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Autor
Dr. Bernd Türk
Herausgebende Organisation
Commerzbank AG
Beschreibung
E-Interview
"Der Countdown für das Euro-Bargeld"
Name: Türk
Vorname: Bernd
Titel: Dr.
Tätigkeit / Funktion im Unternehmen: Leiter der Regionalfiliale Gießen
Organisation / Unternehmen: Commerzbank AG
Kurzeinführung in das Titel-Thema:
Es vergehen nur noch 277 Tage bis zur endgültigen Einführung des Euro am 1. Januar 2002. Es handelt sich hierbei um die größte Geld-Umtauschaktion in der Geschichte. Seit Mitte ´99 werden 56 Milliarden Münzen und 13 Milliarden Banknoten für den gesamten EU-Raum gedruckt, wovon rund ein Drittel des Bestandes für Deutschland vorgesehen ist. In diesem Interview berichtet Dr. Bernd Türk, Leiter der Commerzbank-Regionalfiliale Gießen, über die Herausforderungen und Anforderungen an Kreditwirtschaft, Bürger und Unternehmen, die mit einer solchen Umtauschaktion verbunden sind. Er beschreibt Probleme, die insbesondere aufgrund der fehlenden Erfahrung auftreten können und diskutiert mögliche Lösungswege.
Sehr geehrter Herr Türk,
der Countdown für das Eurogeld läuft. In 277 Tagen werden wir den Euro in unseren Portemonnaies haben...
Herr Türk:
... es handelt sich hierbei um die größte Geld-Umtauschaktion in der Geschichte. Bisher haben wir mit Umstellungsaktionen solcher Dimension keine Erfahrungen gemacht. Die Währungsunion im Jahre 1999 hatte eine andere Dimension, weil damals nur ca. 18 Millionen Bürger der ehemaligen DDR mit Bargeld zu versorgen waren. Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass am 1. Januar 2002 die Euro-Bargeldeinführung in 12 EU-Ländern erfolgt. Am 1. März 2002 verschwinden die nationalen Währungen und nur noch der Euro wird gesetzliches Zahlungsmittel sein.
Competence Site:
Welches sind Ihrer Ansicht nach die wesentlichen allgemeinen Umstellungsmodalitäten, die mit der Einführung des Euro-Bargeldes verbunden sind? Wie wird dies insbesondere in Deutschland aussehen?
Herr Türk:
Die Einführungsmodalitäten unterscheiden sich in den einzelnen Ländern z.T. erheblich voneinander. Es gibt lediglich eine rechtliche Rahmenvorgabe, die besagt, dass ab 1.1.02 maximal für einen Zeitraum von 6 Monaten zwei Währungen im Umlauf sein dürfen. Zumeist wurde diese Übergangsfrist durch nationale Rechtsvorschriften verkürzt. In Deutschland wird die Zeit der zwei Währungen die zwei Monate Januar und Februar umfassen, wobei alte DM-Bestände unbegrenzt lange umgetauscht werden können.
Deutschland ist nicht nur das Land mit der größten Bevölkerung in der EU, sondern auch dasjenige Land, in dem die Bedeutung des Bargeldes vergleichsweise höher ist als bei unseren Nachbarn. Es werden 70 Prozent aller Alltagstransaktionen in Cash ausgeführt, infolgedessen wird der erhebliche Anteil von einem Drittel des gesamten Euro-Bargeld-Bestandes in Deutschland in Umlauf gebracht.
Im Zuge der Umtauschaktion gilt es zudem, 260 Milliarden DM-Bargeldbestände aus dem Verkehr zu ziehen bzw. einzusammeln. Hierbei besteht die Problematik, dass sich davon nur 60 Milliarden in Deutschland befinden, während 100 Mrd. im Ausland umlaufen. Weitere 100 Mrd. lassen sich derzeit nicht eindeutig lokalisieren, wobei es sich beispielsweise um Safe- oder "Kopfkissen"-Bestände handeln kann. Um den Umfang der Aktion nochmals zu verdeutlichen: Die einzusammelnden Noten der 260 Milliarden D-Mark würden im aufgestapelten Zustand eine Strecke von rund 300 Kilometern ergeben. Eine weitere Zahl auf die Münzen bezogen: das Gewicht der einzusammelnden Münzen beträgt 100.000 Tonnen. Durchschnittlich besitzt jeder deutsche Bürger rund 134 Münzen.
Competence Site:
Welche Probleme ergeben sich aus denen von Ihnen genannten Zahlen insbesondere für die Kreditwirtschaft?
