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Beschreibung
Die Inductron GmbH, ein Hersteller von Elektronikbauteilen und im Juni 2003 als Management-Buy-Out aus einem ehemaligen VAC-Produktionsstandort hervorgegangen, musste bis zu einem genau festgelegten Stichtag innerhalb von drei Monaten eine neue ERP-Lösung einführen. Dies gelang ihr mit der abas-Business-Software, die seit dem ersten Einsatztag alle Geschäftsprozesse komplett unterstützt und effektiv steuert.
Ob am Boden in Zügen und Stellwerken oder zum Testen elektronischer Anlagen, ob am Himmel in Jets und Satelliten: Die Inductron GmbH sorgt mit ihren Produkten für die störungsfreie und sichere Funktion der elektronischen Komponenten. Das Unternehmen im bayerischen Schrobenhausen entwickelt, fertigt und vertreibt induktive Wickelbauteile für die Elektronik. Das Produktspektrum umfasst Schalenkernspulen, Hochfrequenzspulen, Leistungsübertrager, Ringkernspulen und Induktivitäten für SMD-Technik.
Durch den komplizierten Herstellungsprozess ist der Anteil an manueller Fertigung dabei außergewöhnlich hoch. Zudem sind die Stückzahlen meist so gering, dass sich die Einrichtung automatisierter Abläufe nicht rechnet. Eine filigrane Angelegenheit, die viel Fingerspitzengefühl erfordert, ist etwa das Umwickeln der Metall-, Keramik- und Kunststoffkörper, besonders, wenn die Teile nur 2 x 2 mm groß sind.
Management-Buy-Out erforderte frühzeitige Planung
„Wir haben viele Kleinstserien mit fünf oder zehn Stück, bei einem größeren Auftrag auch mal bis zu mehreren 100 Stück“, erläutert Gilbert Berger, Geschäftsführer der Inductron GmbH. Das Unternehmen ist auf Sonderanfertigungen und Kleinserien bis zu Stückzahl Eins spezialisiert. Entstanden ist die Inductron GmbH im Juni 2003 als Management-Buy-Out aus der Vacuumschmelze Schrobenhausen, einer Produktionsstätte der Vacuumschmelze GmbH & Co KG (VAC), Hanau.
Im Herbst 2002 fiel dort die Entscheidung, den Betrieb in Schrobenhausen zu schließen – „trotz voller Auftragsbücher“, wie Gilbert Berger betont. Nach kurzem Überlegen und „einigen schlaflosen Nächten“ entschied sich der damalige Betriebsleiter, das Unternehmen in eigener Regie mit der bewährten Mannschaft weiterzuführen. Unter hohem persönlichen Risiko – Berger: „Wenn es nicht geklappt hätte, hätte ich heute Anlagen und Systeme im Wert von mehreren Millionen Euro in der heimischen Garage stehen“ - und der Zusicherung seiner besten Mitarbeiter, an Bord zu bleiben, wurden unter Hochdruck die entsprechenden Pläne geschmiedet, die Vorbereitungen getroffen und zum 1. März 2003 die neue Firma gegründet.
Nach einem Blick in die Bücher standen auch die Banken mit entsprechenden Krediten für die notwendigen Neuinvestitionen bereit. So musste beispielsweise frühzeitig eine spezielle Messanlage für die Bauelemente bestellt werden, da die Prüfungen bis dato bei der Muttergesellschaft erfolgten und die Lieferzeit der Anlage mehrere Monate betrug.
Nachfolge-Lösung für Standleitungs-Anbindung gesucht
Weiteres Kopfzerbrechen bereitete auch die ERP-seitige, enge Anbindung an das Mutterhaus. Erst 2001 war, nachdem fast 20 Jahre in Schrobenhausen eine eigenentwickelte ERP-Lösung von Siemens im Einsatz war, das SAP R/3-System der Muttergesellschaft eingeführt worden. Die Rechner waren über Standleitungen mit dem Serversystem in Hanau, dem Hauptsitz der VAC, verbunden.
Unter technischen Gesichtspunkten hätte diese Konstellation auch weiterbetrieben werden können. Doch schon aus finanziellen Gründen kam dies für Berger nicht in Betracht: „Allein die Standleitungsgebühr war teurer als die jetzigen abas-Lizenzgebühren.“ Mit dem geplanten Schritt in die Selbstständigkeit zum 31.5.03 wurde auch die SAP-Anbindung zum selben Termin gekündigt.
