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vr_soa_antworten_schmale_inubit_ag.pdfVirtual Roundtable zum Thema Service-Oriented
Architecture (SOA)
Service-Oriented Architecture (SOA) –
Status quo und Ausblick
Name: Dr. Torsten Schmale
Funktion/Bereich: CEO
Organisation: inubit AG
Kurzeinführung zum Thema
Das Konzept service-orientierter Architekturen ist nun schon seit längerer Zeit in
aller Munde und Basis für die Neuorganisation von IT-Strukturen. Der Ansatz
gilt dabei als eine Art „Heilsbringer“ in Sachen flexibler und anpassungsfähiger
IT-Systeme, die möglichst nah an den Geschäftsprozessen ausgerichtet sind.
In Kooperation mit SIGS-DATACOM, u.a. Veranstalter der OOP-Konferenz vom
22. bis 26. Januar 2007 in München, führt die Competence Site daher einen Vir-
tual Roundtable zum Thema SOA durch.
In diesem soll durch Einbeziehung verschiedener Top-Experten unter anderem
geklärt werden, für wen das Thema SOA eigentlich relevant ist, wie der Stand
der Dinge ist und wohin sich das Konzept entwickeln wird.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Ihr NetSkill-Team
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Sehr geehrter Herr Schmale,
Frage 1: Begriffsverständnis zum SOA-Ansatz
Was sind Ihrer Meinung nach die zentralen Charakteristika von SOA?
Wie ist der SOA-Ansatz dabei im Konzept-Umfeld von IT Infrastructure Mana-
gement, Enterprise Application Integration (EAI), und Business Process Mana-
gement (BPM) einzuordnen? Herrscht hier in der Community ein einheitliches
Verständnis von SOA und der Einordnung des Konzepts?
Antwort:
Die Idee der serviceorientierten Architektur (SOA) ist weder neu,
noch eine Wissenschaft und mit Sicherheit auch kein mystischer
„Heilsbringer“ für alle Problemsituationen. Aus Praktikersicht geht es
um die situationsgerechte Nutzung von Applikationen durch andere
Applikationen: Eine bestimmte Applikation stellt eine bestimmte wertschöpfende
Funktion nicht nur menschlichen Anwendern zur Verfügung, sondern macht sie
als „Service“ auch technisch verfügbar. Damit es sich um einen Service im Sin-
ne der SOA-Idee handelt, muss dessen Nutzung in einem Dokument beschrie-
ben sein, und er sollte in einem Verzeichnis eingetragen sein, damit er gefun-
den werden kann. In der Welt der „Web Services“ sprechen wir dann von den
Akronymen SOAP (Sprache des Service), WSDL (beschreibendes Dokument)
und UDDI (Verzeichnis). Aber Web Services sind nicht zwingend nötig, um ei-
nen SOA-konformen Service anzubieten. Ein Beispiel aus der Praxis: Die Schu-
fa bietet ihre Bonitätsauskunft nicht nur menschlichen Anwendern über die
Webseite an. Die Kunden können über das Internet auch ein „XML-Gateway“
nutzen, um den Service rein technisch aufzurufen. Viele Banken und Finanz-
dienstleister tun das bereits, d.h. sie integrieren in ihre Kreditantragsprozesse
eine automatische Schufa-Abfrage, die nicht von einem Sachbearbeiter, son-
dern ihrer eigenen IT (im besten Fall einer BPM-Software wie dem inubit IS)
ausgeführt wird. Je nach Ergebnis wird der Antrag automatisch abgelehnt, oder
der Prozess wird fortgesetzt. Man erkennt den Zusammenhang zum Business
Process Management: Durch die prozessorientierte Kombination von Service-
Aufrufen („Service Orchenstrierung“) können Prozessmodelle in der IT direkt
realisiert werden. Und obwohl das oben genannte „XML-Gateway“ sich nicht
der Web Service – Spezifikation mit SOAP, WSDL und UDDI bedient, handelt
es sich um einen Service im Sinne der SOA.
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Das SOA-Konzept stellt insofern auch den nächsten logischen Schritt im The-
menfeld Anwendungsintegration (EAI) dar. Während es bei EAI um den reinen
Datenaustausch zwischen IT-Systemen geht, um z.B. die Kundenstammdaten
aus einem CRM-System auch in der Auftragsbearbeitung vefügbar zu machen,
werden bei einer Service-Nutzung die Daten von einem System zum anderen
übertragen, dort verarbeitet, und die Ergebnisdaten werden direkt zurücküber-
tragen. Insofern sind praxistaugliche SOA-Lösungen in Bezug auf EAI-
Bedürfnisse „abwärtskompatibel“.
Die besten Ideen sind häufig die einfachsten. Insofern sollte das Konzept der
SOA eigentlich keinen Interpretationsspielraum lassen. Trotzdem wird das Ak-
ronym, ähnlich wie BPM, von einigen Anbietern marketingtechnisch stark über-
strapaziert. Es werden die unterschiedlichsten Systeme als „SOA-Suiten“ ver-
kauft, die mit dieser einfachen Idee nur wenig gemein haben. In der Folge
herrscht wieder einmal Unsicherheit und Uneinigkeit darüber, was eine SOA
überhaupt sein soll und wie man sie nutzen kann. Auch deshalb müssen wir in
unseren Gesprächen mit Kunden und Partnern immer wieder erklären, dass ei-
ne gute SOA Lösung, sei es ein Produkt oder eine Dienstleistung, vor allem fol-
gendes auszeichnet: Sie ist im Business Nutzen auf Anhieb verständlich, tech-
nisch nicht überdimensioniert und zeitlich sehr kurzfristig zu implementieren.
