Die Kapitalmärkte verändern sich in nie gekanntem Tempo. Das Ende der Akteinhausse Anfang des Jahres 2000 und die in der Folgezeit weiter sinkenden Anleiherenditen hatten einen doppelten Effekt: Die Investoren suchten nach Sicherheit und gleichzeitig höher rentierenden Produkten. Das war die Geburtsstunde ganz neuer Produktgruppen und spezieller Anlageformen. Neben den klassischen Aktien und Anleihen rückten neue Investmentformen nach vorne oder erlebten einen Boom: Produkte mit Wertsicherungselementen, Firmenbonds, nachrangige Anleihen, Asset Backed Securities (forderungsgedeckte Anleihen), bis hin zu den früher für fast alle Privatinvestoren unzugänglichen Private-Equity-Anlagen (außerbörsliche Beteiligungen), Hedge-Fonds und Rohstoffprodukten.
Gleichzeitig zeichnete sich eine steigende Trennschärfe bei den Anlagestilen ab. Es wurde immer stärker zwischen so genanten aktiven und passiven Investmentansätzen unterschieden. Diese Entwicklung ging von den institutionellen Großanlegern aus. Oft waren es Altersvorsorgeeinrichtungen, die durch die sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen sinkenden Erträge unter besonderen Druck gerieten. Sie müssen zur Deckung zukünftiger Rentenzahlungen mit ihren Investments gewisse Mindestrenditen erzielen. Dieses Ziel war und ist schwerer zu erreichen als in Hochzinsphasen und in Zeiten eines Aktienbooms. Daher entwickelte die Anlagebranche die Idee einer Zweiteilung der Depots. Die Basisinvestments etwa für europäische Standardaktien und Staatsanleihen werden über passiv gemanagte Produkte abgedeckt, die beispielsweise exakt die Entwicklung des Euro-Stoxx-50-Index für Standardtitel aus dem Euroraum widerspiegeln. Das senkt das Risiko, hat außerdem den Vorteil, dass für diese Indexprodukte nur geringe Gebühren verlangt werden. Für den Risikoteil des Depots investieren die Anleger gezielt in Produkte, die ausdrücklich auf überdurchschnittliche Renditen zielen. Das können Anlagen in Nebenwerte, Aktien aus Schwellenländern, Private-Equity-Investments sein.
Der Blick auf diese neue Anlagewelt für institutionelle Investoren verstellt jedoch den Blick auf die tatsächlich realisierten Anlageerfolge ‑ die in der Regel Misserfolge waren, bedingt durch psychologische Verhaltensmuster. Das ist zumindest für die Privatanleger nachweisbar, weil es hier verlässliche Daten gibt, insbesondere aus dem Investmentfondsbereich. Bereits während der beschleunigten Aktienhausse in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre hatte die Mehrheit der Anleger erst am Ende der fulminanten Aufwärtsbewegung zugegriffen Aus diesem Grund wurde sie von der anschließenden Kurs-Talfahrt besonders hart getroffen. Geprägt von diesen Verlusten ließen sie die Chance vorüberziehen, die sich in den vergangenen drei Jahren durch die beachtliche Erholung bot. Auch im gerade abgeschlossenen Aktienjahr 2005 mit seinen spektakulären Erträgen zeigten die Privatanleger kein Interesse zum Wiedereinstieg. Das steht in auffallendem Gegensatz zur Entwicklung in anderen europäischen Ländern, wo die Investoren beherzt zugriffen.
In der Zukunft stehen die Investoren nicht nur vor psychologischen Hürden. Die Welt wird komplexer, zukünftige Entwicklungen werden noch schwerer prognostizierbar. So verändern sich auch die ökonomischen Rahmenbedingungen für Anlagen in rasantem Tempo, etwa mit Blick auf die wachsende globale Verschuldung. Dazu kommen die Folgen der anhaltend kräftigen Wirtschaftsentwicklungen in den großen Schwellenländern wie China und Indien. In diesem Zusammenhang steigt die Zahl potenzieller Konfliktherde, denn die aufstrebenden Staaten konkurrieren immer heftiger mit den etablierten Weltmächten um den Treibstoff ihres Wachstums: Rohstoffe.
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