Das Internet befindet sich derzeit quasi noch in der Pubertät - gerade 15 Jahre massiver Verbreitung und Nutzung liegen hinter ihm. Der erste große "Liebeskummer" - das Platzen der Internetblase vor 6 Jahren - ist überwunden.
Web 2.0. wird nun als "die" Neudefinition des "alten" Internets diskutiert. Die neuen Interaktivitätsfunktionen des Netzes, bei der die Nutzer Informationen im Sinne der Einweg-Kommunikation nicht mehr nur passiv "konsumieren" (Web 1.0), stärken ihre Autonomie und Möglichkeit zur Interaktion. Sie werden selber zum Redakteur, Kommentator und Networker, gestalten und organisieren ihr Informations- und Beziehungs-Management "im Netz" aus eigener Hand. Den hohen Verbreitungsraten und neuen Funktionen folgt ein neues Level an Nutzerengagement und (Meinungs-) Macht. Dieser Sachverhalt wird unsere soziale Vernetzung und unser Konsumverhalten beeinflussen.
Wird das Netz mit Web 2.0 erwachsen? Welche Bedeutung erhält das Web 2.0 in der realen und in der virtuellen Welt? Geht diese Entwicklung auch mit einer Stärkung verantwortlich handelnder Strukturen und Nutzer einher oder droht ein neuer Absturz? Wie sehr und in welcher Form werden also Phänomene wie Wikipedia, Blogs und Networking-Plattformen unsere Ökonomie und Soziologie verändern? Wie wäre ein neuerlicher Absturz zu vermeiden? Welche Strategien und Maßnahmen sollten ergriffen werden, um die Potenziale des Web 2.0 zu realisieren und langfristig zu entwickeln? Welche Rolle spielen dabei Fairness, Kompetenz und Verantwortung der Nutzer und Portalanbieter im Sinne einer "Web Competence & Reponsibility"?
Renommierte Experten und Meinungsführer stellen sich in diesem zweiteiligen virtuellen Roundtable der Diskussion.
In dem nun folgendem ersten Teil werden die Bedeutung des Web-2.0-Konzepts, seine Chancen und Risiken diskutiert.
Hier stellt sich die Frage: Wie sehr und in welcher Form werden Phänomene wie Wikipedia, Blogs und Networking-Plattformen unsere Ökonomie und Soziologie (positiv oder negativ) verändern?
Im zweiten Teil des Roundtables im kommenden Monat werden dann konkrete Strategien und Lösungsansätze für die Web-Welt der Zukunft erörtert:
Das Web kann und muss wertorientiert und verantwortlich gestaltet werden - im Sinne von "Web Competence" und "Web Responsibility". Es liegt an uns, die Chancen zu nutzen und die Risiken zu vermeiden, sowie frei von Naivität und Polemik, produktive Lösungen zu erarbeiten. Dann kann Web 2.0 zum Erfolg für alle Beteiligten werden. Dieser VR möchte ein Schritt in diese Richtung sein!
Viel Spaß beim Lesen (und Reflektieren) wünscht Ihnen daher
Ihr
NetSkill-Team!
Hier geht`s zurück zum Virtual Roundtable Web 2.0 mit allen Teilnehmern
Virtueller Roundtable - Teil 1
Web Competence & Web Responsibility im Web 2.0:
zweiteiliger Roundtable zur Zukunft des Internets
Web Competence & Responsibility:
Teil 1:
Bedeutung, Chancen und Risiken
Name: Herr Prof. Dr. Wolfgang Prinz
Funktion/Bereich: Institutsdirektor
Organisation: Fraunhofer FIT
Liebe Leserinnen und Leser,
Das Internet befindet sich derzeit quasi noch in der Pubertät – gerade 15 Jahre
massiver Verbreitung und Nutzung liegen hinter ihm. Der erste große
„Liebeskummer“ – das Platzen der Internetblase vor 6 Jahren – ist überwunden.
Web 2.0. wird nun als "die" Neudefinition des "alten" Internets diskutiert. Die
neuen Interaktivitätsfunktionen des Netzes, bei der die Nutzer Informationen im
Sinne der Einweg-Kommunikation nicht mehr nur passiv „konsumieren“ (Web
1.0), stärken ihre Autonomie und Möglichkeit zur Interaktion. Sie werden selber
zum Redakteur, Kommentator und Networker, gestalten und organisieren ihr
Informations- und Beziehungs-Management "im Netz" aus eigener Hand. Den
hohen Verbreitungsraten und neuen Funktionen folgt ein neues Level an
Nutzerengagement und (Meinungs-) Macht. Dieser Sachverhalt wird unsere
soziale Vernetzung und unser Konsumverhalten beeinflussen.
