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Michael Altewischer: „Wellness“ - Status Quo und Zukunft eines Mega-Trends

Michael Altewischer: „Wellness“ - Status Quo und Zukunft eines Mega-Trends
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Beschreibung
Kurzeinführung in das Thema:

Der Begriff „Wellness“ beschreibt einen der zukunftsträchtigsten Märkte weltweit und ist unbestritten einer der Mega-Trends der vergangenen Jahre. Dem globalen Trend nach Wohlfühlen und Gesundheit wird in jeglicher Hinsicht immer stärker Rechnung getragen. Explosionsartig ist der Wellness-Markt in den letzten Jahren gewachsen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Wellness-Bücher, Wellness-Produkte oder Wellness-Reisen handelt. Vor dem Hintergrund dieser Vielfalt stellt sich die Frage, was genau sich eigentlich hinter dem Begriff „Wellness“ verbirgt bzw. wie dieser überhaupt definiert ist?

Immer öfter kursiert in diesem Zusammenhang auch der Begriff des „Wellnepp“ als Reaktion auf den inflationären Gebrauch des Wellness-Begriffes sowie die inflationär anmutenden Wellness-Angebote. Die bisher positive Einstellung gegenüber einer Vielzahl von Wellness-Trends weicht immer mehr einer zunehmenden Skepsis von Seiten der Verbraucher. Wie kann die Branche diesem negativen Sinnes-Wandel begegnen? Ist die Vokabel „Wellness“ noch zeitgemäß und weiterhin erfolgreich vermarktbar?

Insbesondere das touristische Wellness-Angebot hat in den letzten Jahren einen wahren Boom erfahren. Wellness-Reisen oder Wohlfühl-Wochendenden sind in den Reiseprogrammen fast aller Veranstalter zu finden. Aufgrund eines regelrechten Begriff- und Angebot-„Overlaods“ stellt sich hier die Frage, wie sich einzelne Anbieter noch profilieren können? Wie kann man sicher stellen, auch wirklich ein qualitativ gutes Angebot zu finden? Gibt es Qualitäts-Standards, an denen der Verbraucher sich orientieren kann?

Diese und weitere spannende Fragen beantworten Ihnen in diesem Virtual Roundtable renommierte Vertreter und Experten aus Touristikunternehmen, Wellness-Verbänden, Forschungsinstituten etc.


Competence Site:

Das Wort „Wellness“ ist einer der Mega-Trends dieses Jahrtausends. „Überall steht Wellness drauf und überall soll auch Wellness drin sein“.
Was versteht man eigentlich unter dem Begriff „Wellness“? Gibt es überhaupt eine allgemeingültige Definition? Wie definieren Sie ganz persönlich „Wellness“?


Michael Altewischer:

Zitat nach Dr. Donald Ardell, einem Wegbereiter der Wellness-Bewegung in den USA:

„Wellness ist zu einem Teil Lebensstil, zu einem anderen Teil eine Lebenseinstellung und darüber hinaus eine Lebens-Philosophie. Wellness ist ein bewusstes Sich Engagieren für persönliche Exzellenz. Wellness basiert auf einem klaren Verantwortungsgefühl für die eigene Gesundheit und darüber hinaus für umfassende Lebensqualität. Wellness umfasst die körperlichen, seelischen und geistigen Aspekte des Seins. Ein Wellness-Lebensstil ist eine Art von Lebenskunst. Wenn man diese bewusst entwickelt und stets durch neue Erfahrungen und neues Wissen verbessert, dann verstärken sich die Perspektiven für ein gutes und erfülltes Leben auf dramatische Weise. Das ist immer verbunden mit persönlicher Excellenz in Feldern wie Fitness, Zeit‑ und Stressmanagement, mit Wertschätzung der eigenen Person, wie auch einem entsprechenden, konstruktiven Umgang mit sich selbst. Wellness erfordert eine nie endende Neugier für Vorhaben, Werte und den Sinn des Lebens.“

Gesundheit, die Spaß macht.


