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Virtual Roundtable "EAI: Der Hoffnungsträger der IT-Branche"
1. Entwicklungen der vergangenen 12 Monate
Competence Site:
Was waren im vergangenen Jahr die wichtigsten Ereignisse und Entwicklungen im EAI-Markt? Was waren die wichtigsten Ereignisse und Entwicklungen für Ihr Unternehmen? Wie haben Sie als Vertreter Ihres Unternehmens die letzten zwölf Monate erlebt?
Mario Sailer:
Im vergangenen Jahr gab es aus Sicht des EAI-Marktes zwei wesentliche Ereignisse und Entwicklungen. Die eingetretene Ernüchterung in Bezug auf E-Business ist ein Ereignis, das die gesamte IT-Branche getroffen hat. Die Konsequenzen für das Thema EAI waren jedoch ganz andere als für die meisten anderen der E-Business-Themen. Während des E-Business-Hypes standen für viele Unternehmen Projekte im Vordergrund, die gegenüber den Aktionären dokumentierten, daß man ebenfalls an diesem Trend teilnahm. Virtuelle Marktplätze, E-Commerce und die Entwicklung von Webanwendungen standen im Vordergrund. An eine Integration dieser Systeme in die bestehende IT-Infrastruktur wurde oft nicht oder nur unzureichend gedacht. Nun konzentrieren sich die Unternehmen auf Projekte, die ihnen helfen Kosten zu reduzieren oder ihr bestehendes Geschäft besser zu organisieren, anstatt sich Gedanken über neue Geschäftsmodelle im Internetumfeld zu machen. In diesen Bereichen kann EAI einen sehr guten Beitrag leisten. Von vielen Unternehmen wurde und wird dies zunehmend erkannt, so daß das Thema EAI eine höhere Aufmerksamkeit auch in den höheren Managementebenen erfährt. Hier sind weniger die technischen Spielereien gefragt, sondern vielmehr Technologien, die geeignet sind die Ertragslage eines Unternehmens zu verbessern.
Die zweite Entwicklung war das Aufkommen von Webservices als neuer Technologie um Systeme mit Hilfe von Internetstandards wie XML und HTTP miteinander zu integrieren. Webservices stellen eine interessante Entwicklung dar, die allerdings bei weitem noch nicht ausgereift und zur Zeit als Integrationstechnologie lediglich in Spezialfällen geeignet ist.
Uwe Dreßel:
Das Jahr 2001 war für den EAI Markt durch 2 Punkte gekennzeichnet:
Das veränderte Bewusstsein für EAI in den Unternehmen. EAI hat sich in den letzten Monaten von einem technisch getriebenen Thema zu einem Gebiet mit zunehmendem Managementbewusstsein entwickelt. Die Erfahrungen aus den bisherigen Projekten hat großen Einfluss an das Herangehen an EAI in Planung und Durchführung. Vor allem die ganzheitliche Betrachtung aller Unternehmensbereiche und -prozesse führt zu erhöhten Anforderungen und Erwartungen seitens des Managements.
Die Konsolidierung des Marktes der EAI Anbieter. 2001 war, besonders im 2. Halbjahr durch einen starken Konsolidierungsprozess gekennzeichnet. Das zeigt, dass sich bestimmte Architekturen und technische Lösungen durchsetzen. Das erschwert allerdings auch die Wahl des „richtigen“ EAI Anbieters durch den Kunden. Die Konsolidierung wurde außerdem durch das schwere wirtschaftliche Umfeld beeinflusst. Besonders kleine Anbieter sind so von der Marktoberfläche verschwunden.
Compuware hat das Jahr 2001 dazu genutzt, um das Leistungsangebot im EAI Bereich durch den Ausbau des Angebotes im Bereich Prozessintegration / B2B Messaging zu erhöhen.
Matthias Feßenbecker:
Ich beobachte immer wieder, wie ein Thema, das zum Hypethema wird, gleichzeitig seinen Fokus zu verlieren droht. Jeder will dabei sein und plötzlich waren „alle Softwareanbieter“ irgendwie „EAI Anbieter“. Ganz ähnlich läuft es derzeit mit dem Thema Web Services.
Dass eine SAP und andere Hersteller von Anwendungssoftware im Integrationsumfeld Ihr Heil suchen, bestätigt die Bedeutung die diesem Thema und dem damit verbundenen Umsatzpotential für Hersteller von Integrationshersteller zugemessen wurde und wird.
Dass die Zahlen sich langsamer entwickeln als gedacht, mag auch an der wirtschaftlichen Entwicklung nach dem 11.September liegen. Integration ist wichtig, aber es geht zumindest in vielen Fällen auch ohne, d.h. wie schon immer / von Hand. Die Investition lässt sich in unsicheren Zeiten also ein wenig verschieben.