Auf der Systems 2002 machte sich Gilbert Berger mit Unterstützung eines Beraters auf die Suche nach einer Alternative. Eine Auswahl war bereits im Vorfeld getroffen worden, auf der Messe wurde den Anbietern mit konkreten Anforderungen auf den Zahn gefühlt. Die Entscheidung fiel schnell – und eindeutig für den zertifizierten abas-Partner Koldt GmbH mit Sitz in München. „Zum einen haben wir viele Funktionalitäten in abas-ERP wieder gefunden, die unsere ehemalige Siemens-Lösung konnte, R/3 aber nicht beherrschte“, erinnert sich Berger. „Zum anderen stimmt auch das Preis-/Leistungsverhältnis. Vor allem aber hat Koldt glaubwürdig zugesagt, die Systemeinführung in den drei Monaten zwischen März und Mai, der Übergangszeit zwischen Neugründung der Inductron und der Übernahme der Geschäftstätigkeiten der Vacuumschmelze Schrobenhausen, zu bewältigen.“
ERP-Einführung bei Voll-Auslastung der Produktion
Ende März 2003 wurde der Auftrag für zehn Lizenzen inklusive Hardware an die Koldt GmbH vergeben. Zudem beinhaltete der Auftrag die Alt-Datenübernahme, die Formulargestaltung, Anpassungen und Zusatzprogrammierungen. Christine Sedlmair, Leiterin Einkauf und Rechnungswesen bei Inductron, lobt: „Unsere Anforderungen wurden detailliert festgehalten, ein entsprechendes Angebot abgegeben und die Leistung wie vereinbart abgerechnet und erbracht.“
Doch um dies in der verbleibenden, kurzen Zeitspanne zu bewältigen, musste IT-Dienstleister Koldt sich ins Zeug legen. Als zusätzliche Herausforderung kam hinzu, dass viele Kunden in der unsicheren Übergangssituation Ware auf Vorrat bestellten und entsprechenden Termindruck machten, die Produktion also auf Hochtouren lief.
Geschäftsführer Berger: „Das war von Koldt und uns schon eine Leistung. Wir haben an der Kapazitätsgrenze produziert und parallel wurde das neue System eingeführt.“ Zunächst wurden die Daten in ein Demo-System migriert und dort Stichproben unterzogen. Gab es Unstimmigkeiten, wurde das System von dem Münchener Systemhaus entsprechend korrigiert. Nach dem „Ok“ von Christine Sedlmair wurden dann die Daten in das Echt-System übernommen.
„Wir hatten eine enorme Datenflut in dieser kurzen Zeit zu bewältigen“, so Berger rückblickend. „Die Schwierigkeit lag darin, die Daten aus SAP in abas-ERP richtig zuzuordnen, weil die Begrifflichkeiten und Funktionsbezeichnungen sich teilweise stark unterscheiden. Einige Daten benötigten wir auch nicht mehr, andere mussten völlig neu angelegt werden.“ 14 Tage lang wurden die Stammdaten in zwei Systemen gepflegt, am 26.5. wurden die Lagerbestände migriert. Am 31.5 wurden noch die Kundenaufträge in abas-ERP eingepflegt und abends die SAP-Verbindung gekappt.
