Wir müssen nicht daraum herum reden: Trotz des überdurchschnittlichen Wachstums im Bereich nachhaltiger Geldanlagen haben wir es immer noch mit einem Nischenmarkt zu tun. Dieser hat jedoch inzwischen eine Größenordnung erreicht, dass sich immer mehr „konventionelle“ Banken, Kapitalanlagegesellschaften und Versicherer mit Themen der Nachhaltigkeit beschäftigen, aber selten aus echter Überzeugung. Und oftmals ohne wirkliche Kompetenz.
Sie stellen im Grunde die alte Frage, was zuerst da ist: die Henne oder das Ei. Wer muss zuerst handeln? Der Anleger/die Anlegerin oder die Produktanbieter? Derzeit schieben sich beide Seiten den Schwarzen Peter zu. Die Finanzakteure rechtfertigen sich für ihr geringes Engagement mit der fehlenden Nachfrage seitens ihrer Kundinnen und Kunden. Sparer und Anleger äußern zwar in allen Umfragen der letzten Jahre, sie hielten die Beachtung ethisch-ökologischer Werte bei der Geldanlage für wichtig. Leider wüssten sie zu wenig darüber und auch nicht, wie und wo sie das bekommen könnten.
Wer macht was mit meinem Geld? Will ich das? Was ist mir wichtig? Bei allem Nachdenken und Umdenken über die weitere Entwicklung unserer Gesellschaft wird der Umgang mit Geld immer noch zu oft ausgeblendet. Gerade die Medien haben hier eine besondere Verantwortung. Der ungeregelte und somit ungehemmte Finanzkapitalismus hat wenige reich gemacht, er beschert uns eine Krise nach der anderen und treibt inzwischen ganze Staaten in die Fast-Insolvenz. Auf diesem Nährboden konnte Gier gedeihen. Gleichzeitig wurde der Geiz zum Mainstream. Alles muss noch billiger werden: Lebensmittel, Kleidung, Unterhaltung – und Arbeit! Aber das ist ein eigenes Thema. Ja, die Anleger haben eine Verantwortung. Sie können sich nicht damit herausreden, dass andere den Markt beherrschen und das Sagen haben. Gute Arbeit hat ihren Preis. Und eine solide und verantwortliche Geldanlage soll eine auskömmliche Rendite haben. Das Streben nach Extraprofiten und Outperformance ist nicht nachhaltig. Das sehen immer mehr unserer Kundinnen und Kunden auch so. Insofern beobachten wir positive Zeichen einer Änderung.
„Der Staat“ sollte mit gutem Beispiel voran gehen – gerade in diesen Zeiten von Haushaltsenpässen und Verschuldung. Andere Länder machen es uns bereits vor: Die Altersversorgung der öffentlichen Beschäftigten wird zum Beispiel in Norwegen transparent nach strengen Sozial- und Umweltkriterien organisiert. Warum sollte das in Deutschland nicht auch gehen?