Herr Türk:
Es resultieren erhebliche Anforderungen an die Kreditwirtschaft in logistischer Hinsicht. Diesbezüglich ist vor allem der Bargeldtransport und dessen Lagerung hervorzuheben. In diesem Kontext spielen sicherheitsrelevante Überlegungen und Bestrebungen eine bedeutende Rolle. Zur Bewältigung dieses Problems wir das sogenannte "Frontloading" angestrebt, das heisst, es findet bereits eine Vorab-Versorgung der Kreditinstitute mit der neuen Währung ab 1. September diesen Jahres statt. Somit soll zugleich erreicht werden, dass der Zeitraum des Umtausches entzerrt bzw. verlängert wird. Denn schließlich stellt vor dem Hintergrund bestehender Personalkapazitäten der Ansturm vieler Bürger und Unternehmen auf die Kreditinstitute am 2. 1. 2002 ein Worst-Case-Szenario dar. Deshalb bereits heute der dringende Appell, größere Bargeldbestände (auch Münzen) auf Konten einzubezahlen.
Man kann davon ausgehen, dass die Kreditwirtschaft gut vorbereitet ist. Dies wurde u. a. auch durch die Bundesbank attestiert.
Competence Site:
Wie gestaltet sich denn im Übrigen die Stückelung der Banknoten und die Stückelung der Münzen im Detail?
Herr Türk:
Die Stückelung der Banknoten sieht vor, dass es Scheine in Höhe von 500, 200, 100, 50, 20, 10 und 5 Euro geben wird, wobei der 50-Euro-Note die größte Bedeutung zufällt hinsichtlich des Anteils am Gesamtumlauf. Sie wird die häufig verwendete 100 DM-Banknote ersetzen. Die Stückelung der Münzen umfasst Münzen in Höhe von 2 Euro, 1 Euro, 50, 20, 10, 5, 2 und 1 Cent. Im Übrigen werden die Rückseiten dieser 8 verschiedenen Münzen zwölf Varianten aufweisen, da deren Gestaltung jedem EU-Land freigestellt ist.
Competence Site:
Die Bürger müssen sich also im täglichen Gebrauch an viele verschiedene Münzen gewöhnen. Wie tangiert die Umtauschaktion aus Ihrer Sicht den einzelnen Bürger?
Herr Türk:
Zunächst einmal tangiert die Phase des sogenannten Frontloading den einzelnen Bürger nicht. Es wird ohnehin so ablaufen, dass der Großteil der Bürger in den Monaten Januar und Februar seine restlichen DM-Münzen und -Scheine auf natürlichem Wege verausgaben wird. Sind die letzten Bargeldbestände ausgegeben, wird sich der Einzelne dem Euro zuwenden und zwangsweise Euro aus den Geldautomaten ab dem 1.1.02 ziehen. Für große Bargeldbestände kann man an dieser Stelle den oben genannten Hinweis nochmals wiederholen, dass diese frühzeitig auf Konten eingezahlt werden sollen bzw. große Münzbestände frühzeitig zur Bank gebracht werden. Es besteht zudem in der zweiten Dezemberhälfte die Möglichkeit, sich bei Kreditinstituten einen sogenannten "Folienbeutel" ("Starter Kit") mit Euromünzen im Gegenwert von 20 DM als Erstversorgung zu beschaffen.
Ansonsten wird für den Bürger das Umwechseln von Währungen im EU-Gebiet komplett entfallen, z.B. auch für Urlaubsreisen. Im Allgemeinen lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt feststellen, dass gemäß jüngsten Umfrageergebnissen die Akzeptanz und der Zustimmungsgrad gegenüber der neuen Währung tendenziell steigt. Hierbei bewegt sich Deutschland mit 53 Prozent vergleichsweise auf einem niedrigen Niveau. Franzosen und Spanier stimmen jeweils mit 63 bzw. 69 Prozent zu.
Competence Site:
Wie sieht es denn mit der Akzeptanz bzw. Vorbereitung seitens der Unternehmen aus? Wie stellt sich das vor allem für den besonders betroffenen Einzelhandel dar?
