"Die kopieren doch alles" - "Nur Konzerne können sich dort niederlassen" - "China kann man auch von Deutschland aus bedienen." So oder ähnlich klingen die Vorurteile gegen den weltweit größten Markt für Produktionstechnik. Dagegen sprechen die Erfahrungen eines mittelständischen Unternehmens aus Deutschland, dessen hochpräzise Messtechnik Hersteller und Anwender aus der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrt sowie dem Maschinenbau schätzen.
Wenzel Measuring Machines (Shanghai) Co. Ltd., No. 401, Xiang Hua Qiao East Road, Qingpu Industrial Park, Shanghai
Hinter dieser Adresse verbirgt sich die erfolgreiche Auslandstochter der Wenzel Group GmbH & Co. KG aus Wiesthal (Spessart). Doch bis dahin war es ein langer Weg. Für das Familienunternehmen war der Gang nach China ein riesiger, mutiger aber erfolgreicher Schritt.
Wenzel ist ein klassischer Hersteller von Messmaschinen, der sich zum Systemlieferanten der gesamten Lösung einer messtechnischen Aufgabe weiterentwickelt hat. Die Technik aus dem Spessart ist auch im Zusammenspiel mit Werkzeugmaschinen (WZM) gefragt. "Unser vielseitiges Portfolio an Messgeräten bietet Lösungen für nahezu alle Messaufgaben. Von A wie Achsmessung bis Z wie Zahnradmessung.", erklärt Dirk Richard, Gesamtleiter Produktion. "Bei uns entsteht auch die Software in eigener Regie, die sich als Türöffner für Folgeprojekte bewährt hat." Die Messtechnik lässt sich mit unterschiedlichsten berührenden und berührungslos arbeitenden Tastsystemen kombinieren.
Windenergieanlagen sorgten für Aufwind
Das Familienunternehmen, nach eigenen Angaben einer der Weltmarktführer der Koordinaten- und Verzahnungsmesstechnik, hat sich unter anderem einen Namen bei der Prüfung von rotationssymmetrischen verzahnten Komponenten gemacht. Im wahrsten Sinne Aufwind erhielt dieses Geschäft mit dem Boom bei Windenergieanlagen und deren gigantischen Zahnrädern.
Zu den neuesten Entwicklungen zählen das optische Highspeed Messsystem Core für die automatische und berührungslose Qualitätssicherung von Serienteilen in der direkten Produktionsumgebung und die neue Generation industrieller Computertomographen exaCT S und exaCT M zum räumlichen Röntgen und Messen von Bauteilen (Durchmesser: bis zu 250 Millimeter; Höhe: maximal 300 Millimeter).
Die EMO Hannover 2011 spielt auch für den Produktionsleiter eine wichtige Rolle. Richard: "Die EMO birgt ein sehr hohes Innovationspotenzial an neuen Produktionssystemen, mit denen wir die Produktivität und Effizienz unserer Prozesse weiter verbessern können."
Kennenlernen der Mentalität und Gepflogenheiten
Vertriebspartner verkaufen bereits seit 1999 exklusiv Wenzel-Produkte in China. Sechs Jahre später beschließt die Familie Wenzel, in dem Land der Mitte zu investieren. Das Unternehmen versprach sich unter anderem eine Steigerung des Bekanntheitsgrades und kürzere Lieferzeiten. "Der chinesische Markt umfasst heute etwa 2 500 Messmaschinen", sagt der Produktionsleiter. "Anfangs mussten wir viel über die chinesischen Mentalität und Gepflogenheiten lernen. So erschienen plötzlich Arbeiter nach dem Neujahrsfest nicht mehr, weil sie anscheinend in einem anderen Unternehmen bessere Konditionen vorgefunden hatten." Wenzel steuerte mit einem exzellenten Arbeitsumfeld und einer ausgewogenen Lohnpolitik dagegen, was sich schnell positiv auf die Fluktuationsrate auswirkte. Mittlerweile verfügt das Unternehmen über eine Stammmannschaft mit langjähriger Betriebszugehörigkeit.
