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MEDIENHAUS Verlag GmbH
Beschreibung
Das Fachmagazin 'IT-Director' im Gespräch mit Steffen Rattke, Geschäftsführer der IAS, über die Schwierigkeiten im deutschen ERP-Markt und die Gemeinsamkeiten von Sport und Business.
Im Gespräch mit Steffen Rattke, Geschäftsführer der IAS, über die Schwierigkeiten im deutschen ERP-Markt und die Gemeinsamkeiten von Sport und Business
IT-DIRECTOR: Die IAS feiert in kürze 20-jähriges Firmenjubiläum. Wie hat sich das Unternehmen entwickelt?
S. Rattke: Unser Firmengründer Hakan Karabiber hat sich 1989 von der SAP, bei der er zuvor beschäftigt war, losgesagt und selbstständig gemacht. Seine Intention und Vision war es, ein eigenständiges Softwaresystem zu entwickeln. Von der betriebswirtschaftlichen Seite und der Integrationsphilosophie her sollte es den hohen betriebswirtschaftlichen Standards, die er von SAP her kannte entsprechen, in puncto Systemarchitektur und Entwicklungstechnologie wollte er neue Maßstäbe und Standards setzen. Der Einstieg in die Selbstständigkeit konnten wir uns durch die SAP-Beratungsprojekte erleichtern, die gleichzeitig auch als Finanzierungshilfe für die eigene Entwicklung dienten, welche in den ersten Jahren sehr intensiv von und durch Herrn Karabiber vorangetrieben wurde. 1993 sind wir dann mit den ersten Software-Modulen an den Markt gegangen. Das war auch das Jahr, in dem ich zur IAS stieß, um rund um das Produkt IAS sowohl eine Vertriebsstruktur aufzubauen, als auch die IAS-Software erstmalig zu verkaufen.
IT-DIRECTOR: Wie hat sich Ihre Lösung konkret von SAP unterschieden?
S. Rattke: Wir wollten in puncto Technologie und Systemarchitektur neue Wege gehen. Aus diesem Grund haben wir sehr schnell die Welt der Green-Screen-Oberfläche und Großrechnerlizenzen verlassen. Den dadurch etwas verzögerten Markteintritt haben wir dann schon auf der modernen, offenen Systemarchitektur vollzogen. Eine plattformunabhängige ERP-Lösung mit einer grafischen Oberfläche, die auf verschiedenen relationalen Datenbanken aufsetzen konnte. Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der IAS war das Jahr 1997. In diesem Jahr stellten wir unsere eigene integrierte Entwicklungsumgebung Troia vor, ein Produkt aus sieben Jahren Entwicklungserfahrung. Damit waren wir nicht nur in Datenbank und Betriebssystem von Drittanbietern etwas unabhängiger, sondern auch in der Nutzung von Entwicklungstools. Zunächst unter C++ und später unter Java, konnten wir nun viel schneller und effektiver entwickeln. Das auf Basis eines Interpreters umgesetzte Entwicklungstool erlaubt uns zur Laufzeit extrem schnell auch komplexe Entwicklungen vorzunehmen. Troia wird inklusive des Application-Source-Codes ausgeliefert. Dank dieser Architektur und unserem Bemühen, Markt-Neuerungen mit in unsere Entwicklung einzubeziehen, haben wir zwischen den Jahren 1997-2000 als Sun Developer-Partner die Java-Technologie geprüft. Das Ergebnis war, unsere ERP-Software nicht neu in Java zu programmieren, sondern nur unseren Interpreter auf Java zu modifizieren. Dieser Weg erlaubte uns, bereits im Jahr 2000 unsere ERP-Lösung als vollständig webfähige, javabasierte Lösung anzubieten. Wir liefern also eine javabasierende Software, obwohl wir selber nicht in Java programmieren. Das hat den Vorteil, dass wir – wenn eine neue Sprache den Platz von Java einnimmt – nur den Interpreter neu schreiben müssen.
IT-DIRECTOR: Wann kam der Name Canias für Ihre Lösung ins Spiel?
S. Rattke: Eben mit dem Technologie-Wechsel wollten wir auch ein Zeichen setzen und haben mit diesem wesentlichen Meilenstein und dem Namenswechsel ein neues IT-Zeitalter eingeläutet. Aus IAS Software wurde Canias ERP. Canias steht für Collaborative Application Network by IAS. Als nette Fußnote stehen die Buchstaben CAN auch für den Vornamen des Sohnes unseres Gesellschafters. Damit haben wir den Gründer ein wenig in der Lösung mit verewigt.