Am 1. Juni übernahm das abas-ERP-System die Unterstützung und Steuerung der Inductron-Geschäftsprozesse. „Der Wechsel von SAP auf ABAS ging ohne Probleme vonstatten“, erläutert die Einkaufsleiterin, „wir konnten vom ersten Tag an normal produzieren, ausliefern und Rechnungen schreiben.“
Zuvor hatte IT-Dienstleister Koldt noch einige Systemanpassungen im Chargenbereich an die Inductron-Anforderungen vorgenommen. Wenn nun ein Fertigungsauftrag beendet ist und eingelagert wird, erhält dieses Produkt als Charge gleich die Nummer des Fertigungsloses. „Das ist wegen der Rückverfolgbarkeit wichtig für uns“, erklärt der Geschäftsführer. „Wenn es mal ein Problem mit dem Produkt gibt, müssen wir nachvollziehen können, aus welchem Fertigungslos das Teil stammt.“
Daten zum Fertigungsplan werden auf Knopfdruck hinterlegt
Das System ist nun so konfiguriert, dass bei der Buchung eines Wareneingangs automatisch ein Fenster aufklappt, um die Charge direkt anzulegen. Christine Sedlmair: „So kann die Eingabe von den Kollegen nicht vergessen werden.“
Eine weitere Anpassung, die Koldt auf Wunsch von Inductron vorgenommen hat, war die Wiederbelebung des sogenannten Grundplanes. Mit Grundplan sind bei Inductron die Beschreibung von ständig wiederkehrenden, standardisierten Arbeitsschritten bezeichnet. „In diesem Grundplan haben wir bereits vor Jahren alle anfallenden Arbeitsschritte beschrieben, mit Zeiten belegt, der Lohngruppe zugeordnet etc. In R/3 gab es den Grundplan dann nicht mehr, da mussten wir all die Daten einpflegen“, erläutert Berger. „Auf der Systems haben wir das Prinzip des Planes dann bei ABAS in einem Modul wieder entdeckt.“
Die abas-Business-Software bietet die Möglichkeit, in einer Arbeitsplanebene beispielsweise die grundlegenden Arbeiten für eine Komponentengruppe anzulegen. Auf diesem Basisarbeitsplan bauen dann die höheren Arbeitsplanebenen für die unterschiedlichen Produktvarianten auf. Berger stellte schnell fest, „dass sich diese Möglichkeit hervorragend für unsere Zwecke verwenden lässt und haben unseren über zwei Jahre brachliegenden Grundplan damit im abas-ERP-System wiederbelebt.“
Wenn Christine Sedlmair heute einen neuen Fertigungsplan anlegt, muss sie nur noch pro Arbeitsschritt eine Nummer eingeben, ähnlich einer Artikelnummer. Im Arbeitsplan sind dann sofort alle notwendigen Angaben hinterlegt, wie Arbeitsplatz, Kostenstelle, Zeiten etc.
Zur Erfassung der Arbeitszeiten ist bei Inductron ein in abas-ERP integriertes Personalzeiterfassungs-System von Koldt im Einsatz. Es dient auch zur Information der Mitarbeiter über ihre Gleitzeitkonten. Die Daten sind im Mitarbeiterstamm des ERP-Systems hinterlegt, so dass sich die Personalverwaltung dort stets über Überstundenzeiten, Fehlzeiten oder Urlaubsstand jedes Mitarbeiters informieren kann.
Das PZE-System ist bei Inductron notwendig, um die Vielzahl an Arbeitszeit- und Schichtmodellen zu organisieren. Es gibt Arbeitszeitmodelle von der 20h- bis zur 40h-Woche. Geschäftsführer Berger: „Allein für die Verwaltung dieser Zeitmodelle wäre täglich eine Person mehrere Stunden beschäftigt. Zudem spielt bei uns die gesetzliche Vorschrift, dass die Mitarbeiter nicht länger als zehn Stunden am Tag arbeiten dürfen, eine große Rolle. Da sind wir als Arbeitgeber in der Pflicht, darauf zu achten.“
Nach dem Roll-Out der abas-Lösung war es den Verantwortlichen bei Inductron zunächst vor allem von Bedeutung, dass der komplette Auftragsdurchlauf, vom Eingang des Kundenauftrages, der Warenbestellung, der Disposition über die Produktion bis zum Versand richtig abgebildet wurde und mit dem System gearbeitet werden konnte. Doch schnell stellte man in Schrobenhausen fest, dass die ERP-Lösung darüber hinaus noch zahlreiche weitere, nutzbringende Funktionen beinhaltet.
So plant die ERP-Lösung die Fertigung durch und stellt beispielsweise an Hand des Lagervorrates fest, ob eine Bestellung zu dem vom Kunden gewünschten Termin gefertigt werden kann, wann die Produktion spätestens beginnen muss oder ob Material bestellt werden muss. „Das ist eigentlich das A und O eines ERP-Systems“, betont Christine Sedlmair, „dass es abwägen kann, ob der Ablauf reibungslos erfolgen kann und die Kunden termingerecht beliefert werden können. Und darauf können wir uns vollkommen verlassen.“
So meldet das System beispielsweise auch, wenn von einem Teil noch 500 Stück auf Lager sind, 300 werden für einen ersten Auftrag benötigt und es kommt kurzfristig ein zweiter Auftrag über dieselbe Stückzahl hinzu, dass sofort eine Bestellung über 100 Stück ausgelöst werden muss. Damit ist man bei Inductron in der Lage, auf Basis der aktuellen Systeminformationen gegenüber den Kunden direkt am Telefon genaue Aussagen zu machen, wann die Lieferung erfolgt.