Herr Türk:
Der Eindruck, der aus jüngsten IHK-Umfragen hierzu entsteht, ist der, dass ein großer Teil insbesondere der mittelständischen Unternehmen sich bislang nur unzureichend vorbereitet hat. Das manifestiert sich beispielsweise darin, dass erst ca. 25 Prozent der Unternehmen das betriebliche Rechnungswesen zu Beginn des Jahres 2001 umgestellt hatten. Weitere 40 Prozent planen, dies erst zum 1.1.02 zu tun. Hinsichtlich der Vorbereitung auf das Eurobargeld weiß ca. jeder dritte Unternehmer noch nicht im Detail, wie und wann er sich auf das Euro-Bargeld vorbereiten soll, was bereits auf mögliche konzeptionelle Defizite hinweisen könnte. Desweiteren drängt sich derzeit der Eindruck auf, dass die staatlichen Behörden - die doch eigentlich als Vorreiter gelten sollten - am schlechtesten vorbereitet sind. Hingegen gelten die Großkonzerne als sehr gut vorbereitet, inclusive deren wesentliche Zulieferer. Besondere Probleme bringt die Umtauschaktion für den deutschen Einzelhandel mit sich, den die Umstellung ca. 8 - 10 Mrd.
DM kosten wird.
Für den Einzelhandel ist vornehmlich die Frage der attraktiven Preisgestaltung ein Thema. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass drei Viertel aller verkauften Artikel im Lebensmittel-Einzelhandel in die Preisspanne zwischen 0,99 DM und 5,99 DM fallen und somit verkaufspsychologische Motive berührt. Insofern rechnen Teile des Einzelhandels mit eventuellen Umsatzeinbußen. Die Konsumenten hingegen befürchten mögliche verdeckte Preiserhöhungen, wobei abzuwarten bleibt, inwieweit sich diese am Markt realisieren lassen.
Letzlich gilt es, im Zuge der Umtauschaktion auch ca. zwei Millionen Automaten mit neuen Bargeldakzeptoren auszustatten. Dass dieses Vorhaben jedoch nicht bereits am 2.1.2002 vollständig abgeschlossen sein wird, ist wohl für jedermann nachvollziehbar. Vor diesem Hintergrund ist es interessant, dass beispielsweise ab 1.1.02 der Einzelne darauf bestehen kann, mit Euro zu bezahlen. Wer sich also ab 1.1.02 weigert, seinen Strafzettel zu bezahlen, weil die Parkuhr noch keine Euromünzen nimmt, kann juristisch nicht belangt werden.
Competence Site:
Zum Schluss, Herr Türk, noch eine ganz pragmatische Frage: Was passiert eigentlich mit den auf DM lautenden Konten im Zuge der Umstellung?
Herr Türk:
Eine ganz einfache Antwort: Diese werden von den Kreditinstituten automatisch auf die neue Währung umgestellt, was Daueraufträge, usw. mit einschließt.
Herr Türk, vielen Dank für das Interview!
"Der Countdown für das Euro-Bargeld"
Name: Türk
Vorname: Bernd
Titel: Dr.
Tätigkeit / Funktion im Unternehmen: Leiter der Regionalfiliale Gießen
Organisation / Unternehmen: Commerzbank AG
Kurzeinführung in das Titel-Thema:
Es vergehen nur noch 277 Tage bis zur endgültigen Einführung des Euro am 1. Januar 2002. Es handelt sich hierbei um die größte Geld-Umtauschaktion in der Geschichte. Seit Mitte ´99 werden 56 Milliarden Münzen und 13 Milliarden Banknoten für den gesamten EU-Raum gedruckt, wovon rund ein Drittel des Bestandes für Deutschland vorgesehen ist. In diesem Interview berichtet Dr. Bernd Türk, Leiter der Commerzbank-Regionalfiliale Gießen, über die Herausforderungen und Anforderungen an Kreditwirtschaft, Bürger und Unternehmen, die mit einer solchen Umtauschaktion verbunden sind. Er beschreibt Probleme, die insbesondere aufgrund der fehlenden Erfahrung auftreten können und diskutiert mögliche Lösungswege.
Sehr geehrter Herr Türk,
der Countdown für das Eurogeld läuft. In 277 Tagen werden wir den Euro in unseren Portemonnaies haben...
Herr Türk:
... es handelt sich hierbei um die größte Geld-Umtauschaktion in der Geschichte. Bisher haben wir mit Umstellungsaktionen solcher Dimension keine Erfahrungen gemacht. Die Währungsunion im Jahre 1999 hatte eine andere Dimension, weil damals nur ca. 18 Millionen Bürger der ehemaligen DDR mit Bargeld zu versorgen waren. Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass am 1. Januar 2002 die Euro-Bargeldeinführung in 12 EU-Ländern erfolgt. Am 1. März 2002 verschwinden die nationalen Währungen und nur noch der Euro wird gesetzliches Zahlungsmittel sein.
Competence Site:
Welches sind Ihrer Ansicht nach die wesentlichen allgemeinen Umstellungsmodalitäten, die mit der Einführung des Euro-Bargeldes verbunden sind? Wie wird dies insbesondere in Deutschland aussehen?
