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RE:Aktienkultur in Deutschland

Wolfgang A. Köstler
Antwort von Dr. Wolfgang A. Köstler, Heiler Software AG zu Aktienkultur in Deutschland von Dr. Winfried Felser | 10.8.2011, 15:39:31 RE:Aktienkultur in Deutschland

Unter allen großen Volkswirtschaften steht Deutschland in Bezug auf die Aktienkultur traditionell auf den hinteren Rängen. Der deutsche Anleger ist typischerweise mit dem Sparbuch aufgewachsen und scheut eher das Risiko. Dafür ist er aber auch bereit, niedrigere Renditen in Kauf zu nehmen.

In anderen Ländern, wie zum Beispiel den Vereinigten Staaten, wird dagegen eher die Chance als das Risiko gesehen. Trotz verschiedener Initiativen hat sich daran in den letzten 25 Jahren in Deutschland wenig geändert. Im Gegenteil: Die Tendenz vor allem der letzten 10 Jahre ist abwärtsgerichtet. Seit dem Jahr 2000 nimmt die Zahl der deutschen Aktionäre kontinuierlich ab, von damals 6,2 Millionen auf aktuell nur noch 3,9 Millionen. Das ist das Niveau von 1992.

Noch bedenklicher ist, dass unter den Aktionären die Zahl der Belegschaftsaktionäre von 1,6 Millionen in den 90er Jahren auf 1,1 Millionen in 2010 zurück ging. In Großbritannien gibt es dagegen mehr als doppelt so viele und in Frankreich gar dreimal so viele Belegschaftsaktionäre. Das liegt unter anderem auch an der staatlichen Förderung der Belegschaftsaktie, die bei unseren europäischen Nachbarn bis in den hohen vierstelligen Bereich reicht. In Deutschland wurde dagegen der Steuerfreibetrag für Belegschaftsaktien seit Mitte der 90er Jahre schrittweise abgesenkt. Der aktuelle Freibetrag von 360 Euro für Belegschaftsaktien ist im internationalen Vergleich viel zu gering und lohnt für viele Unternehmen den administrativen Aufwand nicht.
So bieten auch nur noch 43% der im DAX gelisteten Unternehmen ihren Beschäftigten eine aktienbasierte Beteiligung an. In dem vergleichbaren europäischen Dow Jones STOXX 50 Index sind es immerhin 70%.

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