IT-DIRECTOR: Sie haben sowohl mittelständische als auch sehr große Kunden. Arbeiten alle mit dem gleichen System oder bieten Sie verschiedene Versionen?
S. Rattke: Wir sind sicherlich zu Beginn mit der Absicht angetreten, ERP-Software für den Mittelstand anzubieten. Allerdings ist es fast unmöglich, das klar zu definieren. Wir wollen dies weder an der Unternehmensgröße noch am Umsatz festmachen, sondern wir betrachten die Unternehmens-Anforderungen als wesentliche Kenngröße für den Umfang der notwendigen IT-Unterstützung. Der Vorteil von Canias ist, dass es auch für größte Unternehmen geeignet ist, also sehr hoch skalierbar ist. Der Grund dafür, dass wir nicht sehr viele große Kunden haben, ist eher ein politischer als ein funktionaler. Konzerne setzen eher Produkte von ebenfalls großen Anbietern wie SAP oder Oracle ein. Aber wir haben die Software von Beginn an mandantenfähig gestaltet und somit ist sie auch für Konzerne geeignet. Letztendlich arbeiten jedoch alle unsere Kunden mit dem gleichen System, natürlich mit dem Unterschied, dass jedes Unter-nehmen seine spezifischen Anforderungen in Canias ERP anpassen kann.
IT-DIRECTOR: Wie ist Ihre Software aufgebaut? Bieten Sie unterschied- liche Produkte für die verschiedenen Bereiche an oder bekommt der Kunde ein Komplettpaket?
S. Rattke: Unser System ist modular. Es gibt ein Kernsystem, das aus den Stammdaten, der Entwicklungsumgebung, den Prüftabellen und der Systemarchitektur besteht. Diese Komponenten benötigt jedes Unternehmen. Alle anderen derzeit 24 Module wie Vertrieb, Einkauf, Produktkalkulation, Rechnungsprüfung oder Qualitätsmanagement kann der Kunde nach Bedarf dazukaufen und somit seine Lösung sukzessive erweitern.
IT-DIRECTOR: Sind diese Module branchenfokussiert?
S. Rattke: Ja und nein. Wir sahen uns eigentlich als Standardsoftwareanbieter zunächst ohne gezielte Branchenausprägung. Unser Fokus war zu Anfang klar die fertigende Industrie, seit einigen Jahren setzen wir aber auch mehr und mehr handelsorientierte Projekte um. Und mittlerweile haben in verschiedenen Projekten einige Branchenobjekte generiert, die wir in den Standard integriert haben. Sehr spezifische Erweiterungen sehen wir weiterhin als Add-ons an, die wir allerdings sehr leicht und schnell entwickeln können. Dank der durchgängig objektorientierten Architektur bleibt der Kunde auch bei komplexen Anpassungen releasefähig. Es ist natürlich nicht sinnvoll, zuviel branchenspezifische Funktionen in eine Standardversion zu integrieren. Andere Softwaresysteme mussten das. Diese Lösungen sind heute sehr komplex und für den Mittelstand nicht wirklich geeignet. Unser System hat den Vorteil, dass es vollständig objektorientert ist. Eine klassische Kundenausprägung wird als eigenständiges Objekt entwickelt. Das Element wird nicht in den Standard übernommen, wir halten es jedoch soweit vor, dass es in weitere Installationen als Branchen-Objekt eingebunden werden kann. Das Produkt würde sonst zu mächtig. Unserer Meinung nach ist es auch gar nicht nötig, für jede Branche neue Prozesse aufzusetzen, da viele Prozesse bei genauerer Analyse sich doch sehr ähnlich sind. Andere Branchenobjekte die wir anbieten, werden auch von unseren Partnern geliefert. Für uns selber macht das nur dann Sinn, wenn wir schnell genug in dieser Branche auch Fuß fassen und eine hohe Marktdurchdringung erreichen.
IT-DIRECTOR: Wie positionieren Sie sich gegenüber anderen ERP-Anbietern?
S. Rattke: Wir sehen es als unseren großen Vorteil an, dass wir gegenüber unseren Mitbewerbern – und darunter zählen wir Anbieter von Software, die wie unsere mandantenfähig und voll integriert ist und alles aus einer Hand liefert – um ein vielfaches schneller entwickeln können. Das sieht man schon an der Größe unseres Entwicklungsteams – wir haben 25 bis 30 Basissoftwareentwickler, wogegen andere mehrere Hundert haben. Und trotzdem bieten wir ein vergleichbares Produkt-Portfolio an.
