Schon das aktuelle Szenario eines Streiks der Lokführer macht deutlich, welchen Stellenwert die Logistik als drittgrößte Branche in Deutschland hat. Fünf bis acht Tage Puffer an Material – dann stockt die Produktion. Die Folgen: Konventionalstrafen, verlorene Kunden und Aufträge.
Die 25. Dortmunder Gespräche geben am 11. und 12. September 2007 Gelegenheit, sich auf über wesentliche Fragestellungen der Logistik gebündelt und kompakt zu informieren. Unter dem Tagungsmotto »IT als Erfolgsfaktor in der Logistik« bieten Experten einen fundierten Überblick über Trends und zukunftsweisende Beispiele aus Unternehmen. Der Schwerpunkt der zweitägigen Veranstaltung liegt im Bereich Verkehrslogistik (Prof. Uwe Clausen). Hier geht es um Themenfelder wie »Verkehr & IT«, »Logistische Netzwerke« und »Verkehr & Sicherheit«. Zusätzlich widmen sich jeweils zwei Sequenzen den Themenbereichen »Software« und »RFID«.Besucher können in der dreizügigen Veranstaltung zwischen den jeweiligen Sequenzen frei wählen und so durch eigene Schwerpunktsetzung ihr individuelles Informationspaket schnüren. Erstmals richten die Bundesvereinigung Logistik (BVL) und das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML diese Veranstaltung gemeinsam aus.
Die Praxis zeigt die Komplexität der logistischen Systeme: Nur vier Stunden Streik im Güterverkehr hätten gereicht, um manche Branchen empfindlich zu treffen. Selbst Automobilhersteller lassen aber ihre Neufahrzeuge über die Bahn transportieren; acht Autos passen auf einen Lkw, 200 auf einen Zug. Ausweichmöglichkeiten für den Gütertransport hätte es aber auch gar nicht gegeben: Es fehlt an Lkw-Fahrern. Die Logistik in Deutschland arbeitet ständig hart an der Kapazitätsgrenze.
Dabei ist die Logistik derzeit der drittgrößte Wirtschaftszweig des Landes mit 2,6 Millionen direkt Beschäftigten und einem Jahresumsatz von knapp 180 Milliarden Euro. Die Transportleistung im binnenländischen Güterverkehr ist seit 1991 um 45 Prozent auf gut 581,8 Milliarden Tonnenkilometer gestiegen, mehr als doppelt so stark wie das Bruttoinlandsprodukt. Das zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes und des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.
Logistik ist ein Globalisierungstreiber. So hat sich der Gütertransport über das Meer seit 1991 verdoppelt, der Containerumschlag in den deutschen Seehäfen nahezu vervierfacht. Ohne diesen einzigen weltweiten Standardbehälter würde der automatische Warenumschlag nicht nur dort nur sehr schleppend erfolgen. Das Transportgeschäft im so genannten Seehafenhinterlandverkehr wird von 60.000 meist mittelständischen Unternehmen übernommen. 69 Prozent rollen dabei über die Straße, 16 Prozent bewältigt die Schiene, gut ein Zehntel transportiert die Binnenschifffahrt.
Wachstum stößt an Systemgrenzen
Insgesamt hat sich zwar bisher die Menge der Güter nicht vermehrt, aber die Transportwege sind länger und die einzelnen Sendungen kleinteiliger geworden. Angesichts der wachsenden Weltwirtschaft ist die Logistikwirtschaft zuversichtlich. 63 Prozent glauben, dass die Geschäfte konstant bleiben, 30 Prozent sogar an eine Verbesserung. 53 Prozent meinen, dass die Kosten insgesamt konstant bleiben, 42 dass sie steigen, 5 Prozent rechnen mit sinkenden Kosten. So lesen sich die Zahlen des sci-Logistikbarometers vom Mai 2007.
Beim Verkehr weist die vorhandene Infrastruktur allerdings bereits jetzt Grenzen des Wachstums auf. Zwar gibt es beim Frankfurter Flughafen ebenso wie beim Hamburger Hafen Ausbaupläne. Bund, Länder und Hafenwirtschaft wollen bis 2012 über 10 Milliarden in den Ausbau der Infrastruktur stecken, doch wird befürchtet, dass dies nicht reicht.
