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Marktchancen ePayment

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Autor ( Manfred Wolff )
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Abstract:
Das Angebot an verschiedenen Zahlungssystemen boomt. Gleichwohl führt dies nicht automatisch zu einem Wettbewerb um Innovationen und Effizienzsteigerung im Schumpeterschen Sinne, sondern zunächst zu einer Zersplitterung des Marktes in zahlreiche proprietäre Anbieter miteinander inkompatibler Systeme. Für einen Überblick lassen sich diese Systeme einteilen nach vorausbezahlten („Prepaid“) und kreditbasierten („Postpaid“) Verfahren bzw. auch nach Höhe der zu bezahlenden Beträge zwischen Kunden und Händlern („Micro- oder Macropayment“). Die Funktionsweise der einzelnen Elemente eines Zahlungssystems ist grundsätzlich ähnlich und kann in einheitlichen Graphiken dargestellt werden. Zahlungsarten im ePayment brauchen in absehbarer Zeit jedoch wirtschaftlichen Erfolg, um weiter bestehen zu können.

Eine klare Übersicht hierzu bildet das System-Wirtschaftlichkeits-Gebirge: es werden sich, so die These, diejenigen durchsetzen, die Erfolg in der Distribution haben, ihre Kräfte/Systeme konzentrieren können und damit die Profitabilitätsgrenze nach oben am schnellsten durchbrechen.
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Manfred Wolff
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Manfred Kaspar Wolff, geboren 1966 in Köln, Abitur 1985, Wehrdienst, Hannover, Studium BWL 1986 in Köln und 1989 Leeds (UK), Studienförderkreis Commerzbank AG Köln, Marktforschung Soc. Rover Paris (F), Vertriebsinnendienst Thyssen-Schulte Stahlhandel, Mittelstandsberatung DGM Düsseldorf, Dipl.-Kfm. Universität zu Köln 1992, Dozententätigkeit in Stuttgart, München, Nürnberg und Bochum, Baumgartner und Partner Unternehmensberatung GmbH: Effizienzsteigerung, Prozesskostenrechnung und Controlling [...]
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Marktchancen ePayment
von Manfred-Kaspar Wolff


Das Angebot an verschiedenen Zahlungssystemen boomt. Gleichwohl führt dies
nicht automatisch zu einem Wettbewerb um Innovationen und Effizienzsteigerung im
Schumpeterschen Sinne, sondern zunächst zu einer Zersplitterung des Marktes in
zahlreiche proprietäre Anbieter miteinander inkompatibler Systeme. Für einen
Überblick lassen sich diese Systeme einteilen nach vorausbezahlten („Prepaid“) und
kreditbasierten („Postpaid“) Verfahren bzw. auch nach Höhe der zu bezahlenden
Beträge zwischen Kunden und Händlern („Micro- oder Macropayment“). Die
Funktionsweise der einzelnen Elemente eines Zahlungssystems ist grundsätzlich
ähnlich und kann in einheitlichen Graphiken dargestellt werden. Zahlungsarten im
ePayment brauchen in absehbarer Zeit jedoch wirtschaftlichen Erfolg, um weiter
bestehen zu können. Eine klare Übersicht hierzu bildet das System-
Wirtschaftlichkeits-Gebirge: es werden sich, so die These, diejenigen durchsetzen,
die Erfolg in der Distribution haben, ihre Kräfte/Systeme konzentrieren können und
damit die Profitabilitätsgrenze nach oben am schnellsten durchbrechen.

1     Entwicklung des ePayment durch den Bedarf am Markt
2     Anforderungen an Bezahlsysteme aus Kunden- und Händlersicht
3     Struktur verschiedener ePayment-Verfahren
      3.1    Prepaid-Verfahren
      3.2    Postpaid- bzw. Debit-Verfahren
4     Standardablauf
5     Vision


1 Entwicklung des ePayment durch den Bedarf am Markt

Unter ePayment verstehen wir die Summe aller Maßnahmen in Form von Geräten,
Netzen, Datenbanken sowie Marketing & Vertrieb, zuvor festgelegte Bezahlwerte
zwischen Partnern auf elektronischer Grundlage effizient zu übertragen. Somit sind
die häufig in das Thema nebulös eingefügte Rechnungserstellung oder Fragen der
Bildung von Geld durch Monetisierung irgendwelcher Aktiva wie Forderungen zu
einem Cybermoney nicht Gegenstand des ePayment. Vielmehr steht nur die
erfolgreiche Transaktionsabwicklung selbst im Mittelpunkt. In Zeiten des reinen
Bargeldaustausches war das relativ einfach. Bedrucktes Papier oder gepresstes
Edelmetall wechselte einfach physisch den Besitzer.