IT-DIRECTOR: Sie bieten mittlerweile eine eigene Groupware an. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
S. Rattke: Auf unsere Groupware sind wir mehr als stolz. Was sich zunächst nur als niedliches Add-On entwickelte, sehen wir heute als elementaren Bestandteil einer IT-Komplettlösung in einem Unternehmen. Dabei spielt nicht nur die eigene Groupware mit E-Mail-Client, Aufgabenmanager, Terminkalender und Short-Messenger eine wichtige Rolle, sondern auch eigene Zusatzmodule wie EDI-Konverter oder Fax-Server-Anbindung. Canias ERP ist aus diesem Grunde für uns nicht mehr nur noch eine ERP-Lösung, sondern die Basis für eine Enterprise Collaboration Architecture. Mit Canias ERP steuern und organisieren wir die Kommunikation, Information und Prozesse in einem Unternehmen. Mit einem leichten Augenzwinkern können wir heute behaupten, mit Canias ERP können sich unsere Kunden, wenn sie es wünschen, ein Stück weit von den Microsoft-Zwängen lösen. Und wir gehen noch einen Schritt weiter. Dank der Plattformunabhängigkeit können sie Canias ERP unter MySQL und Linux installieren, also auf einer quasi Open-Source-Architektur.
IT-DIRECTOR: Warum gehört Ihr Unternehmen nicht längst zu Oracle oder Infor?
S. Rattke: Gute Frage. Wahrscheinlich waren die Angebote zu niedrig. Nein, Scherz bei Seite. Sicherlich ist unser Unternehmenswert nicht an der Größe unserer Holding fest zu machen. Bislang war es stets unser Bestreben, unabhängig zu bleiben. Aus diesem Grund gingen wir nicht an die Börse und haben unser gesamtes Wachstum aus dem eigenen Kapital finanziert. Auch das Wort Kredite kennen wir eigentlich nicht. Also alles gute Merkmale nicht verkaufen zu müssen oder feindlich übernommen werden zu können. Außerdem haben große Systemhäuser nicht unbedingt eine stabilere wirtschaftliche Lage. Schauen Sie sich die Banken unserer Welt an. Da lobe ich mir doch ein überschaubares Unternehmen mit gesunden Strukturen.
IT-DIRECTOR: Wie sind Sie zu IAS gekommen?
S. Rattke: Als studierter Wirtschaftsingenieur habe immer versucht – ähnlich wie unsere Software – meine Kenntnisse breit zu fächern und mich nicht auf einen Bereich zu fokussieren. Jedoch waren alle meine beruflichen Stationen sehr technisch geprägt. Als dritte Station in meinem Berufsleben bin ich 1993 zur IAS gewechselt. Zwischen 1998 und 2001 wechselte ich dann noch einmal innerhalb dieser Branche zum Mitbewerb, unter anderem zur Infor als Marketingleiter. Seit 2002 aber wieder im Dienste der IAS in der Geschäftsleitung. Also mittlerweile knapp 12 Jahre.
IT-DIRECTOR: Welche Hobbys haben Sie?
S. Rattke: Ich bin durch und durch sportbegeistert. Wenn man nicht in der Lage ist, hin und wieder an seine Grenzen zu gehen und auch nicht weiß, dass man dies kann, dann wird man nicht erfolgreich sein. Auch im Geschäftsleben muss man das ab und zu tun, man muss nur darauf achten, dass man erstens dabei nicht über das Ziel hinaus schießt und zweitens seine Gesundheit nicht gefährdet. Ich sehe mich da ähnlich wie Canias: Je nach Disziplin gilt es, nicht überall der Beste zu sein, sondern es ist eine weit aus größere Herausforderung, in vielen Disziplinen gut zu sein. Ich habe Fußball und Handball gespielt, fahre Ski und Snowboard, surfe, habe viel Leichtathletik betrieben und fahre gerne Rennrad und Mountainbike. Am wichtigsten ist für mich jedoch meine Familie. Sie gibt mir viel Kraft und Rückhalt. Um auf dieser Ebene Geschäft und Familienleben zu vereinbaren, bedingt es beides in Takt zu halten. Die ist mir bis heute ganz gut gelungen, übrigens genauso lange wie es die IAS nun schon gibt.
