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Vorwort Kevin Loney Oracle Database 11g - Die umfassende Referenz Übersetzt von Hans Hajer ISBN: 978-3-446-41864-6 Weitere Informationen oder Bestellungen unter http://www.hanser.de/978-3-446-41864-6 sowie im Buchhandel. © Carl Hanser Verlag, München 1 1 Oracle 11g – Architekturoptionen Die Oracle Datenbank 11g ist ein signifikantes Upgrade zu früheren Versionen. Neue Leis- tungsmerkmale geben Entwicklern, Datenbankadministratoren und Endnutzern bessere Kon- trollmöglichkeiten über das Speichern, Verarbeiten und Abholen der Daten. In diesem Kapitel stellen wir Ihnen die Highlights der Architektur von Oracle 11g vor. Dazu gehören neue Leis- tungsmerkmale wie das SQL-Replay, das Änderungsmanagement und das Ergebnis-Caching, die wir in den nachfolgenden Kapiteln besprechen werden. In diesem Kapitel konzentrieren wir uns auf einen Überblick zu den neuen Leistungsmerkmalen, die Sie in Ihre Oracle-Appli- kationen einbringen können. Im Rahmen einer kurzen Einführung stellen wir Ihnen die Ka- pitel vor, die auf die neuen Features eingehen. Dieses Buch umfasst acht Hauptteile: In Teil I, „Zentrale Datenbankkonzepte“ ab Seite 1, geben wir Ihnen einen Überblick über die Optionen von Oracle 11g und zeigen, wie man die Oracle-Software installiert, eine Datenbank einrichtet oder auf den neuesten Stand bringt. Weiterhin erhalten Sie wichtige Planungsinfor- mationen zur Implementierung Ihrer Applikationen. Diese Kapitel etablieren gleichzeitig ein einheitliches Vokabular, damit Endnutzer und Entwickler an den gleichen Konzepten arbeiten können und der Erfolg aller Entwicklungen sichergestellt ist. Dieses einführende Kapitel und Kapitel 4 sind sowohl für Endnutzer als auch für Entwickler gedacht, während sich die Kapitel 2 und 3 an Datenbankadministratoren wenden. Teil II, „SQL und SQL*Plus“ ab Seite 67, führt in die Theorien und Techniken von relationalen Datenbanksystemen und Applikationen ein, inklusive SQL (Structured Query Language) und SQL*Plus. Dieser Abschnitt setzt beim Leser relativ wenig Kenntnisse in der Datenverarbei- tung voraus, und führt dann schrittweise zu weiterführenden Fragen und komplexen Techni- ken. Alles wird in verständlichem Deutsch und anhand klar strukturierter und interessanter Beispiele vorgestellt. Dieser Abschnitt richtet sich vornehmlich an Entwickler und Endnutzer, die sich entweder neu einarbeiten oder ihre Kenntnisse zu ausgewählten Oracle-Funktionen auffrischen möchten. Wir werden uns schrittweise die grundlegenden Möglichkeiten von SQL und von Oracles interaktivem Abfragewerkzeug, SQL*Plus, ansehen. Am Ende dieses Ab- schnitts werden Sie die wichtigsten SQL-Schlüsselwörter, Funktionen und Operatoren ken- 4 1 Oracle 11g – Architekturoptionen nen. Und in der Datenbank sollten Sie bereits komplexe Abfragen ausführen, Tabellen anlegen und Datensätze abfragen, aktualisieren und löschen können. Teil III, „Beyond the Basics“ ab Seite 373, beschäftigt sich mit weiterführenden Optionen wie den virtuellen privaten Datenbanken, Data Pump, der Replikation und Textindizierung, den externen Tabellen und dem Einsatz der Flashback-Optionen für Datenbankentwickler und -ad- ministratoren. Die Mehrzahl der beschriebenen Leistungsmerkmale werden nicht direkt vom Benutzer verwendet, vielmehr können die vom Endanwender eingesetzten Applikationen mit diesen Features arbeiten. Teil IV, „PL/SQL“ ab Seite 539, bietet eine Übersicht zu den Strukturen von PL/SQL, den Trig- gern, gespeicherten Prozeduren und Packages. Behandelt werden sowohl das Standard-PL/ SQL als auch das native dynamische PL/SQL. Teil V, „Objektrelationale Datenbanken“ ab Seite 643, beschäftigt sich intensiv mit objektori- entierten Leistungsmerkmalen wie abstrakten Datentypen, Methoden, Objekt-Views, Objekt- tabellen, verschachtelten Tabellen, variablen Arrays und großen Objekten. Teil VI, „Java in Oracle“ ab Seite 725, behandelt die Java-Funktionen in der Oracle-Daten- bank. Dieser Abschnitt umfasst sowohl einen Überblick über die Java-Syntax als auch Kapitel zu JDBC und gespeicherten Java-Prozeduren. Teil VII, „Per Anhalter zu Oracle 11g“ ab Seite 767 gibt einen Überblick über den Real Appli- cation Cluster und die verfügbare Grid-Architektur in Oracle 11g. Ergänzt wird dies durch Fall- studien zu den Oracle-Tuningoptionen, zu neuen Features wie dem clientseitigen Cache, einen Überblick zur Datenbankverwaltung und eine