Wird das Netz mit Web 2.0 erwachsen? Welche Bedeutung erhält das Web 2.0
in der realen und in der virtuellen Welt? Geht diese Entwicklung auch mit einer
Stärkung verantwortlich handelnder Strukturen und Nutzer einher oder droht ein
neuer Absturz? Wie sehr und in welcher Form werden also Phänomene wie
Wikipedia, Blogs und Networking-Plattformen unsere Ökonomie und Soziologie
verändern? Wie wäre ein neuerlicher Absturz zu vermeiden? Welche Strategien
und Maßnahmen sollten ergriffen werden, um die Potenziale des Web 2.0 zu
realisieren und langfristig zu entwickeln? Welche Rolle spielen dabei Fairness,
Kompetenz und Verantwortung der Nutzer und Portalanbieter im Sinne einer
„Web Competence & Reponsibility“?
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Virtueller Roundtable - Teil 1
Renommierte Experten und Meinungsführer stellen sich in diesem zweiteiligen
virtuellen Roundtable der Diskussion.
In dem nun folgendem ersten Teil werden die Bedeutung des Web-2.0-
Konzepts, seine Chancen und Risiken diskutiert.
Hier stellt sich die Frage: Wie sehr und in welcher Form werden
Phänomene wie Wikipedia, Blogs und Networking-Plattformen unsere
Ökonomie und Soziologie (positiv oder negativ) verändern?
Im zweiten Teil des Roundtables im kommenden Monat werden dann konkrete
Strategien und Lösungsansätze für die Web-Welt der Zukunft erörtert:
Das Web kann und muss wertorientiert und verantwortlich gestaltet werden – im
Sinne von „Web Competence" und "Web Responsibility“. Es liegt an uns, die
Chancen zu nutzen und die Risiken zu vermeiden, sowie frei von Naivität und
Polemik, produktive Lösungen zu erarbeiten. Dann kann Web 2.0 zum Erfolg für
alle Beteiligten werden. Dieser VR möchte ein Schritt in diese Richtung sein!
Viel Spaß beim Lesen (und Reflektieren) wünscht Ihnen daher
Ihr
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Virtueller Roundtable - Teil 1
Die Bedeutung von Web 2.0 für die virtuelle und die reale Welt
Vor der Bewertung des Web 2.0 stellt sich die Frage nach der grundätzlichen
Bedeutung des Phänomens Web 2.0 und der propagierten Konzepte.
Sehr geehrter Herr Prinz,
Frage 1: Grundsätzliche Bedeutung des Themas Web 2.0
Wie wichtig sind Ihrer Meinung nach die Konzepte des Web 2.0 sowohl für die
virtuelle als auch für die reale Welt? Steht Web 2.0 in Ihren Augen also für
einen fundamentalen Wandel von Ökonomie und Soziologie ("10" Punkte) oder
– im anderen Extrem – lediglich für technische Innovationen und "lokale"
Phänome in einer schmalen, sehr „Netz-affinen“ Community ("0" Punkte)?
Wo auf dieser 0-bis-10-Skala würden Sie Ihre Web-2.0-Einschätzung verorten?
Antwort:
Für die reale Welt 3, für die IT bzw. virtuelle Welt 8
Frage 2: Art der Veränderungen und Differenzierung nach Teilbereichen
Welche grundsätzlichen gesellschaftlichen Veränderungen in Bezug auf
Information, Kommunikation und Netzwerk-Kooperation sind Ihrer Meinung
nach mit dem Web 2.0 verbunden (u.a. Rollen-Verschiebung, Nischen-
Kommunikation, Long-Tail-Phänomen) und welche Bereiche werden am
stärksten verändert?
Antwort:
Die in den letzten Jahren entwickelten Anwendungen, die nun unter
Web 2.0 zusammengefasst werden, haben drei Aspekte
gemeinsam: Erstens erleichtern und ermöglichen Sie die Produktion
und Verteilung von Inhalten für Alle (Wiki, Blog, YouTube). Zweitens
ermöglichen sie die Vernetzung von Personen (Xing, MySpace) und Inhalten
(del.ico.us, RSS). Drittens nutzen Sie Informationen, die Benutzer implizit
bereitstellen, zur expliziten Unterstützung und Beratung andere Benutzer
(Tagging oder Empfehlungssysteme, die auf Verkaufsdaten basieren).
Damit verbunden ist eine Rollen-Verschiebung des Internetnutzers vom
Konsumenten zum Produzenten. War es bislang nur IT-Experten bzw. Web-
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Experten möglich, Inhalte zu produzieren und verteilen, so steht diese
Möglichkeit nun einer breiten Nutzergruppe zur Verfügung.