Steffen Rattke
Alter: 47
Position: Geschäftsführer der IAS GmbH
Hobbys: Surfen, Fußball, Handball, Ski- und Snowboard fahren, Leichtathletik, Rennrad und Mountainbike fahren
Familie: verheiratet, eine Tochter und einen Sohn
Im Gespräch mit Steffen Rattke, Geschäftsführer der IAS, über die Schwierigkeiten im deutschen ERP-Markt und die Gemeinsamkeiten von Sport und Business
IT-DIRECTOR: Die IAS feiert in kürze 20-jähriges Firmenjubiläum. Wie hat sich das Unternehmen entwickelt?
S. Rattke: Unser Firmengründer Hakan Karabiber hat sich 1989 von der SAP, bei der er zuvor beschäftigt war, losgesagt und selbstständig gemacht. Seine Intention und Vision war es, ein eigenständiges Softwaresystem zu entwickeln. Von der betriebswirtschaftlichen Seite und der Integrationsphilosophie her sollte es den hohen betriebswirtschaftlichen Standards, die er von SAP her kannte entsprechen, in puncto Systemarchitektur und Entwicklungstechnologie wollte er neue Maßstäbe und Standards setzen. Der Einstieg in die Selbstständigkeit konnten wir uns durch die SAP-Beratungsprojekte erleichtern, die gleichzeitig auch als Finanzierungshilfe für die eigene Entwicklung dienten, welche in den ersten Jahren sehr intensiv von und durch Herrn Karabiber vorangetrieben wurde. 1993 sind wir dann mit den ersten Software-Modulen an den Markt gegangen. Das war auch das Jahr, in dem ich zur IAS stieß, um rund um das Produkt IAS sowohl eine Vertriebsstruktur aufzubauen, als auch die IAS-Software erstmalig zu verkaufen.
IT-DIRECTOR: Wie hat sich Ihre Lösung konkret von SAP unterschieden?
S. Rattke: Wir wollten in puncto Technologie und Systemarchitektur neue Wege gehen. Aus diesem Grund haben wir sehr schnell die Welt der Green-Screen-Oberfläche und Großrechnerlizenzen verlassen. Den dadurch etwas verzögerten Markteintritt haben wir dann schon auf der modernen, offenen Systemarchitektur vollzogen. Eine plattformunabhängige ERP-Lösung mit einer grafischen Oberfläche, die auf verschiedenen relationalen Datenbanken aufsetzen konnte. Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der IAS war das Jahr 1997. In diesem Jahr stellten wir unsere eigene integrierte Entwicklungsumgebung Troia vor, ein Produkt aus sieben Jahren Entwicklungserfahrung. Damit waren wir nicht nur in Datenbank und Betriebssystem von Drittanbietern etwas unabhängiger, sondern auch in der Nutzung von Entwicklungstools. Zunächst unter C++ und später unter Java, konnten wir nun viel schneller und effektiver entwickeln. Das auf Basis eines Interpreters umgesetzte Entwicklungstool erlaubt uns zur Laufzeit extrem schnell auch komplexe Entwicklungen vorzunehmen. Troia wird inklusive des Application-Source-Codes ausgeliefert. Dank dieser Architektur und unserem Bemühen, Markt-Neuerungen mit in unsere Entwicklung einzubeziehen, haben wir zwischen den Jahren 1997-2000 als Sun Developer-Partner die Java-Technologie geprüft. Das Ergebnis war, unsere ERP-Software nicht neu in Java zu programmieren, sondern nur unseren Interpreter auf Java zu modifizieren. Dieser Weg erlaubte uns, bereits im Jahr 2000 unsere ERP-Lösung als vollständig webfähige, javabasierte Lösung anzubieten. Wir liefern also eine javabasierende Software, obwohl wir selber nicht in Java programmieren. Das hat den Vorteil, dass wir – wenn eine neue Sprache den Platz von Java einnimmt – nur den Interpreter neu schreiben müssen.
IT-DIRECTOR: Wann kam der Name Canias für Ihre Lösung ins Spiel?
S. Rattke: Eben mit dem Technologie-Wechsel wollten wir auch ein Zeichen setzen und haben mit diesem wesentlichen Meilenstein und dem Namenswechsel ein neues IT-Zeitalter eingeläutet. Aus IAS Software wurde Canias ERP. Canias steht für Collaborative Application Network by IAS. Als nette Fußnote stehen die Buchstaben CAN auch für den Vornamen des Sohnes unseres Gesellschafters. Damit haben wir den Gründer ein wenig in der Lösung mit verewigt.
