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Bürgerjournalismus - Ist das Web 2.0 das Ende des klassischen Journalismus?

Anhang
Bürgerjournalismus - Ist das Web 2.0 das Ende des klassischen Journalismus?
Autor ( Matthias Fank )
Herausgeber
Infospeed GmbH
Webknowledge, Webpositioning, Webmonitoring, Online Marketing, Search Engine Marketing, Search Engine Optimization, Web 2.0, Knowledge Management, ...


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Abstract:

Mit fortschreitender Ausbreitung des Internets und dessen Integration in den Alltag der Bevölkerung veränderte sich in den 90er Jahren das Angebot der Informationsquellen in zunehmendem Maße. Informationen aus allen Teilen der Welt und Berichte über Ereignisse einer lokalen Region lassen sich heutzutage am schnellsten im Internet abrufen. Dabei ist das Internet nicht nur ein Kanal, über den man Informationen senden kann. Der Dialog und die Einbindung der Kunden wird spätestens mit dem Buzz-Wort Web 2.0 zum festen Bestandteil des Internets. Durch diese Einbindung der Internetnutzer wächst die Fülle von Bürger-Autoren rasant an. In diesem Zusammenhang fällt auch immer wieder der Begriff Bürgerjournalismus. Und so mancher sieht gar das Ende des klassischen Journalismus aufziehen.

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Autoren
(1)
Prof. Dr.  Matthias Fank
Person
Fachhochschule Köln
Prof. Dr. Matthias Fank lehrt und forscht an der Fachhochschule Köln auf dem Gebiet Informationsmanagement. Bedingt durch die rasante Entwicklung des Internet liegen immer mehr Informationen digital vor. Unternehmen müssen Strategien und Konzepte entwickeln, wie mit den frei im Internet existieren Informationen über das Unternehmen reagiert wird. Kein anderes Medium ist so schnell und aktuell wie das Internet. Marketing, PR und CRM Verantwortliche müssen sich diesen veränderten [...]
Herausgeber
(1)
Infospeed GmbH
organisation
Webknowledge, Webpositioning, Webmonitoring, Online Marketing, Search Engine Marketing, Search Engine Optimization, Web 2.0, Knowledge Management, Competitive Intelligence
Infospeed erstellt Lösungen und Produkte für große und kleine Unternehmen im Bereich Webknowledge. Mit unserem wissenschaftlichen Background und der langjährigen Erfahrung unseres Teams in der Realisierung von Projekten sind wir Ihr Ansprechpartner für Web 2.0. Basierend auf d [...]
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bürgerjournalismus_Internet_Web2-0.pdf
 




    August 2007, Fachartikel Nr. 5 von Prof. Dr. Fank (FH Köln) und Dr. Riecke (Direktor PR Ford‐Werke) in Zusammenarbeit mit infospeed GmbH 
     




    Bürgerjournalismus
    Ist das Web 2.0 das Ende des klassischen Journalismus? 

