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Analytische Ansätze zum Schutz kritischer Infrastrukturen. Teil 1: Kritische Infrastrukturen: Gefahren und Handlungsbedarf

Walter Schmitz
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Waren die Abhängigkeiten von Infrastrukturen in Agrar- und Industriegesellschaften lokal oder regional begrenzt, so haben sich Art und Abhängigkeiten der Infrastrukturen in der Informationsgesellschaft drastisch erweitert und verändert. Ursache ist die sich rasant entwickelnde Informationstechnologie, die sowohl die Informations- und Kommunikationsprozesse als auch die Produktionsprozesse dramatisch verändert. Informationstechnologie ist in alle „klassischen“ Infrastrukturen eingedrungen und hat deren Potential dadurch erheblich erweitert. Gleichzeitig sind damit jedoch auch die Risiken für Wirtschaft und Gesellschaft angestiegen. Die vielfältigen Abhängigkeiten der Infrastrukturen haben eine globale Dimension erhalten. Für die Folgewirkungen von Störungen ist es unerheblich, wo die Störung mit ihrer Primärwirkung eintritt, kaskadenartig können sich mögliche Folgewirkungen über den gesamten Globus ausbreiten. Auf Grund der wechselseitigen Abhängigkeiten von Funktionen innerhalb einzelner Infrastrukturen („Intradependenzen“) und zwischen unterschiedlichen Infrastrukturen („Interdependenzen“) kann schon der Ausfall einzelner Funktionen zu weitreichenden Konsequenzen führen. Darüber hinaus sind Ursache und Wirkung von Störungen auf Grund dieser Vernetzung mit all ihren Rückkopplungen oft nicht mehr zu unterscheiden.

Gerade wegen derartiger Auswirkungen muss damit gerechnet werden, dass kritische Infrastrukturen in Zukunft bevorzugtes Ziel von Anschlägen werden. Das Spektrum möglicher Akteure, ihre Motive und eingesetzte Mittel sind vielgestaltig und spannen eine Fülle möglicher, ganz unterschiedlicher Szenarien auf. Das Problem, dem heute Staat, Wirtschaft und Gesellschaft ausgesetzt sind, besteht darin, dass zwar zur Kenntnis genommen wird, dass Infrastrukturen eine erhebliche „Kritikalität“ haben, aber dass letztlich Interdependenzen, die zu Primär-, Sekundär-, Tertiär- und Folgewirkungen höherer Ordnungen führen können, kaum bekannt und wenig erforscht sind. Mangelnde Sensibilisierung der Öffentlichkeit sind mitverantwortlich dafür, dass bislang solche Szenarien mit ihren neuartigen Bedrohungen nicht ausreichend analysiert werden.

Die Untersuchung von Szenarien ist aber nötig, um sich möglicher Risiken bewusst zu werden, daraus Eckwerte für mögliche Handlungsspielräume abzuleiten, Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit kritischer Infrastrukturen zu analysieren, daraus auf das Risikopotential und denkbare Schutzmaßnahmen zu schließen, Sicherheitsmaßnahmen im Gesamtzusammenhang zu analysieren und zu bewerten, Ausbildung für das erforderliche Management in der Krise zu leisten und den Umgang mit Risiken einschätzen zu lernen.
Dieser Beitrag will Möglichkeiten aufzeigen, neuartige Bedrohungen aufzuzeigen und zu analysieren sowie den Handlungsbedarf daraus abzuleiten. Hierbei werden Erkenntnisse des EU Projektes ACIP genutzt, in dem von Juni 2002 bis Mai 2003 unter Leitung der IABG von einem europäischen Konsortium eine „Roadmap“ zur Entwicklung einer umfassenden Methodenarchitektur erarbeitet wurde.
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  • Walter Schmitz
    Walter Schmitz

    1963 - 1968 Studium der Mathematik und Physik an der Universität des Saarlandes Abschluß: Dipl. Math. 1969 - 1970 Gymnasiallehrer für Mathematik und Physik 1970 - 1973 Wiss. Mitarbeiter bei der ZOR (Zentrale Operations Research) in Trier, 1973 - 1990 Projektleiter bei IABG/Planspielzentrum in Ottobrunn 1990 - 1996 Abteilungsleiter bei IABG/Analysezentrum ...

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