„Auswertungen über Fehler in der Fertigung oder Zufriedenheitsbewertungen von Lieferanten müssen wir noch manuell machen“, erläutert Christine Sedlmair. Vor allem die Lieferantenkennzahlen wären dabei von Bedeutung, wie Liefertreue, Qualität oder die Einstufung als A-, B- oder C-Lieferant. Ein passendes Qualitätsmanagement-Modul, welches bisher noch nicht in die abas-Business-Software integriert ist, kann das IT-Haus Koldt über eine Partnerlösung anbieten.
Wesentlich verbessert haben sich mit der Business-Software die Absatzinformationen im Vertrieb. So bietet das ERP-System die Möglichkeit, nachzuvollziehen, welche Produkte in welcher Menge welcher Kunde in welchem Zeitraum bestellt hat und daraus Absatzprognosen abzuleiten. „Auf Knopfdruck kann ich mir sogar eine Grafik aufrufen, mit welchem Kunden wir wie viel Umsatz gemacht haben“, zeigt sich Berger erfreut.
Die abas-Lösung beinhaltet eine Vielzahl von entsprechenden Werkzeugen, um dem Management die notwendigen Informationen über die geschäftliche Entwicklung zur Verfügung zu stellen. Berger: „Wir müssen nur noch die Zeit finden, die notwendigen Daten einzupflegen.“ Weitere Werkzeuge bieten die Möglichkeit, produkt-, zeit-, preis- umsatz- oder kundenbezogene Informationen oder eine Kombination dieser Möglichkeiten anzuzeigen. „Das ist enorm hilfreich, wenn man den Kunden am Telefon hat und in Preisverhandlungen ist“, weiß der Geschäftsführer, „oder bei der Vorbereitung zu einem Kundenbesuch.“
Durch die einfache Bedienung der ERP-Applikation erlernten und akzeptierten auch die Mitarbeiter das neue System sehr schnell. „Für mich“, so Berger, „der nicht jeden Tag in dem System arbeitet, zeigt es sich als sehr anwenderfreundlich.“
Stabilität des Systems überzeugt auch Skeptiker
Dass das abas-System dabei auf einer Linux-Serverplattform basiert, bemerken die Mitarbeiter gar nicht. Allerdings stieß der Vorschlag des Hauses Koldt, die Open-Source-Plattform zu nutzen, bei Inductron nicht von Anfang an auf ungeteilte Begeisterung. „Wir sind keine EDV-Spezialisten“, erläutert Christine Sedlmair, „wir suchten einfach ein zuverlässiges, preisgünstiges System, das unsere Anforderungen erfüllt. Mit dem Thema Linux hatten wir uns bis zu dem Kontakt mit ABAS nie beschäftigt.“ Und Geschäftsführer Berger ergänzt: „Die Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht und uns ausgiebig bei Experten erkundigt. Aber wir haben von allen Seiten nur Positives gehört.“ Heute sind auch die Inductron-Manager von der Open-Source-Plattform überzeugt. Nicht nur, dass die Linux-Lösung durch den Wegfall der Lizenzgebühr preisgünstiger ist als eine Microsoft-Plattform, sondern vor allem die Stabilität des Systems beeindruckt. „Wir hatten noch nie ein Problem mit dem Server. Ich weiß nicht einmal, wie man den Rechner hoch- oder runterfährt“, gesteht Christine Sedlmair ein. „Das mussten wir bisher einfach nicht machen, weil das System absolut zuverlässig läuft.“
Inductron – Der Anwender
Die heutige Inductron - Inductive Electronic Components GmbH in Schrobenhausen/Bayern wurde ursprünglich 1972 von Siemens zur Produktion von Hochspannungs- und Hochfrequenz-Komponenten gegründet. 1980 wurde die Produktion von SMD- (small mounted device) Komponenten für Radio und Mobil-Geräte aufgenommen. 1989 erwarb die Vacuumschmelze (VAC) das Unternehmen. Im Juni 2003 wird Inductron von Gilbert Berger als Management-Buy-Out gegründet. Heute hat das Unternehmen 28 Mitarbeiter und ist international aktiv. Mehr als 40 Prozent der Produktion fließen ins Ausland, zu den Kunden zählen kleine und mittlere Unternehmen ebenso wie Konzerne, etwa ABB, Alstom, EADS, Siemens oder Tesat Spacecom. Inductron setzt die abas-Business-Software mit den Modulen Fertigungsplanung, Materialwirtschaft, Logistik, Einkauf, Kostenrechnung, Personalzeiterfassung und Finanzbuchhaltung auf Basis von einem Linux-Server und Windows-Clients ein.
