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Aktuelle Trends im E-Learning: Eindrücke von der Learntec 2004

Eva Bungert
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Autor Eva Bungert
Herausgebende Organisation
Beschreibung
<i>Die Learntec 2004 thematisierte - traditionell - die gesamte Prozesskette des E-Learning aus Pädagogik-, Wirtschafts-, Anwendungs-, Angebots- und Forschungssicht in Kongress und Fachmesse. Die Themenbreite sorgte - ebenso traditionell - für Unübersichtlichkeit: Was sind wirklich neue Trends und was ist alter Wein in neuen Schläuchen? Detecon ging dieser Frage nach und analysierte die Top-Themen. Das Ergebnis: „Integration“ war das Schlagwort dieser Learntec. Auch die Themen „Bildungscontrolling“ und „Wirtschaftlichkeit“ spielten eine große Rolle. Und: Durch das gesamte Programm der Learntec zogen sich Praxisbeispiele. Ein deutliches Zeichen dafür, dass E-Learning erwachsen geworden ist.</i>

Die Learntec fand in diesem Jahr bereits zum zwölften Mal statt. Der europäische Kongress und die Fachmesse für Bildungs- und Informationstechnologie in Karlsruhe gilt als Trendsetter im E-Learning Markt und zeichnet sich durch eine große Themenvielfalt aus. Das über Jahre gewachsene Programm beginnt mit Sektion A ("Europe on its way to the information society") und endet mit Sektion Z ("Didaktische und produktions- technische Patterns im E-Learning"). Parallel dazu gibt es an vier Veranstaltungstagen Workshops, Spezialkongresse, Trainer-Symposien, Foren, und und und.

Mit diesem Mammutprogramm ist auch eine große Unübersichtlichkeit verbunden. Es fällt schwer, die „Rosinen herauszupicken“. In diesem Beitrag soll ein kurzes Fazit der Messe gezogen werden. Dabei stehen nicht die „nackten“ Fakten über Anzahl der Messestände und -besucher im Vordergrund, sondern aktuelle Trends im E-Learning, wie sie von uns als Berater im Bildungsmanagement-Umfeld wahrgenommen wurden.

Der E-Learning Markt befindet sich seit zwei Jahren in einer Konsolidierungsphase; speziell das vergangene Jahr war wirtschaftlich sehr schwierig. Dies zeigt sich auf der Learntec eher an „Kleinigkeiten“, wie übersichtlicheren Messeständen oder Verzicht auf Standfeten. Die Resonanz bei Ausstellern und Referenten war ungebrochen und ungefähr in der Größenordnung des vergangenen Jahres. Deutlich wurde wieder einmal: Die Learntec ist eine „Familienmesse“, auf der sich die deutsche E-Learning Gemeinde gerne und jedes Jahr wieder trifft.

Für diejenigen, die technologische Innovationen von einer Fachmesse für Bildungs- und Informationstechnologie erwarten: Wirklich neue Informationstechnologien zum Bildungsmanagement waren auf der Learntec nicht zu entdecken. Vielmehr sind Technologien wie Lernmanagement-Systeme in ihrer Entwicklung weiter fortgeschritten. So befinden sich die führenden Systeme sämtlichst auf einem vergleichbar hohen Niveau. Wo liegen zukünftige Entwicklungen? Neues ist insbesondere durch breitbandige Wireless-LAN Technologien in den nächsten Jahren zu erwarten.

Detecon hat die Vorträge auf dem Fachkongress der Learntec hinsichtlich der Themenschwerpunkte analysiert. Natürlich ist anzumerken, dass die Themenzuordnung nicht immer eindeutig ist und vielfach auch in einem Vortrag mehrere Themen angesprochen wurden. Dennoch aber lassen sich einige Themenschwerpunkte herausarbeiten, die im Folgenden näher untersucht werden.

Dominierend waren auf der Learntec <b>Praxisbeispiele aus Unternehmen und aus Branchen.</b> Dies ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich E-Learning inzwischen als ein wirksames Instrument der Personalentwicklung etabliert hat und in vielen Unternehmen erfolgreich eingesetzt wird. Aus der Weiterbildung der Unternehmen ist E-Learning nicht mehr weg zu denken.

Die Einsatzmöglichkeiten von E-Learning-Technologien sind auch abhängig von spezifischen Unternehmenscharakteristika. Für mittelständische Unternehmen sind oft andere Dinge bei der Implementierung von E-Learning zu beachten als für Groß- unternehmen. Ebenso haben Industrieunternehmen andere Vorraussetzungen als Dienstleistungsunternehmen. Die starke Besetzung in dieser Kategorie spiegelt die Tatsache wieder dass, je nach Unternehmen, die Anforderungen und Bedürfnisse an E-Learning und Bildungsmanagement sehr unterschiedlich sein können. Die meisten branchenspezifischen Beiträge waren im öffentlichen sowie im Finanzdienstleistungssektor zu finden.

