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E-Interview_Andrea_Back_Web2.0_stille_Revolution.pdf Experten Interview
E-Interview mit Prof. Dr. Andrea Back zu Web 2.0 „stille
Revolution“
Titel des Interviews: Web 2.0: Die „stille Revolution“ im
betrieblichen und persönlichen
Wissensmanagement
Name: Prof. Dr. Andrea Back
Funktion/Bereich: Forschungsorientierte Beratung;
Aus- und Weiterbildung
Organisation: Institut für Wirtschaftsinformatik
Universität St. Gallen
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
am 10. April 2008 veranstaltet das Learning Center der Universität St. Gallen im
Forum St. Peter Credit Suisse in Zürich das Seminar „Web 2.0 im
Unternehmen: Praxislösungen konkret und anschaulich“. Die Erfolgsrezepte
des Web 2.0, die sich im öffentlichen Internet herausgebildet haben, halten nun
Einzug in die Unternehmen. Eine „stille Revolution“, wie das betriebliche und
persönliche Wissensmanagement von unten angegangen wird, ist im Gange.
Praxisvertreter stellen bewährte Lösungen aus ihrer Organisation vor und
erklären, warum welche 2.0-Konzepte auch in Unternehmen funktionieren.
In ihrem einführenden Beitrag zeigt Prof. Dr. Andrea, Direktorin am Institut für
Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen, was unter 2.0-Kultur konkret
zu verstehen ist und dass eine spezielle 2.0-Kompetenz dafür dienlich ist. Sie
wird anhand ihres persönlichen Wissensblogs www.BackontheFuture.com, mit
dem sie dann ca. 100 Tage unterwegs ist, veranschaulichen, welche Vorteile
das persönlich geprägte Wissensmanagement der Generation 2.0 in sich birgt
und welche Schwierigkeiten auf dem Weg dahin zu meistern sind.
Prof. Dr. Andrea Back berichtet über ihren Forschungsbereich Business 2.0 und
die Ziele und Inhalte der Veranstaltung „Web 2.0 im Unternehmen“.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Ihr NetSkill-Team
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Experten Interview
Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Back,
Frage 1:
Wie sehen Ihre Aufgaben in dem Forschungsbereich „Business 2.0“ an der Universität
St. Gallen aus? Wie gehen Sie an diese heran und auf welchen liegt Ihr
Hauptaugenmerk?
Prof. Dr. Andrea Back:
Das Internet verändert die Art, wie Mitarbeiter – vor allem Wissensarbeiter – heute
kommunizieren und zusammenarbeiten. Damit vollzieht sich auch in der
Zusammenarbeit in Unternehmen und den Interaktionen mit Kunden und Partnern
eine Kulturrevolution. Es ist eine stille Revolution im Wissensmanagement, die
manche althergebrachten Glaubenssätze auf den Kopf stellt. Die Web-2.0-
Paradigmen und -Anwendungen können unter den passenden Rahmenbedingungen die
Innovationsfähigkeit von Unternehmen und die Produktivität ihrer Wissensarbeit(er)
grundlegend verändern. Für diese Entwicklung sind die Begriffe Enterprise 2.0 oder Business
2.0 etabliert und gerechtfertigt, denn sie stellen das Resultat und das Ganze, nicht die Technik
in den Mittelpunkt. Die 2.0 soll den Modebegriff “Web 2.0”, das Mitmach-Web, assoziieren,
denn darin sieht sich der Mitarbeiter am Hebel von Initiativen.
Im Kompetenznetzwerk “Business 2.0” soll nicht nur Aufklärungsarbeit geleistet werden,
sondern es werden konkrete Methoden und Referenzmodelle für Führungskräfte und
Mitarbeiter entwickelt, wie die Erfolgspotenziale und Innovationen von Web-2.0-Paradigmen
auch in verschiedenen Anwendungsfeldern in Unternehmen gestaltet und genutzt werden
können. Das Buch Web 2.0 in der Unternehmenspraxis, das noch vor dem Sommer
erscheint, bietet hier einen ganz aktuellen Ein- und Überblick.
Mir geht es in der anwendungsnahen Forschung darum, eine Gemeinschaft von Anwendern in
der Unternehmenspraxis und von Forschungsinteressierten an der Hochschule
zusammenzubringen, die neues Wissen zu diesem Thema gemeinsam erarbeiten und
überprüfen, so dass es an andere als Theorie und Erfahrungswissen weitergegeben werden
kann. Durch die Zusammenarbeit aller Beteiligten kommt ein wechselseitiger, effektiver und
reicher Wissenstransfer in alle Richtungen zustande.
Die so genannten Forschungsfragen müssen aus den Praxisproblemen und -chancen
herausgeschält werden, denn dieses “Kundenbedürfnis” nach relevantem Wissen lässt sich in
aller Regel gar nicht so leicht artikulieren. Wenn es gelingt, kann die Praxis wirklich Ergebnisse
aus der wissenschaftlichen Arbeit ernten.
Wir an der Hochschule wollen mit den Lösungen, die wir forschend mitgestalten, der breiten
und routinemäßigen Anwendung voraus sein. Denn diese forschungsorientierte
Zusammenarbeit mit Unternehmen ist kein Beratungskerngeschäft. Dazu wird es im besten Fall
werden, wenn sich das Wissen und die Umsetzung in der Praxis breit verankert hat.