Übersicht zum Einsatz von XML in Oracle. Teil VIII, „Alphabetische Referenz“, ist eine Referenz für den Oracle-Server – quasi ein eigen- ständiges Buch. Liest man die Einführungsseiten zu dieser Referenz, lässt sie sich gezielter ein- setzen und wird wesentlich verständlicher. Dieser Abschnitt enthält Referenzen zu den wich- tigsten Oracle-Befehlen, Schlüsselwörtern, Produkten, Leistungsmerkmalen und Funktionen mit zahlreichen Querverweisen auf andere Themen. Um diese Einträge produktiv einzusetzen, sollte man unbedingt die Einführungsseiten lesen. Sie erklären unter anderem, welche Inhalte in diesem Teil dokumentiert sind und wie man die Einträge liest. Im Internet können Sie sich unter http://downloads.hanser.de alle für dieses Buch benutzten Tabellen herunterladen. Die Datei mit den Tabellen enthält auch die Anweisungen für das An- legen der Tabellen und das Einfügen aller Zeilen für die gezeigten Beispiele. Jeder, der sich mit Oracle vertraut machen möchte, kann mit der eigenen Oracle-ID oder einer Übungs-ID leicht auf diese Tabellen zugreifen, und die vorgestellten Beispiele nach Belieben erweitern. 1.1 Datenbanken und Instanzen Eine Oracle-Datenbank ist eine Datensammlung in einer oder mehreren Dateien. Die Daten- bank enthält physische und logische Strukturen. Im Verlauf der Entwicklung einer Oracle-Ap- plikation legen Sie Strukturen wie Tabellen und Indizes an, um Daten zu speichern und deren Abholung zu beschleunigen. Sie können für Objektnamen Synonyme anlegen, Objekte in un- terschiedlichen Datenbanken ansehen (mithilfe von Datenbank-Links) und den Zugriff auf die Objekte beschränken. Über externe Tabellen können Sie sogar auf Dateien außerhalb der 1.2 Interne Strukturen 5 Datenbank zugreifen, als ob die Zeilen der Dateien in der Datenbank lägen. In diesem Buch erfahren Sie, wie man diese Objekte anlegt und auf ihrer Basis Applikationen entwickelt. Eine Oracle-Instanz umfasst einen Speicherbereich namens System Global Area (SGA) und Hintergrundprozesse, die mit der SGA und den Datenbankdateien auf den Laufwerken inter- agieren. In einem Oracle Real Application Cluster (RAC) nutzen mehrere Instanzen die glei- che Datenbank (siehe Kapitel 50). Diese Instanzen liegen üblicherweise auf separaten Servern, die über High-Speed-Verbindungen verbunden sind. 1.2 Interne Strukturen Die Basisstruktur einer Oracle-Datenbank ist eine Tabelle. Oracle 11g unterstützt viele Tabel- lentypen: ■ Relationale Tabellen Mithilfe der Oracle-Datentypen (siehe „Datentypen“ in der Alpha- betischen Referenz) lassen sich Tabellen anlegen. In diesen Tabellen werden Zeilen gespei- chert, die von Ihren Applikationen manipuliert wurden. Tabellen besitzen Spaltendefinitionen – ändern sich die Anforderungen der Applikation, lassen sich ent- sprechend Spalten hinzufügen oder löschen. Tabellen richtet man mit dem create table- Befehl ein. ■ Objektrelationale Tabellen Will man Leistungsmerkmale wie die Typenvererbung nut- zen, bieten sich die objektrelationalen Features von Oracle an. Damit können Sie eigene Datentypen definieren und sie als Basis für Spaltendefinitionen, Objekttabellen, ver- schachtelte Tabellen, variable Arrays und andere Dinge nutzen. Mehr dazu in Teil V. ■ Indexorganisierte Tabellen In Oracle lassen sich Tabellen anlegen, die ihre Daten inner- halb einer Indexstruktur ablegen, was das Sortieren der Daten innerhalb der Tabelle er- möglicht. Mehr dazu in Kapitel 17. ■ Externe Tabellen Daten in normalen Dateien lassen sich als Tabelle behandeln, die ein Benutzer direkt abfragen und innerhalb einer Abfrage mit anderen Tabellen verknüpfen kann. Über externe Tabellen kann man auf große Datenmengen zugreifen, ohne diese in die Datenbank zu laden. Siehe dazu Kapitel 28. Beachten Sie, dass Oracle auch BFILE-Da- tentypen unterstützt, einen Zeiger auf eine externe Binärdatei. Vor dem Anlegen einer BFILE- oder externen Tabelle ist in Oracle mithilfe des create directory-Befehls ein Ver- zeichnis-Alias anzulegen, der auf den physischen Standort der Datei zeigt. Mehr zu den BFILEs und andere große Objektdatentypen siehe Kapitel 40. ■ Partitionierte Tabellen Tabellen lassen sich auf mehrere Partitionen verteilen. Damit kann man die einzelnen Tabellenteile separat verwalten: neue Partitionen zu einer Tabelle hinzufügen, bestehende Partitionen splitten oder eine Partition unabhängig von den an- deren Tabellenpartitionen verwalten. Das Partitionieren kann Verwaltungsaufgaben und Benutzerabfragen beschleunigen. Tabellen lassen sich über Wertebereiche, Hashes auf Spaltenwerte oder mit Kombinationen dieser Optionen partitionieren (siehe Kapitel 18).
