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Innovative Medizintechnik

Vorschau MEDICA TECH FORUM: Ob im OP oder Lazarett-Airbus - innovative Medizintechnik ist immer dabei
Messe Düsseldorf GmbH
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Vorschau MEDICA TECH FORUM: Ob im OP oder Lazarett-Airbus - innovative Medizintechnik ist immer dabei

In den Produktionshallen der Automobil-Hersteller sind Roboter längst Standard, im OP-Saal hingegen führt meist noch ein Chirurg aus „Fleisch und Blut“ das Skalpell. Doch seit einigen Jahren sind es auch so genannte Roboter-Systeme oder, korrekt formuliert, „mechatronische Assistenzsysteme“, die - gesteuert von einem Arzt - schneiden, fräsen, bohren. Was solche Systeme heutzutage leisten, welche Probleme es gibt und wohin die „Reise“ geht, ist eines der drei Schwerpunkt-Themen in den englischsprachigen Vorträgen beim MEDICA TECH FORUM im Rahmen der mit gut 4.500 Ausstellern weltgrößten Medizinmesse MEDICA 2011 in Düsseldorf (16. - 19. 11.).

  Außerdem beleuchtet das MEDICA TECH FORUM (Halle 11, Stand E 70) in diesem Jahr aktuelle Entwicklungen in der Intensivmedizin und ferner moderne Konzepte der Versorgung von in militärischen Einsätzen befindlichen verletzten Soldaten.

Die Entwicklung der „robotischen“ Operationen hat weltweit und auch in Deutschland deutlich zugenommen. Von 2004 bis 2009 hat zum Beispiel die Zahl der weltweit durchgeführten Prostatektomien (Teil-Entfernung der Prostata) mit dem „DaVinci“-System des US-Unternehmens „Intuitive Surgical Inc.“ von rund 10.000 auf etwa 90.000 zugenommen, die Zahl der Hysterektomien (Entfernung der Gebärmutter) zwischen 2005 und 2009 von unter 5.000 auf rund 70.000. In Deutschland waren es 2010 über 5.600 Eingriffe, wobei Prostatektomien mit knapp 89 Prozent die am häufigsten Operationen waren. Gleichwohl betrug der Anteil bei insgesamt 29.000 Prostatektomien im Jahr 2010 nur rund 17 Prozent. Noch geringer war der Anteil „robotischer“ Niereneingriffe (ca. 1,6 Prozent) oder der Harnblasen-Operationen (1,3 Prozent).

Als Vorteile der Eingriffe mit mechatronischen Assistenzsystemen gelten:
• eine unübertroffene Präzision chirurgischer Manipulationen auf kleinstem Raum,
• keine Ermüdungserscheinungen auch bei stundenlangen Eingriffen,
• eine geringere Abhängigkeit von den chirurgischen Fähigkeiten des Operateurs,
• ein geringeres Operationstrauma, also zum Beispiel weniger Blutverlust,
• ein verkürzter Klinikaufenthalt durch einen schnelleren Heilungsverlauf.

Ein Problem ist die Finanzierung klinischer Studien
Die bekannten Probleme sind zum einen die hohen Anschaffungs- und Betriebskosten. Nach Angaben des Homburger Urologen Professor Stefan Siemer kostet ein DaVinci-System für Prostatektomien rund 1,8 Millionen Euro, die „obligatorischen Wartungskosten“ pro Jahr betragen 150.000 Euro. Hinzu kämen pro Eingriff „1.500 Euro verbrauchsabhängige Kosten (etwa Pinzetten und Scheren). Zum anderen fehlten „wirkliche“ Indikationen für die „robotischen“ Operationen: Es gebe, so das Argument, keinen operativen Eingriff, der nicht auch auf konventionellem Wege mit gleichem, wenn nicht sogar mit besserem Ergebnis möglich sei.

Immer wieder kritisiert wird zudem ein Mangel an Studien, die eindeutig belegen, dass die Patienten wirklich profitieren. Der Nachweis des Patienten-Nutzens sei allerdings auch sehr schwierig zu führen, erklärt Professor Jörg Schipper, Chefarzt der HNO-Klinik der Universität Düsseldorf sowie Präsident der  „Deutschen Gesellschaft für Computer- und Roboter-Assistierte Chirurgie“ (CURAC). Im Rahmen der MEDICA 2011 leitet Schipper beim MEDICA TECH FORUM am Mittwoch (16.11.) die englischsprachige Veranstaltung „Mechatronic assistance in surgical procedures“.

