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bürgerjournalismus_Internet_Web2-0.pdf
August 2007, Fachartikel Nr. 5 von Prof. Dr. Fank (FH Köln) und Dr. Riecke (Direktor PR Ford‐Werke) in Zusammenarbeit mit infospeed GmbH
Bürgerjournalismus
Ist das Web 2.0 das Ende des klassischen Journalismus?
Mit fortschreitender Ausbreitung des Internets 1. Journalismus: Past to Present
und dessen Integration in den Alltag der Bevöl‐
kerung veränderte sich in den 90er Jahren das "Journalismus" umfasst alle Formen publizisti‐
Angebot der Informationsquellen in zunehmen‐ schen Handelns für die Medien1 und reicht vom
dem Maße. Informationen aus allen Teilen der Organisieren und Planen, Dokumentieren, Re‐
Welt und Berichte über Ereignisse einer lokalen cherchieren, Fotografieren, Formulieren, Redigie‐
Region lassen sich heutzutage am schnellsten im ren bis hin zur finalen Präsentation eines Be‐
Internet abrufen. Dabei ist das Internet nicht richts, eines Artikels oder einer Online‐Meldung.
nur ein Kanal, über den man Informationen sen‐ Auch die Erstellung von Büchern und Broschüren
den kann. Der Dialog und die Einbindung der fällt unter den weitläufigen Begriff des Journalis‐
Kunden wird spätestens mit dem Buzz‐Wort mus. Journalismus umfasst heute alle publizisti‐
Web 2.0 zum festen Bestandteil des Internets. schen Arbeiten bei Presse, Film, Hörfunk, Fernse‐
hen und im Internet. Rechtliche Grundlagen des
Journalismus bilden auf der einen Seite das
Durch diese Einbindung der Internetnutzer Grundgesetz mit Art. 5 Pressefreiheit und im
wächst die Fülle von Bürger‐Autoren rasant an. In ethischen Bereich der Code de Bordeaux und der
diesem Zusammenhang fällt auch immer wieder Pressecodex, die beide in die "Publizistischen
der Begriff Bürgerjournalismus. Der Bürgerjour‐ Grundsätze" des Deutschen Presserates einge‐
nalismus, auch partizipatorischer Journalismus flossen sind und als wichtigste Forderung "die
oder Peer‐to‐Peer‐Journalismus genannt, be‐ Achtung vor der Wahrheit und die wahrhaftige
zeichnet die Tätigkeit eines Bürgers oder einer Unterrichtung der Öffentlichkeit"2 postulieren.
Gruppe von Bürgern, die eine aktive Rolle im Pro‐ Die Achtung vor der Wahrheit manifestiert sich
zess der Recherche, des Berichtens, des Analysie‐ auch in der strikten Trennung von Information
rens sowie des Verbreitens von Nachrichten und (Bericht) und deren Bewertung (Kommentar).
Informationen einnehmen. Heute filmt, fotogra‐ Damit wird der Journalismus oder allgemein "die
fiert und layoutet der Laie in einer Qualität, wie Presse" ‐ neben Legislative, Exekutive und Judika‐
es früher nur den Profis vorbehalten war. Neben tive ‐ zur vierten Gewalt im deutschen Staat, die
der Möglichkeit der professionellen Erstellung zunehmend an Bedeutung gewinnt, denkt man
wird dem Laien auch eine freie Verbreitung über an den zunehmenden Internet‐Gebrauch oder
das Internet möglich gemacht. Immer häufiger TV‐Konsum. Zum Beruf des "Journalisten" ist der
erreichen uns Privataufnahmen auch über die Zugang zurzeit noch frei, d. h. es gibt kein gülti‐
klassischen Kanäle wie z.B. das Fernsehen. Man‐ ges Berufsbild mit Mindestanforderungen der
che sprechen angesichts dessen schon vom Ende Qualifikation oder Ausbildung. Allerdings verlan‐
des klassischen Journalismus. Doch eine nähere gen die Redaktionen im zunehmenden Maße ein
Betrachtung der Thematik und eine Analyse be‐ abgeschlossenes Volontariat, den Abschluss einer
