Gemeinsam Lösungen finden
mit Kompetenz werben

Registrieren
Filtern
Objektbezogen nach Kategorien:
Nach Themen / Centern:
Nach Branchen:
Nach Regionen:
Nach Kategorien:
Weiterleiten
 

Venture Capital - funktioniert das amerikanische Erfolgsmodell weltweit?

Stefan Jugel
Kompetenzindex:
100%
Als eigenen Kontakt hinzufügen
Zu Interessen/Lesezeichen hinzufügen
Empfänger kann keine Nachrichten empfangen
Empfehlung versenden
Positiv bewerten
Eigentumsrechte für Bearbeitung beantragen
[#hidden_actions_html#]
Beschreibung
Der neue Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), Werner Schauerte, räumte dieser Tage in einem Interview mit German Hot 100 ein: Hinter den Kulissen gibt es in der deutschen Venture Capital - Szene Übernahmegespräche. Insider gehen von bis zu 50% der VCs aus, die wohl keinen weiteren Fonds mehr auflegen werden oder sich und ihre Beteiligungen unter das Dach einer intakten VC-Gesellschaft retten. Die Konsolidierungswelle rollt also. Handelt es sich hier um den Anfang vom Ende oder um normale Reinigungsprozesse innerhalb eines gesunden Marktes?

Es gibt in Deutschland noch zu wenig zyklen- und exiterfahrene VCs. Die absolute Mehrheit der VC - Gesellschaften ist in den letzten 2-3 Jahren entstanden. Deren Management hat meist nur sehr kurze Erfahrung im Beteiligungsmanagement. Die Szene ist also noch jung. Im Boom der letzten beiden Jahre war ein Zusammenbruch, wie er sich derzeit abspielt, einfach nicht einkalkuliert. Ein drastischer Bewertungsverfall, notwendige Nachfinanzierungen, verschobene und entzogene Exitmöglichkeiten sind die Hauptursachen von Liquiditäts- und Renditeproblemen der VCs.

Weiterhin gibt es in Deutschland noch wenig wirklich gute Gründungsvorhaben. Das vielzitierte Alando-Beispiel, direkt nach dem Hochschulabschluss ein Internet-Startup hochzuziehen und nach wenigen Monaten für einen zweistelligen Millionenbetrag zu versilbern, war das völlig falsche Signal für einen entstehenden Markt und zog im Schlepptau bis heute viele Glücksritter nach sich. Millionär zu werden ist kein erfolgversprechendes Motiv für Unternehmensgründer. Geschwindigkeit als dominanten Erfolgsfaktor von Gründungsvorhaben anzusehen, ist schlicht oberflächlich. Unternehmensaufbau braucht noch andere Faktoren wie etwa Nachhaltigkeit und Erfahrung sowie vor allem Managementfähigkeiten.

Die Analyse, was eine erfolgreiche VC- und Gründerszene kennzeichnet, lenkt den Blick auf das Benchmark USA. Allein eine statistische Betrachtung zeigt den Nachholbedarf: Die European Venture Capital Association hat jüngst erste Ergebnisse des aktuellen Renditevergleichs US-amerikanischer mit europäischen VC - Gesellschaften veröffentlicht. Die durchschnittliche Rendite US-amerikanischer VCs wird gerade mal vom oberen Viertel der europäischen VCs erreicht. Die durchschnittliche Rendite europäischer VCs liegt in etwa auf der selben Höhe wie verschiedene europäische Aktienindizes derselben Periode und bietet damit im Vergleich keinen echten Investorenanreiz. Wo liegen also die Ursachen für die mäßigen Renditen auf VC Seite und die Defizite in der Gründerszene?

Heute rächt sich, was als Nährboden für Unternehmertum jahrelang vernachlässigt und jetzt erst mühsam aufgebaut werden muss. Schon Vermutetes belegt der Global Entrepreneurship Monitor 2000, eine in 21 Ländern durchgeführten Studie zum Zusammenhang von Unternehmertum und wirtschaftlichen Wachstum, sehr anschaulich in Zahlen: Dreimal mehr US-Amerikaner als Deutsche drängt es in die Unternehmensgründung. Jeder zweite Deutsche lässt sich aus Angst vor einem Scheitern von der Unternehmensgründung abhalten, aber nur jeder fünfte Amerikaner. Die Bildungssituation als gründungsbezogene Rahmenbedingung stellt nach Meinung der befragten Experten den wichtigsten Problembereich dar. Im Vergleich zu den USA fehlt hier in Deutschland weitflächig das Lehrangebot und die Qualifikation des Lehrpersonals in bezug auf gründungsbezogene Themen. Die Hochschulbürokratie steht Änderungen im Weg. Aufs Ganze gesehen fehlt in Deutschland die Gründerkultur. Was ist zu tun?

Für eine intakte Gründerszene, die in ihrer Leistungskraft mit den USA vergleichbar sein möchte, brauchen wir die Mithilfe aller Beteiligten. Die öffentliche Förderung in Deutschland gilt schon international als vorbildlich. Zu beseitigen sind von der öffentlichen Seite noch die restriktiven, für Business Angels sogar prohibitiven Steuergesetze sowie nach wie vor zu hohe bürokratische Hürden. Es sollte schließlich nicht die Hoffnung aufgegeben werden, tragfähige Lösungen von der seit Jahren laufenden hochschulpolitischen Diskussion zu erwarten. Auch das kulturelle Umdenken hat eingesetzt. Unternehmertum ist eine Berufsperspektive für Hochschulabsolventen geworden, gerade vor dem Hintergrund der Erfahrungen des rüden Umgangs der Old Economy mit ihren Mitarbeiten in den vergangenen Jahren.

Es wäre sehr schade, wenn die jetzige Marktlage den Unkenrufern und ewigen Skeptikern die Oberhand geben würde. Wir erleben in Deutschland das spannende Entstehen einer Gründerkultur mit allen Pendelschlägen und Fehlern, die dabei naturgemäß vorkommen. Im Ergebnis deuten die Zeichen aber auf das Stabilisieren eines gesunden Marktes. Unternehmertum und Wirtschaftswachstum hängen eng zusammen, auch das lehren uns die USA sowie die damit verbundenen Begleiterscheinungen hoher Produktivität, geringer Inflation und geringer Arbeitslosigkeit. Von daher muss es in aller Interesse sein, die derzeitige Situation mit Gelassenheit zu sehen. So günstig wie zur Zeit konnte schon lange nicht mehr investiert werden.

(Die Power-Point Folien zu diesem Vortrag können Sie sich hier gerne als PDF-Dokument herunterladen. Unter dem angebenen Link können Sie sich darüber hinaus den Vortrag von Prof. Jugel als Video-Stream ansehen.)
Dateien zum Download
Sie benötigen Adobe Acrobat Reader? Kostenlosen Adobe Acrobat Reader herunterladen
Dialog
 
Ihr Beitrag zu Venture Capital - funktioniert das amerikanische Erfolgsmodell weltweit?
Publizieren

Keine Kommunikationsobjekte vorhanden.

Autor
  • Stefan Jugel
    Prof. Dr. Stefan Jugel

    Prof. Dr. Stefan Jugel (http://www.stefanjugel.de) ist Inhaber eines Lehrstuhls für Internationales Marketing an der University of Applied Sciences / FH Wiesbaden (http://fh-web1.informatik.fh-wiesbaden.de/go.cfm?fb=14&lpid=1&sprachid=1&sid=0). Seit Jahren ist er begleitend zu seiner Lehrstuhltätigkeit in verschiedenen Funktionen im Startup-Bereich tätig:...

Herausgebende Organisation