Ob am Boden in Zügen und Stellwerken oder zum Testen elektronischer Anlagen, ob am Himmel in Jets und Satelliten: Die Inductron GmbH sorgt mit ihren Produkten für die störungsfreie und sichere Funktion der elektronischen Komponenten. Das Unternehmen im bayerischen Schrobenhausen entwickelt, fertigt und vertreibt induktive Wickelbauteile für die Elektronik. Das Produktspektrum umfasst Schalenkernspulen, Hochfrequenzspulen, Leistungsübertrager, Ringkernspulen und Induktivitäten für SMD-Technik.
Durch den komplizierten Herstellungsprozess ist der Anteil an manueller Fertigung dabei außergewöhnlich hoch. Zudem sind die Stückzahlen meist so gering, dass sich die Einrichtung automatisierter Abläufe nicht rechnet. Eine filigrane Angelegenheit, die viel Fingerspitzengefühl erfordert, ist etwa das Umwickeln der Metall-, Keramik- und Kunststoffkörper, besonders, wenn die Teile nur 2 x 2 mm groß sind.
Management-Buy-Out erforderte frühzeitige Planung
„Wir haben viele Kleinstserien mit fünf oder zehn Stück, bei einem größeren Auftrag auch mal bis zu mehreren 100 Stück“, erläutert Gilbert Berger, Geschäftsführer der Inductron GmbH. Das Unternehmen ist auf Sonderanfertigungen und Kleinserien bis zu Stückzahl Eins spezialisiert. Entstanden ist die Inductron GmbH im Juni 2003 als Management-Buy-Out aus der Vacuumschmelze Schrobenhausen, einer Produktionsstätte der Vacuumschmelze GmbH & Co KG (VAC), Hanau.
Im Herbst 2002 fiel dort die Entscheidung, den Betrieb in Schrobenhausen zu schließen – „trotz voller Auftragsbücher“, wie Gilbert Berger betont. Nach kurzem Überlegen und „einigen schlaflosen Nächten“ entschied sich der damalige Betriebsleiter, das Unternehmen in eigener Regie mit der bewährten Mannschaft weiterzuführen. Unter hohem persönlichen Risiko – Berger: „Wenn es nicht geklappt hätte, hätte ich heute Anlagen und Systeme im Wert von mehreren Millionen Euro in der heimischen Garage stehen“ - und der Zusicherung seiner besten Mitarbeiter, an Bord zu bleiben, wurden unter Hochdruck die entsprechenden Pläne geschmiedet, die Vorbereitungen getroffen und zum 1. März 2003 die neue Firma gegründet.
Nach einem Blick in die Bücher standen auch die Banken mit entsprechenden Krediten für die notwendigen Neuinvestitionen bereit. So musste beispielsweise frühzeitig eine spezielle Messanlage für die Bauelemente bestellt werden, da die Prüfungen bis dato bei der Muttergesellschaft erfolgten und die Lieferzeit der Anlage mehrere Monate betrug.
Nachfolge-Lösung für Standleitungs-Anbindung gesucht
Weiteres Kopfzerbrechen bereitete auch die ERP-seitige, enge Anbindung an das Mutterhaus. Erst 2001 war, nachdem fast 20 Jahre in Schrobenhausen eine eigenentwickelte ERP-Lösung von Siemens im Einsatz war, das SAP R/3-System der Muttergesellschaft eingeführt worden. Die Rechner waren über Standleitungen mit dem Serversystem in Hanau, dem Hauptsitz der VAC, verbunden.
Unter technischen Gesichtspunkten hätte diese Konstellation auch weiterbetrieben werden können. Doch schon aus finanziellen Gründen kam dies für Berger nicht in Betracht: „Allein die Standleitungsgebühr war teurer als die jetzigen abas-Lizenzgebühren.“ Mit dem geplanten Schritt in die Selbstständigkeit zum 31.5.03 wurde auch die SAP-Anbindung zum selben Termin gekündigt.