IT-DIRECTOR: Sie haben sowohl mittelständische als auch sehr große Kunden. Arbeiten alle mit dem gleichen System oder bieten Sie verschiedene Versionen?
S. Rattke: Wir sind sicherlich zu Beginn mit der Absicht angetreten, ERP-Software für den Mittelstand anzubieten. Allerdings ist es fast unmöglich, das klar zu definieren. Wir wollen dies weder an der Unternehmensgröße noch am Umsatz festmachen, sondern wir betrachten die Unternehmens-Anforderungen als wesentliche Kenngröße für den Umfang der notwendigen IT-Unterstützung. Der Vorteil von Canias ist, dass es auch für größte Unternehmen geeignet ist, also sehr hoch skalierbar ist. Der Grund dafür, dass wir nicht sehr viele große Kunden haben, ist eher ein politischer als ein funktionaler. Konzerne setzen eher Produkte von ebenfalls großen Anbietern wie SAP oder Oracle ein. Aber wir haben die Software von Beginn an mandantenfähig gestaltet und somit ist sie auch für Konzerne geeignet. Letztendlich arbeiten jedoch alle unsere Kunden mit dem gleichen System, natürlich mit dem Unterschied, dass jedes Unter-nehmen seine spezifischen Anforderungen in Canias ERP anpassen kann.
IT-DIRECTOR: Wie ist Ihre Software aufgebaut? Bieten Sie unterschied- liche Produkte für die verschiedenen Bereiche an oder bekommt der Kunde ein Komplettpaket?
S. Rattke: Unser System ist modular. Es gibt ein Kernsystem, das aus den Stammdaten, der Entwicklungsumgebung, den Prüftabellen und der Systemarchitektur besteht. Diese Komponenten benötigt jedes Unternehmen. Alle anderen derzeit 24 Module wie Vertrieb, Einkauf, Produktkalkulation, Rechnungsprüfung oder Qualitätsmanagement kann der Kunde nach Bedarf dazukaufen und somit seine Lösung sukzessive erweitern.
IT-DIRECTOR: Sind diese Module branchenfokussiert?
S. Rattke: Ja und nein. Wir sahen uns eigentlich als Standardsoftwareanbieter zunächst ohne gezielte Branchenausprägung. Unser Fokus war zu Anfang klar die fertigende Industrie, seit einigen Jahren setzen wir aber auch mehr und mehr handelsorientierte Projekte um. Und mittlerweile haben in verschiedenen Projekten einige Branchenobjekte generiert, die wir in den Standard integriert haben. Sehr spezifische Erweiterungen sehen wir weiterhin als Add-ons an, die wir allerdings sehr leicht und schnell entwickeln können. Dank der durchgängig objektorientierten Architektur bleibt der Kunde auch bei komplexen Anpassungen releasefähig. Es ist natürlich nicht sinnvoll, zuviel branchenspezifische Funktionen in eine Standardversion zu integrieren. Andere Softwaresysteme mussten das. Diese Lösungen sind heute sehr komplex und für den Mittelstand nicht wirklich geeignet. Unser System hat den Vorteil, dass es vollständig objektorientert ist. Eine klassische Kundenausprägung wird als eigenständiges Objekt entwickelt. Das Element wird nicht in den Standard übernommen, wir halten es jedoch soweit vor, dass es in weitere Installationen als Branchen-Objekt eingebunden werden kann. Das Produkt würde sonst zu mächtig. Unserer Meinung nach ist es auch gar nicht nötig, für jede Branche neue Prozesse aufzusetzen, da viele Prozesse bei genauerer Analyse sich doch sehr ähnlich sind. Andere Branchenobjekte die wir anbieten, werden auch von unseren Partnern geliefert. Für uns selber macht das nur dann Sinn, wenn wir schnell genug in dieser Branche auch Fuß fassen und eine hohe Marktdurchdringung erreichen.
IT-DIRECTOR: Wie positionieren Sie sich gegenüber anderen ERP-Anbietern?
S. Rattke: Wir sehen es als unseren großen Vorteil an, dass wir gegenüber unseren Mitbewerbern – und darunter zählen wir Anbieter von Software, die wie unsere mandantenfähig und voll integriert ist und alles aus einer Hand liefert – um ein vielfaches schneller entwickeln können. Das sieht man schon an der Größe unseres Entwicklungsteams – wir haben 25 bis 30 Basissoftwareentwickler, wogegen andere mehrere Hundert haben. Und trotzdem bieten wir ein vergleichbares Produkt-Portfolio an.
