Beziehungen zu den Kunden sollen gezielt aufgebaut, vertieft und gegen Einflüsse der Konkurrenz abgesichert werden. In der Unternehmenspraxis wird diese Aufgabe i.d.R. als "Customer Relationship Management" (CRM) bezeichnet. Wenn dabei verstärkt auf die Unterstützung moderner Medien (d.h. vor allem des Internet) gesetzt wird, sprechen wir auch vom "electronic Customer Relationship Management" (eCRM). Aussagen wie "Wer künftig auch Erfolg haben will, muss sich mit CRM sofort beschäftigen" oder "Für Unternehmen, die überleben wollen, ist CRM ein absolutes Muss" illustrieren die hohe wahrgenommene Bedeutung des Themas in der Unternehmenspraxis (vgl. Frielitz et al., 2000, S. 100).
In ihrer Anfangsphase war die CRM-Diskussion durch euphorische Berichte und Behauptungen geprägt. So sollen durch die erfolgreiche Implementierung von CRM-Systemen typischerweise zehn Prozent mehr Umsatz pro Vertriebsmitarbeiter, eine um ein Prozent gesteigerte Gewinnmarge, jährlich drei Prozent mehr Kundenzufriedenheit sowie zehn Prozent weniger Verwaltungskosten im Vertriebs- und Marketingbereich ermöglicht werden (vgl. Roche, 2000). Berichte von weniger erfolgreichen CRM-Einführungen relativierten bald die allgemeine Euphorie. Vor dem Hintergrund der Kurzlebigkeit vieler Managementkonzepte (Wer spricht heute z.B. noch von Reengineering?) wurde die Frage laut, ob es sich bei CRM um ein "heißes Thema" oder nur um "heiße Luft" handele (vgl. o.V., 1999).
Bislang ist das Kundenbeziehungsmanagement in der Unternehmenspraxis stark technologiegetrieben, d.h. Geschwindigkeit und Richtung des technologischen Fortschritts bestimmen die Ausgestaltung von CRM-Lösungen. Konzeptionellen Überlegungen wird relativ wenig Aufmerksamkeit geschenkt (vgl. Plakoyiannaki/Tzokas, 2000, S. 11). So sind viele der grundlegenden Fragen offengeblieben, die über den Erfolg oder Misserfolg des elektronischen Kundenbeziehungsmanagements mitentscheiden. Beispielsweise besteht Unklarheit darüber, was das Handlungsobjekt des Customer Relationship Management - die Kundenbeziehung - eigentlich ist. Wie soll aber eine Kundenbeziehung erfolgreich gemanagt werden, wenn keine Klarheit darüber herrscht, was eine Kundenbeziehung ausmacht? Auch ist bei der Realisierung von CRM- und eCRM-Lösungen nicht immer klar, welche Vorteile die Kunden aus engen Geschäftsbeziehungen mit ihren Anbietern ziehen können.
Der vorliegende Beitrag versucht, die Chancen und Grenzen des elektronischen Kundenbeziehungsmanagements aus der Sicht der Marketingwissenschaft auszuloten, indem er diesen grundlegenden Fragen nachgeht. Zunächst wird das Handlungsobjekt des Kundenbeziehungsmanagements näher betrachtet. Sodann werden die Nutzen- und Kostendimensionen einer Geschäftsbeziehung aus der Sicht der Kunden systematisiert. Abschließend wird untersucht, was das elektronische Kundenbeziehungsmanagement von seinem traditionellen Gegenstück unterscheidet und welche Chancen und Grenzen sich aus hieraus für das eCRM ergeben.
(Einleitung übernommen vom Verfasser)
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