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E-Recruiting und Medienkompetenz

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"Schüler von heute sind nicht schlecht, sondern anders"

Eine aktuelle Studie*) zur Mediennutzung bei Jugendlichen ergab folgende Aussagen: Der Zugang zu Computern liegt in den Haushalten der Jugendlichen bei 100 Prozent. 86 Prozent der Jugendlichen nennen die Nutzung des Internets als wichtigste Medienbeschäftigung. Ausbildungsleiter von heute sollten diese Zahlen  einen genauen Blick auf das eigene Recruiting wert sein. Frank Fillinger, Leiter kaufmännische & IT-Ausbildung bei der Roche Diagnostics GmbH in Mannheim bestätigt diese Ergebnisse durch seine persönliche Erfahrung mit der Einführung des U-Form-Onlinetests.

 

Herr Fillinger, seit wann nutzen Sie die Onlinetests vom U-Form Verlag?
Wir setzen die Onlinetests erst seit 2010 ein. Das heißt, im September 2011 fangen die ersten Auszubildenden an, die den Onlinetest erfolgreich absolviert haben.

Was hat sich im Bewerbungsverfahren geändert?
Früher haben wir die Jugendlichen, deren Bewerbung uns überzeugt hat, direkt zu einem Testtag eingeladen. Dort wurden dann die Präsenztests vom U-Form-Verlag gemacht, eine Gruppenübung und ein Interview. Jetzt absolvieren die Jugendlichen erst den Onlinetest und nur, wer den erfolgreich besteht, wird zum Testtag eingeladen.

Was war für Sie der ausschlaggebende Grund Onlinetests einzuführen?
Entscheidend für uns ist die Möglichkeit, viel schneller mit den Jugendlichen in Kontakt treten zu können. Wenn uns eine Bewerbung erreicht, können wir direkt entscheiden, ob der Bewerber einen Zugang zum Onlinetest bekommt. Wenn ja, geben wir ihm zwei Wochen Zeit, diesen zu absolvieren. Das kommt auch bei den Bewerbern positiv an, da sie so die Möglichkeit haben, den Test nicht nur in der gewohnten Umgebung zu Hause zu absolvieren, sondern auch noch an dem Tag und zu der Zeit, wo sie sich am fittesten fühlen. Natürlich bedeutet ein Onlinetest für uns auch ein viel besseres Zeit- und Kostenmanagement.

Gab es vor der Einführung Vorbehalte bei Roche Diagnostics?
Ja, durchaus. Hier ging es zum einen um die Täuschungsproblematik, wenn die Jugendlichen den Test zu Hause machen. Zum anderen wurde angemerkt, dass wir mit dem Onlinetest eventuell Bewerber ausschließen, die keinen Onlinezugang haben.

Konnten Sie die Vorbehalte widerlegen?
Ja, voll und ganz. Der jetzt stattgefundene erste Durchlauf war für uns ein Pilotprojekt. Aufgrund des vollen Erfolgs werden wir zukünftig nur noch Onlinetests anbieten. Unser Bewerbermanagement läuft seit mehr als zwei Jahren auch komplett online. Es bestätigt sich hier, dass die Jugendlichen heute fast ausnahmslos online zu finden sind und eine viel höhere Medienkompetenz mitbringen, als wir manchmal denken. Wir haben in der Pilotphase angeboten, dass Jugendliche ohne Onlinezugang den Test auch bei uns im Unternehmen ablegen können. Dies ist allerdings von keinem wahrgenommen worden. Das Problem des Täuschungsversuchs haben wir mit einem Re-Test vor Ort überprüft. Die Schummelrate war nicht weiter erwähnenswert. Zudem war die Quote der erfolgreichen Teilnehmer fast identisch mit den Quoten der Präsenztests in den vergangenen Jahren.

Wie fällt das Feedback der Bewerber aus?
Ich bin mir ziemlich sicher, dass es den meisten Jugendlichen entgegen kommt, dass sie den Test in einer gewohnten Umgebung ablegen. Da fallen Aufregung und Konkurrenzgedanken weg. Generell ist der Onlinetest sehr positiv angenommen worden. Das System ist absolut selbsterklärend und stabil. Wenn Kritik kam, war es eher Systemkritik – allerdings hat sich in den wenigen Einzelfällen meist herausgestellt, dass die Bewerber lediglich eine Möglichkeit gesucht haben, den Test noch einmal zu machen.

Zeigen diese Erfahrungen, dass Unternehmen heute vielleicht anders mit Bewerbern umgehen müssen als vor zehn Jahren?
Ich denke schon. Ich halte auch nichts von einer Generalschelte, dass die Bewerber von heute alle schlechter sind. Die Bewerber sind einfach anders als vor zehn Jahren.
Ich habe ein Beispiel: Wir haben früher einen selbst gestalteten Test für naturwissenschaftliche Fragen gehabt. Den fand ich persönlich eher einfach. Jetzt haben wir erstmals einen Test vom U-Form Verlag eingesetzt. Am Ende stellte sich heraus, dass die Bewerber beim neuen Test viel besser abschnitten. Aus meiner Sicht liegt das daran, dass die dortigen Fragestellungen viel eher denen entsprechen, die die Bewerber aktuell auch in der Schule bekommen.
Auch wir haben die Erfahrung gemacht, dass heutige Bewerber im ersten Anlauf oft Schwierigkeiten mit Grundlagenkenntnissen haben, wie zum Beispiel der Dreisatz. Die meisten können das aber, sobald die Vorgehensweise einmal wiederholt wird. Dafür bringen die Bewerber andere Kompetenzen mit, die früher eher weniger vorhanden waren. Die Medienkompetenz ist sehr hoch, Internetkenntnisse sind überhaupt kein Problem mehr, die Jugendlichen haben ein sehr breit gefächertes Interesse und sind auch überaus teamfähig.
Genau diese Kompetenzen bedingen meiner Meinung nach auch ein bisschen die Defizite in der Abfrage von Grundlagenwissen. Die Jugendlichen sind einer viel höheren Informationsflut ausgesetzt. Alles, was man wissen muss, kann man heute schnell im Internet nachschlagen. Das alles sind Entwicklungen, auf die sich auch die Unternehmen im Bewerberprozess einstellen sollten.

Ausbildung bei der Roche Diagnostics GmbH

Die Roche Diagnostics GmbH stellt am Standort Mannheim rund 100 Ausbildungsplätze jährlich zur Verfügung. Diese verteilen sich auf 20 verschiedene Ausbildungsberufe, einige davon mit dualem Studienangebot. Jährlich erreichen Roche rund 2.500 Bewerbungen für diese Plätze. Weitere Informationen finden sich unter: www.roche.de

*) JIM = Jugend, Information (Multi-)Media. Seit 1998 wird mit der JIM-Studie im jährlichen Turnus eine Basisstudie zum Umgang von 12- bis 19-Jährigen mit Medien und Information durchgeführt. Die Studie wird vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs) durchgeführt und steht unter www.mpfs.de als kostenloser Download zur Verfügung.

Dieser Beitrag erschien in der Personalwirtschaft, eine Marke der Wolters Kluwer Deutschland GmbH, mit freundlicher Genehmigung des Wolters Kluwer Verlags. Das Magazin für Human Resources Personalwirtschaft können Sie hier bestellen.

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