Bildungscontrolling ‑ Angebot und Nachfrage
Warum die technischen Möglichkeiten wenig genutzt werden
Welche Impulse hat die Weiterbildungsplanung in deutschen Unternehmen erfahren, seit sich die technischen Möglichkeiten für Bildungscontrolling durch den Einsatz von Lernplattformen, Lernmanagementsystemen und E-Learning maßgeblich verbessert haben? Dieser Frage gingen die Autorinnen Thea Payome und Birgit Gamböck im Rahmen der Studie „Chancen und Hindernisse eines erfolgreichen Bildungscontrolling“ nach, die jüngst im Hightext-Verlag erschien.
Doch schon bei der Definition des Begriffs „Bildungscontrolling“ setzten Schwierigkeiten ein. Denn während die einen bei diesem Stichwort in erster Linie an den Versuch einer Berechnung des Return on Invest (ROI) von direkten Bildungskosten denken, stellt Bildungscontrolling für andere ein strategisches Planungsinstrument dar. „Wir verstehen unter Bildungscontrolling all jene Aktivitäten und Maßnahmen, die dazu beitragen, den erreichten oder erwarteten Bildungsnutzen in Relation zu den vorgegebenen Bildungszielen und eingesetzten Ressourcen zu evaluieren,“ schildert Volker Pohl, Spezialist für Bildungscontrolling-Tools bei der HQ Interaktive Medien GmbH. „Dieser Ansatz bezieht sich auf den gesamten Bildungszyklus von der Zielbestimmung über die Bedarfsanalyse, die Konzeption, Realisierung, Kostenplanung bis hin zur Erfolgskontrolle und Transfersicherung.“ Andere Anbieter entsprechender Tools wie etwa der Bonner E-Learning-Entwickler bureau42, integriert auch indirekte Faktoren wie beispielsweise die Motivation der Mitarbeiter oder Bereiche wie die unternehmerische Wissenssicherung in Bildungscontrolling-Maßnahmen.
Grundsätzlich zeigt die Studie, die die Einschätzungen von 144 Anbietern, 79 Anwendern und 44 Betriebsräten mittels gruppenspezifischer Fragebögen ermittelte, dass der Mehrzahl der deutschen Unternehmen bereits Lernerfolgskontrollen genügen, um ihre Weiterbildung zu evaluieren. So endet das Bildungscontrolling häufig schon da, wo es beginnen könnte. Denn die seitens der Anbietern zur Verfügung stehenden Tools ermöglichen sehr viel mehr Planungs- und Kontrollschritte, als hiesige Anwender derzeit nachfragen und einsetzen.
Ein anderes Bild ergab sich allerdings aus den Antworten der Schweizer Anwender. „Während sich die deutschen Teilnehmer fast ausschließlich auf den ROI und die Lernzielkontrollen fokusieren, waren die strategische Unternehmensbedarfsplanung ebenso wie die individuelle Karriereplanung, GAP-Analysen und Transfermessungen die eigentlichen Themen unter den Schweizer Teilnehmern der Befragung,“ bringt Thea Payome das Ergebnis auf den Punkt. Dabei ist diese unterschiedliche Sichtweise von Bildungscontrolling keinesfalls nur auf verschiedene Datenschutzgrundlagen oder den in der Schweiz geringeren Einfluss von Betriebsräten zurückzuführen. Denn ‑ auch das zeigt die Studie ‑ die mit E-Learning befassten Betriebsräte in deutschen Großunternehmen sind entgegenkommender als ihr Ruf. Sie stehen neuen Entwicklungschancen ihrer Kollegen mittels E-Learning durchaus positiv und aufgeschlossen gegenüber. Auch wenn Befürchtungen wie etwa drohende Isolation beim Lernen, Überforderung oder eine verstärkte Verlagerung der Weiterbildung in die Freizeit vorhanden sind, so erkennen die befragten Betriebsräte das Potenzial der Methode grundsätzlich an. Vielfach zeigte sich jedoch im Rahmen der Erhebung offener Regelungsbedarf. In weniger als einem Fünftel der teilnehmenden Unternehmen existierten entsprechend bindende Betriebsvereinbarungen.
Als gravierendstes Handicap erscheint den Autorinnen jedoch der Umstand, dass in 65 Prozent der untersuchten Betriebe die erfolgreiche Teilnahme an einer E-Learning-Weiterbildung keinerlei Auswirkungen für den Absolventen hat. Obwohl 81 Prozent dieser Unternehmen gleichzeitig angaben, dass Weiterbildung in ihrem Hause einen „hohen“ bis „sehr hohen“ Stellenwert einnimmt. „Mit diesem Ergebnis lässt sich zumindest ein Teil der mangelnden Motivation erklären, auf die einige Betriebe bei der Einführung von E-Learning stoßen,“ meint Thea Payome. „Doch der wechselseitige Vorteil für Mitarbeiter und Betrieb, der aus strategischer Weiterbildungsplanung und Umsetzung erwächst, ist nach unseren Ergebnissen in deutschen Firmen bisher eher selten anzutreffen.“
Darüber hinaus belegt die Studie, dass
- · bei mehr als drei Viertel der befragten Unternehmen, die E-Learning einsetzen, Kontroll- und Tracking-Instrumente vorhanden sind, doch nur ein Drittel dieser Betriebe sie auch verwendet. Dabei bleibt der konkrete Einsatz weit hinter den Möglichkeiten zurück.
- · sich für die große Mehrheit der Anbieter die aktuelle Diskussion dahingehend auswirkt, dass Bildungscontrolling-Möglichkeiten zu einem Marketing- und Verkaufsargument werden. Dabei bleibt festzustellen, dass fast zwei Drittel der potenziellen Kunden bereits mit Tools zur Erstellung von Abschlusstests zufrieden zu stellen sind. Nachträglich eingefordert werden Bildungscontrollinginstrumente derzeit in etwa einem Drittel der Fälle.
- · die Klärung von Bildungscontrollingfragen bzw. das Aushandeln von Betriebsvereinbarungen E-Learning-Projekte in rund 60% der betroffenen Fälle um Wochen und Monate verzögert.
- · nach Ansicht der überwältigenden Mehrheit der Betriebsräte, Lerndetaildaten ausschließlich in die Hände der Lernenden selbst gehören. Ein automatisches, computerbasiertes Einfließen von (E-)Lernergebnissen in die Mitarbeiter-Beurteilung lehnt die Mehrheit konsequent ab.
- · die Ergebniskontrolle einer Weiterbildungsmaßnahme in Form eines Abschlusstests oder auch einer externen Zertifizierung übereinstimmend bei allen Gruppen Anerkennung findet, während der Wert von Lernverlaufsdaten (Schnelligkeit, Häufigkeit der Übung etc.) bezweifelt wird.
Keine Kommunikationsobjekte vorhanden.

