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e-venture-management.pdfTobias Kollmann
E-Venture-Management:
Unternehmensgründung und -entwicklung
in der Net Economy
1. Die Bedeutung von jungen Unternehmen in der Net Economy
2. Die Bausteine der Unternehmensgründung in der Net Economy
2.1 Ausgangspunkt: Produkt und Management
2.2 Notwendigkeit: Finanzen
2.3 Umsetzung: Marktzugang und Prozesse
3. Die Phasen der Unternehmensentwicklung in der Net Economy
3.1 Early Stage: Ideenfindung, -formulierung und -umsetzung
3.2 Expansion Stage: Ideenintensivierung
3.3 Later Stage: Ideenfortführung und/oder -diversifikation
4. Der Aufbau des Sammelbandes „E-Venture-Management“
Literaturverzeichnis
Prof. Dr. Tobias Kollmann ist Inhaber des Lehrstuhls für Electronic Business am
Multimedia Campus der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
E-Venture-Management: Grundlagen 5
1. Die Bedeutung von jungen Unternehmen
in der Net Economy
In den vergangenen Jahren wurden die internen und externen Geschäftsprozesse von
Unternehmen aus nahezu allen Wirtschaftszweigen zunehmend durch elektronische In-
formationssysteme unterstützt. Die grundsätzlichen Vorteile derartiger Systeme, insbe-
sondere hinsichtlich Effizienz und Effektivität, werden diesen Trend auch in Zukunft
weiter fortschreiben. Teilweise konnten bzw. können traditionelle Verfahrensweisen
sogar vollständig durch digitale Prozesse substituiert werden (Weiber/Kollmann 1997,
S. 516). Zusammenfassen lässt sich diese Entwicklung unter dem Stichwort des Electro-
nic Business, womit die Nutzbarmachung von digitalen Informationstechnologien zur
Unterstützung von Geschäftsprozessen in der Vorbereitungs-, Verhandlungs- und Durch-
führungsphase bezeichnet wird (Wirtz 2001, S. 32ff.; Kollmann 2001, S. 64ff.; Weiber
2002, S. 1ff.). Dabei werden die hierfür notwendigen Bausteine Information, Kommu-
nikation und Transaktion zwischen den beteiligten ökonomischen Partnern zunehmend
über weltweite Netzwerke transferiert bzw. abgewickelt. Die anhaltend rasante techno-
logische Entwicklung in diesem Bereich geht dabei zwangsläufig einher mit den vielfäl-
tigen Möglichkeiten, neue Geschäftskonzepte zu entwickeln und diese im Rahmen neuer
Unternehmen (sog. Electronic Ventures / E-Ventures) zu realisieren (Kollmann 2002,
S. 881ff.). Der E-Venture-Bereich beschäftigt sich demnach mit der Unternehmensgrün-
dung und -entwicklung von jungen Unternehmen im E-Business (Net Economy).
Erste Aufmerksamkeit wurde diesem neuen Wirtschaftssektor ungefähr 1993 mit der
Popularisierung und Kommerzialisierung des Internet zuteil. Seitdem konnte eine zu-
nehmende Akzeptanz der neuen Medien in der privaten und wirtschaftlichen Nutzung
beobachtet werden (Kollmann 1998, S. 7ff.). Dies war der Nährboden für nachfolgende
Aktivitäten im E-Venture. Die ersten jungen Unternehmen (sog. Start-ups), die sich aus-
schließlich auf Internet-basierte Geschäftskonzepte konzentrierten, betraten ab Mitte der
90er Jahre die deutsche Wirtschaftsbühne. Darüber hinaus lenkte der anfängliche Erfolg
des neu geschaffenen Börsenablegers „Neuer Markt“ (Achleitner/Bassen 2001, S. 4f.)
von 1997 bis Anfang 2000 das Interesse der Öffentlichkeit verstärkt auf die Internet-
Start-ups (vgl. Abbildung 1). Die Wahrnehmung von E-Ventures in der Öffentlichkeit –
geprägt durch Börsengänge (Initial Public Offering – IPO) und enorme Medienpräsens
– kann jedoch nur als verzerrt bezeichnet werden. Weder zu den euphorischen Spitzen-
zeiten noch in der derzeitigen Anlegerkrise war und ist die Einschätzung des tatsächli-
chen Gründungsgeschehens von E-Ventures als realitätskonform zu bewerten.
Seit Mitte der neunziger Jahre gab es allein in Deutschland annähernd 15.000 Unterneh-
mensgründungen, deren Aktivitäten dem Feld des Electronic Business zugeordnet wer-
den können (Krafft 2000 und 2001a). E-Ventures haben sich damit als gesamtwirtschaft-
lich bedeutender Faktor etabliert und schätzungsweise 150.000 Arbeitsplätze für hoch-
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qualifizierte Arbeitnehmer geschaffen. Erweitert man diese Sicht um bereits etablierte
Unternehmen traditioneller Branchen und deren Engagement im Electronic Business, so
kann man von gut 250.000 in den letzten Jahren neu entstandenen Arbeitsplätzen ausge-
hen. Etwa 100 Neugründungen haben sich bislang zum IPO hin entwickeln können und
gut 750 E-Ventures sind durch Wagniskapital finanziert, so dass man auch hier vom
Willen zum Börsengang ausgehen kann. Diese Unternehmen bilden die Spitze einer Py-
ramide von Gründungen, unterhalb derer gut 4.000 Unternehmen mit einer durchschnitt-
lichen Mitarbeiterzahl von 10–50 Arbeitnehmern angesiedelt sind. Das Fundament des
gesamten E-Venture-Bereichs bilden damit die verbleibenden gut 10.000 kleineren Neu-
gründungen mit bis zu zehn Mitarbeitern.