files_hanser_de_hanser_docs_20090722_2972292715_139_978_3_446_41864_6_inhaltsverzeichnis_pdfInhaltsverzeichnis Kevin Loney Oracle Database 11g - Die umfassende Referenz Übersetzt von Hans Hajer ISBN: 978-3-446-41864-6 Weitere Informationen oder Bestellungen unter http://www.hanser.de/978-3-446-41864-6 sowie im Buchhandel. © Carl Hanser Verlag, München Inhaltsverzeichnis Teil I Zentrale Datenbankkonzepte ................................................. 1 1 Oracle 11g – Architekturoptionen.................................................. 3 1.1 Datenbanken und Instanzen.................................................................................4 1.2 Interne Strukturen.................................................................................................5 1.2.1 Daten speichern .....................................................................................7 1.2.2 Datensicherheit......................................................................................8 1.2.3 Programmtechnische Strukturen .........................................................8 1.3 Auswahl von Architekturen und Optionen .......................................................10 2 Installieren von Oracle 11g und Anlegen einer Datenbank ....... 11 2.1 Lizenzierung und Installationsoptionen im Überblick .....................................12 2.1.1 Installieren der Oracle-Software mit dem OUI .................................13 3 Upgrade auf Oracle 11g ............................................................... 21 3.1 Auswahl einer Upgrade-Methode ......................................................................22 3.2 Vor dem Upgrade................................................................................................23 3.3 Ausführen des Pre-Upgrade Information Tool .................................................24 3.4 Der Database Upgrade Assistant ........................................................................25 3.5 Manuelles, direktes Upgrade ..............................................................................26 3.6 Der Einsatz von Export und Import ..................................................................27 3.6.1 Einsetzbare Export- und Import-Versionen ......................................27 3.6.2 Ausführen des Upgrade.......................................................................27 3.7 Die Datenkopier-Methode..................................................................................28 3.8 Nach dem Upgrade .............................................................................................29 VI Inhaltsverzeichnis 4 Oracle-Applikationen planen – Konzepte, Risiken und Standards ................................................ 31 4.1 Das kooperative Konzept ....................................................................................32 4.2 Jeder besitzt „Daten“ ...........................................................................................33 4.3 Die Sprache von Oracle.......................................................................................35 4.3.1 Die Informationstabellen ....................................................................35 4.3.2 Strukturierte Abfragesprache..............................................................36 4.3.3 Eine einfache Oracle-Abfrage .............................................................36 4.3.4 Warum heißt sie „relational“?.............................................................38 4.4 Praxisbezogene Beispiele.....................................................................................39 4.5 Wo liegen die Risiken? ........................................................................................41 4.6 Der Stellenwert der neuen Vision.......................................................................42 4.6.1 Umgebungen ändern sich ...................................................................42 4.6.2 Codes, Abkürzungen und Benennungsstandards..............................43 4.6.3 Warum Codes statt Sprache? ..............................................................43 4.6.4 Die Vorteile des Benutzer-Feedbacks .................................................44 4.7 Schritte in die richtige