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Google – die zwei Seiten des mächtigen Internet-Konzerns

Google’s Strategien und Dienste verstehen sowie Gefahren erkennen, Risiken minimieren und dennoch profitieren
Norbert Pohlmann
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Beschreibung
Google, ein Gigant in der Internetökonomie, stellt den Nutzern des Internets ein sehr breites Spektrum an Diensten und Produkten bereit. Neben der bekannten Suchmaschine, mit der alles begann, bietet Google mittlerweile Betriebssysteme, Office-Programme, Webbrowser sowie diverse Plattformen für Kommunikation, Kollaboration, Multimedia, Organisation und Softwareentwicklung. Aus Sicht des Nutzers ist Google‟s Angebot einerseits deshalb so interessant, weil viele Dienste qualitativ hochwertig, intuitiv bedienbar und innovativ sind, was sie zum Teil wirklich einzigartig macht. Anderseits ist das Angebot zum Großteil kostenlos nutzbar, was wohl der größte Vorteil für den Nutzer und der Hauptgrund für die Beliebtheit der Google-Produkte ist. Kostenlose Angebote gibt es jedoch viele im World Wide Web, diese finanzieren sich, genau wie Google, durch Werbung. Google erwirtschaftet in etwa 97 Prozent seiner Umsätze mit Werbung. Der Unterschied zu anderen werbefinanzierten Webangeboten ist allerdings, dass die Werbung bei Google nicht wirklich bei der Nutzung der Dienste stört und unaufdringlich ist. Es ergibt sich die Chance, von diesem Angebot, das zweifelsfrei einen Mehrwert darstellt und seinesgleichen sucht, zu profitieren.
Im Jahre 2009 hatte Google einen Umsatz von 24 Milliarden US-Dollar, das sind ca. 1,34 Millionen US-Dollar pro Mitarbeiter; doppelt so viel wie ein Microsoft-Mitarbeiter durchschnittlich umgesetzt hat. Außerdem erwirtschaftete Google in dem Jahr einen Gewinn von 6,5 Milliarden US-Dollar und war 2010 mit einem Marktwert von 114,3 Milliarden US-Dollar die wertvollste Marke der Welt. Im Jahr 2008 lag der Anteil am Gesamtvolumen der Werbeumsätze im Internet bei 42,2 Prozent. Beeindruckende Zahlen, aber was bedarf es neben den vielen Werbeflächen in den Diensten noch um solche Erfolge zu verzeichnen? Die Masse alleine macht es nicht, sondern auch die Klasse, die die Werbeflächen so wertvoll macht, dass Werbepartner bereit sind, stolze Preise dafür zu zahlen. Mit dieser Klasse ist die Kontextsensitivität der Werbung gemeint: Kontextsensitive Werbung soll die richtige Werbung für den richtigen Nutzer an der richtigen Stelle und zur richtigen Zeit liefern. Je mehr Informationen Google über die Interessen und das Verhalten seiner Nutzer zur Verfügung stehen, desto besser gelingt dies und desto mehr sind die Werbetreibenden bereit an Google zu zahlen. Ein Teil der kontextsensitiven Werbung ist interessensbasierte Werbung, bei der Google versucht, anhand des Verhaltens seiner Nutzer Interessen abzuleiten, um dann gezielt Werbung zu schalten. Ein anderer Teil ist mobile Werbung, momentan ein riesiger Wachstumsmarkt. Hier kommt der Aufenthaltsort des Nutzers als zusätzliche Dimension ins Spiel: Mit Android und mobilen Produkten wie Goggles, Latitude, Navigation, Near Me Now und Sync drängt Google in diese Nische vor. Aber auch andere Produkte der Google Geolocation API wie Earth, Maps oder Street View verschaffen Google ortsbezogene Informationen und stellen diese bereit. Als die Autos von Street View beispielsweise durch die Straßen Deutschlands gefahren sind, wurden WLAN-Netze erfasst, um so eine Ortung auf Basis von WLAN zu ermöglichen.