Auf der Systems 2002 machte sich Gilbert Berger mit Unterstützung eines Beraters auf die Suche nach einer Alternative. Eine Auswahl war bereits im Vorfeld getroffen worden, auf der Messe wurde den Anbietern mit konkreten Anforderungen auf den Zahn gefühlt. Die Entscheidung fiel schnell – und eindeutig für den zertifizierten abas-Partner Koldt GmbH mit Sitz in München. „Zum einen haben wir viele Funktionalitäten in abas-ERP wieder gefunden, die unsere ehemalige Siemens-Lösung konnte, R/3 aber nicht beherrschte“, erinnert sich Berger. „Zum anderen stimmt auch das Preis-/Leistungsverhältnis. Vor allem aber hat Koldt glaubwürdig zugesagt, die Systemeinführung in den drei Monaten zwischen März und Mai, der Übergangszeit zwischen Neugründung der Inductron und der Übernahme der Geschäftstätigkeiten der Vacuumschmelze Schrobenhausen, zu bewältigen.“
ERP-Einführung bei Voll-Auslastung der Produktion
Ende März 2003 wurde der Auftrag für zehn Lizenzen inklusive Hardware an die Koldt GmbH vergeben. Zudem beinhaltete der Auftrag die Alt-Datenübernahme, die Formulargestaltung, Anpassungen und Zusatzprogrammierungen. Christine Sedlmair, Leiterin Einkauf und Rechnungswesen bei Inductron, lobt: „Unsere Anforderungen wurden detailliert festgehalten, ein entsprechendes Angebot abgegeben und die Leistung wie vereinbart abgerechnet und erbracht.“
Doch um dies in der verbleibenden, kurzen Zeitspanne zu bewältigen, musste IT-Dienstleister Koldt sich ins Zeug legen. Als zusätzliche Herausforderung kam hinzu, dass viele Kunden in der unsicheren Übergangssituation Ware auf Vorrat bestellten und entsprechenden Termindruck machten, die Produktion also auf Hochtouren lief.
Geschäftsführer Berger: „Das war von Koldt und uns schon eine Leistung. Wir haben an der Kapazitätsgrenze produziert und parallel wurde das neue System eingeführt.“ Zunächst wurden die Daten in ein Demo-System migriert und dort Stichproben unterzogen. Gab es Unstimmigkeiten, wurde das System von dem Münchener Systemhaus entsprechend korrigiert. Nach dem „Ok“ von Christine Sedlmair wurden dann die Daten in das Echt-System übernommen.
„Wir hatten eine enorme Datenflut in dieser kurzen Zeit zu bewältigen“, so Berger rückblickend. „Die Schwierigkeit lag darin, die Daten aus SAP in abas-ERP richtig zuzuordnen, weil die Begrifflichkeiten und Funktionsbezeichnungen sich teilweise stark unterscheiden. Einige Daten benötigten wir auch nicht mehr, andere mussten völlig neu angelegt werden.“ 14 Tage lang wurden die Stammdaten in zwei Systemen gepflegt, am 26.5. wurden die Lagerbestände migriert. Am 31.5 wurden noch die Kundenaufträge in abas-ERP eingepflegt und abends die SAP-Verbindung gekappt.
Am 1. Juni übernahm das abas-ERP-System die Unterstützung und Steuerung der Inductron-Geschäftsprozesse. „Der Wechsel von SAP auf ABAS ging ohne Probleme vonstatten“, erläutert die Einkaufsleiterin, „wir konnten vom ersten Tag an normal produzieren, ausliefern und Rechnungen schreiben.“
Zuvor hatte IT-Dienstleister Koldt noch einige Systemanpassungen im Chargenbereich an die Inductron-Anforderungen vorgenommen. Wenn nun ein Fertigungsauftrag beendet ist und eingelagert wird, erhält dieses Produkt als Charge gleich die Nummer des Fertigungsloses. „Das ist wegen der Rückverfolgbarkeit wichtig für uns“, erklärt der Geschäftsführer. „Wenn es mal ein Problem mit dem Produkt gibt, müssen wir nachvollziehen können, aus welchem Fertigungslos das Teil stammt.“
Daten zum Fertigungsplan werden auf Knopfdruck hinterlegt
Das System ist nun so konfiguriert, dass bei der Buchung eines Wareneingangs automatisch ein Fenster aufklappt, um die Charge direkt anzulegen. Christine Sedlmair: „So kann die Eingabe von den Kollegen nicht vergessen werden.“
