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E-Interview mit Dr. Hermann Lossau zum Thema New Economy in NRW

 
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Herausgebende Organisation
k. A.
Beschreibung
E-Interview

Titel des Interviews: New Economy in NRW

Name: Dr. Lossau

Vorname: Hermann

Organisation / Unternehmen: Staatskanzlei der Landesregierung NRW

Kurzeinführung in das Titelthema:

Standort und regionale Förderung spielen eine wesentlich Rolle als Erfolgsfaktor von New-Economy-Unternehmen. Gerade das Innovationsland NRW möchte im Rahmen des seit Jahren stattfindenden Strukturwandels High-Tech zwischen Rhein und Weser umfassend fördern. Maßnahmen wie Media NRW sind nur ein Beispiel für das Engagement der Landesregierung in dieser Richtung.

In diesem Interview beschreibt Herr Dr. Lossau von der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, wodurch sich NRW als Standort in diesem Bereich auszeichnet und welche Maßnahmen die Landesregierung zur Unterstützung von New-Economy-Unternehmen bereitstellt.


Sehr geehrter Herr Dr. Lossau,

Competence Site:
Wie sehen Sie NRW im Vergleich zu Bayern, Berlin und Hamburg als Standort für New-Economy-Unternehmen positioniert? Welche Faktoren sprechen für NRW und für welche Unternehmen ist NRW besonders attraktiv? Welche Besonderheiten kennzeichnen nach Ihrer Einschätzung jeweils die wichtigsten New-Economy-Hochburgen in NRW?

Dr. Lossau:
Wenn ich den Begriff "New-Economy" ersetzen darf durch den umfassenderen Begriff "Internetwirtschaft", so ist NRW heute bereits eine der führenden Regionen der Internetwirtschaft in Deutschland. Unser Ziel ist klar definiert. NRW soll die leading location der europäischen Internetwirtschaft werden.

Harte Fakten, d.h. die Größe des Wirtschaftsraums mit einer ausgezeichneten industriellen Basis und 18 Mio. Mitbürgern, die innovativen Potentiale, die engmaschige Infrastruktur, die zentrale Lage zu europäischen Geschäftspartnern sowie die gute Qualifizierung werden entscheidend zur Zielerreichung beitragen.

NRW ist in Sachen Internetwirtschaft eine Superregion. Großstädte wie Hamburg oder Berlin machen noch keine Internetregion aus und in Bayern konzentriert sich alles auf den Solitärstandort München. 19 der europäischen Top 100, 450 japanische Unternehmen sowie zahlreiche Unternehmen aus den USA sind in NRW ansässig. Entlang einer Achse, die von den Großräumen Köln, Düsseldorf und Dortmund gebildet wird, finden sich, neben 45 der 100 größten deutschen Unternehmen, zahlreiche vor allem kleine und mittelständische Unternehmen der T.I.M.E-Wirtschaft. Entscheidend aber ist das Mannschaftsspiel: die Konvergenz der verschiedenen Branchen.

Köln ist dabei unbestritten Deutschlands Medienstandort Nummer Eins. Jeder zehnte Beschäftigte in diesem Ballungsraum arbeitet in einem der über 6.000 Unternehmen der Medienbranche. Düsseldorf ist das Epizentrum des Telekommunikationsmarktes und deutsches Werbemekka. Allein im Sog von Vodafone und E-Plus wurden 3.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. 6% aller am Standort Beschäftigten sind in der Medien- und Kommunikationsbranche tätig. Und Dortmund ist ein Paradebeispiel für den Strukturwandel weg von Kohle und Stahl, hin zu einer innovativen IT- und Dienstleistungsinfrastruktur. 15.000 Beschäftigte in 900 IT- und Medienunternehmen sowie mehr als 3.000 Beschäftigte in 27 Call-Centern belegen dies eindrucksvoll.

Wenn Sie mich also fragen, für welche Unternehmen ein Engagement in NRW besonders lohnenswert ist, so bin ich in der glücklichen Lage, sagen zu können, dass NRW hier die komplette Klaviatur der T.I.M.E-Märkte bedienen kann.


Competence Site:
Durch welche Rahmenbedingungen und Fördermaßnahmen unterstützt die Landesregierung in NRW New-Economy- Unternehmen? Was müssen New-Economy-Unternehmen tun, um jeweils von diesen Maßnahmen profitieren zu können? Wer sind die Ansprechpartner bei den wichtigsten Programmen? Wie werden schnelle und unbürokratische Hilfen sichergestellt? Mit welchen Erfolgswahrscheinlichkeiten und Zeiträumen müssen Unternehmen rechnen, die von diesen Maßnahmen profitieren möchten?