Herr Türk:
Die Einführungsmodalitäten unterscheiden sich in den einzelnen Ländern z.T. erheblich voneinander. Es gibt lediglich eine rechtliche Rahmenvorgabe, die besagt, dass ab 1.1.02 maximal für einen Zeitraum von 6 Monaten zwei Währungen im Umlauf sein dürfen. Zumeist wurde diese Übergangsfrist durch nationale Rechtsvorschriften verkürzt. In Deutschland wird die Zeit der zwei Währungen die zwei Monate Januar und Februar umfassen, wobei alte DM-Bestände unbegrenzt lange umgetauscht werden können.
Deutschland ist nicht nur das Land mit der größten Bevölkerung in der EU, sondern auch dasjenige Land, in dem die Bedeutung des Bargeldes vergleichsweise höher ist als bei unseren Nachbarn. Es werden 70 Prozent aller Alltagstransaktionen in Cash ausgeführt, infolgedessen wird der erhebliche Anteil von einem Drittel des gesamten Euro-Bargeld-Bestandes in Deutschland in Umlauf gebracht.
Im Zuge der Umtauschaktion gilt es zudem, 260 Milliarden DM-Bargeldbestände aus dem Verkehr zu ziehen bzw. einzusammeln. Hierbei besteht die Problematik, dass sich davon nur 60 Milliarden in Deutschland befinden, während 100 Mrd. im Ausland umlaufen. Weitere 100 Mrd. lassen sich derzeit nicht eindeutig lokalisieren, wobei es sich beispielsweise um Safe- oder "Kopfkissen"-Bestände handeln kann. Um den Umfang der Aktion nochmals zu verdeutlichen: Die einzusammelnden Noten der 260 Milliarden D-Mark würden im aufgestapelten Zustand eine Strecke von rund 300 Kilometern ergeben. Eine weitere Zahl auf die Münzen bezogen: das Gewicht der einzusammelnden Münzen beträgt 100.000 Tonnen. Durchschnittlich besitzt jeder deutsche Bürger rund 134 Münzen.
Competence Site:
Welche Probleme ergeben sich aus denen von Ihnen genannten Zahlen insbesondere für die Kreditwirtschaft?
Herr Türk:
Es resultieren erhebliche Anforderungen an die Kreditwirtschaft in logistischer Hinsicht. Diesbezüglich ist vor allem der Bargeldtransport und dessen Lagerung hervorzuheben. In diesem Kontext spielen sicherheitsrelevante Überlegungen und Bestrebungen eine bedeutende Rolle. Zur Bewältigung dieses Problems wir das sogenannte "Frontloading" angestrebt, das heisst, es findet bereits eine Vorab-Versorgung der Kreditinstitute mit der neuen Währung ab 1. September diesen Jahres statt. Somit soll zugleich erreicht werden, dass der Zeitraum des Umtausches entzerrt bzw. verlängert wird. Denn schließlich stellt vor dem Hintergrund bestehender Personalkapazitäten der Ansturm vieler Bürger und Unternehmen auf die Kreditinstitute am 2. 1. 2002 ein Worst-Case-Szenario dar. Deshalb bereits heute der dringende Appell, größere Bargeldbestände (auch Münzen) auf Konten einzubezahlen.
Man kann davon ausgehen, dass die Kreditwirtschaft gut vorbereitet ist. Dies wurde u. a. auch durch die Bundesbank attestiert.
Competence Site:
Wie gestaltet sich denn im Übrigen die Stückelung der Banknoten und die Stückelung der Münzen im Detail?
Herr Türk:
Die Stückelung der Banknoten sieht vor, dass es Scheine in Höhe von 500, 200, 100, 50, 20, 10 und 5 Euro geben wird, wobei der 50-Euro-Note die größte Bedeutung zufällt hinsichtlich des Anteils am Gesamtumlauf. Sie wird die häufig verwendete 100 DM-Banknote ersetzen. Die Stückelung der Münzen umfasst Münzen in Höhe von 2 Euro, 1 Euro, 50, 20, 10, 5, 2 und 1 Cent. Im Übrigen werden die Rückseiten dieser 8 verschiedenen Münzen zwölf Varianten aufweisen, da deren Gestaltung jedem EU-Land freigestellt ist.
Competence Site:
Die Bürger müssen sich also im täglichen Gebrauch an viele verschiedene Münzen gewöhnen. Wie tangiert die Umtauschaktion aus Ihrer Sicht den einzelnen Bürger?
