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Leuchtturm-Projekt für Open Learning - Wie Wikipedia den Umgang mit Wissen revolutioniert

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In den Wechselwirkungen von Wikipedia mit dem Wissensmanagement von Unternehmen schlummert ein ungeahntes Potenzial. Das verdeutlichte ein Podiumsgespräch mit drei Wikipedia-Bildungsvertretern aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden am Donnerstag, 22. September 2011, auf der Messe Zukunft Personal in Köln. Am Vortag hatten sie auf Europas größter Fachmesse für die Personalarbeit stellvertretend für Jimmy Wales den Leonardo – European Corporate Learning Award in Empfang genommen.

Zu welchem Hilfsmittel greifen die meisten Beschäftigten heute, wenn sie über einen unbekannten Begriff stolpern? Sie gehen nicht etwa an ihren Bücherschrank und konsultieren einen der mittlerweile 30 Bände der Brockhaus Enzyklopädie. Nein, sie geben den Begriff in eine Suchmaschine ein und gelangen mit einem Klick zum Wikipedia-Artikel über den gesuchten Begriff. Dieser Vorgang ist für viele bereits so alltäglich, dass sie über die Existenz der Online-Enzyklopädie gar nicht mehr nachdenken.

Dabei sind die Menge und die Tiefe der gesammelten Informationen schier überwältigend. Schätzungen zufolge würde eine gedruckte Gesamtausgabe der deutschsprachigen Wikipedia-Artikel alleine rund 675 Bände füllen. Das Erstaunen über die Größe dieser Wissenssammlung schlage in eine gewisse Ehrfurcht um, wenn man sich vor Augen halte, dass Wikipedia erst vor zehn Jahren gegründet wurde und komplett durch die ehrenamtliche Arbeit von Freiwilligen entstanden sei, erklärte Günther Szogs, der „Secretary“ des Leonardo-Beirats. „Dass die Arbeit von Wikipedia heute für uns selbstverständlich ist, ist NICHT selbstverständlich, sondern sensationell.“

Großen Respekt zollten auch die anwesenden Beiräte dem Projekt Wikipedia, seinem Gründer und den vielen Freiwilligen, die gemeinsam den Umgang mit Wissen grundlegend verändert hätten. Professor James Powell (University of Salford, Manchester), Professor Günter Koch (Generalsekretär des New Club of Paris) und Professor Dagmar Woyde-Köhler (Geschäftsführerin der EnBW-Akademie) kamen im Leonardo-Forum stellvertretend für das gesamte Gremium zu Wort, das jährlich über den Leonardo-Preisträger entscheidet.

Freiwillige leisten den Löwenanteil an Wikipedia

Jeder, der sich begeistert mit einem bestimmten Thema beschäftige und die wenigen Basisregeln von Wikipedia beherzige – wie zum Beispiel eine neutrale und durch Belege gestützte Schreibweise –, könne mit seinem Wissen zu der Online-Enzyklopädie beitragen, erklärte Denis Barthel, Projektleiter bei Wikimedia Deutschland, im Leonardo-Forum der Messe Zukunft Personal.

„Die Arbeit der Freiwilligen ist sehr wertvoll“, drückte Barthel seine Anerkennung für die weltweit hunderttausenden ehrenamtlichen Autoren und Lektoren aus. Deshalb unterstützten die jeweiligen Wikimedia-Organisationen die Freiwilligen etwa durch die Organisation von Treffen zwischen „Wikipedianern“ und Experten, durch die Bereitstellung von Ausrüstung und die Ansprache weiterer Gruppen zur Mitarbeit.

Das Verhältnis zwischen Wikipedia und Unternehmen sei anfangs von gewissen Spannungen geprägt gewesen, konstatierte Barthel. Das habe damit zu tun, dass Unternehmen die Kontrolle über ihr Wissen nicht verlieren wollten, weil sie es als ihr Eigentum begriffen. Dennoch gebe es bereits sehr gute Erfahrungen mit Unternehmen und Wege, zu einer guten Zusammenarbeit zu kommen. Unternehmen müssten die Regeln von Wikipedia anerkennen und verstehen, dass sie die Freiwilligen nicht kommandieren könnten. „Firmen könnten die Wikipedia-Autoren jedoch nach ihren Ideen befragen und Wege finden, Firmenwissen mit der Öffentlichkeit zu teilen“, stellte Barthel in Aussicht. Wer Wissen teile, habe am Ende nicht weniger Wissen, sondern bekomme ein Vielfaches seines Einsatzes zurück.