Das führt unmittelbar zur Kehrseite der zuvor betrachteten Chancen, denn die Währung in der Google-Nutzer für die Dienste und Produkte zahlen müssen, sind nicht etwa US-Dollar oder Euro, sondern persönliche Informationen. Hier hat Google sich den Ruf als sammelwütige Datenkrake eingehandelt. Die von Google erhobenen Daten sind direkt personenbezogen oder personenbeziehbar. Zu den direkt personenbezogenen Daten gehören unmittelbar erfasste Daten wie Name, Geburtsdatum, Adresse, berufliche Laufbahn etc. Diese können bzw. müssen beispielsweise im Google-Profil oder bei Google Checkout, dem Online-Bezahldienst von Google, angegeben werden. Im Google-Konto, das für viele Funktionalitäten der Dienste erforderlich ist, laufen solche und weitere Daten zusammen. Zu den weiteren Daten, die mit dem Google-Konto verknüpft werden, gehören Inhalte der Webhistorie (eigentl. Webprotokoll), die beim Anlegen eines Google-Kontos standardmäßig aktiviert ist und dienstübergreifende Suchanfragen speichert. Zu den personenbeziehbaren Daten gehören vor allen Dingen Protokollinformationen, die nicht auf Basis des Google-Kontos, sondern per IP-Adressen, Cookies oder Browser-IDs erfasst werden. Dazu gehören u.a. Daten über Suchanfragen, angebotene Inhalte, Benutzernavigation aber auch Daten, die auf Webseiten Dritter erfasst werden. Die auf Basis von IP-Adressen und Cookies erhobenen Daten werden bei Google nach 9 bzw. 18 Monaten anonymisiert. Aber auch danach ist ein Rückschluss auf die wahre Identität des Nutzers nicht ausgeschlossen, speziell, wenn man einzeln erhobene Datensätze dienstübergreifend korreliert. Ähnliches konnte auch bei einer Datenschutzpanne bei AOL festgestellt werden, als ein Mitarbeiter versehentlich Suchanfragen von mehr als 600.000 Nutzern online stellte: Mehrere Nutzer konnten trotz Anonymisierung identifiziert werden.
Es entsteht ein Datenschutz-Risiko: Einerseits findet ein Eingriff in die Privatsphäre statt, wenn das Verhalten im Internet aufgezeichnet wird oder beispielsweise Fotos, die nicht für die Öffentlichkeit gedacht sind, in Street View oder ähnlichen Diensten abgebildet werden. Andererseits entstehen ausführliche Persönlichkeitsprofile auf den Servern von Google. Diese können gerade bei Google aufgrund seiner vielen Dienste besonders umfangreich sein. Zu den Risiken, die mit Persönlichkeitsprofilen im Internet verbunden sind, gehören Identitätsdiebstahl (Kriminaltaten unter gestohlener Identität), Belästigungen (z.B. durch Werbetreibende), Verfolgungen (Stichwort Rasterfahndung, aber auch Stalker), Demütigungen (speziell bei intimen Informationen) und verzerrte Persönlichkeitsbilder (Google und andere unterscheiden nicht zwischen richtigen und falschen Informationen). Dass diese Risiken tatsächlich vorhanden sind, zeigen viele Fälle von Datenmissbrauch, die in den letzten Jahren vermehrt auftreten. Wie sicher die Daten bei Google sind, ist fraglich. Augenscheinlich sind sie dort sicher, vielleicht sogar sicherer als bei anderen Anbietern, aber auszuschließen sind Datenschutzpannen und Datenmissbrauch z.B. durch kriminelle Hacker wohl nicht. Entsprechende Fälle hat es auch bei Google schon gegeben als z.B. in Google Buzz Kontaktdaten aus Gmail veröffentlicht wurden, indem sie automatisch mit den Kontakten anderer Nutzer verknüpft wurden. Außerdem waren die Kontakte, mit denen man am häufigsten über sein Konto kommuniziert, frei abrufbar. Man sollte sich stets vor Augen halten, dass Datenschutz nicht den Schutz von Daten bedeutet, sondern den Schutz des Einzelnen vor Beeinträchtigung bzw. unerwünschten Folgen, insbesondere durch zweckwidrigen Missbrauch, beim Umgang mit seinen personenbezogenen Daten.
Weitere Kritikpunkte bei Google sind, dass bei einigen Diensten die Einwilligung des Nutzers in die Datenerhebung zum Teil vollständig fehlt (z.B. bei Google Analytics) oder unzureichend realisiert ist. Hinzu kommt, dass bei vielen Diensten datenschutzrechtliche Grundprinzipien wie Zweckbindung, Erforderlichkeit, Datenvermeidung und -sparsamkeit sowie das Transparenzgebot nicht eingehalten werden. Es wird nämlich nicht ausführlich definiert, welche Daten genau für welche Zwecke erhoben werden. Daher ist auch schwer ersichtlich, ob erhobene Daten wirklich erforderlich sind. Personenbezogene Daten zu erheben, um einen Dienst erbringen zu können oder die Systemsicherheit zu gewährleisten sei viel zu allgemein gehalten.
