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Eigentümergeführte Firmen im Mittelstand als Antriebsmotor für wirtschaftliche Dynamik

Peter Köhler
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Beschreibung

Das Thema Mittelstand hat Hochkonjunktur - jede Woche gibt es in Deutschland Tagungen, Kolloquien, Arbeitskreise und Konferenzen zur Lage des Unternehmers abseits der großen Börsennamen. Dabei sind sich die Politiker, Verbände, Banker und Berater stets einig: Geht es dem Mittelstand mies, ist es um die ganze Wirtschaft schlecht bestellt. Denn in 99 von 100 Betrieben hier zu Lande werden weniger als 500 sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer beschäftigt, deshalb gilt der Mittelstand zu Recht als das Rückgrat der gesamten Volkswirtschaft. Während die Dax-Konzerne die Schlagzeilen in der Wirtschaftspresse beherrschen, wird oftmals übersehen, dass das Heer der eigentümergeführten Firmen der eigentliche Antriebsmotor für die wirtschaftliche Dynamik ist.

Dieser Motor wurde über Jahrzehnte mit einer billigen Kreditversorgung als Schmierstoff versorgt. Es gehört zu den historischen Besonderheiten in Deutschland, dass Eigenkapital in der Nachkriegszeit rar blieb, während die Kreditkultur nachhaltig gepflegt wurde. Aber über internationale Vorgaben wie die Eigenkapitalrichtlinien Basel II ist eine gewaltige Strukturveränderung eingeläutet worden. Die Banken müssen ihre Kreditvergabe risikoadäquat mit Eigenkapital unterlegen. Dafür müssen sie sich ein möglichst genaues Bild vom Unternehmen machen und ein Rating, also eine Bonitätsnote, vergeben. Je höher die Eigenkapitalausstattung der Unternehmen ist, desto besser können die Ratings ausfallen, was wiederum die Kredite verbilligt.

In den vergangenen Jahren hat sich die Eigenkapitalsituation der Unternehmen schrittweise verbessert - laut der "Diagnose Mittelstand" der Sparkassen lag sie 2004 bei zehn Prozent und damit fast vier Prozentpunkte höher als im Jahr zuvor. Und erstmals seit 1995 lag der Anteil von Unternehmen ohne jedes Eigenkapital mit 35 Prozent unterhalb der 40-Prozent-Marke. Die Tendenz zeigt: In der Mittelstandsfinanzierung zeichnet sich keine Revolution ab, aber die Veränderungen werden spürbar.

Wie drastisch sich die Lage schon verändert hat, werden die Unternehmer auch 2006 spüren, wenn sie neue Kreditverhandlungen mit den Banken führen, um am Konjunkturaufschwung teilhaben zu können. Schon macht das Wort von der "Wachstumsfalle" die Runde, sollten sich die Firmen darauf verlassen, dass es die Bank alleine schon richten wird. Früher konzentrierte sich das Top-Management auf die steueroptimierte Bilanzierung - heute punktet die Geschäftsführung mit einer an Kennzahlen orientierten Außendarstellung. Damit kein Missverständnis aufkommt: Kurz- und langfristige Kredite und die Innenfinanzierung bleiben nach wie vor die wichtigsten Pfeiler der Finanzarchitektur.

Aber in zunehmendem Maße kommen Ergänzungen zum Einsatz. Neben die Klassiker wie Leasing oder Factoring treten innovative kapitalmarktnahe Lösungen wie Beteiligungskapital ("Private Equity") und mezzanine Produkte. Vor allem die Mezzanine-Lösungen zwischen Eigen- und Fremdkapital haben sich für die Banken zum lukrativen Geschäftsfeld gemausert. In erster Linie verbessern die großen Mittelständler so ihre Kapitalstruktur, kleinen Firmen ist das Instrument aber oft nicht zugänglich. Hier besteht noch viel Handlungspotenzial, zumal sich die Bundesregierung die Mittelstandsförderung explizit auf die Fahnen geschrieben hat.

Neben den Angeboten der privaten Banken wird die Bedeutung der staatlichen Förderbanken in 2006 keinesfalls abnehmen. Sie werden zumindest einen Teil des Wachstumskapitals für den Mittelstand bereitstellen. Man mag es ordnungspolitisch mit Stirnrunzeln begleiten, aber ohne die Förderprogramme der KfW oder der einzelnen Länderbanken hätten viele Kleinunternehmer gar keinen Zugang mehr zum Markt für Fremdfinanzierungen. Hier besteht auch noch Informationsbedarf, denn nur 29 Prozent der mittelständischen Unternehmen konnten im vergangenen Jahr auf die Frage, ob sie schon einmal staatliche Fördermittel beantragt hätten, mit "Ja" antworten.

Fazit: Wenn die Konjunktur in diesem Jahr durchstartet, wird es entscheidend darauf ankommen, dass die Finanzierung der Unternehmensexpansion sichergestellt ist. Eine "Kreditklemme" ist dabei äußerst unwahrscheinlich, aber die Unternehmer müssen sich in verstärktem Maße für Alternativen öffnen. Um in den Genuss innovativer Finanzierungen zu kommen, sind ganz neue Umgangsformen gefragt. Der Firmeninhaber sollte eine möglichst transparente Darstellung der gegenwärtigen und zukünftigen Geschäftslage beziehungsweise der -erwartungen liefern. Die Banken und Finanzdienstleister müssen im Gegenzug offen legen, wie sie zu den Ratings für die Mittelständler gelangen. Wichtiger aber noch: Die Banken und anderen Geldgeber sollten Wege aufzeigen, wie aus schlechten Bonitätsnoten gute werden können.


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  • Unternehmensnachfolge im Mittelstand
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Autor
  • Peter Köhler
    Peter Köhler

    Seit 2000 Finanzkorrespondent in der Frankfurter Redaktion, 1995 Eintritt in die Handelsblatt-Redaktion, davor Korrespondent im In- und Ausland für die Nachrichtenagentur vwd.

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