Der finanzielle Aufwand für große klinische Studien sei für die in Deutschland überwiegend mittelständischen Medizintechnik-Unternehmen einfach zu groß, erklärt der HNO-Spezialist.  Auch die  Krankenkassen kämen angesichts steigender Beiträge nicht als „Financiers“ in Frage, zumal Forschungsförderung auch nicht ihre Aufgabe sei. Was bleibt, ist die Hoffnung auf Unterstützung seitens des Staates. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe, so Schipper, immerhin die enorme volkswirtschaftliche Bedeutung der innovativen Medizintechnik-Industrie erkannt und dies letztes Jahr während ihres MEDICA-Besuches sogar ausdrücklich betont. Eine Option könne auch die Einrichtung eines speziellen Fonds zur Forschungs-Förderung sein, in den die Unternehmen einzahlten, schlägt der Düsseldorfer Chefarzt vor.

Extrem hohe Anforderungen an die Sicherheit
Die Entwicklung mechatronischer Assistenzsysteme und der Nachweis eines „Patienten-Nutzens“ sind zudem nicht nur aus finanziellen Gründen ein überaus schwieriges Geschäft. Denn nicht alle Chirurgen haben ein Interesse daran, eine innovative Technik einzusetzen, die die Chancen auf eine Differenzierung im Wettbewerb untereinander vermindern könnte. Die Ergebnisse von Eingriffen mit mechatronischen Assistenzsysteme sind im Vergleich zu denen herkömmlicher Operationen weniger abhängig von den individuellen Fähigkeiten eines Operateurs. Es handele sich eben, so Schipper im Vorgriff auf seinen MEDICA-Vortrag, um eine „nivellierende Technik“. Darüber hinaus sind heute die Anforderungen an die Systeme enorm. Es genüge längst nicht mehr, nur zu belegen, dass ein Eingriff mit einem solchen System möglich sei. Heute müsse auch belegt werden, dass der Eingriff für den Patienten absolut sicher sei. Dies klingt vielleicht banal, bedeutet aber, dass für jeden noch so kleinen „Zwischenfall“ während der Operation eine sichere Problemlösung definiert sein muss. Der Patient dürfe zu keinem Zeitpunkt mehr gefährdet sein als bei einer konventionellen Operation. Die Entwicklung mechatronischer Assistenzsysteme orientiert sich daher derzeit stark an dem Ziel, den Patienten noch mehr Sicherheit zu gewährleisten. Zu den Trends zählen daher vor allem:

• die Miniaturisierung, wodurch ein noch geringeres OP-Trauma und kürzere Liegezeiten ermöglicht werden sollen. Die Miniaturisierung der Systeme ist ausserdem sinnvoll, weil „der Raum im Operationssaal, insbesondere nahe am Patienten, begrenzt ist“, schreiben Professor Dr. Hubertus Feußner von der TU München und seine Kollegen in in der Zeitschrift „Der Onkologe“ (2011. 17: 384–394).
• eine verbesserte Visualisierung und mehr Informationen für eine optimale Navigation. Eine relativ neues optisches Verfahren ist da laut Schipper zum Beispiel die optische Kohärenztomografie. Sie ermöglicht die Darstellung von Gewebestrukturen bis zu einer Tiefe von einigen Millimetern. Ähnlich wie beim Ultraschall werden dabei Schnittbilder senkrecht zur Oberfläche erzeugt. Es lassen sich jedoch ca. 100-fach kleinere Strukturen darstellen, also auch Objekte mit einer Größe unter 10µm. Damit könne man quasi durch Gewebe schauen, etwa durch das Trommelfell, erklärt Schipper. Zu den technischen Neuentwicklungen mit dem Ziel einer verbesserten Visualisierung zählt u. a. auch der HD-Kamera-Kopf „H3-M COVIEW“ des Tuttlinger Unternehmens Karl Storz (MEDICA-Aussteller/ Halle 10, Stand C 22). Der HD-Kopf ermöglicht es zum Beispiel allen Mitglieder eines OP-Teams, die Videoaufnahmen des Eingriffes in H(igh)D(efinition)-Qualität zu verfolgen.
• neue Ablations-Verfahren, die noch gewebeschonender sind als bisherige Verfahren. Zu diesen neuen Techniken zählen verschiedene Lasersysteme und auch das selektive Schneiden mit Ultraschall (Piezochirurgie), eine mikrochirurgische Technik, die in der Zahnmedizin bereits eingesetzt wird. Sie ermöglicht eine Schnittführung im Bereich von 60 bis 200 Mikrometern, bei der nur wenig Knochensubstanz verloren geht und Weichteilgewebe verschont bleibt.
 