Unsinn und Irrelevantes ausschließen

Wikipedia gründe sich auf einige zentrale Werte, erklärte Ziko van Dijk, Autor des Buches "Wikipedia. Wie Sie zur freien Enzyklopädie beitragen" und Vorsitzender von Wikimedia Nederland. Weit oben stünden die Werte freie Inhalte und Zugänglichkeit für alle. Um Wikipedia richtig verwenden zu können, sei es für die Nutzer wichtig zu verstehen, wie die Enzyklopädie funktioniere – also auf welche Weise Artikel verfasst und bearbeitet würden.

Er erläuterte das Verfahren anhand eines Beispiels: Bei Wikipedia habe er einen Artikel über das niederländische Verfassungsrecht verfasst, den ein normaler Verlag niemals abgedruckt hätte, weil er kein Professor für Verfassungsrecht sei, erzählte van Dijk. Auf Wikipedia sei sein Artikel jedoch von anderen Nutzern erweitert, verbessert und auf Fehler überprüft worden. „Der einzelne Autor muss nicht über ein lückenloses Wissen zu dem Thema verfügen, über das er schreibt. Andere steuern ihren Teil bei“, ermunterte van Dijk zum Mitmachen.

Um die Qualität der Enzyklopädie zu erhöhen, würden Artikel über Themen und Personen, die nicht die Relevanzkriterien erfüllten oder augenscheinlich Unsinn oder Unwahrheiten enthielten, von Administratoren gelöscht. Zudem helfe Wikipedia dabei, die Qualität der Artikel sichtbar zu machen. Anhand der Versionsgeschichte könnten Nutzer die Änderungen an jedem Artikel nachverfolgen. Auch würden Beiträge mit wenigen Belegen und einseitiger Sichtweise auch als solche gekennzeichnet.

Wikipedia als „Taschenrechner“ im Unterricht

Den Umgang mit unterschiedlichen Medien zu schulen – auch mit Wikipedia – sei in Zeiten von immer und überall verfügbaren Informationen wichtiger als Faktenwissen anzuhäufen, plädierte Nando Stöcklin in seinem Vortrag. „Die Art und Weise, wie wir in Schulen lernen und auch was wir lernen, muss sich ändern“. Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Zentrum für Bildungsinformatik der Pädagogischen Hochschule Bern geht seit Jahren der Frage nach, wie Wikipedia für das Lernen genutzt werden kann. Seiner Meinung nach entstehe das häufig angeführte Problem von Plagiaten beim Verfassen von Hausaufgaben darin, dass Lehrer mit überkommenen Aufgabenstellungen arbeiteten.

Um zum Beispiel Napoleons Russlandfeldzug zu beschreiben, liefere Wikipedia Schülern eine hervorragende Vorlage, die zum Abschreiben einlade.  Eine zeitgemäße Aufgabe sei es hingegen, Schüler eine fiktionale Geschichte aus der Sicht eines Schweizer Soldaten schreiben zu lassen, der an diesem Feldzug teilgenommen hat. Dabei könnten die Schüler die grundlegenden Informationen, die sie auf Wikipedia finden, nutzen und eine eigene Leistung erbringen, bei der sie auch etwas lernten, illustrierte Stöcklin seinen Ansatz. Ähnlich wie der Taschenrechner, den viele Lehrer zunächst als unerlaubtes Hilfsmittel angesehen hätten, werde auch Wikipedia einen Wandel bei Unterrichtskonzepten bewirken.