Eine weitere Anpassung, die Koldt auf Wunsch von Inductron vorgenommen hat, war die Wiederbelebung des sogenannten Grundplanes. Mit Grundplan sind bei Inductron die Beschreibung von ständig wiederkehrenden, standardisierten Arbeitsschritten bezeichnet. „In diesem Grundplan haben wir bereits vor Jahren alle anfallenden Arbeitsschritte beschrieben, mit Zeiten belegt, der Lohngruppe zugeordnet etc. In R/3 gab es den Grundplan dann nicht mehr, da mussten wir all die Daten einpflegen“, erläutert Berger. „Auf der Systems haben wir das Prinzip des Planes dann bei ABAS in einem Modul wieder entdeckt.“
Die abas-Business-Software bietet die Möglichkeit, in einer Arbeitsplanebene beispielsweise die grundlegenden Arbeiten für eine Komponentengruppe anzulegen. Auf diesem Basisarbeitsplan bauen dann die höheren Arbeitsplanebenen für die unterschiedlichen Produktvarianten auf. Berger stellte schnell fest, „dass sich diese Möglichkeit hervorragend für unsere Zwecke verwenden lässt und haben unseren über zwei Jahre brachliegenden Grundplan damit im abas-ERP-System wiederbelebt.“
Wenn Christine Sedlmair heute einen neuen Fertigungsplan anlegt, muss sie nur noch pro Arbeitsschritt eine Nummer eingeben, ähnlich einer Artikelnummer. Im Arbeitsplan sind dann sofort alle notwendigen Angaben hinterlegt, wie Arbeitsplatz, Kostenstelle, Zeiten etc.
Zur Erfassung der Arbeitszeiten ist bei Inductron ein in abas-ERP integriertes Personalzeiterfassungs-System von Koldt im Einsatz. Es dient auch zur Information der Mitarbeiter über ihre Gleitzeitkonten. Die Daten sind im Mitarbeiterstamm des ERP-Systems hinterlegt, so dass sich die Personalverwaltung dort stets über Überstundenzeiten, Fehlzeiten oder Urlaubsstand jedes Mitarbeiters informieren kann.
Das PZE-System ist bei Inductron notwendig, um die Vielzahl an Arbeitszeit- und Schichtmodellen zu organisieren. Es gibt Arbeitszeitmodelle von der 20h- bis zur 40h-Woche. Geschäftsführer Berger: „Allein für die Verwaltung dieser Zeitmodelle wäre täglich eine Person mehrere Stunden beschäftigt. Zudem spielt bei uns die gesetzliche Vorschrift, dass die Mitarbeiter nicht länger als zehn Stunden am Tag arbeiten dürfen, eine große Rolle. Da sind wir als Arbeitgeber in der Pflicht, darauf zu achten.“
Nach dem Roll-Out der abas-Lösung war es den Verantwortlichen bei Inductron zunächst vor allem von Bedeutung, dass der komplette Auftragsdurchlauf, vom Eingang des Kundenauftrages, der Warenbestellung, der Disposition über die Produktion bis zum Versand richtig abgebildet wurde und mit dem System gearbeitet werden konnte. Doch schnell stellte man in Schrobenhausen fest, dass die ERP-Lösung darüber hinaus noch zahlreiche weitere, nutzbringende Funktionen beinhaltet.
So plant die ERP-Lösung die Fertigung durch und stellt beispielsweise an Hand des Lagervorrates fest, ob eine Bestellung zu dem vom Kunden gewünschten Termin gefertigt werden kann, wann die Produktion spätestens beginnen muss oder ob Material bestellt werden muss. „Das ist eigentlich das A und O eines ERP-Systems“, betont Christine Sedlmair, „dass es abwägen kann, ob der Ablauf reibungslos erfolgen kann und die Kunden termingerecht beliefert werden können. Und darauf können wir uns vollkommen verlassen.“
So meldet das System beispielsweise auch, wenn von einem Teil noch 500 Stück auf Lager sind, 300 werden für einen ersten Auftrag benötigt und es kommt kurzfristig ein zweiter Auftrag über dieselbe Stückzahl hinzu, dass sofort eine Bestellung über 100 Stück ausgelöst werden muss. Damit ist man bei Inductron in der Lage, auf Basis der aktuellen Systeminformationen gegenüber den Kunden direkt am Telefon genaue Aussagen zu machen, wann die Lieferung erfolgt.