Was aber treibt die Nachfrage nach ePayment überhaupt an? Mit dem stetigen
Anstieg von einzelnen Kauf- und Bezahlvorgängen in unserem Wirtschaftskreislauf
erhöhten sich bereits die Kosten des Zahlungsverkehrs erheblich. Konnte der
namentlich bekannte Kunde früher bei dem Viktualien- oder Kolonialwarenhandel um
die Ecke auf monatliche Zahlung „anschreiben“ lassen, so verlangten die anonymen
Großmärkte bereits eine Sofortbezahlung auch kleinster Beträge. Dafür müssen
Kassen mit Wechselgeld vorgehalten werden, das selbst wiederum gezählt, gerollt
und mit hohem Sicherheitsaufwand zwischen Bank und Handelsgeschäft zu
transportieren ist. Prüfungen auf Echtheit des Geldes und mögliche Fehler bei der
Herausgabe erhöhen den potenziellen Aufwand. Gleichzeitig sind die Ansprüche der
Partner beim Bezahlvorgang immer weiter gestiegen. Das Bezahlen des konkreten
einzelnen Betrages für eine Leistung/Ware wurde ergänzt um Bonus- und
Rabattprogramme, Kreditvereinbarungen und Kombinationsgeschäfte. Gemäss der
oben genannten Definition von ePayment sind diese durch eine indirekte
Rahmenvereinbarung „zuvor festgelegte ... Werte“, die abgewickelt werden müssen.
Durch die Nutzung von Plastikkarten (EC-Karte, Kreditkarte) mit kodiertem
Magnetstreifen per PIN-Eingabe oder Unterschrift konnten zahlreiche der
Anforderungen schon erfüllt werden. Die zunehmende physische Distanz zwischen
Käufer und Verkäufer beim Geschäftsabschluss, bekannt bereits aus dem
Versandhausgeschäft („mail order“), erschwert sich vor allem dann, wenn sich beide
Parteien nicht kennen. Dies ist insbesondere bei Internetgeschäften, die dem Kern
nach zunächst nur versandhausgleiche Geschäfte waren, mit erheblichen
Forderungsausfällen,        Betrugsdelikten usw.   klar    geworden.    Zusätzliche
Anforderungen kommen durch den Wunsch zustande, selbst bei diesen weitgehend
anonymen Vorgängen selbst kleinste Bezahlbeträge („MicroPayment“, i.d.R. alles
unter € 5,-) effizient, durchzuführen.


2 Anforderungen an Bezahlsysteme aus Kunden- und Händlersicht

Effiziente Übertragung von Zahlungstransaktionen hat zur Voraussetzung, dass unter
wirtschaftlichen, technischen und rechtlichen Gesichtspunkten alle Beteiligten
insgesamt, d.h. „unterm Strich“ einen Nutzen sehen. Sonst bleibt das
Zahlungsverfahren in seiner Verbreitung auf der Strecke. Gerne wird von Praktikern
in diesem Zusammenhang auf das „Henne-Ei“ Dilemma hingewiesen. Wenn keines
von beiden bislang da ist, kann auch das andere nicht entstehen. In anderen Worten:
Eine weite Verbreitung eines ePayment-Systems würde auch dessen
Wirtschaftlichkeit nach Scale Economies fördern. Ein Start aus dem nichts heraus
erscheint andererseits unmöglich. So ist die Verbreitung eines Systems, d.h. die
Anzahl der potenziell an dem Zahlungsverfahren teilnehmenden Kunden und
Händler im Sinne aktueller Marktpenetration und zukünftiger Adaption ein zentrales
Kriterium. Die Bedienerfreundlichkeit, d.h. die Einfachheit des Prozesses, der nach
gängiger Marketingauffassung auch mit den bisher vom Nutzer gewohnten
Verhaltensweisen korrelieren sollte ist für die ganze Durchführung ebenfalls
entscheidend. Als Showstopper haben sich langwierige Anmeldungsprozedere
erwiesen, bei denen der Kunde zusätzlich zum Kaufakt auch noch mit erheblichem
Aufwand zu einem Bezahlakt gezogen werden muss. Konzepte dieser Art (eCash,
Cybercash) sind zwischenzeitlich wieder vom Markt verschwunden. Die
Kosteneffizienz bedeutet für den Händler: welche zusätzliche Geschäft ist bei den
zusätzlichen Transaktionskosten noch machbar? Die Grenzkosten bestehen in der
Praxis aus den Elementen a) Einmalkosten für Einrichtung und Systemteilnahme, b)
laufende aufwandsneutrale, indirekte Kosten, z.B. Grundgebühr und die
aufwandsbestimmten „Kostentreiber“ durch Nutzungsintensität, wie z.B. Gebühren
pro Transaktion. Diese Elemente der Prozesskostenrechnung aus den 80-er Jahren
haben in der Preisgestaltung für das ePayment, aber auch in den Bereichen der
dafür notwendigen Netzwerkumgebung, wie Mobilfunk, Einzug gehalten. Da EC-und
Kredit-Karten bei den Endkunden aufgrund weiterer damit eingebundener und nur
jährlich abgerechneter Leistungen häufig als „kostenlos“ empfunden werden,
erwartet der Endkunde für die Teilnahme an neueren ePayment-Verfahren ebenfalls
eine zumindest kostenneutrale Auswirkung für sich, da EC- und Kreditkarte ja schon
häufig verfügbar sind und über einen großen Verbreitungsgrad (s.o.) verfügen. Die
Zahlungssicherheit im Sinne des Händlers liegt vor allem im echten und bleibenden
Geldeingang. Für den Kunden geht es ggf. um Diskretion und die Sicherheit einer
ordnungsgemäßen Warenlieferung bzw. Zur-Verfügung-Stellung der jeweiligen
Dienstleitung. Beide Seiten haben ein Interesse am Schutz vor der Manipulierbarkeit
der Daten durch Dritte sowie an einer effizienten Möglichkeit zur
Reklamationsabwicklung. Unter der Maßgabe, dass die Entscheidung zur Nutzung
eines Zahlungssystems eine Armortisiationszeit aller Einmalaufwendungen
beinhaltet, rückt der zu erwartenden Systemfortbestand als letztes in die Gruppe der
Anforderungskriterien.


