
Zukunft wird der grüne Lebensstil die Konsummärkte dominieren.
Alexandra Hildebrandt leitet den Bereich Kommunikation Gesellschaftspo-
litik bei der Arcandor AG.
Frau Hildebrandt, im Juli 2007 wurde der KarstadtQuelle-Konzern in Arcandor AG
umfirmiert. Warum?
Dahinter stehen die Neuausrichtung auf internationale Geschäftsfelder und
zugleich eine Gewichtung auf den Tourismus. Der Name ist ausschließlich
für die Konzernholding und die Finanzkommunikation von Bedeutung – die
Traditionsmarken Karstadt, Primondo mit Quelle und den Spezialversand-
marken sowie Thomas Cook bleiben erhalten.
Was bedeutet Arcandor?
„Arc“ bedeutet in verschiedenen Sprachen „Bogen“. Die Arcandor
AG als Dachgesellschaft spannt also einen Bogen über die operativen
Gesellschaften. Das aus dem Lateinischen abgeleitete „candor“
unterstreicht den Anspruch, Mehrwert zu schaffen. Unter anderem
bedeutet es „glänzend“; in der Silbe „dor“ ist das französische
„Gold“ enthalten. Dieses Sinnbild für Wertsteigerung ist auch im
Claim der Arcandor AG enthalten: „Committed to creating value“ –
„verpflichtet, Werte zu schaffen“. Der Leitsatz soll auch die Ver-
pflichtung des Managements und der Mitarbeiter gegenüber den
Kunden ausdrücken: Qualität und bestmöglichen Service.
© Arcandor AG, Foto: Annett Bourquin
Welche Bedeutung hat diese Entwicklung für den von Ihnen verant-
worteten Bereich Kommunikation Gesellschaftspolitik?
Der Bereich Nachhaltigkeit, der hier für alle Gesellschaften gebün-
delt und unter einem Dach kommuniziert wird, erhält mit der
Umfirmierung eine enorme Aufwertung und wird nunmehr auch
außen ganz anders wahrgenommen – so ist er im Arcandor-Internet
neben dem Bereich Investor Relations zu finden. Denn wer über
Werte spricht, sollte auch die Logik der Ökonomie nicht aus dem
Auge verlieren. Es reicht nicht, in einem Unternehmen aus dem
Geldsäckel schöpfen und verteilen zu wollen – denn der Säckel
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ARCANDOR AG – Mehr Werte schaffen
füllt sich nicht von selbst. Erst der ökonomische Erfolg garantiert die Frei-
heit, ethisch nachhaltig zu handeln.
Was gehört zu Ihren Aufgaben im Konzern?
Sie sind so vielfältig wie das Leben selbst. Die Nachhaltigkeitskommunika-
tion umfasst die Erstellung des Nachhaltigkeitsberichts, der bei uns alle
zwei Jahre erscheint, die Zusammenarbeit mit den Medien, aber auch den
Austausch mit NGOs wie zum Beispiel mit der Clean Clothes Campaign,
Misereor oder terre des hommes. Zudem nehmen wir Unternehmensmit-
gliedschaften wahr und wirken an den von der Gesellschaft für Technische
Zusammenarbeit (GTZ) organisierten internationalen runden Tischen mit.
Hier treffen sich Regierungs- und Unternehmensvertreter sowie NGOs. Nach-
haltig im besten Sinne sind aber auch unsere Kooperationen mit der Univer-
sität Mannheim, mit dem Institut für Corporate Governance an der Univer-
sität Witten/Herdecke und mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen.
Hier werden wir gemeinsam mit dem Designcenter Norintra in Hongkong
wissenschaftliche Beiträge zum Thema Diversity und Fair Fashion erarbeiten.
Diversity ist übrigens im Bereich Kommunikation Gesellschaftspolitik ein
genauso wichtiges Thema wie Corporate Social Responsibility.
Welche Voraussetzungen muss ein CSR-Manager mitbringen?
Derzeit wird in den Medien sehr viel über das Berufsbild des CSR-Managers
gesprochen – ich bin mir nicht sicher, ob es das überhaupt gibt. Jeder, der
mit CSR beruflich zu tun hat, ist in diesen Bereich – meistens als Querein-
steiger – hineingewachsen. Und das ist auch gut so, denn sonst sind wir bei
vorgefertigten und austauschbaren Persönlichkeitsprofilen und Berufsbil-
dern, wie sie sich Woche für Woche in Karrieremagazinen finden. Abzieh-
bilder sind für einen solchen Job aber völlig ungeeignet. Weil es darauf an-
kommt, ein eigenes Profil zu hinterlassen und die Privatperson nicht von der
im Unternehmen zu trennen. Denn CSR-Verantwortlicher zu sein ist kein
Beruf, sondern Berufung.
Wie sollte ein CSR-Verantwortlicher sein?