    Mit  fortschreitender  Ausbreitung  des  Internets                          1. Journalismus: Past to Present 
    und dessen Integration in den Alltag der Bevöl‐
    kerung  veränderte  sich  in  den  90er  Jahren  das                        "Journalismus"  umfasst  alle  Formen  publizisti‐
    Angebot der Informationsquellen in zunehmen‐                                schen  Handelns  für  die  Medien1  und  reicht  vom 
    dem  Maße.  Informationen  aus  allen  Teilen  der                          Organisieren  und  Planen,  Dokumentieren,  Re‐
    Welt und Berichte über Ereignisse einer lokalen                             cherchieren, Fotografieren, Formulieren, Redigie‐
    Region lassen sich heutzutage am schnellsten im                             ren  bis  hin  zur  finalen  Präsentation  eines  Be‐
    Internet  abrufen.  Dabei  ist  das  Internet  nicht                        richts, eines Artikels oder einer Online‐Meldung. 
    nur ein Kanal, über den man Informationen sen‐                              Auch die Erstellung von Büchern und Broschüren 
    den  kann.  Der  Dialog  und  die  Einbindung  der                          fällt unter den weitläufigen Begriff des Journalis‐
    Kunden  wird  spätestens  mit  dem  Buzz‐Wort                               mus.  Journalismus  umfasst  heute  alle  publizisti‐
    Web 2.0 zum festen Bestandteil des Internets.                               schen Arbeiten bei Presse, Film, Hörfunk, Fernse‐
                                                                                hen  und  im  Internet.  Rechtliche  Grundlagen  des 
                                                                                Journalismus  bilden  auf  der  einen  Seite  das 
    Durch  diese  Einbindung  der  Internetnutzer                               Grundgesetz  mit  Art.  5  Pressefreiheit  und  im 
    wächst die Fülle von Bürger‐Autoren rasant an. In                           ethischen Bereich der Code de Bordeaux und der 
    diesem  Zusammenhang  fällt  auch  immer  wieder                            Pressecodex,  die  beide  in  die  "Publizistischen 
    der  Begriff  Bürgerjournalismus.  Der  Bürgerjour‐                         Grundsätze"  des  Deutschen  Presserates  einge‐
    nalismus,  auch  partizipatorischer  Journalismus                           flossen  sind  und  als  wichtigste  Forderung  "die 
    oder  Peer‐to‐Peer‐Journalismus  genannt,  be‐                              Achtung  vor  der  Wahrheit  und  die  wahrhaftige 
    zeichnet  die  Tätigkeit  eines  Bürgers  oder  einer                       Unterrichtung  der  Öffentlichkeit"2  postulieren. 
    Gruppe von Bürgern, die eine aktive Rolle im Pro‐                           Die  Achtung  vor  der  Wahrheit  manifestiert  sich 
    zess der Recherche, des Berichtens, des Analysie‐                           auch  in  der  strikten  Trennung  von  Information 
    rens sowie des Verbreitens von Nachrichten und                              (Bericht)  und  deren  Bewertung  (Kommentar). 
    Informationen  einnehmen.  Heute  filmt,  fotogra‐                          Damit wird der Journalismus oder allgemein "die 
    fiert  und  layoutet  der  Laie  in  einer  Qualität,  wie                  Presse" ‐ neben Legislative, Exekutive und Judika‐
    es früher nur den Profis vorbehalten war. Neben                             tive ‐ zur vierten Gewalt im deutschen Staat, die 
    der  Möglichkeit  der  professionellen  Erstellung                          zunehmend  an  Bedeutung  gewinnt,  denkt  man 
    wird dem Laien auch eine freie Verbreitung über                             an  den  zunehmenden  Internet‐Gebrauch  oder 
    das  Internet  möglich  gemacht.  Immer  häufiger                           TV‐Konsum.  Zum Beruf des "Journalisten" ist der 
    erreichen  uns  Privataufnahmen  auch  über  die                            Zugang  zurzeit  noch  frei,  d.  h.  es  gibt  kein  gülti‐
    klassischen Kanäle wie z.B. das Fernsehen. Man‐                             ges  Berufsbild  mit  Mindestanforderungen  der 
    che sprechen angesichts dessen schon vom Ende                               Qualifikation  oder  Ausbildung.  Allerdings  verlan‐
    des  klassischen  Journalismus.  Doch  eine  nähere                         gen die Redaktionen im zunehmenden Maße ein 
    Betrachtung  der  Thematik  und  eine  Analyse  be‐                         abgeschlossenes Volontariat, den Abschluss einer 
    stehender  Portale  zeigt,  dass  nichts  so  heiß  ge‐                     Journalistenschule  oder  gar  ein  Hochschulstudi‐
    gessen wird, wie es gekocht wird.                                           um  als  Anstellungs‐Voraussetzung.  Durch  eine 
                                                                                 



       infospeed GmbH ‐ A Webknowledge Company 
       Köln Altstadt‐Süd | Große Telegraphenstr. 2 | D‐50676 Köln 
       AG Köln, HRB 55990 | USt‐Id: DE244504410 
       GF: Evrim Sen | Tel: +49 221 99 84 101 ‐0 | Fax: ‐1 
       Web: www.infospeed.de | e‐Mail: company@infospeed.de  

                                                                                                                   www.infospeed.de             1 
 




    August 2007, Fachartikel Nr. 5 von Prof. Dr. Fank (FH Köln) und Dr. Riecke (Direktor PR Ford‐Werke) in Zusammenarbeit mit infospeed GmbH 
      