Herr Türk:
Zunächst einmal tangiert die Phase des sogenannten Frontloading den einzelnen Bürger nicht. Es wird ohnehin so ablaufen, dass der Großteil der Bürger in den Monaten Januar und Februar seine restlichen DM-Münzen und -Scheine auf natürlichem Wege verausgaben wird. Sind die letzten Bargeldbestände ausgegeben, wird sich der Einzelne dem Euro zuwenden und zwangsweise Euro aus den Geldautomaten ab dem 1.1.02 ziehen. Für große Bargeldbestände kann man an dieser Stelle den oben genannten Hinweis nochmals wiederholen, dass diese frühzeitig auf Konten eingezahlt werden sollen bzw. große Münzbestände frühzeitig zur Bank gebracht werden. Es besteht zudem in der zweiten Dezemberhälfte die Möglichkeit, sich bei Kreditinstituten einen sogenannten "Folienbeutel" ("Starter Kit") mit Euromünzen im Gegenwert von 20 DM als Erstversorgung zu beschaffen.
Ansonsten wird für den Bürger das Umwechseln von Währungen im EU-Gebiet komplett entfallen, z.B. auch für Urlaubsreisen. Im Allgemeinen lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt feststellen, dass gemäß jüngsten Umfrageergebnissen die Akzeptanz und der Zustimmungsgrad gegenüber der neuen Währung tendenziell steigt. Hierbei bewegt sich Deutschland mit 53 Prozent vergleichsweise auf einem niedrigen Niveau. Franzosen und Spanier stimmen jeweils mit 63 bzw. 69 Prozent zu.
Competence Site:
Wie sieht es denn mit der Akzeptanz bzw. Vorbereitung seitens der Unternehmen aus? Wie stellt sich das vor allem für den besonders betroffenen Einzelhandel dar?
Herr Türk:
Der Eindruck, der aus jüngsten IHK-Umfragen hierzu entsteht, ist der, dass ein großer Teil insbesondere der mittelständischen Unternehmen sich bislang nur unzureichend vorbereitet hat. Das manifestiert sich beispielsweise darin, dass erst ca. 25 Prozent der Unternehmen das betriebliche Rechnungswesen zu Beginn des Jahres 2001 umgestellt hatten. Weitere 40 Prozent planen, dies erst zum 1.1.02 zu tun. Hinsichtlich der Vorbereitung auf das Eurobargeld weiß ca. jeder dritte Unternehmer noch nicht im Detail, wie und wann er sich auf das Euro-Bargeld vorbereiten soll, was bereits auf mögliche konzeptionelle Defizite hinweisen könnte. Desweiteren drängt sich derzeit der Eindruck auf, dass die staatlichen Behörden - die doch eigentlich als Vorreiter gelten sollten - am schlechtesten vorbereitet sind. Hingegen gelten die Großkonzerne als sehr gut vorbereitet, inclusive deren wesentliche Zulieferer. Besondere Probleme bringt die Umtauschaktion für den deutschen Einzelhandel mit sich, den die Umstellung ca. 8 - 10 Mrd.
DM kosten wird.
Für den Einzelhandel ist vornehmlich die Frage der attraktiven Preisgestaltung ein Thema. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass drei Viertel aller verkauften Artikel im Lebensmittel-Einzelhandel in die Preisspanne zwischen 0,99 DM und 5,99 DM fallen und somit verkaufspsychologische Motive berührt. Insofern rechnen Teile des Einzelhandels mit eventuellen Umsatzeinbußen. Die Konsumenten hingegen befürchten mögliche verdeckte Preiserhöhungen, wobei abzuwarten bleibt, inwieweit sich diese am Markt realisieren lassen.
Letzlich gilt es, im Zuge der Umtauschaktion auch ca. zwei Millionen Automaten mit neuen Bargeldakzeptoren auszustatten. Dass dieses Vorhaben jedoch nicht bereits am 2.1.2002 vollständig abgeschlossen sein wird, ist wohl für jedermann nachvollziehbar. Vor diesem Hintergrund ist es interessant, dass beispielsweise ab 1.1.02 der Einzelne darauf bestehen kann, mit Euro zu bezahlen. Wer sich also ab 1.1.02 weigert, seinen Strafzettel zu bezahlen, weil die Parkuhr noch keine Euromünzen nimmt, kann juristisch nicht belangt werden.
Competence Site:
Zum Schluss, Herr Türk, noch eine ganz pragmatische Frage: Was passiert eigentlich mit den auf DM lautenden Konten im Zuge der Umstellung?
Herr Türk:
Eine ganz einfache Antwort: Diese werden von den Kreditinstituten automatisch auf die neue Währung umgestellt, was Daueraufträge, usw. mit einschließt.
Herr Türk, vielen Dank für das Interview!
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