In den vergangenen Jahren waren Konzepte zum „Blended Learning“ als Kombination von Präsenzseminaren mit E-Learning Instrumenten der Trend auf der Learntec ‑ inzwischen ist die Kombination elektronischer und klassischer Lernmethoden üblich. In zahlreichen Praxisbeispielen wurde über den erfolgreichen Einsatz von E-Learning z.B. in Corporate Universities berichtet. Klar wurde durch die zahlreichen Beispiele: Präsenzseminare werden durch E-Learning Instrumente nicht ‑ wie immer noch häufig vermutet wird ‑ ersetzt, sondern optimiert.

Mit <b>Bildungsorganisation und -entwicklung</b> wird das Potenzial von modernen Lerntechnologien für neue innovative Organisationsmodelle herausgestellt: Kann ich mit den neuen E-Learning-Technologien meine Bildungs- und Lernorganisation optimieren? Welche Organisationsformen kommen für mein Unternehmen in Frage? Insbesondere mobiles und verteiltes Lernen (Collaborative Learning) werden herausgehoben. Einen besonderen Platz nehmen dabei elektronische Planspiele als effektive Instrumente der Organisationsentwicklung ein.

Ein Trend zeichnet sich hinsichtlich der Integration von E-Learning in das Unternehmens- umfeld ab. Dies betrifft ‑ mit unterschiedlichen Schwerpunkten der Anbieter - sowohl die organisatorische Integration beteiligter Unternehmensbereiche in einem Lern-Lifecycle als auch die technologische Integration der Lösung in die bereits bestehende IT-Landschaft.

Insbesondere die technische Integration, mit getrieben durch Technologien wie die SAP Learning Solution, ist ein aktueller Aspekt. Die Learning Solution wird als integraler Bestandteil des ERP-Systems verstanden. Bei allen Vorteilen, die diese Integration mit sich bringt, werden natürlich auch entsprechend hohe Anforderungen an die Vernetzung mit anderen SAP-Komponenten gestellt.

Die Bedeutung von <b>Standards für Qualitätsmanagement</b> sowie für die problemlose Integration und Distribution von Content wird in diesen Beiträgen erläutert und diskutiert. Zentrale Fragen lauten hier: Was muss ich für die Mehrfachverwendung von Lernobjekten beachten? Wie kann E-Learning mich bei der Verbreitung von Standards (Qualitäts- standards oder Corporate Identity) unterstützen? Welche Qualitätsanforderungen müssen wofür und für wen erfüllt werden? Das Thema Standardisierung ist insbesondere im internationalen Kontext von großer Bedeutung.

Beim <b>Bildungscontrolling</b> steht die Effektivität von Training in Relation zu den Geschäftszielen im Vordergrund. Hier geht es um Fragen wie: Leisten die Trainingsmaßnahmen einen relevanten Beitrag zur Wertschöpfung? Welchen Beitrag leistet das Training zur Unterstützung der Bildungs- und Geschäftsziele? Vorträge in dieser Kategorie beschäftigen sich vor allem mit der Wirksamkeit von Trainings-Maßnahmen sowie mit deren strategischem Mehrwert. Ein wichtiges Stichwort ist hier die Langzeitrentabilität. Als Instrument zum Bildungscontrolling rückt immer mehr die Balanced Scorecard in das Blickfeld.

Das Thema Bildungscontrolling ist eng mit Fragen der Wirtschaftlichkeit verbunden. <b>Wirtschaftlichkeit</b> von E-Learning beschäftigt sich mit der ökonomischen Effizienz der Maßnahmen. Welche Einsparpotenziale kann ich mit E-Learning erzielen? Wann werden sich meine Ausgaben amortisieren? Hier sind alle Beiträge zusammengefasst, die sich mit Kostenbewusstsein, Kosten/Nutzen-Relationen, ROI oder mit dem Nachweis der Wirtschaftlichkeit von E-Learning-Technologien oder -Maßnahmen beschäftigen.

Ein Blick auf die Themenschwerpunkte verrät: E-Learning bewegt sich stärker denn je im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen und pädagogischen Anforderungen. Nach der pädagogischen Methodendiskussion der vergangenen Jahre (die zu etablierten Instrumenten wie Blended Learning geführt hat!) gewinnt nunmehr die betriebs- wirtschaftliche Dimension von E-Learning stark an Bedeutung. E-Learning muss nachweisen, dass es nicht nur Kosten verursacht, sondern Wertschöpfungsfaktor ist und im Einklang mit den Unternehmenszielen steht. Deshalb auch der große Bedarf an Konzepten zum Bildungscontrolling aus wirtschaftlicher und evaluatorischer Sicht.