„Auswertungen über Fehler in der Fertigung oder Zufriedenheitsbewertungen von Lieferanten müssen wir noch manuell machen“, erläutert Christine Sedlmair. Vor allem die Lieferantenkennzahlen wären dabei von Bedeutung, wie Liefertreue, Qualität oder die Einstufung als A-, B- oder C-Lieferant. Ein passendes Qualitätsmanagement-Modul, welches bisher noch nicht in die abas-Business-Software integriert ist, kann das IT-Haus Koldt über eine Partnerlösung anbieten.
Wesentlich verbessert haben sich mit der Business-Software die Absatzinformationen im Vertrieb. So bietet das ERP-System die Möglichkeit, nachzuvollziehen, welche Produkte in welcher Menge welcher Kunde in welchem Zeitraum bestellt hat und daraus Absatzprognosen abzuleiten. „Auf Knopfdruck kann ich mir sogar eine Grafik aufrufen, mit welchem Kunden wir wie viel Umsatz gemacht haben“, zeigt sich Berger erfreut.
Die abas-Lösung beinhaltet eine Vielzahl von entsprechenden Werkzeugen, um dem Management die notwendigen Informationen über die geschäftliche Entwicklung zur Verfügung zu stellen. Berger: „Wir müssen nur noch die Zeit finden, die notwendigen Daten einzupflegen.“ Weitere Werkzeuge bieten die Möglichkeit, produkt-, zeit-, preis- umsatz- oder kundenbezogene Informationen oder eine Kombination dieser Möglichkeiten anzuzeigen. „Das ist enorm hilfreich, wenn man den Kunden am Telefon hat und in Preisverhandlungen ist“, weiß der Geschäftsführer, „oder bei der Vorbereitung zu einem Kundenbesuch.“
Durch die einfache Bedienung der ERP-Applikation erlernten und akzeptierten auch die Mitarbeiter das neue System sehr schnell. „Für mich“, so Berger, „der nicht jeden Tag in dem System arbeitet, zeigt es sich als sehr anwenderfreundlich.“
Stabilität des Systems überzeugt auch Skeptiker
Dass das abas-System dabei auf einer Linux-Serverplattform basiert, bemerken die Mitarbeiter gar nicht. Allerdings stieß der Vorschlag des Hauses Koldt, die Open-Source-Plattform zu nutzen, bei Inductron nicht von Anfang an auf ungeteilte Begeisterung. „Wir sind keine EDV-Spezialisten“, erläutert Christine Sedlmair, „wir suchten einfach ein zuverlässiges, preisgünstiges System, das unsere Anforderungen erfüllt. Mit dem Thema Linux hatten wir uns bis zu dem Kontakt mit ABAS nie beschäftigt.“ Und Geschäftsführer Berger ergänzt: „Die Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht und uns ausgiebig bei Experten erkundigt. Aber wir haben von allen Seiten nur Positives gehört.“ Heute sind auch die Inductron-Manager von der Open-Source-Plattform überzeugt. Nicht nur, dass die Linux-Lösung durch den Wegfall der Lizenzgebühr preisgünstiger ist als eine Microsoft-Plattform, sondern vor allem die Stabilität des Systems beeindruckt. „Wir hatten noch nie ein Problem mit dem Server. Ich weiß nicht einmal, wie man den Rechner hoch- oder runterfährt“, gesteht Christine Sedlmair ein. „Das mussten wir bisher einfach nicht machen, weil das System absolut zuverlässig läuft.“
Inductron – Der Anwender
Die heutige Inductron - Inductive Electronic Components GmbH in Schrobenhausen/Bayern wurde ursprünglich 1972 von Siemens zur Produktion von Hochspannungs- und Hochfrequenz-Komponenten gegründet. 1980 wurde die Produktion von SMD- (small mounted device) Komponenten für Radio und Mobil-Geräte aufgenommen. 1989 erwarb die Vacuumschmelze (VAC) das Unternehmen. Im Juni 2003 wird Inductron von Gilbert Berger als Management-Buy-Out gegründet. Heute hat das Unternehmen 28 Mitarbeiter und ist international aktiv. Mehr als 40 Prozent der Produktion fließen ins Ausland, zu den Kunden zählen kleine und mittlere Unternehmen ebenso wie Konzerne, etwa ABB, Alstom, EADS, Siemens oder Tesat Spacecom. Inductron setzt die abas-Business-Software mit den Modulen Fertigungsplanung, Materialwirtschaft, Logistik, Einkauf, Kostenrechnung, Personalzeiterfassung und Finanzbuchhaltung auf Basis von einem Linux-Server und Windows-Clients ein.
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