Die umfassende Automatisierung von Standardprozessen begann für viele Unternehmen mit der Einführung von ERP-Systemen. Mit diesen konnten die sogenannten „Commodity“-Prozesse günstiger automatisiert werden, als es aufwändige Eigenentwicklungen ermöglicht hätten. ERP-Anwendungen sind zumeist sehr datenzentrisch und Anwender müssen eigenständig mittels komplexer Masken durch die eher impliziten Prozesse navigieren. Eine stärker prozessgesteuerte Führung der Anwender ist hierbei nicht vorgesehen.
Die anschließende Datenanalyse, in der Fachwelt als Business Intelligence (BI) bezeichnet, konzentriert sich vor allem auf das Ergebnis des Prozesses, wie zum Beispiel „Umsatz nach Zeitraum und Produkt“, und weniger auf die Analyse des Prozessablaufes selbst, wie die „durchschnittliche Durchlaufzeit für den Order-to-Cash-Prozess nach Produkt und Vertriebskanal“.
Gleichzeitig standardisierten viele Unternehmen den Fluss wichtiger Dokumente mit Hilfe von Workflow Management-Systemen (WFMS), häufig aber nur mit sehr loser Kopplung zu den ERP-Systemen. Erst das Aufkommen von Business Process Management (BPM) ermöglichte die Entwicklung integrierter, prozessorientierter Anwendungen. Diese unterstützten dann auch die prozessorientierte Analyse, beispielsweise mittels Business Activity Monitoring (BAM).
Heutige Projekte stehen häufig vor noch größeren Herausforderungen als in den Anfangszeiten des ERP: es gilt, die weniger stark standardisierten Prozesse zu automatisieren und zu optimieren. Dies ist umso wichtiger, als sich die Unternehmen ja gerade über diese Prozesse am Markt differenzieren. Zusätzlich müssen sich diese Projekte in immer komplexer werdende, zumeist historisch gewachsene Anwendungslandschaften integrieren.
Der erweiterte BPM-Ansatz, den wir als BPM+ bezeichnen, muss diese Hintergründe berücksichtigen und Perspektiven für die Zukunft bieten. Daher ist es notwendig, dass Plattformen, die BPM+ unterstützen, bestehende Daten aggregieren und diese mit neuen, in den Prozessen entstehenden Daten effizient verknüpfen können. Um benutzerfreundliche und effiziente User Interfaces bereitzustellen, gilt es auch, moderne Web-Technologien zu nutzen, ohne die in diesem Bereich häufig sehr hohen Kosten der individuellen Webentwicklung. Und schließlich sollten moderne Plattformen für BPM+ alle Prozessarten unterstützen, von der Dunkelverarbeitung, über Prozesse mit vielen Nutzerinteraktionen bis hin zu Prozessen mit starkem Fokus auf Dokumente. Diese drei wichtigen Prozessklassen werden wir im Folgenden noch einmal näher betrachten, bevor wir die komplementäre Datenperspektive einnehmen.
-
2 MB
Keine Kommunikationsobjekte vorhanden.