    zunehmende  Globalisierung  von  Wirtschaft  und                            theorien  auf,  indem  er  das  Radio  ein  unsinniges 
    Kultur  mit  gleichzeitiger  Differenzierung  und  Re‐                      Medium nannte, welches das Publikum zum stu‐
    gionalisierung  sowie  durch  die  zunehmende  Be‐                          piden  Zuhören  zwingen  würde.  Der  heute  ge‐
    deutung  weltweiter  Kommunikation  mit  Hilfe                              bräuchliche  Begriff  des  Bürgerjournalismus  wur‐
    sehr schneller, gleich mehrere Sinne ansprechen‐                            de  in  dieser  Form  das  erste  Mal  nach  dem  US 
    der Medien3, kann in der Zwischenzeit auch von                              Präsidentschaftswahlkampf  1988  gebraucht,  in 
    einer "Kommunikationsgesellschaft"4  gesprochen                             welchem  mit  George  Bush,  der  vorher  das  Amt 
    werden.                                                                     des Vizepräsidenten bekleidete, zum dritten Mal 
                                                                                in Folge ein Kandidat der Republikaner die Mehr‐
    Dies  gilt  vor  allem  deshalb,  weil  viele  Printme‐
                                                                                heit der Wahlbezirke für sich gewinnen konnte. 
    dien sich ebenfalls einen elektronischen "Online‐
    Dienst"  eingerichtet  haben,  der  entweder  in  ei‐                       Ob Presse, Hörfunk oder Fernsehen, all diese Me‐
    ner  eigenen  Redaktion  selbstständig  betrieben                           dien wurden von ihrer Gründungszeit an von In‐
    oder  von  den  Journalisten  aus  den  Redaktionen                         tendanten,  Chefredakteuren  und,  in  einigen  Fäl‐
    der  Printmedien  "mitbedient"  wird.  Die  Prinzi‐
    pien  des  Journalismus  wie  Informationsvermitt‐
    lung,  Trennung  von  Berichterstattung  und  Kom‐
    mentar,  Vertrauenswürdigkeit  und  Wahrheits‐
    verpflichtung  gelten  natürlich  auch  für  diese  zu‐
    nehmend an Bedeutung gewinnende Art der On‐
    line‐Kommunikation. 
     
    2. Bürgerjournalismus und Web 2.0 
    Die  Entwicklung  des  Bürgerjournalismus,  in  wel‐
    chem dem Bürger nicht bloß die Rolle des Infor‐
    mationskonsumenten  zukommt,  sondern  er  sich 
    aktiv  an  der  Berichterstattung  beteiligen  kann, 
    reicht  weit  zurück.  Bereits  im  18.  Jahrhundert 


                                                                                                                                                Anzeige 
    wurden Leserbriefe abgedruckt, die den Bürgern 
    einen  gewissen  Rahmen  einräumten,  um  ihre 
    Meinung äußern und publizieren zu können, was                               len,  staatlichen  Stellen  kontrolliert.  Dies  führte 
    sich  damals  meist  in  der  Darstellung  der  Miss‐                       immer  wieder  zu  Kritik  aus  der  Bevölkerung,  da 
    stände  des  öffentlichen  Lebens  ausdrückte.  Ein                         die  neutrale  und  objektive  Berichterstattung 
    Vorläufer für den Begriff des Bürgerjournalismus                            häufig  hinterfragt  und  manipulative  Einwirkung 
    ist der "Graswurzeljournalismus", welcher seiner‐                           vermutet wurde. Die Stimme des Volkes, vermit‐
    seits  aus  der  Bezeichnung  "Graswurzel"  und                             telt durch Leserbriefe, Hörer‐ und Fernsehumfra‐
    "Graswurzelbewegung"  entstanden  ist.  Der  Beg‐                           gen, wurde insbesondere zu Zeiten des National‐
    riff der "Graswurzel" (grass roots) im Zusammen‐                            sozialismus  und  der  DDR  ad  absurdum  geführt 
    hang  mit  Personen  entstand  während  der  US‐                            und,  vorsätzlich  von  Staatswegen  her,  zu  propa‐
    Präsidentschaftswahlen  im  Jahre  1912.  Zu  mehr                          gandistischen Zwecken gefälscht und ausgenutzt, 
    Partizipation  der  Bürger  an  den  Medien  rief  um                       um der Bevölkerung ein falsches Meinungsbild zu 
    1930 auch Berthold Brecht in einer seiner Radio‐                            vermitteln.

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bürgerjournalismus_Web2_Infospeed.pdf
 




    August 2007, Fachartikel Nr. 5 von Prof. Dr. Fank (FH Köln) und Dr. Riecke (Direktor PR Ford‐Werke) in Zusammenarbeit mit infospeed GmbH 
     




    Bürgerjournalismus
    Ist das Web 2.0 das Ende des klassischen Journalismus? 