Aktualisierte Kurz- und Mittelfristprognose zum Verkehr
Güter- wie Individualverkehr werden auch bis 2008 weiter wachsen. Das ist das Ergebnis der aktualisierten Kurz- und Mittelfristprognose des Bundesverkehrsministeriums für die Verkehrsentwicklung bis 2008 (Presseinformation vom 6. August 2007). Grund für die Steigerungen sind danach insbesondere ein positives Wirtschaftswachstum und der stark wachsende Außenhandel. Vor allem der Güterverkehr wird in 2007 mit einer Steigerung von 7,5 Prozent gegenüber 2006 von dieser dynamischen Entwicklung profitieren.
So wächst das Verkehrsaufkommen der Bahn 2007 um 8,2 Prozent, der Straßengüterverkehr um 8,1 Prozent, die Binnenschifffahrt um 3,3 Prozent. Als Grund stellt die Prognose zum einen die kräftige Erholung der Baubranche, die Transportsteigerungen, insbesondere im Straßenverkehr mit sich bringe, den grenzüberschreitenden Landverkehr im Zuge der EU-Integration sowie den Wettbewerb im grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehr heraus. Für 2008 werden etwas schwächere, im langjährigen Vergleich aber immer noch erhebliche Zuwachsraten von insgesamt 4,9 Prozent für alle Landverkehrsträger des Güterverkehrs erwartet.
Keine zukunftsfähige Logistik ohne IT – kompaktes Wissen auf den 25. Dortmunder Gesprächen
Jörg Hennerkes, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, der auf den diesjährigen Dortmunder Gesprächen den Masterplan Güterverkehr und Logistik der Bundesregierung vorstellt, erklärt in der jüngsten Veröffentlichung seines Ministeriums (s.o.): »Transport und Logistik entwickeln sich immer mehr zum Wachstumsmotor. Mit zunehmenden Verkehrsaufkommen steigt gleichzeitig unsere Verantwortung zu einer effizienten und nachhaltigen Entwicklung. Wir müssen Mobilität und Wirtschaftswachstum intelligent und unter Beachtung ökologischer Anforderungen gestalten und dabei die Verkehrsträger in der Summe im Blick haben. Auch diese Prognose bestätigt, wie dringlich und bedeutend die Investitionen des Bundes in die Infrastruktur von Straße, Schiene und Seewegen sind.« Um international wettbewerbsfähig zu sein, müsse die deutsche Wirtschaft über kostengünstige, effiziente und sichere Transportmöglichkeiten verfügen, so Hennerkes weiter. »Mit dem ´Masterplan Güterverkehr und Logistik` wollen wir den Anforderungen an die Verkehrspolitik der Zukunft gerecht werden. Im Fokus steht dabei das gesamte Verkehrssystem. Wir werden dafür konkrete Maßnahmen und Handlungsempfehlungen erarbeiten«, so der Staatssekretär.
Helfen kann aus Sicht des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund, das die Dortmunder Gespräche fachlich verantwortet, eine bessere, IT-gestützte Logistik. Eine der Grundlagen stellt nach Ansicht der Logistik-Forscher die Radio Frequenz Identifikation RFID dar, die die Güterverteilung nach der Bündelung über Seecontainer transparenter und schneller handhabbar macht. Unterstützt durch kompatible Logistik-Software für Lagerung, Umschlag und Transport wären manche noch manuell eingegebenen Informationen schneller und sicherer verfügbar. Eine schnellere Lager- und Kommissioniertechnik muss verhindern, dass der Bereich des physischen Materialflusses nicht zum Nadelöhr wird. Nicht zuletzt würde eine bessere Qualität in den Abläufen und Prozessen auch die Kosten senken. Erst das reibungslose Zusammenspiel der Komponenten Technik, Software und Organisation ermöglicht mehr Effizienz und Effektivität. Das Fraunhofer IML hat bei seinen jährlich rund 600 Projekten die Erfahrung gemacht, dass sich bei den Logistikkosten in Unternehmen jeglicher Branchen bis zu 30 Prozent Einsparungen erzielen lassen. (RFN)
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