Es entsteht ein Zwiespalt, möchte man doch von den Möglichkeiten, die Google einem bietet und dem resultierenden Mehrwert profitieren, ohne dabei jedoch mit den Gefahren in Berührung zu kommen. Mit anderen Worten: Der bereits erwähnte Preis für die Nutzung der Dienste sind personenbezogene Informationen und warum sollte man hier mehr bezahlen als man muss? Bei der Untersuchung von über 40 Google-Diensten fiel neben dem Mehrwert und der Sammelwut nämlich auch auf, dass diesbezüglich viel Potenzial zur „Preissenkung“ vorhanden ist. Gewusst wie, kann man dafür sorgen, deutlich weniger über sich preiszugeben. Immerhin erkennt Google an, dass „jeder Nutzer seine eigene Einstellung zum Datenschutz hat“ und will „möglichst allen Nutzern gerecht werden, in dem detaillierte Wahlmöglichkeiten angeboten werden“. Diese Wahlmöglichkeiten bietet Google tatsächlich an und sollten genutzt werden. In den Nutzungsbedingungen und Datenschutzbestimmungen zu einem Dienst ist oft grob skizziert, welche Informationen erfasst werden und was für Möglichkeiten bestehen, um dies zu verhindern. Dementsprechend findet man in vielen Diensten in den Einstellungen eine Rubrik, in der die Erfassung diverser Daten deaktiviert werden kann. Auf diese Art und Weise kann man schon einiges für den Schutz seiner Daten tun. Man muss hier jedoch selbst aktiv werden, da es sich um optionale Wahlmöglichkeiten zur Deaktivierung (Opt-out) handelt. Dieses Opt-out-Problem, das nicht mit dem Regelungsgrundsatz „Verbot mit Erlaubnisvorbehalt“ deutscher und europäischer Datenschutzgesetze in Einklang zu bringen ist, ist im Geschäftsmodell von Google verankert. Wenn man solchen Wahlmöglichkeiten explizit zustimmen müsste (Opt-in), damit mehr Informationen über sich preisgegeben werden, würde wohl kein Nutzer dies freiwillig tun. Bei einigen Diensten gehen die Wahlmöglichkeiten allerdings nicht weit genug. Das Datenschutz-Risiko wird somit nicht ausreichend vermindert und daher ist von der Nutzung dieser Dienste abzuraten.
Neben diesen von Google bereitgestellten Wahlmöglichkeiten gibt es auch noch eine Reihe weiterer Maßnahmen zur Risikoverminderung. Ganz allgemein sollte der Nutzer keine Angaben in Diensten machen, die nicht erforderlich sind, speziell wenn es sich um sensible Informationen handelt. Außerdem sollte man nie mit dem Google-Konto angemeldet werden, wenn es nicht notwendig ist, denn dann können erfasste Daten erst gar nicht unmittelbar mit dem Google-Konto verknüpft werden. Vermindert werden können Datenschutz-Risiken auch mit Add-ons für den Webbrowser. Speziell bei Open-Source-Browsern, aber auch bei anderen setzen diese dem uneingeschränkten Sammeln von Informationen ein Ende. Solche Add-ons stammen dann vor allem aus der dazugehörigen Community aber auch Google selbst bietet solche an. Zu den Add-ons von Google gehören z.B. das Plugin zum Deaktivieren des Cookies für Anzeigevorgaben (DoubleClick) oder das Google Analytics Opt-out Browser Add-on. Beispiele für Firefox-Add-ons sind GoogleSharing („Teilen für mehr Privatsphäre“), TrackeMeNot (sendet willkürlich gewürfelte Suchanfragen an bekannte Suchmaschinen) und BetterPrivacy (schützt vor Langzeit-Cookies wie Flash- und DOM-Storage-Cookies).
Darüber hinaus ist nicht jeder der vielen Dienste gut, nur weil er im Angebot von Google steht. Bei Google‟s sozialen Netzwerken, seinem Online-Bezahlverfahren und bei einigen weiteren Diensten konnten sich keine besonderen Vorteile gegenüber vergleichbarer Dienste anderer Hersteller herauskristallisieren. In diesen Fällen lohnt es sich erst gar nicht den Dienst zu nutzen und Google somit persönliche Informationen über sich zu überlassen. Das Recht auf Auskunft (ein weiterer anerkannter Grundsatz beim Datenschutz) bezüglich der von Google erhobenen Daten ist ansatzweise durch das Google Dashboard realisiert. Hier werden viele Daten aufgelistet,
die mit dem Google-Konto verknüpft sind (Suchanfragen, berechnete Routen etc.). Allerdings ist die Liste unvollständig, ein Blick darauf lohnt sich aber auf jeden Fall (siehe auch Anhang A).
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Autor
  • Norbert Pohlmann
    Prof. Norbert Pohlmann

    1981-1985 Studium an der Fachhochschule Aachen im Bereich Elektrotechnik mit dem Schwerpunkt Informationsverarbeitung 1985-1988 Forschungsingenieur und später Leiter des Labors für Telematik bei Prof. Dr. C. Ruland an der Fachhochschule Aachen 1988-1999 Geschäftsführender Gesellschafter der Firma KryptoKom Gesellschaft für kryptographische...

Ansprechpartner
  • Norbert Pohlmann
    Prof. Norbert Pohlmann

    1981-1985 Studium an der Fachhochschule Aachen im Bereich Elektrotechnik mit dem Schwerpunkt Informationsverarbeitung 1985-1988 Forschungsingenieur und später Leiter des Labors für Telematik bei Prof. Dr. C. Ruland an der Fachhochschule Aachen 1988-1999 Geschäftsführender Gesellschafter der Firma KryptoKom Gesellschaft für kryptographische...