Competence Site:

Im Zusammenhang mit einer regelrechten Begriffsinflation im Bereich „Wellness“ kursiert immer öfter auch der Begriff des „Wellnepp“. Wo genau liegt die Grenze zwischen diesen beiden Begriffen? Wie kann der Verbraucher sich vor „Mogelpackungen“ schützen?
Der inflationäre Gebrauch von „Wellness“ führt dazu, dass die positive Stimmung gegenüber dem Begriff „Wellness“ zunehmend umschlägt. Wie kann Ihrer Meinung nach die Branche diesem negativen Sinnes-Wandel begegnen? Ist die Vokabel „Wellness“ noch zeitgemäß bzw. weiterhin erfolgreich und seriös vermarktbar oder droht sie in Kürze ersetzt zu werden?


Michael Altewischer:

Wellness - hat als Begriff diese Entwicklung auch in den USA erlebt. Es bringt nach meiner persönlichen Ansicht nichts, nun verzweifelt nach einer neuen Wortkombination zu suchen (alter Wein in neuen Schläuchen). Vielmehr ist es wichtig dem Verbraucher klar zu machen, das nicht überall wo Wellness draufsteht auch Wellness drin sein kann. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die oft zitierten Wellness-Socken, Wellness-Motoröl, Wellness-Kekse, Wellness-Marmelade etc. Wie immer haben sich Marketingstrategen einen Begriff zu eigen gemacht, den sie, wenn er ihnen nicht mehr passt, auswechseln werden. Der Urgedanke wird erhalten bleiben.


Competence Site:

Insbesondere das touristische Wellness-Angebot hat in den letzten Jahren einen wahren Boom erfahren. Wellness-Reisen sind in den Programmen fast aller Veranstalter zu finden. Wie können sich Ihrer Ansicht nach Anbieter in diesem Bereich überhaupt noch differenzieren?


Michael Altewischer:

Solange die Anbieter die von Ihnen eingekauften touristischen Angebote nicht prüfen (lassen), bzw. festlegen was sie von dem Produkt Wellness-Reise erwarten (der Kunde erwarten darf) wird es schwer sein, dem Kunden Qualität zu garantieren. Auf Dauer werden, wie überall, die Marken überleben die dem Verbraucher gegenüber das gemachte Qualitätsversprechen halten können.


Competence Site:

Seit einigen Jahren versuchen Verbände, Hotelkooperationen oder Reiseveranstalter durch Qualitäts- bzw. Gütesiegel dem „Wellness-Reisenden“ eine Orientierungshilfe zu geben. Bereits 1997 hat beispielsweise der Verbund Wellness-Hotels Deutschland® den „Wellness-Baum“ als Zeichen für gesicherte Qualität eingeführt. Es folgten weitere Siegel, beispielsweise des Deutschen Wellness Verbandes, des Deutschen Heilbäderverbandes („Wellness im Kurort“), der LGA („LGA Premium Service Wellness“) etc.
Garantieren diese Gütesiegel Ihrer Meinung nach dem Verbraucher ein qualitativ gutes Angebot? Erfolgt die Gütesiegel-Vergabe hierbei neutral und unabhängig? Wie beurteilen Sie persönlich diese Qualitäts- und Gütesiegel?


Michael Altewischer:

Hier kann ich als Geschäftsführer der Kooperation der Wellness-Hotels-Deutschland (W-H-D) sicherlich nur teilweise unbefangen antworten.

Zunächst ist jeder Wellness-Aufenthalt grundsätzlich ein subjektives Erleben des Einzelnen. W-H-D hat 1997 in Zusammenarbeit mit dem Deutschen-Wellness-Verband erstmalig Qualitätsanforderungen für Wellness-Hotels festgelegt. Für den damals in Deutschland noch relativ unbekannten Begriff hat man also völliges Neuland betreten.

Dem Kunden hat unser Schritt offensichtlich gefallen, so hatten wir in unserer Gruppe im Jahr 2003 über 475.000 Gäste, Tendenz steigend.

Wenn aber nun die Frage nach der Neutralität kommt .... Wie soll man eine Leistung, die in erster Linie von Menschen für Menschen erbracht wird NEUTRAL bewerten? Wir versuchen es, haben aber die eigentliche Aufnahme in unseren Qualitätszirkel nicht aus den Händen gegeben. Zu viele von Faktoren sind zu berücksichtigen, als das ein Außenstehender uns neutral seine (subjektiven) Eindrücke vermitteln kann. Wir ‑ als Verantwortliche ‑ müssen von der Qualität des Hauses überzeugt sein. Nur wenn wir den Partner und seine Leistung genau kennen können wir dies auch dem Gast gegenüber vertreten.