Gleichzeitig wird es immer einfacher, Inhalte zu verknüpfen (RSS,
BlogoSphere), um so einen größeren (wenn in einigen Fällen auch
zweifelhaften) Einfluss zu erzielen.
Mit der Verlagung von Kooperationsfunktionen, die bislang nur
organisationsintern zur Verfügung standen, in die Web-Plattform, werden
Netzwerk-Kooperationen deutlich vereinfacht, da den Netzwerken mächtige
Werkzeuge (Dokumenten- und Aufgabenmanagement, Kalender, Messaging)
zur Organisation und Verwaltung ihrer Kooperation zur Verfügung stehen.
Gleichzeitig entstehen damit im Web Lösungen, die mit der
Oganisationsinfrastruktur konkurrieren.
Frage 3: Auswirkungen auf ökonomische Strukturen und Akteure
Welche Veränderungen ergeben sich aus diesem Wandel speziell für
Unternehmen, Mitarbeiter und Netzwerke wie Verbände sowie für die Medien?
Antwort:
Die Netzwerkbildung wird vereinfacht und damit auch die
Zusammenarbeit zwischen Organisationen und Unternehmen.
Schon heute haben viele Mitarbeiter täglich mehr Kontakte mit
Externen über email oder instant messaging, als mit den internen
Kollegen. Hinzu kommt, dass Wissen oft außerhalb der Unternehmung über
Google oder in Foren gesucht bzw. verteilt wird. Für die Unternehmen ist damit
die Herausforderung verbunden, diesen Effekt positiv zu nutzen. Eine
Unterbindung oder Abschottung aus Furcht vor einem Kontrollverlust mag
kurzfristig verlockend sein, wird aber langfristig die Mitarbeiter frustieren und
das Unternehmen von aktuellen Entwicklungen abkoppeln.
Frage 4: Auswirkungen auf den Bürger
Wie stark werden diese Veränderungen langfristig auch unser Leben als
Internetnutzer, Kunde und ganz allgemein als (Staats-) Bürger beeinflussen?
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Antwort:
Für den Bürger wird es immer einfacher Informationen zu finden
oder auch beizusteuern. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, die
Information und ihre Intention richtig zu bewerten. Sich hierbei nur
auf Selbstrugulierungsmechanismen wie z.B. in Wikipedia zu
verlassen, reicht nicht aus. Dringend erforderlich ist zusätzliche die Ausbildung
der Nutzer möglichst schon zu einem frühen Zeitpunkt, d.h. in der Schule.
Dabei muss den Nutzern vermittelt werden, wie und mit welchen Mitteln sie
Informationen finden und vor allem bewerten und analysieren können, um sich
selbst ein objektives Bild zu schaffen.
Chancen und positive Beispiele aus der Web-2.0-Welt
Schon heute werden Chancen von besonders agilen "alten" und einigen
"neuen“ Akteuren wahrgenommen.
Frage 5: Kurzfristige Chancen
Welche Chancen durch Web 2.0 sind Ihrer Meinung nach heute schon für
Organisationen, Netzwerke (z. B. Verbände) und Privatpersonen realisierbar?
Antwort:
Kurzfristig bestehen gute Chancen in der Nutzung von
Kooperationswerkzeugen wie z.B. Google Tools oder Werkzeugen
wie BSCW zur flexiblen Organisation der Zusammenarbeit in
organisationsübergreifenden Teams und Communities.
Frage 6: Positive Beispiele, Best Practices
Welche Beispiele im Web sehen Sie in diesem Sinne schon als gelunge
Realisierung dieser Chancen bzw. als Best Practices an?
Antwort:
Die von Fraunhofer FIT seit vielen Jahren bereitgestellte und
öffentlich nutzbare Kooperationsplattform (BSCW:
bscw.fit.fraunhofer.de) untersützt bereits über 100.000 Benutzer bei
der Organisation ihrer Zusammenarbeit. Die Anwendung liegt im
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Wesentlichen in der organisationsübergreifenden Kooperation, z.B. zur
gemeinsamen Planung und Verwaltung von Projekten. Der Vorteil liegt in der
Verfügbarkeit einer zentralen Informationsverwaltung, die von allen beteiligten
Partner einfach und von überall zugreifbar ist. Das bekannte Email- und
Versionschaos kann damit vermieden werden.
Risiken und negative Beispiele in der Web 2.0-Welt heute
Neben Chancen zeichnen sich auch die Schattenseiten des Web 2.0-
Phänomens ab (z. B. "Digitale Lynch-Justiz", "Bedrohung von Kritikern").
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