IT-DIRECTOR: Sie bieten mittlerweile eine eigene Groupware an. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
S. Rattke: Auf unsere Groupware sind wir mehr als stolz. Was sich zunächst nur als niedliches Add-On entwickelte, sehen wir heute als elementaren Bestandteil einer IT-Komplettlösung in einem Unternehmen. Dabei spielt nicht nur die eigene Groupware mit E-Mail-Client, Aufgabenmanager, Terminkalender und Short-Messenger eine wichtige Rolle, sondern auch eigene Zusatzmodule wie EDI-Konverter oder Fax-Server-Anbindung. Canias ERP ist aus diesem Grunde für uns nicht mehr nur noch eine ERP-Lösung, sondern die Basis für eine Enterprise Collaboration Architecture. Mit Canias ERP steuern und organisieren wir die Kommunikation, Information und Prozesse in einem Unternehmen. Mit einem leichten Augenzwinkern können wir heute behaupten, mit Canias ERP können sich unsere Kunden, wenn sie es wünschen, ein Stück weit von den Microsoft-Zwängen lösen. Und wir gehen noch einen Schritt weiter. Dank der Plattformunabhängigkeit können sie Canias ERP unter MySQL und Linux installieren, also auf einer quasi Open-Source-Architektur.
IT-DIRECTOR: Warum gehört Ihr Unternehmen nicht längst zu Oracle oder Infor?
S. Rattke: Gute Frage. Wahrscheinlich waren die Angebote zu niedrig. Nein, Scherz bei Seite. Sicherlich ist unser Unternehmenswert nicht an der Größe unserer Holding fest zu machen. Bislang war es stets unser Bestreben, unabhängig zu bleiben. Aus diesem Grund gingen wir nicht an die Börse und haben unser gesamtes Wachstum aus dem eigenen Kapital finanziert. Auch das Wort Kredite kennen wir eigentlich nicht. Also alles gute Merkmale nicht verkaufen zu müssen oder feindlich übernommen werden zu können. Außerdem haben große Systemhäuser nicht unbedingt eine stabilere wirtschaftliche Lage. Schauen Sie sich die Banken unserer Welt an. Da lobe ich mir doch ein überschaubares Unternehmen mit gesunden Strukturen.
IT-DIRECTOR: Wie sind Sie zu IAS gekommen?
S. Rattke: Als studierter Wirtschaftsingenieur habe immer versucht – ähnlich wie unsere Software – meine Kenntnisse breit zu fächern und mich nicht auf einen Bereich zu fokussieren. Jedoch waren alle meine beruflichen Stationen sehr technisch geprägt. Als dritte Station in meinem Berufsleben bin ich 1993 zur IAS gewechselt. Zwischen 1998 und 2001 wechselte ich dann noch einmal innerhalb dieser Branche zum Mitbewerb, unter anderem zur Infor als Marketingleiter. Seit 2002 aber wieder im Dienste der IAS in der Geschäftsleitung. Also mittlerweile knapp 12 Jahre.
IT-DIRECTOR: Welche Hobbys haben Sie?
S. Rattke: Ich bin durch und durch sportbegeistert. Wenn man nicht in der Lage ist, hin und wieder an seine Grenzen zu gehen und auch nicht weiß, dass man dies kann, dann wird man nicht erfolgreich sein. Auch im Geschäftsleben muss man das ab und zu tun, man muss nur darauf achten, dass man erstens dabei nicht über das Ziel hinaus schießt und zweitens seine Gesundheit nicht gefährdet. Ich sehe mich da ähnlich wie Canias: Je nach Disziplin gilt es, nicht überall der Beste zu sein, sondern es ist eine weit aus größere Herausforderung, in vielen Disziplinen gut zu sein. Ich habe Fußball und Handball gespielt, fahre Ski und Snowboard, surfe, habe viel Leichtathletik betrieben und fahre gerne Rennrad und Mountainbike. Am wichtigsten ist für mich jedoch meine Familie. Sie gibt mir viel Kraft und Rückhalt. Um auf dieser Ebene Geschäft und Familienleben zu vereinbaren, bedingt es beides in Takt zu halten. Die ist mir bis heute ganz gut gelungen, übrigens genauso lange wie es die IAS nun schon gibt.
Steffen Rattke
Alter: 47
Position: Geschäftsführer der IAS GmbH
Hobbys: Surfen, Fußball, Handball, Ski- und Snowboard fahren, Leichtathletik, Rennrad und Mountainbike fahren
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