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Mehr Systematik und Motivation bei der Web-Recherche

Zielmanagement-Werkzeug zur Unterstützung der Informationssuche im Internet wurde erfolgreich evaluiert.
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Beschreibung
Lernen findet heute nicht mehr überwiegend in institutionellen Bildungseinrichtungen wie Schulen und Universitäten statt. Auch im Arbeitsleben gewinnt der Wissenserwerb eine immer größere Bedeutung. In der modernen Arbeitswelt kristallisiert sich das Profil des Wissensarbeiters immer stärker heraus. Wissensarbeiter verbringen einen Großteil ihrer Arbeitszeit damit, Informationen zu suchen und sich Wissen anzueignen. Eine ihrer Hauptinformationsquellen ist dabei zunehmend das Internet. Hier findet man eine Vielfalt an Ressourcen, die dem Wissenserwerb dienen können. Vor allem seitdem Web 2.0-Applikationen wie Wikis, Blogs und Online-Communities immer mehr an Popularität gewinnen, ist die Menge an erhältlichen Informationen im Netz stetig gestiegen.

„Damit man sich bei der Informationssuche im Internet jedoch nicht in dem schier unendlichen Angebot an – zu großen Teilen oft irrelevanten – Ressourcen und Quellen verliert, ist eine hohe Kompetenz an Selbstorganisation und -motivation erforderlich“ gibt Prof. Ralf Steinmetz vom Fachgebiet Multimedia Kommunikation (KOM) der Technischen Universität Darmstadt zu bedenken. Hierzu zählt etwa, dass schon vor der Suche die Anforderungen an die benötigten Informationen formuliert werden. Während des Suchprozesses müssen die gefundenen Informationen dann auf Relevanz geprüft und unwichtige Ressourcen aussortiert werden. Wichtig ist es auch, das Ziel und den Fortschritt im Auge zu behalten und aufgrund der Ergebnisse eines Soll-Ist-Abgleichs nötigenfalls die Suchstrategie zu ändern und anzupassen.

Seit einiger Zeit arbeiten Wissenschaftler von KOM zusammen mit Experten aus der Lernpsychologie in einem interdisziplinären Forschungsprojekt an einem Zielmanagement-Werkzeug, das die Lernenden bei der systematischen Recherche im Internet unterstützen soll. „Vor dem Beginn der Recherche wird der Lernende angeleitet, seine Suche zu strukturieren und seine Suchziele in eine Hierarchie zu bringen“ erklärt Philipp Scholl, der das Forschungsprojekt zusammen mit seiner Kollegin Doreen Böhnstedt leitet. „Während der Suche besteht dann die Möglichkeit, gefundene Webressourcen den zuvor definierten Zielen zuzuordnen und mit Themen, Personen, Orten und Ereignissen semantisch zu taggen“, ergänzt Doreen Böhnstedt. Sämtliche Ziele und gefundene Ressourcen lassen sich jederzeit in Form eines Wissensnetzes oder Gesamtüberblicks anzeigen und kontrollieren.

In Evaluationsstudien konnte nun gezeigt werden, dass Lernende bei kurzfristigen Lernepisoden sowohl motivational als auch emotional von dem Zielmanagement-Werkzeug profitieren: Sie entwickeln eine deutlich effizientere Suchstrategie, kontrollieren ihre Fortschritte stärker und passen ihre Suchstrategien schneller und erfolgreicher an die Erfordernisse an. Außerdem erleben sie den Rechercheprozess deutlich positiver und bewerten ihre Resultate am Ende signifikant besser. So fühlten sich die Lernenden während des Suchprozesses aktiver und entschlossener und waren stolzer auf das erzielte Ergebnis. Lernende, denen das Werkzeug nicht zur Verfügung stand, entwickelten dagegen verstärkt negative Emotionen hinsichtlich der Recherche und des Suchgegenstandes. Die negativen Gefühle waren dabei umso stärker, je mehr sich die Lernenden von der Informationsflut des Internet überfordert fühlten, je mehr sich also ein Gefühl des „Lost in Hyperspace“ einstellte.

Durch den Einsatz des Zielmanagement-Werkzeugs konnten zudem Defizite in der Computer- und Suchkompetenz ausgeglichen werden. „Insbesondere wurde die Möglichkeit als sehr nützlich empfunden, dass man die Verwaltung der Ressourcen im Internet durch Kommentare oder Schlagworte an die persönlichen Bedürfnisse anpassen kann“, erklärt Philipp Scholl.

Das von den Darmstädtern entwickelte Werkzeug lässt sich einfach in den Webbrowser integrieren. Beim Start des Browsers erscheint es in einer Seitenleiste und kann ohne Aufwand in den Rechercheprozess eingebunden werden. Als nächsten Schritt wollen die Forscher jetzt in einer Langzeitstudie zeigen, dass ihr Werkzeug bei längerer Verwendung zu eindeutigen Leistungssteigerungen bei den Lernenden führt.

Kontakt:
Dipl.-Inform. Philipp Scholl
Technische Universität Darmstadt
Fachgebiet Multimedia Kommunikation
Rundeturmstr. 10, 64283 Darmstadt
Telefon: 06151 16-6115
Fax: 06151 16-6152
E-Mail: Philipp.Scholl@kom.tu-darmstadt.de
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Autor
  • Ralf Steinmetz
    Prof. Dr.-Ing. Ralf Steinmetz

    Prof. Ralf Steinmetz war über neun Jahre in der industriellen Forschung und in der Entwicklung von verteilten Multimediasystemen und -anwendungen tätig. Seit 1996 leitet er das Fachgebiet Multimedia Kommunikation an der Technischen Universität Darmstadt. Von 1997 bis 2001 war er Direktor des Fraunhofer (zuvor GMD) Instituts für Integrierte Publikations- und...

Herausgebende Organisation
Verknüpfte Organisationen
  • Technische Universität Darmstadt
    Technische Universität Darmstadt

    Fachgebiet Sicherheit in der Informationstechnik. Forschungsschwerpunkte sind: - Sichere Betriebssoftware, Betriebssysteme - Methodische Konstruktion sicherer Systeme - Sicherheitsmechanismen - Kommunikationssicherheit - Sichere Anwendungen - Sicheres mobiles,