Weiterentwickelte Autorentools rücken in die Nähe von Redaktionssystemen
Ursprünglich galt es, Autoren in die Lage zu versetzen, auch ohne Programmierkenntnisse direkt an eLearning-Inhalten zu arbeiten. Wie sich die Ansprüche an den Content selbst steigern, so verändern sich auch die Merkmale der für den heutigen Markt bereitgestellten Autorensysteme. Drei exemplarische Beispiele stehen für drei sich abzeichnende Markttrends.
Wer sich heute über Autorensysteme informieren will, steht vor einem immer weniger überschaubaren Angebot. „Wildwuchs“ nennt es Andreas Link von Link & Link Software, jener Softwareschmiede, aus der das Autorensystem IDEA schon in den 90er Jahren hervorging. Als einer der „Big Player“ neben Macromedia auf dem Autorensystemmarkt, benötigen Anwender dieser Produkte ein „gewisses technisches Grundverständnis“, wie es Andreas Link ausdrückt. Bei Großkunden wie TUI, Linde, Rewe oder den R+V-Versicherungen ist IDEA 4.0 im Einsatz. Dabei setzt Link & Link vor allem auf Java-Basiertheit und XML als Speicherformat, denn bei diesen Unternehmen stehen hohe Anforderungen an die IT-Sicherheit im Vordergrund, die ein Tool wie IDEA erfüllt.
Auf Kundenbedürfnisse zugeschnitten
Doch andere Kunden setzen andere Prioritäten. Aus Andreas Links Perspektive bedienen eine Vielzahl von Autorentools vor allem das Bedürfnis nach möglichst vereinfachter Handhabung. „Die meisten bieten diese einfachste Bedienung, die auf einem templade basierten System beruht. Doch diese Attribute erfüllen die Anforderungen der Kunden so gut wie nie,“ sagt er aus Erfahrung. Link & Link kommt dem Bedürfnis nach Einfachheit dahingehend entgegen, dass eine „abgespeckte“ Version, die je nach Kundenbedarf die passende Teilmenge von IDEA Professional enthält, künftig das Arbeiten mit diesem Autorentool erleichtert. „Es wird der ,kleine Bruder’ von IDEA sein, der allerdings höher spezialisiert ist, denn was er kann, kann er besser als alle anderen vereinfachten Systeme“ beschreibt Andreas Link das neue Produkt.
Darüber hinaus bietet das kleinen IDEA-Tool den Komfort, das alles, was mit ihm erstellt wurde auch mit der umfassenderen IDEA-Ausstattung bearbeitbar ist. So genießen die Kunden den Vorteil, dass die Investition geringer ausfällt, aber bei späterer Aufstockung kein Technologiewechsel erforderlich ist.
Ein System für Teamarbeit mit Fachautoren
Durchaus auch von einfacher Handhabung, aber von ganz anderen weiterführenden Gesichtspunkten ließ sich der IT-Dienstleister Beck et al. Services bei der Entwicklung seines neuen Autorentools „Vidya“ leiten. Groupware-Ansätze und „Prozessmanagement-Denke“ standen Pate bei der Entstehung des Tools, das man fast als Redaktionssystem bezeichnen könnte, denn „es führt aufgrund seiner Strukturvorgaben zu prägnanteren Inhalten bei minimiertem Zeitaufwand“, beschreibt Entwickler Stefan Kurz die Vorzüge. Der Informationsaufbau, der anhand von vier Informationstypen vorgenommen wird, denen wiederum eine streng gegliederte Lerntheorie zugrunde liegt, macht eindeutige Zuordnungen nötig. „Dies wirkt sich besonders vorteilhaft bei großen, unstrukturierten Content-Mengen aus,“ weiß Kurz.