Andererseits rückt die aktuelle rezessive Phase das Kostenbewußtsein wieder in den Vordergrund. Da Integrationsprojekte i.d.R. Rationalisierungprojekte sind, die in Kosteneinsparungen münden (sollen), erwarte ich nicht, dass der Markt weiter einbricht. Die Unternehmen werden scharf kalkulieren und die Projekte, die sich rechnen, auch machen.
Michael Pohl:
Eine deutliche Umorientierung der Kunden von angeblichen Standard-EAI-Lösungen zu J2EE-basierenden Entwicklungen für EAI. Dies ist eine Bestätigung der Entwicklungsstrategie der Business 4 Enterprise GmbH, da wir von Anfang an eine an J2EE und anderen modernen Standards orientierte und offene EAI-Komponenten-Architektur konzipiert und entwickelt haben. Auch die Welle der Fusionen zwischen Anbietern hat gezeigt, dass die Angebote den Anforderungen nicht hinterher kamen. Auch dies ist ein deutlich positives Signal für die Strategie und Leistung der Business 4 Enterprise GmbH. Weiter bewerten wir die Diskussion um Begriffe und Architekturen als wichtig, da die Kunden mit neuen Begrife und alten Architekturen nicht umgehen können. Wir glauben, dass eine Definition und von Begriffen deren Etablierung notwendig ist, um schneller Geschäft zu generieren und erfolgreiche Projekte abzuwickeln.
Verlässliche Kundenprojekte und eine sehr gute gewinnbezogene Entwicklung. Verantwortungsvolle Aufgaben in großen Integrationsprojekten, die ihrer Art alle Ehre machen. Unternehmenszuwachs um 100% im Bereich Mitarbeiter und Umsatz/Gewinn.
In einem ständigen positiven Auf und Ab. Mit sehr viel interessanter und inhaltlicher Arbeit und tollen Kontakten zu sehr großen Kundenunternehmen. Mit viel Engagement, Zuspruch, Freude und Trauer.
Dirk Blum:
Die vorhersehbare Konzentration des Anbietermarktes durch Zukäufe (z. B. IBM/Crossworlds, Sybase/Neon) war eine der zentralen Entwicklungen im EAI-Markt. Dieser Trend wird sich auch im Jahr 2002 fortsetzen. Einige der global operierenden EAI-Anbieter werden in den nächsten Monaten ihre Eigenständigkeit verlieren.
Der Einstieg der SAP AG in dieses Marktsegment ist für uns die herausragende Entwicklung des letzten Jahres. Auch wenn sich die „Exchange Infrastructure“ noch in der Entwicklungsphase befindet, kann sich die SAP vermutlich auf ihre treue Kundenbasis verlassen. Viele SAP-zentrierte Anwender verschieben momentan ihre EAI-Entscheidungen und warten die weiteren Entwicklungen aus Walldorf ab.
Der Wettbewerb zwischen den reinrassigen EAI-Anbietern und Unternehmen wie SAP, IBM oder Microsoft verspricht eine „spannende“ Marktentwicklung in den nächsten Monaten.
Ulrich Pape:
Als Betreiber des Competence Center’s können wir einen starken Anstieg des Interesses am Thema EAI feststellen. Es hat sich mittlerweile ein Kreis von interessierten Personen etabliert, die einen regen Austausch von Informationen betreiben und durch diverse aktuelle Beiträge die Entwicklung von EAI begleiten und dokumentieren. In vielen Fachpublikationen wird das Thema intensiv diskutiert, wodurch die Entwicklung von EAI vorangetrieben wird. Einen weiteren Schub verspreche ich mir dabei auch von der Entwicklung im Bereich Web-Services. Allerdings ist im eBusiness auch eine gewisse Ernüchterung festzustellen, sodass die Unternehmen jetzt in der Verpflichtung stehen, die Integration der angeschafften Lösungen voranzutreiben, um die in Aussicht gestellten Synergien auch zu realisieren. Das ist auch ein Grund für die positiven Aussichten von EAI, obwohl generell eine Stagnation oder sogar ein Rückgang bei den IT-Investitionen zu verzeichnen ist.
Jochen Walter:
Eines der bedeutenden Ereignisse war sicher der Kauf von Crossworlds durch IBM im Oktober 2001. Generell war das Geschehen in der Branche neben den Ankündigungen immer neuer Funktionalitäten von Übernahmen und dem Abschluss strategischer Partnerschaften geprägt. Die Marktkonzentration um die 3 führenden Hersteller IBM, TIBCO und WebMethods (Quelle: Wintergreen Research) nahm daher wie erwartet weiter zu. Darüber hinaus waren in den letzten 12 Monaten eine beginnende Branchenfokussierung und die stärkere Popularität des Themas „Geschäftsprozessintegration“ zu beobachten. |