Schon aus diesen Zahlen wird deutlich, dass die Bedeutung von E-Ventures keinesfalls
mit der Krise der börsennotierten Unternehmen allein assoziiert werden darf. Vielmehr
setzte der Investment-Boom erst 1998 ein und folgte damit einem ersten Gründungs-
boom mit einem zeitlichen Abstand von vier Jahren. Zunächst musste die Branche wohl
einen gewissen Reifegrad bei gleichzeitigem Entstehen von IPO-Möglichkeiten am Neu-
en Markt (Dowling 2002, S. 10f.) erreichen, ehe E-Ventures für Venture Capital-Geber
(Schefczyk 2000, S. 7ff.) attraktiv wurden. Ab diesem Zeitpunkt jedoch sorgte das be-
reitgestellte Risikokapital für einen elementaren Wandel und eine enorme Aufmerksam-
keit. Es erfolgte der Wechsel vom langfristigen Technologievorteil der E-Ventures hin
zum Spekulationsobjekt der Finanzwelt. Hierunter leidet die Branche noch heute, da
die jungen Unternehmen die Investment-Erwartungen nicht mehr erfüllen konnten. In-
zwischen konsolidieren einzelne Marktsegmente und bestehende Nischen werden kleiner
(vgl. Abbildung 1).
Die absoluten Gründungszahlen von E-Ventures sind seit dem zweiten Gründungsboom
1996/97 rückläufig. Die Branche ist unter Druck geraten; im Gesamtjahr 2001 wird die
Zahl der Aufgaben auf bis zu 1.000 geschätzt und man zählt weiterhin insgesamt 424
Insolvenzen (Krafft 2001b). Insbesondere leiden wagniskapitalfinanzierte Unternehmen,
von denen 50% ihre Selbständigkeit seit Mitte 2000 verloren haben. Auch bis Ende 2002
haben sich diese Tendenzen nicht geändert. Aber der Saldo zwischen Unternehmens-
gründungen und Insolvenzen in diesem Bereich ist nach einem Bericht der Zeitschrift
„Wirtschaftswoche“ immer noch positiv zugunsten der Dotcom-Unternehmen (Gutowski
2002, S. 56ff.). Hoffnung macht ferner das immer noch vorhandene Marktwachstum,
welches durch die stetig steigende Zahl der Internetnutzer und der gleichzeitigen
Schließung der „Nutzungslücke“ (Kollmann 1998, S. 14f.) bestimmt wird. Darüber hin-
aus nehmen die verfügbaren schnellen und breitbandigen Netzzugänge (DSL, Powerline,
TV-Kabel) weiter zu. Dieses Wachstum bei fundamentalen Branchendaten wird den
noch vorhandenen Unternehmen im E-Venture in die Hände spielen.
Bei der Betrachtung des Gründungsgeschehens in Deutschland sind demzufolge zwei
Differenzierungen entscheidend: Zum einen darf die Krise des „Neuen Marktes“ – der
inzwischen sogar abgeschafft werden soll - nicht mit dem deutschen Gründungsgesche-
E-Venture-Management: Grundlagen 7
hen in der Net Economy insgesamt gleichgesetzt werden. Dieses ist prinzipiell gesund
und bislang auch noch nicht auf das Niveau vor dem Net-Economy-Boom zurückgefal-
len (Sternberg/Bergmann/Tamásy 2001, S. 38ff.). Zum anderen darf die Bedeutung der
gesamten E-Venture-Szene nicht allein an den um extreme Publizität bemühten einzel-
nen Unternehmen gemessen werden (Gutowski 2002, S. 56ff.). Nicht allein Risikokapi-
tal und Börseneuphorie haben die Gründerwelle gestartet, sondern ganz konkrete Kun-
denbedürfnisse und die Chancen, die sich aus deren Befriedigung ergeben. Im allgemei-
nen Sog trifft die Negativstimmung jedoch auch seriöse Marktteilnehmer. Dies darf aber
nicht über das bedeutende Langfristpotenzial des Internet-Sektors und des Electronic
Business hinwegtäuschen. Immerhin arbeiten nach Studien von PricewaterhouseCoopers
(2000, 2001a und 2001b) zu 400 europäischen Dotcom-Unternehmen bereits 66% der
darin betrachteten Unternehmen in der Gewinnzone. Die Insolvenzquote der jüngsten
Untersuchung von Ende 2001 lag gegenüber dem Vorjahr bei weniger als 20%. In weite-
ren Untersuchungen können aktuell ebenfalls profitable Unternehmen im Electronic
Business gefunden werden (siehe Beitrag von Albers/Panten/Schäfers in diesem Buch).
Dieser Sachverhalt impliziert gleichzeitig die Chance auf ein weiterhin intensives Grün-
dungsgeschehen im E-Venture.
„E“ ist Spitze
B-to -C -Dot.Coms
auf dem Rückzug
European IPOs Dot.Com -Aktien B -to -B -Markt erlebt
fallen ähnlichen Crash
1999
Investoren werden ernüchtert
US Weih- Optimierung
nachten 1998 Dot.Com-Shake-Out von E -Business
US IPOs Pleiten verursachen
1997/1998 Schlagzeilen
Dot.
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