Bei der <b>Internationalisierung von E-Learning</b> geht es um die Bedeutung von E-Learning im europäischen bzw. internationalen Kontext. Zentrale Fragen zu dieser Thematik lauten: Wie gehen europäische Nachbarn / andere Kontinente mit dem Thema um? Was muss ein international agierendes Unternehmen bei der Einführung von E-Learning beachten? Diese Fragen beschäftigen vor allem „Global Player“, die ihre E-Learning-Maßnahmen in international verteilten Divisionen oder Niederlassungen umsetzen möchten.

Beiträge zur <b>Lernpädagogik und Content</b> beschäftigen sich mit der pädagogisch-didaktischen Gestaltung von Lerncontent bzw. mit Methoden der Lernmaterialproduktion und ‑gestaltung. Einige Beiträge sprechen auch lernpsychologische bzw. motivationale Konzepte an.

Bisher gilt die ungeschriebene Regel, dass E-Learning für die Vermittlung von Faktenwissen sehr gut geeignet und für Verhaltenstraining nicht geeignet ist. Dieses schwarz-weiße „Bildungsbild“ wird differenzierter werden. Verbesserte technische Möglichkeiten erweitern das Einsatzspektrum von E-Learning z.B. durch den Einsatz von Videotechnologien wesentlich. Grundlage dafür sind innovative Übertragungstechnologien, die aktuell aufgebaut oder entwickelt werden.

Vorgestellt wurde auch ein im Vergleich zu den vergangenen Jahren noch breiter gewordenes Spektrum an Autorentools, die sich darin gleichen, dass E-Learning Content auf „einfache und effektive Weise“ möglich sein soll. Die meisten Tools liefern ein vergleichbares Leistungsspektrum, die Unterschiede liegen im Detail - und im Preis.

Auch die <b>Integration von Wissens- und Bildungsmanagement</b> ist ein wichtiges Thema der diesjährigen Learntec. Für den Hörer ist vor allem relevant: Wie kann ich Wissens- und Bildungsmanagement-Maßnahmen sinnvoll bündeln? Interessant sind auch Beiträge, die sich auch auf Bildungscontrolling beziehen, wie beispielsweise Ansätze zur Messung von Wissenskapital.

Das Lernen auf Vorrat verliert - außer bei Grundlagenwissen ‑ zugunsten des ergebnisorientierten „Workplace-Learning“ an Bedeutung. Bei letzterem wird „häppchenweise“ gelernt, wenn konkreter Lernbedarf besteht. Lernangebote werden immer mehr zum Lösen von Problemen am Arbeitsplatz genutzt. Lernsysteme für individuelles Lernen sowie organisationales Lernen wachsen im Rahmen des Wissensmanagements entsprechend zusammen. Als „Google-Learning“ wird die Suche nach geeigneten Lerninhalten, entsprechend der bekannten Internet-Suchmaschine bezeichnet.

Die bereits beschriebene technische Integration setzt die Gestaltung entsprechender Bildungsprozesse voraus. Die Integration von <b>Bildungs- bzw. Lernprozessen</b> in die Geschäftsprozesse und die Wertschöpfung des Unternehmens ist ein weiterer Schwerpunkt. Auch die Neugestaltung bzw. Optimierung von Trainings- oder Lernprozessen wird hier angesprochen. Die Hauptfrage lautet hier: Welche Möglichkeiten bieten mir neue Technologien zur Optimierung meiner Lern- und Bildungsprozesse? Wie kann ich Lernprozesse in den Arbeitsalltag integrieren?

Bisher stand klar die Gestaltung der Lehr-/Lernprozesse und damit der Schnittstelle zwischen Lehrenden und Lernenden im Vordergrund. Hier zeichnet sich ein Wandel ab: E-Learning umfasst neben dem elektronischen Lernen ebenso das effektive Management des Lernens. Dazu zählen Aspekte wie Planung, Steuerung sowie Kontrolle von Personalentwicklungsprozessen und deren Organisation. E-Learning wird ein Instrument zur Personal- und Geschäftsentwicklung.

