Seit nunmehr sechs Jahren prüft Prof. Dr. Heike Bruch von der Universität St. Gallen im Rahmen des Projekts „Top Job" die Arbeitgeberqualitäten deutscher Mittelständler. Jahr für Jahr ermittelt sie so die besten Arbeitgeber in Deutschland. In dieser Zeit hat sie mehr als 1.000 Unternehmen durchleuchtet und einen umfassenden Einblick in den Stand der dortigen Personalarbeit gewonnen. Ihre Analyseergebnisse helfen Berufseinsteigern und -wechslern bei der Jobsuche.
Frau Prof. Bruch, was macht denn nun einen guten Arbeitgeber aus?
Gute Arbeitgeber zeichnen sich beispielsweise durch gute Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter, eine Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, die Möglichkeit, eigenständig zu arbeiten, oder auch durch gute Führung aus. Insgesamt sollte der Bewerber versuchen herauszufinden, wie hoch das Thema „Personalmanagement" im Betrieb selbst gehängt wird. Hinweise darauf kann er zum Beispiel über die Unternehmenswebsite oder über Gütesiegel wie „Top Job" finden. Merkt man, dass dem Unternehmer, dem Geschäftsführer die Personalarbeit und seine Mitarbeiter langfristig wichtig sind? Wenn das so ist, stehen die Chancen gut, dass es sich um einen guten Arbeitgeber handelt.
Sie betonen in Ihren Studien immer wieder, wie wichtig „Employer Branding" gerade für kleinere Unternehmen ist. Warum?
Mittelständische Unternehmen haben in den seltensten Fällen die Möglichkeit, im Bewerbermarkt über ihren Namen oder bekannte Produkte zu punkten. Das ist schade, denn unter ihnen sind zahlreiche echte Perlen - „hidden champions", internationale Marktführer und eben auch wirkliche Top-Arbeitgeber. Für diese häufig weniger bekannten Unternehmen ist es unabdingbar, auf sich aufmerksam zu machen und sich mit ihren Stärken zu positionieren.
Und was habe ich als Mitarbeiter davon?
„Employer Branding" heißt ja vor allem auch, dass man hält, was man als Arbeitgeber verspricht! Also erstens: Ich muss ein guter Arbeitgeber sein oder werden. Und zweitens: Das muss ich dann systematisch bekannt machen, ich muss mich also „branden".
Bei „Top Job" prüfen wir den ersten Punkt und unterstützen die Unternehmen, die da bereits gut abschneiden, beim Branding. Wenn ich mich also bei einem der ausgezeichneten Arbeitgeber bewerbe, dann kann ich mir sicher sein, dass es sich erwiesenermaßen um einen solchen handelt.
Aber wie es wirklich ist, kann ich doch erst wissen, wenn ich tatsächlich im Unternehmen arbeite, oder?
Nicht unbedingt. Ein essenzieller Bestandteil bei „Top Job" ist die Mitarbeiterbefragung. Das heißt, wir untersuchen nicht nur, wie professionell die Instrumente sind, die das Unternehmen in der Personalarbeit einsetzt.
Wichtiger ist die Antwort auf die Frage, was davon bei den Mitarbeitern ankommt. Sie haben bei einem Benchmarking wie „Top Job" also das Urteil direkt aus dem Unternehmen - von den Menschen, die dort arbeiten. Als Bewerber kann man sich daher schon vor der Bewerbung oder dem Jobantritt einen guten und vor allem verlässlichen Überblick darüber verschaffen, was für ein Arbeitgeber einen erwartet. Wie gut Sie sich mit dem Kollegen verstehen, der Ihnen dann am Schreibtisch gegenübersitzt, ist natürlich eine andere Frage.
Warum überhaupt Mittelstand? Im Konzern gibt's doch viel mehr: Geld, Karriere, Möglichkeiten ...?
In kleineren Unternehmen gibt es dafür flache Hierarchien, eine direkte, transparente Kommunikation und eine weit größere Flexibilität, beispielsweise dabei, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Außerdem sind Aufgaben häufig mit mehr Verantwortung verbunden, und die Mitarbeiter haben in der Regel einen besseren Gesamteinblick in das Unternehmensgeschehen, sind näher am Kunden und schätzen es, als Einzelner ihren Einfluss auf das Unternehmensergebnis besser nachvollziehen zu können. Ferner zeigen aktuelle Studien, dass Soft Skills und soziale Faktoren immer wichtiger werden. Und da ist der Mittelstand meist hervorragend aufgestellt.
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