Richtung.........................................................................45 4.7.1 Die Normalisierung .............................................................................45 4.7.2 Selbsterklärende Namen für Tabellen und Spalten ...........................50 4.7.3 Selbsterklärende Namen für die Daten ..............................................52 4.8 Groß- und Kleinschreibung bei Namen und Daten..........................................52 4.9 Namen normalisieren .........................................................................................53 4.10 Gutes Design hat eine menschliche Seite ...........................................................53 4.10.1 Die Aufgaben der Anwendung verstehen...........................................54 4.10.2 Skizzieren von Aufgaben .....................................................................56 4.11 Die Daten .............................................................................................................58 4.11.1 Die atomischen Datenmodelle............................................................59 4.11.2 Das atomische Geschäftsmodell .........................................................60 4.11.3 Das Unternehmensmodell ..................................................................60 4.11.4 Dateneingabe .......................................................................................60 4.11.5 Abfragen und Reports .........................................................................61 4.12 Das Normalisieren von Objektnamen ...............................................................62 4.12.1 Die ebenenbezogene Namensintegrität..............................................62 4.12.2 Fremdschlüssel.....................................................................................63 4.12.3 Singularität...........................................................................................63 4.12.4 In der Kürze ... .....................................................................................64 4.12.5 Ein Thesaurus für Objektnamen ........................................................64 4.13 Intelligente Schlüssel- und Spaltenwerte ...........................................................65 4.14 Die Empfehlungen...............................................................................................66 Teil II SQL und SQL*Plus ................................................................. 67 5 Grundlegende Sprachelemente von SQL..................................... 69 5.1 Die Formate .........................................................................................................71 5.2 Anlegen der NEWSPAPER-Tabelle....................................................................72 Inhaltsverzeichnis VII 5.3 Mit SQL Daten aus Tabellen selektieren ............................................................72 5.4 select, from, where und order by........................................................................76 5.5 Logik und Wert ...................................................................................................78 5.5.1 Test von Einzelwerten .........................................................................78 5.5.2 LIKE......................................................................................................81 5.5.3 Einfache Tests auf Wertelisten ............................................................84 5.5.4 Logiken kombinieren ..........................................................................86 5.6 Ein weiteres Einsatzgebiet für where: Unterabfragen........................................87 5.6.1 Einzelwerte aus einer Unterabfrage ....................................................88 5.6.2 Wertelisten aus einer Unterabfrage ....................................................89 5.7 Tabellen kombinieren .........................................................................................91 5.8 Eine View anlegen ...............................................................................................93 5.9 Die View erweitern ..............................................................................................95 6 Grundlegende SQL*Plus-Reports und -Befehle............................ 97 6.