Zentraler Bezugspunkt bei <b>Usability und Nutzersicht</b> ist nicht das Unternehmen, sondern der Nutzer. Eignen sich meine Mitarbeiter für E-Learning-Maßnahmen? Was muss ich beachten, dass E-Learning auch angewendet wird? Beiträge dieses Abschnittes beschäftigen sich sowohl mit Mitarbeiterorientierung und Mitbestimmung als auch damit, wie gut die Mitarbeiter Trainingsmaßnahmen in ihrem Arbeitsalltag nutzen können.

Last but not least finden sich einige Beiträge, die keiner der oben genannten Kategorien zugeordnet werden können. Sie befassen sich mit spezifischen Themen oder Projekten, die eine kleinere Zielgruppe ansprechen. Dies sind beispielsweise Berichte über spezifische lokale Projekte oder die Möglichkeiten von E-Learning für bestimmte benachteiligte Zielgruppen.


Parallel zur Learntec fand in diesem Jahr erstmals das <b>„International LearnTec Forum“</b> (kurz ILF) statt. Ein Forum, in dem deutsche und europäische E-Learning Strategien diskutiert werden. Das ILF dient dazu, konkrete Projekt-Kooperationen zwischen deutschen und europäischen E-Learning Lieferanten und den Verantwortlichen für Bildungs- und Wirtschaftspolitik anderer Länder und Regionen vorzubereiten und herzustellen. Kernthemen der Präsentationen sind Projekt-Management, Verwaltung und Qualitätsmanagement zur Sicherung der Nachhaltigkeit der Projekterfolge. Die wichtigen Fragen, die mit und zwischen Nutzern und Lieferanten von E-Learning Lösungen diskutiert werden, sind:
<ul><li>Erlangen und Verwalten von Projektbudgets</li> <li>Durchführung von Projektmanagement, Monitoring und Evaluation</li> <li>technische Infrastruktur und Services</li> <li>Content Management und Qualitätssicherung</li> <li>Authoring Tools und „Web-Didaktik“</li> <li>Train the Trainer Maßnahmen</li> <li>PPP (public private partnerships)</li> <li>Mobile computing, stand-alone und ASP Modelle</li></ul>
Die Key-Notes, Plenar- und Panelsitzungen waren hochrangig besetzt (Vertreter von UNESCO-UNEVOC International Centre, InWEnt, World Bank, mehreren (Online-) Universitäten, viele Firmenvertreter u.v.m) und widmeten sich u.a. folgenden Themen: „Global combat against poverty or global access to information and communication: The position of German development policy“, „Best practices in e-learning for development cooperation“, „The world information society and the digital divide“.

Unter dem Titel <b>„Learning for a Global Future: The Experience of International Cooperations“</b> wurden drei ganztägige Parallel-Sessions mit den Fokusthemen „Education, Training & Life-long Learning“, „Vocational Education and Training“ und „Science, Research and Universities“ abgehalten. Diese Sessions hatten z.T. Workshop-Charakter und deren Ergebnisse wurden abends zusammenfassend dargestellt. Ein weiterer spezieller Schwerpunkt wurde auf das Thema „E-Learning in Asia-Pacific“ gelegt. Weiter wurden einige Spezial-Workshops durchgeführt zu den Themenbereichen Finanzierung der TK-Infrastruktur für e-learning Projekte, Wiederverwertbarkeit von Kurselementen und Zertifizierungen.

Im Rahmen der E-learning-Gala am Vorabend der Learntec wurde erstmalig der <b>Europäische E-Learning Award (eureleA)</b> vergeben. Es gab mehr als 70 Bewerbungen, aus denen eine international besetzte Fachjury die Preisträger in sechs Kategorien bestimmte. Als Best Practice für große Firmen erhielt das Projekt "Money Talk - Fit in Kostenrechnung" der Firma Freudenberg Bausysteme KG aus Weinheim den ersten Preis. In der Kategorie "Kleine Firmen" ging der Preis an UNITRACC - Underground Infrastructure Training der Firma Prof. Dr. Stein & Partner. Der Preis für Verbände und Stiftungen ging an die Bertelsmann Stiftung und den ekz Bibliotheksservice für das bibweb Lernforum.


<i>Diesen Artikel mit einer zusätzlichen Übersichtsgrafik über die Top-Themenschwer- punkte der Messe finden Sie auch in der angehängten PDF-Datei.</i>
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  • Eva Bungert
    Eva Bungert

    Eva Bungert ist bei Detecon in der Competence Practice Operations & Performance in Bonn als Consultant tätig. Während ihres Studiums der Erziehungswissenschaft und Psychologie in Saarbrücken führte sie mehrere Bildungsforschungs- und -planungsprojekte durch. Seit 2001 arbeitet sie bei Detecon mit dem Beratungsschwerpunkt Design und Optimierung von Aufbau- und...

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