Dr. Lossau:
Nordrhein-Westfalen verfügt über interessante Förderhilfen. Zuschußprogramme umfassen vor allem den Bereich der Technologieförderung sowie Maßnahmen, um die Potentiale in bestimmten Regionen zu erschließen. Allein das Ziel 2-Programm, mit dem die EU gemeinsam mit dem Land NRW die Entwicklung im Ruhrgebiet sowie in weiteren vom Strukturwandel besonders betroffenen Regionen des Landes fördert, umfaßt bis 2006 ca. 4 Mrd. DM. Davon zielt eine halbe Mrd. auf die Finanzierung von Unternehmen und Gründungen, rd. 3 Mrd. dienen dem Ausbau von Innovation und entsprechender Infrastruktur. Mit weiteren Finanzierungshilfen unterstützen wir Gründung und Wachstum unserer Unternehmen. Allein die Gründungs- und Wachstumsfinanzierung NRW half 1999 im Rahmen von Darlehensprogrammen mit ca. 2 Mrd DM mit einem Effekt von 14.000 Arbeitsplätzen. Mit dem Instrument der Eigenkapitalhilfe konnten im selben Jahr 2000 junge Unternehmen bei ihrem weiteren Wachstum wirksam unterstützt werden.

Die Hilfe ist in der Regel schnell verfügbar. Zu diesem Zweck hat das Land seine Finanzierungsprogramme vor einigen Jahren stark vereinfacht und großenteils mit der Deutschen Ausgleichsbank gebündelt. 14 Tage sind bei Fremdfinanzierungen realistisch. Zudem sind zahlreiche Player und Netzwerke zur Unterstützung unserer Unternehmen in NRW aktiv. Dazu gehören Einrichtungen wie z.B. die Investitionsbank NRW, eine Vielzahl von Netzwerken vor Ort wie z.B. Business Angel Netzwerke, Vereine als Plattform für den gegenseitigen Austausch.

Ein wesentliches Instrument der Landesregierung zur Entwicklung der Internetwirtschaft in NRW ist die Landesinitiative media NRW. Bereits seit 1995 verfügt das Land mit media NRW über ein Instrument, das die Aktivitäten für die Internetwirtschaft ganzheitlich koordiniert, innovative Ideen in die Tat umsetzen hilft, Maßnahmen initiiert und Menschen mit gleichen Interessen zusammenführt. Unter diesem Dach lancierte Nordrhein-Westfalen im Sommer 2000 als erstes deutsches Bundesland den viel beachteten Masterplan für die Entwicklung der Internetwirtschaft. Mit der e-NRW-Agenda 2001 knüpft die Landesinitiative nun an den Kernelementen des Masterplans an und überführt diesen in ein konkretes Arbeitsprogramm für das Jahr 2001. Sie richtet sich an alle Entscheider der Internetwirtschaft, an Unternehmer, insbesondere kleine und mittelständische, die die Potentiale des Internet für ihr Geschäft nutzen möchten sowie an Gründer- und internationale Unternehmen, die Ihr Business in NRW aufbauen wollen.

Das Angebot media NRWs reicht bis zur ganz konkreten Hilfe in unternehmerischen oder Finanzierungsfragen. Hierzu wurde eine spezielle Fachberatung eingerichtet, wodurch wir seit einem Jahr einige hundert Unternehmen unterstützen konnten. Unternehmen, die konkrete Hilfe benötigen oder einfach nur eine erste Orientierung suchen, wenden sich am besten direkt an die Landesinitiative media NRW (www.media.nrw.de).


Competence Site:
Welche weiteren Partner innerhalb und außerhalb NRW unterstützen neben der Landesregierung die Ansiedlung und Förderung von Unternehmen der New Economy? Welche Ratschläge würden Sie Unternehmen der New Economy zum Start in NRW geben?

Dr. Lossau:
Sieht man einmal, wie bereits ausgeführt, von der unmittelbar finanziellen Förderung ab, so können Unternehmen in NRW auf ein enges Netzwerk an Support- und Serviceeinrichtungen zurückgreifen, die den Einstieg in die "neue Wirtschaft" erleichtern. Dies fängt bereits bei der Qualifizierung der Mitarbeiter an. Hier bieten bspw. die eBusiness Academy der Thyssen Krupp Education und Training, die SQUIT-Akademie (Spezialisten Qualifizierung innovative Technologien) oder die Medienakademie Köln die besten Startvoraussetzungen.

Konkrete Unterstützung bei der Planung des Übergangs eines Unternehmens in die neue Wirtschaft bieten in Dortmund, Aachen und Bonn, in Kooperation mit den Industrie- und Handelskammern und gefördert durch das BMWI, die Kompetenzzentren "Elektronischer Geschäftsverkehr".

Was für bereits etablierte Unternehmen gültig ist, gilt in besonderem Maße auch für junge Unternehmen. NRW verfügt über eine ausgeprägte Infrastruktur für Startup-Unternehmen. Dazu zählen auch so genannte Inkubatoren, die sich mit einem unterschiedlich weit gefassten Angebotsportfolio an junge Unternehmen richten. Zahlreiche solcher Zentren konnten bereits erfolgreich ihren Dienst aufnehmen, wie bspw. das Electronic Commerce Center (ECC) in Dortmund, die mediaplaza cologne und Speed-U-Up in Köln, das TeleValley Business Center in Ratingen oder das KQ-Lab in Essen. Jedes dieser Inkubations-Zentren verfügt über seinen eigenen Charakter. Bei VillaMedia in Wuppertal steht das Netzwerk von Dienstleistern im Fokus, Crossvalley in Düsseldorf wartet mit einem Fullservice-Angebot auf, Euvenca in Aachen ist als Transfercenter mit Beteiligungsmöglichkeit rund um die Hochschule zu sehen und Blue-C in Bonn sieht sich eher als Joint Venture Plattform mit Finanzierungs- und Beratungsdienstleistungen. Insgesamt eröffnet sich damit dem Startup ein breites Spektrum an unterschiedlichen Partnern.

