Es kam jedoch in vielen Fällen völlig anders: Lopez führte konsequent den Weltbeschaffungsmarkt in den Einkaufsprozess, Global Sourcing genannt, ein. Mit den daraus resultierenden Benchmarks wurden die Bestandslieferanten quantifiziert. Häufig empfanden die betreffenden Unternehmen diese Benchmarks jedoch als unrealistisch. Es gelang dem Spanier allerdings, die Bestandslieferanten durch Kontinuierliche-Verbesserungsprozess-Workshops vom Gegenteil zu überzeugen. So entwickelte sich zum Beispiel der Besuch der Lopez-Mannschaft nicht nur für Siemens zum Produktivitäts-Turbo. Bei der Inspektion einer Fertigungsstraße für Klimaanlagen entdeckte die Crew des Opel-Managers bei dem Elektronik- Multi ungenutzte Produktivitätspotenziale von sagenhaften 46 Prozent und lieferte gleich noch die Anleitung, um die vorhandenen Defizite zu beseitigen. »Ganz nebenbei« verkürzte Lopez mit seinem Team auch noch die Durchlaufzeit der Montagelinie um 85 Prozent. Der Materialbestand wurde um 95 Prozent gesenkt. Schließlich verminderten sich die Produktionskosten für Siemens um satte 20 Prozent. Völlig klar, dass der Spanier nicht als Robin Hood der Zulieferbranche unterwegs war, sondern von den Opel-Lieferanten für seine Tipps zur Profitabilitätssteigerung entsprechende Preiszugeständnisse haben wollte. Heute geben viele Zulieferer, die in der Ära Lopez noch zu den erklärten Gegnern seiner unkonventionellen Methoden gehörten, unumwunden zu, dass sie ohne seine Anleitungen ihre dringend notwendige Restrukturierung wohl niemals begonnen, geschweige denn erfolgreich durchgeführt hätten.
Lesen Sie das erste Kapitel "Wenn's um Einkaufen geht, halten wir uns alle für Weltmeister" aus dem Buch Milliardengrab Einkauf von Gerd Kerkhoff mit freundlicher Genehmigung des Wiley-VCH Verlag.
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