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Frage 2: Relevanz von SOA heute und in Zukunft
Wie schätzen Sie die Relevanz der SOA-Thematik heute und in Zukunft ein?
Welche Entwicklungen sind die wichtigsten Treiber des Ansatzes? Wie weit
verbreitet sind SOA-Lösungen hierzulande bisher?
Antwort:
Wir beobachten eine rasante Entwicklung in diesem Thema. Jedes
Unternehmen, das die im Grunde ganz einfache Idee dieses
Ansatzes verstanden hat, leitet folgende Schritte ein: Es wird
untersucht, inweit die eigenen Systeme „SOAfiziert“ werden können,
d.h. ob und wie sie sich in Services zerlegen lassen, damit sie sowohl im eige-
nen Hause als auch durch externe Partner prozessorientiert genutzt werden
können. Gleichzeitig wird untersucht, welche Services wiederum externe Part-
ner bereits anbieten (siehe Schufa) und wie sich diese in die eigenen Ge-
schäftsprozesse automatisiert integrieren lassen. Es geht eben nicht mehr – wie
beim klassischen EAI – „nur“ um den Datenaustausch zwischen Kunde und Lie-
ferant, um eine Bestellung anzustoßen. Heute will der Kunde in seinem Be-
schaffungsprozess zunächst automatisiert abfragen, ob der Lieferant die benö-
tigten Güter überhaupt rechtzeitig in gewünschter Stückzahl liefern kann. Wenn
der Lieferant einen entsprechenden Service anbietet und der Kunde die richtige
BPM-Software einsetzt, kann ein solcher Prozess innerhalb weniger Stunden
realisiert werden.
Sicher fallen die eingangs genannten Untersuchungen auch mal negativ aus.
Nicht jede Anwendung kann ohne weiteres SOAfiziert werden. Die Chance für
eine erfolgreiche SOAfizierung steigt mit der Flexibilität der BPM-Software, die
für die Orchestrierung eingesetzt wird.
Die wichtigsten „Enabler“ für diese Entwicklung sind definitiv die Themen XML /
Web Services und das Internet. Sie sorgen dafür, dass die unternehmensüber-
greifende, prozessorientierte Nutzung von Services heute buchstäblich in einem
Bruchteil der Zeit und Kosten ermöglicht wird, als das noch vor zehn Jahren der
Fall war. Die benötigte Infrastruktur ist dank Internet ja bereits in jedem Unter-
nehmen verfügbar. Und die Verbreitung von XML bzw. Web Services sorgen
dafür, dass die Anbieter ihre Services in einem Format veröffentlichen, das so-
fort von möglichen Nutzern angesprochen werden kann.
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Wichtigster Business Treiber für diese Entwicklung ist die Möglichkeit, das
Funktionsportfolio der verfügbaren IT optimal und vor allem kurzfristig, in Einzel-
fällen sogar „on demand“, an die Geschäftsprozesse anpassen zu können. SOA
sind somit – gemeinsam mit BPM - ein entscheidener Schritt in Richtung „IT
follows Business“.
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Frage 3: SOA in den Unternehmen
Für welche Unternehmen lohnt sich die Beschäftigung mit SOA in besonderem
Maße? Ist eine SOA grundsätzlich auch für mittelständische Unternehmen von
Interesse und realisierbar?
Antwort:
Generell ist das Thema SOA natürlich umso interessanter, je
intensiver die eigenen Geschäftprozesse durch IT unterstützt werden.
Diese Voraussetzung ist heutzutage in fast allen Branchen und
Unternehmensformen gegeben. Aufgrund der geringen
Realisierungsaufwände ist es auch durchaus denkbar, lediglich einzelne, aus-
gesuchte Geschäftsprozesse durch eine SOA abzubilden, z.B. im Vertriebsbe-
reich. Es gibt das Beispiel des Möbel-Herstellers, der seine durch fehlerhafte
Fertigung bedingten Ausschussprodukte über eine Service Orchestrierung au-
tomatisiert auf einer bekannten Internet-Auktionsplattform anbietet – ohne nen-
nenswerte manuelle Aufwände.
Natürlich lohnt es sich nicht für jedes Unternehmen, jetzt und sofort umfangrei-
che „SOAfizierungsprojekte“ anzustoßen und die eigene IT komplett umzu-
krempeln. Aber es lohnt sich definitiv, die eigenen Geschäftsprozesse zu unter-
suchen und zu prüfen, ob sich durch zunehmende Prozessautomatisierung die
Vorteile der Service Orchestrierung soweit nutzen lassen, dass ein nennens-
werter ROI stattfindet. Dann sollte man handeln und die Grundlagen für eine
SOA-konforme Unternehmens-IT schaffen. Richtig aufgesetzt, erreicht man be-
reits im ersten, gut überschaubaren Projekt einen ROI für die notwendigen In-
vestitionen und nähert sich dann in Folgeprojekten kontinuierlich der idealen
SOA.
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