    Mit  fortschreitender  Ausbreitung  des  Internets                          1. Journalismus: Past to Present 
    und dessen Integration in den Alltag der Bevöl‐
    kerung  veränderte  sich  in  den  90er  Jahren  das                        "Journalismus"  umfasst  alle  Formen  publizisti‐
    Angebot der Informationsquellen in zunehmen‐                                schen  Handelns  für  die  Medien1  und  reicht  vom 
    dem  Maße.  Informationen  aus  allen  Teilen  der                          Organisieren  und  Planen,  Dokumentieren,  Re‐
    Welt und Berichte über Ereignisse einer lokalen                             cherchieren, Fotografieren, Formulieren, Redigie‐
    Region lassen sich heutzutage am schnellsten im                             ren  bis  hin  zur  finalen  Präsentation  eines  Be‐
    Internet  abrufen.  Dabei  ist  das  Internet  nicht                        richts, eines Artikels oder einer Online‐Meldung. 
    nur ein Kanal, über den man Informationen sen‐                              Auch die Erstellung von Büchern und Broschüren 
    den  kann.  Der  Dialog  und  die  Einbindung  der                          fällt unter den weitläufigen Begriff des Journalis‐
    Kunden  wird  spätestens  mit  dem  Buzz‐Wort                               mus.  Journalismus  umfasst  heute  alle  publizisti‐
    Web 2.0 zum festen Bestandteil des Internets.                               schen Arbeiten bei Presse, Film, Hörfunk, Fernse‐
                                                                                hen  und  im  Internet.  Rechtliche  Grundlagen  des 
                                                                                Journalismus  bilden  auf  der  einen  Seite  das 
    Durch  diese  Einbindung  der  Internetnutzer                               Grundgesetz  mit  Art.  5  Pressefreiheit  und  im 
    wächst die Fülle von Bürger‐Autoren rasant an. In                           ethischen Bereich der Code de Bordeaux und der 
    diesem  Zusammenhang  fällt  auch  immer  wieder                            Pressecodex,  die  beide  in  die  "Publizistischen 
    der  Begriff  Bürgerjournalismus.  Der  Bürgerjour‐                         Grundsätze"  des  Deutschen  Presserates  einge‐
    nalismus,  auch  partizipatorischer  Journalismus                           flossen  sind  und  als  wichtigste  Forderung  "die 
    oder  Peer‐to‐Peer‐Journalismus  genannt,  be‐                              Achtung  vor  der  Wahrheit  und  die  wahrhaftige 
    zeichnet  die  Tätigkeit  eines  Bürgers  oder  einer                       Unterrichtung  der  Öffentlichkeit"2  postulieren. 
    Gruppe von Bürgern, die eine aktive Rolle im Pro‐                           Die  Achtung  vor  der  Wahrheit  manifestiert  sich 
    zess der Recherche, des Berichtens, des Analysie‐                           auch  in  der  strikten  Trennung  von  Information 
    rens sowie des Verbreitens von Nachrichten und                              (Bericht)  und  deren  Bewertung  (Kommentar). 
    Informationen  einnehmen.  Heute  filmt,  fotogra‐                          Damit wird der Journalismus oder allgemein "die 
    fiert  und  layoutet  der  Laie  in  einer  Qualität,  wie                  Presse" ‐ neben Legislative, Exekutive und Judika‐
    es früher nur den Profis vorbehalten war. Neben                             tive ‐ zur vierten Gewalt im deutschen Staat, die 
    der  Möglichkeit  der  professionellen  Erstellung                          zunehmend  an  Bedeutung  gewinnt,  denkt  man 
    wird dem Laien auch eine freie Verbreitung über                             an  den  zunehmenden  Internet‐Gebrauch  oder 
    das  Internet  möglich  gemacht.  Immer  häufiger                           TV‐Konsum.  Zum Beruf des "Journalisten" ist der 
    erreichen  uns  Privataufnahmen  auch  über  die                            Zugang  zurzeit  noch  frei,  d.  h.  es  gibt  kein  gülti‐
    klassischen Kanäle wie z.B. das Fernsehen. Man‐                             ges  Berufsbild  mit  Mindestanforderungen  der 
    che sprechen angesichts dessen schon vom Ende                               Qualifikation  oder  Ausbildung.  Allerdings  verlan‐
    des  klassischen  Journalismus.  Doch  eine  nähere                         gen die Redaktionen im zunehmenden Maße ein 
    Betrachtung  der  Thematik  und  eine  Analyse  be‐                         abgeschlossenes Volontariat, den Abschluss einer 
    stehender  Portale  zeigt,  dass  nichts  so  heiß  ge‐                     Journalistenschule  oder  gar  ein  Hochschulstudi‐
    gessen wird, wie es gekocht wird.                                           um  als  Anstellungs‐Voraussetzung.  Durch  eine 
                                                                                 