stehender Portale zeigt, dass nichts so heiß ge‐ Journalistenschule oder gar ein Hochschulstudi‐
gessen wird, wie es gekocht wird. um als Anstellungs‐Voraussetzung. Durch eine
infospeed GmbH ‐ A Webknowledge Company
Köln Altstadt‐Süd | Große Telegraphenstr. 2 | D‐50676 Köln
AG Köln, HRB 55990 | USt‐Id: DE244504410
GF: Evrim Sen | Tel: +49 221 99 84 101 ‐0 | Fax: ‐1
Web: www.infospeed.de | e‐Mail: company@infospeed.de
www.infospeed.de 1
August 2007, Fachartikel Nr. 5 von Prof. Dr. Fank (FH Köln) und Dr. Riecke (Direktor PR Ford‐Werke) in Zusammenarbeit mit infospeed GmbH
zunehmende Globalisierung von Wirtschaft und theorien auf, indem er das Radio ein unsinniges
Kultur mit gleichzeitiger Differenzierung und Re‐ Medium nannte, welches das Publikum zum stu‐
gionalisierung sowie durch die zunehmende Be‐ piden Zuhören zwingen würde. Der heute ge‐
deutung weltweiter Kommunikation mit Hilfe bräuchliche Begriff des Bürgerjournalismus wur‐
sehr schneller, gleich mehrere Sinne ansprechen‐ de in dieser Form das erste Mal nach dem US
der Medien3, kann in der Zwischenzeit auch von Präsidentschaftswahlkampf 1988 gebraucht, in
einer "Kommunikationsgesellschaft"4 gesprochen welchem mit George Bush, der vorher das Amt
werden. des Vizepräsidenten bekleidete, zum dritten Mal
in Folge ein Kandidat der Republikaner die Mehr‐
Dies gilt vor allem deshalb, weil viele Printme‐
heit der Wahlbezirke für sich gewinnen konnte.
dien sich ebenfalls einen elektronischen "Online‐
Dienst" eingerichtet haben, der entweder in ei‐ Ob Presse, Hörfunk oder Fernsehen, all diese Me‐
ner eigenen Redaktion selbstständig betrieben dien wurden von ihrer Gründungszeit an von In‐
oder von den Journalisten aus den Redaktionen tendanten, Chefredakteuren und, in einigen Fäl‐
der Printmedien "mitbedient" wird. Die Prinzi‐
pien des Journalismus wie Informationsvermitt‐
lung, Trennung von Berichterstattung und Kom‐
mentar, Vertrauenswürdigkeit und Wahrheits‐
verpflichtung gelten natürlich auch für diese zu‐
nehmend an Bedeutung gewinnende Art der On‐
line‐Kommunikation.
2. Bürgerjournalismus und Web 2.0
Die Entwicklung des Bürgerjournalismus, in wel‐
chem dem Bürger nicht bloß die Rolle des Infor‐
mationskonsumenten zukommt, sondern er sich
aktiv an der Berichterstattung beteiligen kann,
reicht weit zurück. Bereits im 18. Jahrhundert
Anzeige
wurden Leserbriefe abgedruckt, die den Bürgern
einen gewissen Rahmen einräumten, um ihre
Meinung äußern und publizieren zu können, was len, staatlichen Stellen kontrolliert. Dies führte
sich damals meist in der Darstellung der Miss‐ immer wieder zu Kritik aus der Bevölkerung, da
stände des öffentlichen Lebens ausdrückte. Ein die neutrale und objektive Berichterstattung
Vorläufer für den Begriff des Bürgerjournalismus häufig hinterfragt und manipulative Einwirkung
ist der "Graswurzeljournalismus", welcher seiner‐ vermutet wurde. Die Stimme des Volkes, vermit‐
seits aus der Bezeichnung "Graswurzel" und telt durch Leserbriefe, Hörer‐ und Fernsehumfra‐
"Graswurzelbewegung" entstanden ist. Der Beg‐ gen, wurde insbesondere zu Zeiten des National‐
riff der "Graswurzel" (grass roots) im Zusammen‐ sozialismus und der DDR ad absurdum geführt
hang mit Personen entstand während der US‐ und, vorsätzlich von Staatswegen her, zu propa‐
Präsidentschaftswahlen im Jahre 1912. Zu mehr gandistischen Zwecken gefälscht und ausgenutzt,
Partizipation der Bürger an den Medien rief um um der Bevölkerung ein falsches Meinungsbild zu
1930 auch Berthold Brecht in einer seiner Radio‐ vermitteln.