Ein „A-Player“ im Sinne von Jack Welch. Als er noch General Electric vor-
stand, war Initiative in diesem Konzern etwas, das alle gleichermaßen erfass-
te – sie wirkte sich nachhaltig auf das Unternehmen aus. Dazu bedurfte es
absoluter Konzentration, immerwährender Offenheit für neue Ideen und
Leidenschaft für das, was man tat. Menschen, die das verinnerlichten, nann-
te er A-Player. Sie waren nicht nur in der Lage, sich selbst, sondern auch alle
Menschen zu motivieren, die mit ihnen in Kontakt kamen. Produktivität
und Spaß an der Arbeit bildeten für sie eine Einheit. Das heißt: Gute Leute
warten nicht, bis ihnen jemand sagt, was sie zu machen haben, sie bringen
sich proaktiv ins Unternehmen ein und schaffen sich selbst genau die Stelle,
die für die Durchsetzung ihrer Sache notwendig ist – über alle Widerstände
hinweg. Sie fragen nicht nach Stellenbeschreibungen, sondern sehen es als
Herausforderung und Glücksfall an, ein unbearbeitetes Feld bewirtschaften
zu können.
Was heißt es, zu etwas berufen zu sein?
Wenn man das, was man tut, gerne tut und seine Tätigkeit nicht als Arbeit
empfindet. Berufen ist, wer seine Hobbys mit in den Beruf nimmt. Für
Joseph Schumpeter ist der „berufene“ Unternehmer jemand, der es schafft,
neue Kombinationen zu entdecken. Er geht Wege, die vor ihm noch nie-
mand gegangen ist. Das unterscheidet den kreativen Unternehmer vom
Manager, der nur darauf achtet, dass alles seinen vorgeschriebenen Weg
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geht. Schon der englische Begriff „to manage“ heißt so viel wie „an
der Hand führen“. Insofern spreche ich auch nicht gern von einem
CSR-Manager. CSR-Verantwortliche sind eher Unternehmer, be-
ziehungsweise sollten es sein.
Welche Bedeutung hat glaubwürdige Kommunikation im CSR-Bereich?
Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut überhaupt. Es reicht nicht, sich
nur um die Durchsetzung der Sozialstandards in den Produktions-
und Lieferländern zu kümmern, ein Unternehmen muss auch dafür
Sorge tragen, dass die Aktivitäten glaubwürdig kommuniziert wer-
den. Was kommuniziert wird, ist wichtig – wie kommuniziert wird,
ist meiner Meinung nach noch wichtiger. Zu einer nachhaltigen
© Arcandor AG, Foto: Axel Jakob Scherer
Kommunikation gehört es auch, Arbeitsbeziehungen – zuweilen
auch Freundschaften – zu stiften, Netzwerke zu pflegen und Men-
schen zu mögen. Das ist die Voraussetzung überhaupt.
Welche Tugenden sind für Ihre Arbeit notwendig?
Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Neugier und Mut, aber auch Nüch-
ternheit. Fingerspitzengefühl, Begeisterungs- und Kommunika-
tionsfähigkeit. Man sollte sich nicht scheuen, auch einmal Risiken
einzugehen und manchmal auch unkonventionelle Entscheidungen
zu treffen. Und man sollte nie aufhören, sich für Neues zu interes-
sieren.
Sie hatten vorhin schon Norintra erwähnt. Welche Bedeutung hat Norintra?
Norintra ist unser Designcenter in Hongkong. Hier sollen die Eigenmarken
des Unternehmens zu Premiummarken weiterentwickelt werden. Zudem
spielt Norintra auch beim Ausbau des nachhaltigen Produktsortiments eine
wichtige Rolle. Aus Kommunikationssicht steht Norintra für Haltung und
Lifestyle. Das ist kein Gegensatz. Gutes Design und soziales Gewissen lassen
sich nämlich sehr gut miteinander verbinden. Es geht um gelebte Nach-
haltigkeit, die nach unserem Verständnis dafür steht, nur Produkte anzu-
bieten, die beim Herstellungsprozess sowie in der Verwendung festgelegten
Umwelt- und Sozialstandards genügen. Denn dass das gestärkte Bewusstsein
der Kunden für nachhaltige Mode kein kurzlebiger Trend ist, dessen sind sich
alle sicher. Der gegenwärtige Biomarkenboom erstreckt sich längst nicht nur
auf Lebensmittel oder Kosmetika. Verstärkt achten Konsumenten auch bei
Kleidung und Textilien auf ökologische und soziale Kriterien. Noch vor
wenigen Jahren wurden Nachhaltigkeit und Mode als Widerspruch ge-
sehen. Heute ist „green chic“ in – sowohl auf den Laufstegen als auch in
den Läden. Das bestätigt auch die Leiterin unseres Designcenters, Annett
Koeman. Norintra reagiert auf die gestiegenen Anforderungen moralisch
sensibler Kunden. Im Produktsortiment der Karstadt-Warenhäuser, Quelle
und Neckermann wird nachhaltige Mode künftig einen noch größeren
Raum einnehmen.
Welche Bedeutung hat für Sie das Akronym Lohas (Lifestyle of health and
sustainability)?
Lohas steht symbolisch für ein Umdenken in der Gesellschaft. Ziel ist es,
Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein, Genuss, gutes Gewissen, Design, Ethik
und Glamour miteinander zu verbinden. Die Lohas-Diskussion zeigt einmal
mehr, dass das Thema Sustainability vom grünen Nischendasein in die Mitte
der Gesellschaft wandert. Es hat nichts mit den Ökoanhängern der 1970er
und 1980er Jahre zu tun – da passten Luxus und Genuss nicht zusammen.
Übrigens ist mittlerweile mehr als ein Drittel der Bevölkerung in den USA
© changeX Partnerforum [03.08.
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