3 Struktur verschiedener ePayment-Verfahren

      3.1    Prepaid-Verfahren

Prepaidverfahren sind solche, bei denen der Kunde von vornherein einen größeren
Geldbetrag bezahlt und dafür einen elektronischen Gutschein erhält, den er auch in
kleineren Stückelungen bei dem jeweiligen dieses System akzeptieren Anbieter
nutzen kann. Bei Kleinbeträgen („Micropayment“ i.d.R. unter € 5,-) gibt es
Zahlenkolonnen, die man auf einem Feld freirubbelt, als Autorisierungs- und
Autentifizierungsmittel. Damit trägt der Nutzer einen Betrag auf einem virtuellen
Konto des jeweiligen Systemanbieters ab, zu dem er durch den Kauf der Karte mit
der Nummer Zugang erhält. Bekannteste Anbieter sind hierfür sind die aus
Österreich stammende Paysafecard sowie sas neuere System Micromoney, das u.a.
über die T-Punkte der Deutschen Telekom vertrieben wird. Die Geldkarte, mit
dreistelligem Millionenaufwand von der Sparkassenorganisation in die Welt gesetzt,
leidet vor allem unter der mangelnden Akzeptanz aufgrund der schlechten
Markteinführung ihrer Initiatoren. Der Inhaber der Karte kann sich echtes Geld virtuell
auf die Karte laden. Im gleichen Umfang verringert sich sein Sichtguthaben auf dem
Konto und die Geldmenge bleibt, für einen Erfolg des Systems nicht unwichtig, somit
volkswirtschaftlich die gleiche. Die Geldkarte ist bereits für Bezahlbeträge auch über
€ 5,- geeignet – sie könnte derzeit bis € 50,- genutzt werden. Eine elegante
Alternative bietet die cashDisc. Hier sind zahlreiche Nummern als TAN’s elektronisch
gespeichert und werden, ohne ggf. mit Fehlern in das System manuell eingegeben
werden zu müssen, direkt vom CD-ROM-Laufwerk der Kunden in ein Rechenzentrum
zur Autorisierung geschickt. Diese Methode kann als Einstiegssystem in
Paymentverfahren gesehen werden, da auch Marketingmaßnahmen (Spiele,
Prospekte, Bilder) problemlos in die Scheibe integriert werden können und einfache
Möglichkeiten der Distribution vorstellbar sind. Prepaid-Verfahren sind häufig der
einzige Weg, um zahlungsschwache oder unter-18-Jährige Kunden erreichen zu
können.

      3.2    Postpaid- bzw. Debit-Verfahren

Mit den Postpaid-Verfahren ist grundsätzlich das Risiko des Forderungsausfalles
verbunden. Der Kunde bezahlt „auf Kredit“, d.h. der Händler bzw. Anbieter des
Zahlungssystems mit Händlergarantie glaubt (lat. credere) an den Kunden und seine
Redlichkeit. Der eigentliche Zahlungsfluss erfolgt erst nach dem Handelsgeschäft
und dem ersten (elektronischen) Auslösen des Bezahlvorganges. Es liegt einzig eine
Verpflichtung des Kunden zur Zahlung vor. Dieser Verpflichtung kann er sich unter
Umständen jedoch entziehen. Grundlage aller Postpaid-Verfahren ist zunächst eine
Anmeldung mit zweifelsfreier Identifikation des Kunden.

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