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bürgerjournalismus_Web2_Infospeed.pdf
August 2007, Fachartikel Nr. 5 von Prof. Dr. Fank (FH Köln) und Dr. Riecke (Direktor PR Ford‐Werke) in Zusammenarbeit mit infospeed GmbH
Bürgerjournalismus
Ist das Web 2.0 das Ende des klassischen Journalismus?
Mit fortschreitender Ausbreitung des Internets 1. Journalismus: Past to Present
und dessen Integration in den Alltag der Bevöl‐
kerung veränderte sich in den 90er Jahren das "Journalismus" umfasst alle Formen publizisti‐
Angebot der Informationsquellen in zunehmen‐ schen Handelns für die Medien1 und reicht vom
dem Maße. Informationen aus allen Teilen der Organisieren und Planen, Dokumentieren, Re‐
Welt und Berichte über Ereignisse einer lokalen cherchieren, Fotografieren, Formulieren, Redigie‐
Region lassen sich heutzutage am schnellsten im ren bis hin zur finalen Präsentation eines Be‐
Internet abrufen. Dabei ist das Internet nicht richts, eines Artikels oder einer Online‐Meldung.
nur ein Kanal, über den man Informationen sen‐ Auch die Erstellung von Büchern und Broschüren
den kann. Der Dialog und die Einbindung der fällt unter den weitläufigen Begriff des Journalis‐
Kunden wird spätestens mit dem Buzz‐Wort mus. Journalismus umfasst heute alle publizisti‐
Web 2.0 zum festen Bestandteil des Internets. schen Arbeiten bei Presse, Film, Hörfunk, Fernse‐
hen und im Internet. Rechtliche Grundlagen des
Journalismus bilden auf der einen Seite das
Durch diese Einbindung der Internetnutzer Grundgesetz mit Art. 5 Pressefreiheit und im
wächst die Fülle von Bürger‐Autoren rasant an. In ethischen Bereich der Code de Bordeaux und der
diesem Zusammenhang fällt auch immer wieder Pressecodex, die beide in die "Publizistischen
der Begriff Bürgerjournalismus. Der Bürgerjour‐ Grundsätze" des Deutschen Presserates einge‐
nalismus, auch partizipatorischer Journalismus flossen sind und als wichtigste Forderung "die
oder Peer‐to‐Peer‐Journalismus genannt, be‐ Achtung vor der Wahrheit und die wahrhaftige
zeichnet die Tätigkeit eines Bürgers oder einer Unterrichtung der Öffentlichkeit"2 postulieren.
Gruppe von Bürgern, die eine aktive Rolle im Pro‐ Die Achtung vor der Wahrheit manifestiert sich
zess der Recherche, des Berichtens, des Analysie‐ auch in der strikten Trennung von Information
rens sowie des Verbreitens von Nachrichten und (Bericht) und deren Bewertung (Kommentar).