Grundsätzlich sind Qualitätssicherungsmaßnahmen ‑ z.B. in Form von Qualitäts- und Gütesiegeln von Verbraucherseite aus zu begrüßen. I.d.R. wird ein Haus ja auch nicht nur von einer Organisation bewertet (ähnlich wie z.B. beim Varta- oder Michelin Guide). Somit hat der Wellness interessierte Gast die Möglichkeit sich bei verschiedenen Quellen über die Qualität des Hauses im vorhinein zu informieren.


Competence Site:

Nicht erst durch die EU-Osterweiterung erfahren die traditionellen Kur- und Heilbäder Osteuropas eine wahre Renaissance. Waren Tschechien, Ungarn und Bulgarien vor einigen Jahren noch überwiegend als günstige Reiseziele für den deutschen Pauschalurlauber und Rentner in aller Munde, so präsentieren sich die berühmten Kurorte von einst in neuem Glanz. Karlsbad oder das mit seinen vierzig Quellen weltbekannte Marienbad in Tschechien, die Orte der Thermalwasserquellen in Ungarn oder Bulgarien sind längst kein Geheimtipp mehr für den Wellness-Urlauber.
Wie ist das Angebot der osteuropäischen Nachbarländer qualitativ zu beurteilen? Welche Auswirkungen hat Ihrer Meinung nach der Trend von osteuropäischen Wellness-Angeboten auf den Markt der Wellness-Reisen?


Michael Altewischer:

Zum ersten Teil der Frage: Der Ausbildungsstandard bei unseren osteuropäischen Partnern ist sehr hoch, und qualitativ sehr gut. Somit steht zu erwarten, das auch die Wellness-Angebote eine entsprechend hohe Qualität haben werden.

Bezüglich der Auswirkungen auf die Wellness-Reisen in Deutschland, muss festgestellt werden, dass derzeit der Gast seinen Wellness-Urlaub als Zweit- oder Dritturlaub plant. Dies hat zur Folge, dass die Aufenthaltdauer am Ort unter fünf Tagen liegt. Um nicht in den Wellness-Reise-Stress zu gelangen, sucht sich der Gast seinen Zielort daher normaler Weise im Radius von zwei bis drei Autostunden um den Heimatort.

Für den länger dauernden Gesundheitsurlaub, wird der osteuropäische Raum mittelfristig eine ernst zu nehmende Alternative.


Competence Site:

Wie sehen Sie vor dem Hintergrund dieser aktuellen Entwicklungen die Zukunft des Wellness? Welche Segmente bzw. Teilmärkte werden Ihrer Meinung nach zukünftig erfolgreich, welche weniger erfolgreich sein? Was erwarten Sie von einem Competence-Bereich „Gesundheit & Wellness“ auf der Competence Site?


Michael Altewischer:

Derzeit befinden wir uns erst am Anfang einer gesundheitsorientierten Gesellschaft. Personal-Coaching, Ernährungs-Bewusstsein und Ernährungs-Schulung, psycho-soziale Gesundheit werden in zunehmenden Maße an Bedeutung gewinnen. Ein Blick ins aktuelle Zeitgeschehen zeigt, dass der Einzelne mehr Verantwortung für sich und seine Gesundheit hat. Die Gesundheits-Vorsorge wird wichtiger als das Gesund-Machen. Nicht umsonst nennt sich die AOK(rankenkasse) heute schon Gesundheitskasse. Die demografische Entwicklung einer immer älter werdenden Gesellschaft tut hierzu ein Übriges.

Zur Frage meiner Erwartungshaltung: Sich mit interessanten Menschen über ein spannendes Thema auszutauschen.


Vielen Dank für das Interview!
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  • Michael Altewischer
    Michael Altewischer

    Seit 2001 fungiert Michael Altewischer (Jahrgang 1961) in der Düsseldorfer Zentrale der Wellness-Hotels-Deutschland als Geschäftsführer. Seine Schwerpunkte liegen in der Wellness-Betriebsplanung und der betriebswirtschaftlichen Führung von Spa-Abteilungen. Ehrenamtlich ist er Beiratsmitglied der International Hotel Association Deutschland (IHA) und hier...

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