Vidya soll dem Fachexperten die Erstellung der Inhalte erleichtern und ihn gleichzeitig in der Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten wie etwa dem Redakteur, dem Übersetzer und dem Mediaentwickler unterstützen. „Jeder Rolle sind passende Workflow-Tools zugeordnet,“ erklärt Kurz, „die effiziente Schnittstellen ermöglichen und einen ,Overhead’ verhindern.“ Dabei ist Vidya sowohl als „Service on Demand“ über das Internet verfügbar, als auch als „Inhouse“ Applikation vor Ort.
Beck et al. Services-Gründer und Geschäftsführer Siegfried Lautenbacher betrachtet die Einsatzmöglichkeit von Vidya strategisch: "Der wesentliche Kostenblock bei der Erstellung von eLearning Kursen ist die Content-Produktion. Wir geben Unternehmen mit Vidya eine Hilfe an die Hand, qualitativ hochwertig und kostengünstig Inhalte zu produzieren. Auf diese Weise müssen externe Medienentwickler seltener eingeschaltet werden. Gleichzeitig bekommt man durch die Projektcontrolling-Funktionalitäten von Vidya eine genaue Ein- und Übersicht in den Prozess der Inhalteerstellung, die kollaborativ abläuft. Vorteilhaft also vor allem für Contentproduktionen, die über Fachabteilungsgrenzen hinweg ablaufen oder auch für die Verteilung von Wissen an den Außendienst. Ich denke hier vor allem an Produktschulungen, IT-Inhalte oder Schulung von CRM-Prozessen."
Ein Instrument für Trainer und Dozenten
Wieder eine andere Zielgruppe und deren spezielle Bedürfnisse adressiert „author42“ aus dem Hause „bureau42“. Geschäftsführer Philipp Kröpelin beschreibt das Tool als „datenbank-basiertes System, das den Zugriff der eLearning-Autoren über das Internet ermöglicht.“ So können Inhalte online erstellt und anschließend downgeloaded werden. „Wir wollen unterrichtende Einzelpersonen wie Trainer, Hochschullehrer, Dozenten und Lehrer ansprechen. Unser ganz besonderes Augenmerk gilt dabei den Trainern, die sich in Sachen eLearning nach meinem Eindruck immer noch sehr zurückhalten. Das hat natürlich mit den Kosten für Technologien und mit den Kompetenzen zu tun, die Autoren mitbringen müssen, um einigermaßen ansprechend gestaltete webbased Trainings zu produzieren. Wir bieten dieser Zielgruppe eine intuitive Benutzerführung und ein ‑ angesichts des Leistungsumfangs ‑ sehr annehmbares Preismodell an,“ schildert Kröpelin die Zielrichtung des bisher einzigen Autorentools, das im ASP-Modell (Application Service Providing) zu haben ist.
Dabei denken die Entwickler von bureau42, einer Ausgründung der Fraunhofer Gesellschaft, auch über die Trainer hinaus bis zum Endanwender. „Inhalte, die mit einem Autorensystem produziert werden, müssen von den Lernern als angenehm empfunden werden,“ meint Kröpelin, der die aktuelle Tendenz zur Vereinfachung im Umgang mit Autorensoftware für zukunftsbestimmend hält. „Unsere Kunden, die Autoren, sollten deshalb durch uns in die Lage versetzt werden, schnell, einfach und ohne lange Einarbeitung hochqualitative Inhalte zu erstellen. Dieser Trend wird den Markt bestimmen: Trainer sind es gewohnt, mit einem simplen System wie PowerPoint schnell einige Unterlagen zusammenzustellen. Die WBT-Autorensoftware muss deshalb ähnlich einfach und intuitiv zu handhaben sein. Obwohl author42 eine Internet-Anwendung ist und unsere Autoren ausschließlich einen Standard-Internetbrowser auf ihrem eigenen Rechner benötigen, werden wir im nächsten Entwicklungsschritt die Erstellung aller Inhalte per Drag & Drop ermöglichen. Damit kommen wir dem Trend zur Einfachheit dann schon sehr nahe.“
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