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Experten Interview
Frage 2:
Die Veranstaltung „Web 2.0 im Unternehmen: Praxislösungen konkret und anschaulich“
findet dieses Jahr zum ersten Mal statt. Gab es in der Vergangenheit bereits ähnliche
Veranstaltungen? Wenn ja, mit welchen Themen und Ergebnissen?
Prof. Dr. Andrea Back:
Web-2.0-Paradigmen, also das „Mitmach-Web“, gab es schon, bevor das Kürzel
„2.0“ dafür geprägt wurde. Die Seminarreihe des Learning Center greift immer
aktuelle Themen auf und ist insofern keine Wiederholung, wie eine Ausbildung
oder ein Kurs zu diesem Thema. Was kommenden April in Zürich miterlebt werden
kann, ist hochaktuell und unterscheidet sich in Praxisbeispielen, inhaltlichen Schwerpunkten,
Gesprächsforen und Demos von den Inhalten, mit denen wir in Zürich und Berlin letztes Jahr in
das Thema eingestiegen sind. Ja, auch das ist nach wie vor für viele genauso interessant wie
letztes Jahr. Wenn deshalb unternehmensspezifisch breite und grundlegende Einführungen
gewünscht werden, dann bieten wir das an, ebenso wie individuelle Spezial-Workshops. Was
auf http://www.learningcenter.unisg.ch/seminare.htm an vergangenen Seminaren zu finden ist,
stellt so gesehen ein Spektrum von Themenangeboten dar, in denen wir am Lehrstuhl durch
unsere Forschungen und Projekte Kompetenz haben und weiter gerne mit Partnern
zusammenarbeiten.
Frage 3:
Wie sehen Sie die Entwicklung des Web 2.0 in Unternehmen? Wo gibt es Probleme,
wo noch Potenzial?
Prof. Dr. Andrea Back:
Web 2.0 in Unternehmen steht für Wissensmanagement einer anderen
Generation, für einen Paradigmenwechsel. Es hat eine viel größere Erfolgschance,
verglichen mit der Herangehensweise vor einigen Jahren, sozusagen der ersten
Generation des betrieblichen Wissensmanagements, in der man mehr auf zentral
verwalteten Content und weniger auf Selbstregulierung gesetzt hat. Dave Pollard spricht sogar
von Wissensmanagement 0.0, um zu sagen „zurück zu den Ursprüngen“, dem Menschen und
seiner eigenen Art im Zentrum, mit Wissen und Zusammenarbeit umzugehen
(http://blogs.salon.com/0002007/2008/02/15.html). Und dann kann es funktionieren, dass sich
die Versprechen einer effektiven Wissensarbeit und kontinuierlich innovativen, lernenden
Organisation einlösen. Als Herausforderung bleibt, was auch schon für die Generation 1.0 galt:
Es geht hier nicht darum, eine Technologie einzuführen, so wie man einfach einen Schalter
installiert und das Licht anknipst. Wo es starre Hierarchien und Herrschaftswissen gibt und ein
Klima der Angst vor Transparenz, Fehlern, Kontrolle herrscht, kann auch das schönste
Mitmach-Netz nicht gedeihen. Die Unternehmenskultur muss mit der Interaktionskultur dieser
Web-2.0-Welt stimmig sein oder sich zumindest dahin entwickeln. Das wird nicht Kür der
Unternehmensstrategie sein, sondern Pflicht, um im agilen Wettbewerbsumfeld der Knowledge
Economy zu bestehen.
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Experten Interview
Frage 4:
Mit welchen Zielen haben Sie die kommende Veranstaltung konzipiert?
Warum sind die gewählten Themenbereiche Ihrer Meinung nach besonders interessant
und auch relevant für Unternehmen im Allgemeinen?
Prof. Dr. Andrea Back:
Grundkonzept dieses Seminars ist, dass ausgewählte fortgeschrittene Anwender
ihre Erfahrungen anderen interessierten Anwendern vorstellen und darüber im
Gesprächsforum, in Kurzdemos und wahlweise auch hands-on ein reger
Austausch und individuelle Vertiefung stattfindet. Mir ist wichtig, dass es
Fallbeispiele sind, die noch nicht durch viele Vorträge bekannt sind und die Anwendungen im
deutschsprachigen Raum repräsentieren. Die Teilnehmer können sehen, wo sie mit ihren Ideen
und Projekten stehen, Anregungen mitnehmen, und das diskutieren, was sie an Fragen
mitbringen. Auch Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Forschung fließen ein, da wo der
unmittelbare Praxisbezug klar ersichtlich ist. Anwenderunternehmen und auch einige Anbieter
stellen ihre Lösungen in Kurzpräsentationen an Stehtischen vor, so dass man in kleinen
Gruppen – ähnlich wie beim Speed-Dating – hautnah mit vielen Ideenangeboten konfrontiert
wird und Raum für individuelle Fragen da ist. Und nicht zuletzt trifft man dort Gleichgesinnte, mit
denen dann oft ein weiterer Austausch gepflegt wird. So kommt es, was mich z.B. angeht,
immer wieder dazu, dass ein Teilnehmer auf eine interessante Lösung in der eigenen
Organisation aufmerksam macht, die ich noch nicht kenne und die meine „Fallsammlung“
bereichert. Und so schraubt sich die persönliche Wissensspirale bei allen weiter nach oben.
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