Meine Empfehlung an Unternehmen, die ein Business aufbauen wollen sind nicht NRW spezifisch. Die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten gelten hier genauso wie in Bayern oder Hamburg. Große Chancen für junge Unternehmen, schnell auf die Beine zu kommen, sehe ich aber in einer engen Kooperation mit klassischen Unternehmen, gleich von Anfang an. Sie sind heute diejenigen, die das Tempo vorgeben, frisches Know-how brauchen und das Potential haben, Ideen schnell Realität werden zu lassen.

Competence Site:
Wie sieht die bisherige Zwischenbilanz aus? Welche Unternehmen aus NRW sind nach Einschätzung besonders erfolgreiche New-Economy-Unternehmen? Bei welchen New-Economy-Unternehmen aus NRW konnte die Landesregierung besonders erfolgreich die Entwicklung unterstützen? Was plant die Landesregierung in diesem Bereich für die Zukunft?

Dr. Lossau:
Bei der Vielzahl erfolgreicher NRW-Unternehmen der Internetwirtschaft fällt es schwer, einzelne Unternehmen herauszugreifen. Ziel der Landesregierung ist es stets, den passenden Nährboden zu liefern, auf dem ein Unternehmen gedeihen kann. Das Gros aller Fördermaßnahmen basiert daher auch auf Public-Private-Partnerships.

Entscheidend ist hier weniger die selektive Förderung einzelner Unternehmen, sondern vielmehr der Ausbau einzelner Regionen innerhalb Nordrhein-Westfalens zu Kompetenzzentren, die in der Summe sämtliche T.I.M.E.-Märkte abbilden. Dies ist uns in den vergangenen Jahren gut gelungen und zugleich die Aufgabe, an der wir auch zukünftig weiter arbeiten werden.

Wie bereits ausgeführt, verfügen wir mit dem Großraum Köln über ein Flagschiff im Medienbereich, Düsseldorf ist Telekommunikationshochburg, das Ruhrgebiet hat seine Stärken in der Softwareindustrie und der IT-Sicherheit und die Euro- und Technologieregion Aachen, die über eine ausgeprägte Hochschullandschaft verfügt, steht für Innovation und Technologietransfer.


Competence Site:
Die Competence-Site unterstützt als Coaching-Netzwerk Manager und Nachwuchskräften bei Ihrer täglichen Arbeit durch Wissen, Expertendialog und durch Plattformen für die Vermittlung von Partnern. Was wünschen Sie sich von einer Einrichtung wie der Competence-Site? Wie könnte die Competence-Site Ihrer Einschätzung nach die Bemühungen zur Standortförderung unterstützen? Welche Erweiterungen wären aus Ihrer Sicht notwendig, damit vor allem auch neue Unternehmen von diesem Angebot profitieren?

Dr. Lossau:
Wirklich gut an der Competence-Site ist die Möglichkeit, komprimiertes und klar strukturiertes Managementwissen abzufragen. Und dies Fachbereichsübergreifend. Dabei muss man nicht zwischen den Zeilen lesen, um festzustellen, dass es sich um Beiträge aus der Praxis handelt.

In Sachen eBusiness will ich das von der Landesinitiative media NRW unterstützte Electronic Commerce InfoNet (ECIN, www.ecin.de) besonders nennen. Darüber hinaus betreibt media NRW selbst mit viel Erfolg eine eigene Website. Unter www.media.nrw.de bin ich immer auf dem Laufenden, wenn es um die T.I.M.E.-Branche in NRW geht.

Aus unseren Erfahrungen mit dem media.nrw-Angebot resultieren denn auch meine Anforderungen an die Competence-Site, wenn es um Standortförderung geht. Das Internet ist zwar global ausgerichtet, Geschäfte finden aber nun einmal nicht primär im virtuellen Raum, sondern in Köln, Essen oder Bielefeld statt. Wenn ich heute eine geniale Geschäftsidee habe, Marketeer bin und zur Realisierung einen Fachmann benötige, der sich mit der IT-Integration von Procurementlösungen auskennt, dann ist es eher hinderlich, wenn er in Hamburg wohnt und ich in Dortmund mein Business aufbauen will.

Leisten Sie das, wozu nur das Medium Internet in der Lage ist, schaffen Sie Themenforen und Communities mit Lokalkolorit, in denen Unternehmen zusammenfinden, die die gleichen Ideen und Ziele haben und nach einer Möglichkeit suchen, diese vor Ort zu realisieren.


Herr Dr. Lossau, vielen Dank für dieses Interview!
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