Informationen einnehmen. Heute filmt, fotogra‐ Damit wird der Journalismus oder allgemein "die
fiert und layoutet der Laie in einer Qualität, wie Presse" ‐ neben Legislative, Exekutive und Judika‐
es früher nur den Profis vorbehalten war. Neben tive ‐ zur vierten Gewalt im deutschen Staat, die
der Möglichkeit der professionellen Erstellung zunehmend an Bedeutung gewinnt, denkt man
wird dem Laien auch eine freie Verbreitung über an den zunehmenden Internet‐Gebrauch oder
das Internet möglich gemacht. Immer häufiger TV‐Konsum. Zum Beruf des "Journalisten" ist der
erreichen uns Privataufnahmen auch über die Zugang zurzeit noch frei, d. h. es gibt kein gülti‐
klassischen Kanäle wie z.B. das Fernsehen. Man‐ ges Berufsbild mit Mindestanforderungen der
che sprechen angesichts dessen schon vom Ende Qualifikation oder Ausbildung. Allerdings verlan‐
des klassischen Journalismus. Doch eine nähere gen die Redaktionen im zunehmenden Maße ein
Betrachtung der Thematik und eine Analyse be‐ abgeschlossenes Volontariat, den Abschluss einer
stehender Portale zeigt, dass nichts so heiß ge‐ Journalistenschule oder gar ein Hochschulstudi‐
gessen wird, wie es gekocht wird. um als Anstellungs‐Voraussetzung. Durch eine
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August 2007, Fachartikel Nr. 5 von Prof. Dr. Fank (FH Köln) und Dr. Riecke (Direktor PR Ford‐Werke) in Zusammenarbeit mit infospeed GmbH
zunehmende Globalisierung von Wirtschaft und theorien auf, indem er das Radio ein unsinniges
Kultur mit gleichzeitiger Differenzierung und Re‐ Medium nannte, welches das Publikum zum stu‐
gionalisierung sowie durch die zunehmende Be‐ piden Zuhören zwingen würde. Der heute ge‐
deutung weltweiter Kommunikation mit Hilfe bräuchliche Begriff des Bürgerjournalismus wur‐
sehr schneller, gleich mehrere Sinne ansprechen‐ de in dieser Form das erste Mal nach dem US
der Medien3, kann in der Zwischenzeit auch von Präsidentschaftswahlkampf 1988 gebraucht, in
einer "Kommunikationsgesellschaft"4 gesprochen welchem mit George Bush, der vorher das Amt
werden. des Vizepräsidenten bekleidete, zum dritten Mal
in Folge ein Kandidat der Republikaner die Mehr‐
Dies gilt vor allem deshalb, weil viele Printme‐
heit der Wahlbezirke für sich gewinnen konnte.
dien sich ebenfalls einen elektronischen "Online‐
Dienst" eingerichtet haben, der entweder in ei‐ Ob Presse, Hörfunk oder Fernsehen, all diese Me‐
ner eigenen Redaktion selbstständig betrieben dien wurden von ihrer Gründungszeit an von In‐
oder von den Journalisten aus den Redaktionen tendanten, Chefredakteuren und, in einigen Fäl‐
der Printmedien "mitbedient" wird. Die Prinzi‐
pien des Journalismus wie Informationsvermitt‐
lung, Trennung von Berichterstattung und Kom‐
mentar, Vertrauenswürdigkeit und Wahrheits‐
verpflichtung gelten natürlich auch für diese zu‐
nehmend an Bedeutung gewinnende Art der On‐
line‐Kommunikation.
2. Bürgerjournalismus und Web 2.0
Die Entwicklung des Bürgerjournalismus, in wel‐
chem dem Bürger nicht bloß die Rolle des Infor‐
mationskonsumenten zukommt, sondern er sich
aktiv an der Berichterstattung beteiligen kann,
reicht weit zurück. Bereits im 18. Jahrhundert
Anzeige
wurden Leserbriefe abgedruckt, die den Bürgern
einen gewissen Rahmen einräumten, um ihre
Meinung äußern und publizieren zu können, was len, staatlichen Stellen kontrolliert. Dies führte
sich damals meist in der Darstellung der Miss‐ immer wieder zu Kritik aus der Bevölkerung, da
stände des öffentlichen Lebens ausdrückte. Ein die neutrale und objektive Berichterstattung
Vorläufer für den Begriff des Bürgerjournalismus häufig hinterfragt und manipulative Einwirkung
ist der "Graswurzeljournalismus", welcher seiner‐ vermutet wurde. Die Stimme des Volkes, vermit‐
seits aus der Bezeichnung "Graswurzel" und telt durch Leserbriefe, Hörer‐ und Fernsehumfra‐
"Graswurzelbewegung" entstanden ist. Der Beg‐ gen, wurde insbesondere zu Zeiten des National‐
riff der "Graswurzel" (grass roots) im Zusammen‐ sozialismus und der DDR ad absurdum geführt
hang mit Personen entstand während der US‐ und, vorsätzlich von Staatswegen her, zu propa‐
Präsidentschaftswahlen im Jahre 1912. Zu mehr gandistischen Zwecken gefälscht und ausgenutzt,
Partizipation der Bürger an den Medien rief um um der Bevölkerung ein falsches Meinungsbild zu
1930 auch Berthold Brecht in einer seiner Radio‐ vermitteln.
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