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    August 2007, Fachartikel Nr. 5 von Prof. Dr. Fank (FH Köln) und Dr. Riecke (Direktor PR Ford‐Werke) in Zusammenarbeit mit infospeed GmbH 
      


    zunehmende  Globalisierung  von  Wirtschaft  und                            theorien  auf,  indem  er  das  Radio  ein  unsinniges 
    Kultur  mit  gleichzeitiger  Differenzierung  und  Re‐                      Medium nannte, welches das Publikum zum stu‐
    gionalisierung  sowie  durch  die  zunehmende  Be‐                          piden  Zuhören  zwingen  würde.  Der  heute  ge‐
    deutung  weltweiter  Kommunikation  mit  Hilfe                              bräuchliche  Begriff  des  Bürgerjournalismus  wur‐
    sehr schneller, gleich mehrere Sinne ansprechen‐                            de  in  dieser  Form  das  erste  Mal  nach  dem  US 
    der Medien3, kann in der Zwischenzeit auch von                              Präsidentschaftswahlkampf  1988  gebraucht,  in 
    einer "Kommunikationsgesellschaft"4  gesprochen                             welchem  mit  George  Bush,  der  vorher  das  Amt 
    werden.                                                                     des Vizepräsidenten bekleidete, zum dritten Mal 
                                                                                in Folge ein Kandidat der Republikaner die Mehr‐
    Dies  gilt  vor  allem  deshalb,  weil  viele  Printme‐
                                                                                heit der Wahlbezirke für sich gewinnen konnte. 
    dien sich ebenfalls einen elektronischen "Online‐
    Dienst"  eingerichtet  haben,  der  entweder  in  ei‐                       Ob Presse, Hörfunk oder Fernsehen, all diese Me‐
    ner  eigenen  Redaktion  selbstständig  betrieben                           dien wurden von ihrer Gründungszeit an von In‐
    oder  von  den  Journalisten  aus  den  Redaktionen                         tendanten,  Chefredakteuren  und,  in  einigen  Fäl‐
    der  Printmedien  "mitbedient"  wird.  Die  Prinzi‐
    pien  des  Journalismus  wie  Informationsvermitt‐
    lung,  Trennung  von  Berichterstattung  und  Kom‐
    mentar,  Vertrauenswürdigkeit  und  Wahrheits‐
    verpflichtung  gelten  natürlich  auch  für  diese  zu‐
    nehmend an Bedeutung gewinnende Art der On‐
    line‐Kommunikation. 
     
    2. Bürgerjournalismus und Web 2.0 
    Die  Entwicklung  des  Bürgerjournalismus,  in  wel‐
    chem dem Bürger nicht bloß die Rolle des Infor‐
    mationskonsumenten  zukommt,  sondern  er  sich 
    aktiv  an  der  Berichterstattung  beteiligen  kann, 
    reicht  weit  zurück.  Bereits  im  18.  Jahrhundert 


                                                                                                                                                Anzeige 
    wurden Leserbriefe abgedruckt, die den Bürgern 
    einen  gewissen  Rahmen  einräumten,  um  ihre 
    Meinung äußern und publizieren zu können, was                               len,  staatlichen  Stellen  kontrolliert.  Dies  führte 
    sich  damals  meist  in  der  Darstellung  der  Miss‐                       immer  wieder  zu  Kritik  aus  der  Bevölkerung,  da 
    stände  des  öffentlichen  Lebens  ausdrückte.  Ein                         die  neutrale  und  objektive  Berichterstattung 
    Vorläufer für den Begriff des Bürgerjournalismus                            häufig  hinterfragt  und  manipulative  Einwirkung 
    ist der "Graswurzeljournalismus", welcher seiner‐                           vermutet wurde. Die Stimme des Volkes, vermit‐
    seits  aus  der  Bezeichnung  "Graswurzel"  und                             telt durch Leserbriefe, Hörer‐ und Fernsehumfra‐
    "Graswurzelbewegung"  entstanden  ist.  Der  Beg‐                           gen, wurde insbesondere zu Zeiten des National‐
    riff der "Graswurzel" (grass roots) im Zusammen‐                            sozialismus  und  der  DDR  ad  absurdum  geführt 
    hang  mit  Personen  entstand  während  der  US‐                            und,  vorsätzlich  von  Staatswegen  her,  zu  propa‐
    Präsidentschaftswahlen  im  Jahre  1912.  Zu  mehr                          gandistischen Zwecken gefälscht und ausgenutzt, 
    Partizipation  der  Bürger  an  den  Medien  rief  um                       um der Bevölkerung ein falsches Meinungsbild zu 
    1930 auch Berthold Brecht in einer seiner Radio‐                            vermitteln.

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