Ein starker Impuls für die „Operationsrobotik“ werde sich auch von Interventionen erhofft, die ohne mechatronische Unterstützungssysteme überhaupt nicht möglich seien, erklärt Feußner. Ein Stichwort in dem Zusammenhang: „NOTES“ („natural orifice transluminal endoscopic surgery“). Das vor wenigen Jahren entwickelte NOTES-Konzept sieht vor, natürliche Körperöffnungen als operative Zugangswege zu nutzen. Dazu werden flexible Endoskope über Mund, Rektum, Vagina oder Blase etwa in den Bauchraum eingeführt. Sehr rasch sei aber „bei der praktischen präklinischen Evaluation eine ganze Reihe praktischer Barrieren identifiziert“ worden, „die einen umfassenden klinischen NOTES-Einsatz noch verhindern“, schreibt Feußner. Die anfängliche Euphorie sei - wie so oft bei neuen OP-Techniken - inzwischen etwas verflogen, sagt auch Schipper. „Weitere technische Innovationen lassen allerdings erwarten, dass die Operationsrobotik der zweiten Generation eine sehr viel größere Akzeptanz in den operativen Fächern als bislang gewinnen wird“, prognostiziert Feußner.

Von wegen „Barfußmedizin“ – der Wandel der Wehrmedizin
Ebenfalls im Rahmen des MEDICA TECH FORUM gibt es eine Veranstaltung zu einem medizinischen Gebiet, in dem komplexe Technik und technische Innovationen ebenfalls feste Bestandteile der Versorgung sind. Denn das, was heute Intensivmediziner, Chirurgen und ihre Mitarbeiter in militärischen Krisengebieten leisten müssen, um Verletzte optimal zu versorgen, ist äußerst anspruchsvoll.  Mit „Barfußmedizin“, wie man früher noch die Arbeit des Bundeswehrsanitätsdienstes etwas abschätzig bezeichnete, habe die Arbeit der Ärzte und Sanitäter in Afghanistan oder auch in anderen Krisengebieten wahrlich nichts zu tun, sagt Oberstarzt Professor Lorenz Lampl, Chef der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin des Bundeswehrkrankenhauses in Ulm. Lampl: „Es ist uns glücklicherweise gelungen, mit viel Arbeit und Fleiß in den Fachgesellschaften einen soliden Stand zu erarbeiten.“ Der Sanitätsdienst der Bundeswehr werde heute ernst genommen, sagt der Intensivmediziner, der beim MEDICA TECH FORUM die Veranstaltung „Special concepts in military rescue and in disaster medevac" leitet.

Die große Akzeptanz - national wie auch international - habe sich der Bundeswehrsanitätsdienst hart erarbeiten müssen, durch Einsätze im Kosovo etwa und durch intensive Schulungen, wie Lampl erklärt. Viel gelernt habe man von den Kollegen anderer Armeen, etwa den US-Amerikanern, Kanadiern, Briten und Franzosen. Heute steht das moderne Konzept bzw. die so genannte Rettungskette, mit der sichergestellt wird, dass verletzte Bundeswehrangehörige oder auch Zivilpersonen so sicher und schnell wie möglich optimal versorgt werden. Wie dieses Konzept und die Rettungskette konkret aussehen, ist Thema der MEDICA-Vorträge von Lampl und seinen Bundeswehr-Kollegen Dr. Björn Hossfeld, Dr. Sebastian Hentsch und Dr. Thomas Dietze.