files_hanser_de_hanser_docs_20090722_2972294551_90_978_3_446_41864_6_leseprobe_pdfLeseprobe Kevin Loney Oracle Database 11g - Die umfassende Referenz Übersetzt von Hans Hajer ISBN: 978-3-446-41864-6 Weitere Informationen oder Bestellungen unter http://www.hanser.de/978-3-446-41864-6 sowie im Buchhandel. © Carl Hanser Verlag, München 4 4 Oracle-Applikationen planen – Konzepte, Risiken und Standards Um eine Oracle-Applikation zu erstellen, die sich schnell und effektiv einsetzen lässt, müssen Benutzer und Entwickler dieselbe Sprache sprechen, und sowohl die Geschäftsanwendungen als auch die Oracle-Tools kennen. In den letzen Kapiteln stellten wir Ihnen die Oracle-Pro- dukte und die dazugehörigen Installations-/Upgrade-Schritte vor. Nachdem die Software in- stalliert ist, können Sie Anwendungen entwickeln, in die die gemeinsamen Erfahrungen von Anwendern und Programmierern einfließen. Früher studierten die Systemanalytiker die Anforderungen und konzipierten die Applikation entsprechend, um die gestellten Aufgaben zu erfüllen. Der Benutzer wurde nur bei der Be- schreibung der Geschäftsvorgänge eingebunden, und durfte später vielleicht noch bei der Prü- fung der Funktionalitäten mitwirken. Mit den neuen Konzepten und Werkzeugen lassen sich, insbesondere mit Oracle, die Applika- tionen so programmieren, dass sie den Anforderungen und Arbeitsgewohnheiten der Anwen- der sehr viel besser gerecht werden – allerdings nur, wenn die Beteiligten über dieselben Grundlagen verfügen. Erklärtes Ziel dieses Buchs ist, genau dieses Wissen aufzubauen, und sowohl Entwicklern als auch Anwendern alles dazu Notwendige zur Verfügung zu stellen. Denn nur so kann man die volle Leistungsfähigkeit von Oracle nutzen. Der Endanwender kennt Einzelheiten über Ge- schäftsabläufe, die der Entwickler nicht versteht. Der Entwickler kennt andererseits die inter- nen Funktionen und Leistungsmerkmale von Oracle und der DV-Umgebung, die für den En- danwender zu technisch oder zu komplex sind. Aber dieses spezielle Wissen kann vernachlässigt werden, wenn man die Möglichkeiten betrachtet, die Endanwender und Ent- wickler beim Einsatz von Oracle erzielen können. Es ist kein Geheimnis, dass zwischen Anwendern und Systemleuten über Jahrzehnte hinweg ein gespanntes Verhältnis bestand. Die Gründe dafür resultierten aus der Unterschiedlichkeit von Kenntnisstand, Kultur, Berufsinteressen und Zielen, und aus einer „Entfremdung“, die oftmals einfach das Ergebnis der räumlichen Trennung zwischen Gruppen ist. Fairerweise 32 4 Oracle-Applikationen planen – Konzepte, Risiken und Standards muss man allerdings anmerken, dass dieses Phänomen keine spezielle Eigenheit des IT-Be- reichs ist. Dasselbe kann man in jeder Abteilung beobachten, nachdem Gruppen aufgeteilt und in unterschiedlichen Stockwerken, Gebäuden oder Städten untergebracht wurden. In sol- chen Fällen nehmen die Beziehungen zwischen den Mitgliedern der verschiedenen Gruppen sehr formale Züge an. Künstliche Barrieren und Abläufe, die eine Folge der Isolierung sind, schleifen sich ein und fördern diese Entwicklung. Soweit, so gut, könnte man einwenden, das mag für Soziologen interessant sein – aber was hat das eigentlich mit Oracle zu tun? Da Oracle nicht mit Fachbegriffen agiert, die nur für Systemexperten verständlich sind, verändert Oracle auch von Grund auf die Beziehungen zwischen Anwendern und Experten. Jeder kann das Produkt verstehen. Jeder kann es anwenden. Informationen, die zuvor solange im Computer versteckt waren, bis irgendjemand einen neuen Report schrieb und sie freigab, sind nun für den Anwender sofort verfügbar – das Eingeben einer einfachen Abfrage genügt. Und das än- dert die Spielregeln. Überall wo Oracle eingesetzt wird, hat sich das Verhältnis zwischen den oben angesprochenen Gruppen entscheidend verbessert. Man lernte einander besser kennen, was zu einer Normali- sierung der Beziehungen beitrug und zu besseren Anwendungen führte. Seit der ersten Version stützt sich Oracle auf das leicht verständliche relationale Modell, sodass auch Nicht-Programmierer ohne Weiteres verstehen können, was Oracle macht und wie es passiert. Das macht den Umgang mit diesem Programm einfach und unspektakulär. Manche haben das noch nicht verstanden, akzeptiert oder machen sich nicht klar, wie wichtig es ist, dass die überkommenen und künstlichen Schranken zwischen „Anwendern“ und „Sys- temen“ weiter abgebaut werden. Doch die kooperative Entwicklung wird Anwendungen und ihre Nützlichkeit tief greifend beeinflussen. Allerdings sind viele Entwickler bei Oracle offensichtlich in eine Falle gelaufen: Sie setzten bei ihren Systementwürfen weiterhin auf wenig hilfreiche Methoden aus der Vergangenheit. Hier muss erst viel „verlernt“ werden. Zahlreiche Techniken (und Einschränkungen), die bei älteren Systemgenerationen unverzichtbar waren, sind bei Entwürfen mit Oracle nicht nur unnötig, sondern eindeutig kontraproduktiv. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, müssen alte Gewohn- heiten und Konzepte aufgegeben werden. Stattdessen stehen erfrischend neue Möglichkeiten zur Verfügung. In diesem Buch versuchen wir, Oracle möglichst einfach zu erklären und Begriffe zu verwen- den, die sowohl Anwender als auch Entwickler verstehen. Veraltete oder unpassende Design- und Managementtechniken werden kurz erläutert und durch neue Ansätze ersetzt. 4.1 Das kooperative Konzept Oracle ist eine objektrelationale Datenbank. Eine relationale Datenbank bietet einen extrem einfachen Weg, über Daten und deren Verwaltung in einem Unternehmen nachzudenken. Es handelt sich im Prinzip um nichts anderes als eine Ansammlung von Tabellen. Wir haben es jeden Tag mit Tabellen zu tun: Wetterberichte, Aktienkurse, Sportergebnisse. Das alles sind Tabellen, die mit einer Tabellenüberschrift und den dazugehörigen Informationsspalten ganz einfach dargestellt werden. Dennoch kann der relationale Ansatz sehr ausgefeilt und leistungs- 4.2 Jeder besitzt „Daten“ 33 fähig genug sein, um in einem Unternehmen selbst die komplexesten Dinge abzubilden. Eine objektrelationale Datenbank unterstützt alle Leistungsmerkmale einer relationalen Daten- bank, und gleichzeitig die objektorientierten Konzepte und Funktionen. So können Sie Oracle entweder als relationales Datenbank-Managementsystem (RDBMS) einsetzen oder die Vor- teile der objektorientierten Leistungsmerkmale nutzen. Leider verstehen genau diejenigen, die von den Vorteilen einer relationalen Datenbank am meisten profitieren könnten – also die Geschäftsleute – dieses Konzept am wenigsten. Die Ent- wickler haben oftmals Schwierigkeiten, die relationalen Konzepte mit einfachen Worten zu er- klären. Damit dieser kooperative Ansatz tatsächlich funktioniert, benötigt man eine gemein- same Sprache. Die beiden ersten Teile dieses Buchs erklären mit einfachen Begriffen, was eine relationale Da- tenbank ist und wie man sie in einem Unternehmen effektiv einsetzt. Es könnte der Eindruck entstehen, dass diese Diskussion nur dem „Anwender“ zugutekommt. Und ein erfahrener Entwickler könnte dazu neigen, diese Kapitel zu überspringen und das Buch in erster Linie als Oracle-Referenz zu nutzen. Obwohl ein Großteil dieses Materials wie eine Aufarbeitung der Grundlagen wirkt, bietet es jedem Anwendungsentwickler die Möglichkeit, sich eine klare, konsistente und arbeitsfähige Terminologie zu erarbeiten. Mithilfe dieser Terminologie kann man mit den Anwendern die Anforderungen erörtern und klären, wie sich diese Anforderun- gen schnell umsetzen lassen. Zudem kann die Diskussion dazu beitragen, dass Ihnen als Ent- wickler einige unsinnige, und vielleicht unbewusste Designgewohnheiten vor Augen geführt werden. Es ist wichtig sich deutlich zu machen, dass selbst die Leistungsfähigkeit von Oracle durch Designmethoden, die man nur im Bereich der nicht-relationalen Datenbanken einsetzt, beträchtlich sinken kann. Wenn Sie ein Endanwender sind, hilft Ihnen das Verständnis der grundlegenden Konzepte für objektrelationale Datenbanken bei der Formulierung Ihrer Bedürfnisse gegenüber den Ent- wicklern, und zu begreifen, wie man diesen Anforderungen gerecht werden kann. Jeder kann so in kurzer Zeit vom Anfänger zum Experten werden. Mit Oracle haben Sie die Möglichkeit, Informationen zu gewinnen und einzusetzen, Sie haben die direkte Kontrolle über Reports und Daten, und wissen ganz genau, was die Applikation macht und wie sie funktioniert. Zudem entlasten Sie die Programmierer von ihrer unangenehmsten Aufgabe: dem Schreiben neuer Reports. Da Sie diese Aufgabe jetzt selbst in einigen Minuten erledigen können, werden Sie an der neuen Verantwortung Ihre Freude haben. 4.2 Jeder besitzt „Daten“ Eine Bibliothek führt Listen über ihre Mitglieder, Bücher und Gebühren. Der Besitzer einer Fußballkartensammlung behält die Namen der Spieler, deren Daten und den Wert der Karten im Auge. In jedem Unternehmen müssen bestimmte Informationen über Kunden, Produkte, Finanzstatus usw. gespeichert werden. Diese bruchstückhaften Informationen nennt man „Daten“.