Etablierte Erfindungen neu verknüpfen

„Die Beiträge der Wikipedianer haben gezeigt, dass sie die Möglichkeiten des Editierens, Nutzens und Bewertens einer offenen Enzyklopädie ausreizen“, so Leonardo-Sekretär Szogs in seinem Schlusswort. Ihr Impuls sei es aber nicht, die Wissensarbeit der Unternehmen damit zu unterstützen. Diese wiederum seien hauptsächlich an Promotion interessiert und schnell verärgert, wenn sie die Darstellung auf Wikipedia nicht mitbestimmen könnten. „Dabei schlummert gerade in der Wechselwirkung ein ungeahntes Potential, von dem beide Seiten noch kein wirkliches Verständnis haben.“

Apps wie zum Beispiel „Wikihood Plus“ koppelten Wikipedia-Einträge an GPS und OpenMaps und machten die Informationen so situativ verfügbar. „Indem wir solche etablierten Erfindungen verknüpfen, werden ungeahnte und auch geschäftlich relevante Potentiale frei“, erklärte Szogs. Dafür sei es aber wichtig zu verstehen, dass Denken, Wissen und Lernen nicht delegierbar sei und sich nicht durch Denkverbote beeinflussen lasse. Teilweise hätten zwar die Unternehmen mit der Explosion von Social Media bemerkt, dass sie mit Kunden und Mitarbeitern stärker in Dialog treten müssten. „Doch in Unternehmen ist der sonst höchst erwünschte Wikipedia-Ansatz ‚dare to share‘ heute noch am schwierigsten zu realisieren.“

Weitere Informationen zum Leonardo-Award sind unter www.leonardo-award.eu verfügbar.


Über den Leonardo – European Corporate Learning Award
Um die europäische Wirtschaft leistungsfähiger und verantwortungsbewusster zu machen, hat ein Initiativkreis aus dem Umfeld der Messe Zukunft Personal einen Preis ins Leben gerufen, der europaweit wirkende Ideen und neue Wege für Corporate Learning auszeichnet. Mit dem „Leonardo – European Corporate Learning Award“ werden Personen geehrt, die „Leuchtturm-Projekte“ für die Bildung in Europa initiiert und realisiert haben und damit als Orientierungsmarke für andere Akteure in Europa Bedeutung haben. Die Auszeichnung erhalten die Preisträger jährlich im Herbst auf der Messe Zukunft Personal.

Über die Messe Zukunft Personal
Vom 25. bis 27. September 2012 öffnet die Zukunft Personal, Europas größte Fachmesse für Fragen rund um das Thema Personal in Unternehmen, bereits zum 13. Mal ihre Tore. Rund 12.000 Personalverantwortliche aus dem In- und Ausland informieren sich jährlich in Köln über Strategien und Lösungen für Personalmanagement. Bekannt ist die Messe insbesondere für ihr umfangreiches Vortragsprogramm zu den aktuellen Trends. Das Themenspektrum reicht von Recruiting und Retention über Leadership-, Weiterbildungs-, Arbeitsrechts- und Softwarefragen bis hin zur Zukunft der Arbeitswelt.

Über spring Messe Management GmbH & Co. KG
In zwölf Metropolen Europas veranstaltet spring Messe Management Fachmessen zu den Themen Personalmanagement, Weiterbildung, E-Learning, Arbeitssicherheit, Public Sector, Office Management, Online-Marketing und Corporate Health. Langjährige Messe-Erfahrung, thematische Expertise und nachhaltige Kundenorientierung machen die Veranstaltungen von spring zu etablierten Branchenplattformen. spring-Fachmessen sind ein Seismograph für neue Produkte, Ideen und Managemententwicklungen. Das Unternehmen ist in sieben Ländern vertreten: Deutschland, Österreich, der Schweiz, Ungarn, Russland, Spanien und Frankreich.


Pressekontakt

Stefanie Hornung
Pressesprecherin „Zukunft Personal“

Tel. +49 621 70019-72
Fax +49 621 70019-19
E-Mail s.hornung@messe.org

Bettina Wallbrecht
Pressereferentin spring Messe Management

Tel. +49 621 70019-27
Fax +49 621 70019-19
E-Mail b.wallbrecht@messe.org

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