Ganz am Anfang steht die „Stabilisierung vor Ort“, also die Sicherung der Vitalfunktionen und selbstverständlich die Blutungskontrolle. Ziel ist, den Verletzten so schnell wie möglich zur endgültigen Versorgung ausfliegen zu können. Hierfür verfügt die Bundeswehr über spezielle Lazarett-Airbus-Flugzeuge mit jeweils 49 Therapie-Plätzen, darunter sechs vollwertige Intensivbehandlungs-Plätzen. Die Verletzungen, die die behandelnden Ärzte und Ärztinnen vor Ort im Rettungszentrum versorgen müssen, können ausgesprochen komplex sein. Zum einen handelt es sich um Verletzungen, die nichts mit militärischen Auseinandersetzungen zu tun haben, zum Beispiel Verletzungen bei Verkehrsunfällen, zum anderen um Verletzungen bei kriegerischen Auseinandersetzungen oder Sprengstoff-Anschlägen. Relativ typisch sei laut Lampl zum Beispiel, dass die betroffenen Soldaten keine oder nur geringe Verletzungen im Bereich von Thorax und Abdomen hätten, da sie Schutzwesten trügen. Aber bei den typischen Sprengstoff-Anschlägen komme es durch die Druckwelle der Explosionen immer wieder zu Lungenschäden, durch die enorme Hitzeentwicklung zu Gesichtsverbrennungen und - wenn der Betroffene weggeschleudert wird - auch zu Dezelerations-Traumen (komplexe Organverletzungen nach Stürzen aus Höhen).

Äußerst kompliziert zu behandelnde Schuss-Verletzungen, etwa Mehr-Höhlenverletzungen, sind, wenn keine Schutzweste getragen wird, auch möglich. Solche Verletzungen sind natürlich nicht allein eine Herausforderung für die Chirurgen vor Ort, sondern auch für die Intensivmediziner im Einsatzgebiet und auch während des Lufttransportes.

Was heute Anästhesie und Intensivmedizin zu leisten vermögen, welche neuen Konzepte und Trends es gibt, ist Thema der dritten, ebenfalls englischsprachigen Veranstaltung beim MEDICA TECH FORUM.  Geleitet wird die Freitags-Veranstaltung mit Schwerpunkten wie kardiovaskuläres Monitoring und Beatmungsentwöhnung bei kritisch Kranken von Professor Hugo Van Aken, Leiter der Abteilung für Intensivmedizin und Anästhesiologie der Universitätsklinik Münster.

Auch aus den Programmbeiträgen zum MEDICA TECH FORUM, die nachmittags jeweils von den Industrieverbänden ZVEI und SPECTARIS inhaltlich ausgestaltet werden, ist ein internationaler Vortrag hervorzuheben. Unter dem Thema „Telehealth compared internationally“ vergleicht Martin Braecklein, der bei Bosch Healthcare auf internationaler Ebene Telemedizin-Projekte koordiniert, die je nach Land teils sehr unterschiedlichen Ansätze einer erfolgreichen Implementierung telemedizinischer Lösungen in Behandlungsabläufe. Dieses englischsprachige Seminar findet statt am Mittwoch (16.11.) von 14:30 bis 15:00 Uhr.

Die weiteren deutschsprachigen Vorträge des MEDICA TECH FORUM, die unter Federführung von ZVEI und SPECTARIS nachmittags und am Samstag (19.11.) stattfinden, reichen inhaltlich von eher allgemeinen Themen wie dem richtigen Anwendertraining zum effektiven Einsatz neuer Medizintechnik oder der Optimierung von Krankenhaus-Prozessen mittels innovativer Technologien bis hin zu speziellen Aspekten, etwa dem Schutz vor „Schadsoftware in der Medizintechnik“.

Informationen zur MEDICA 2011, zum MEDICA Kongress sowie alle Programme der Themenparks und Foren, z. B. MEDICA TECH FORUM, sind online abrufbar unter: http://www.medica.de

Autor: Dr. Thomas Kron, Freier Medizinjournalist (Worms)

Messe Düsseldorf GmbH
Pressereferat MEDICA 2011
Martin-Ulf Koch/ Larissa Browa (Presseassistenz)
Tel. +49(0)211-4560-444/ -549
FAX +49(0)211-4560-8548
E-Mail: kochm@messe-duesseldorf.de

fa09d – Düsseldorf, 01. September 2011
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