2007 bis 2008 baute Shanghai eine eigene Produktlinie auf, die für China lokalisiert wurde. Außerdem wurde das Wenzel-Produktionssystem eingeführt. 2009 startete dann das "local sourcing". Wenzel hat sehr gute Erfahrungen mit chinesischen Einkäufern gemacht, die das Unternehmen in Deutschland geschult und in das "global sourcing" eingebunden hat. 2010 folgte schließlich die komplette Verlagerung der Produktion von Komponenten des Koordinatenmessgerätes der Baureihe XO, die überwiegend im asiatischen Markt vertrieben wird.
Das Verlagern geschah nach einem Stufenmodell: Wenzel startete mit dem Export von komplett montierten Maschinen, führte die Montage von Komponenten von teilweise beziehungsweise komplett zerlegten Anlagen (SKD/CKD) ein. Das Stufenmodell reduziert das Qualitätsrisiko und überfordert nicht die Organisation. Bewährt hat es sich, die Produktionsstandards in Deutschland zu entwickeln und dann nur die sicheren Prozesse zu verlagern. Heute montiert und beschafft Wenzel vor Ort. "Wir exportieren heute nur noch die Bauteile und Bestandteile nach Shanghai, die für die hohe Genauigkeit nötig sind", sagt Richard.
Von Shanghai in den asiatischen Markt
Wie schützt sich Wenzel aber vor Produktpiraten? "Die neueste Technologie bleibt in Deutschland", erläutert der Produktionsleiter. "Unser geflügelter Satz dazu lautet: Alles, was man sieht, ist aus China. Alles, was man nicht sieht, kommt aus Wiesthal." Dazu zählen unter anderem Feinmechanik, Antrieb und Software. Die Produkte aus Shanghai kommen an. Richard: "Zur Zeit beliefern wir von Shanghai aus ganz Asien."
Der Mittelständler konnte viele Erfahrungen rund um die Produktionsverlagerung machen. Vor Produktpiraterie schützt eine 100prozentige Auslandstochter, die von Deutschen mit guten chinesischen Sprachkenntnissen geleitet wird. Chinesen mit europäischer Auslandserfahrung leiten die Produktion. Als Geschäftssprache mit Kunden hat sich Englisch bewährt.
China: kein Markt für Low-tech
Alles in allem: Die Produktion in China kann sich sehen lassen. So läuft auch die Qualitätssicherung der Produktion (beispielsweise die Bearbeitung der Granitmesstische) nach strengem, deutschen Wenzel-Standard ab, auf die auch Abnehmer im Land Wert legen. Richard: "China ist schon längst kein Markt mehr für Low-tech."
Hintergrund:
Wenzel Measuring Machines (Shanghai) Co. Ltd., Shanghai (China)
Das im Jahr 2005 gegründete Unternehmen ist eine 100prozentige Tochtergesellschaft der Wenzel Group GmbH & Co. KG aus Wiesthal (Spessart), in Deutschland das einzige Familienunternehmen der Messtechnik-Branche (600 Mitarbeiter). Wenzel ist nach eigenen Angaben weltweit die Nummer vier der Branche und rangiert in Deutschland an der zweiten Stelle. Zu den Spezialitäten zählen: 3D-Koordinatenmesstechnik, Verzahnungsmesstechnik, Messsoftware, Highspeed Mess- und Digitalisiersysteme, Reverse Engineering sowie Computertomographie. Shanghai übernimmt die Endmontage von Koordinatenmessgeräten der neuen Baureihe XOrbit, die für den asiatischen Markt bestimmt sind, und betreut den chinesischen Markt.
EMO Hannover 2011 - Weltleitmesse der Metallbearbeitung
Vom 19. bis 24. September 2011 präsentieren internationale Hersteller von Produktionstechnologie "Werkzeugmaschinen und mehr" auf der EMO Hannover 2011. Die Weltleitmesse der Metallbearbeitung zeigt die gesamte Bandbreite moderner Metallbearbeitungstechnik, die das Herz jeder Industrieproduktion ist. Gezeigt werden neueste Maschinen plus effiziente technische Lösungen, Produkt begleitende Dienstleistungen, Nachhaltigkeit in der Produktion u.v.m. Der Schwerpunkt der EMO liegt bei spanenden und umformenden Werkzeugmaschinen, Fertigungssystemen, Präzisionswerkzeugen, automatisiertem Materialfluss, Computertechnologie, Industrieelektronik und Zubehör. Die Fachbesucher der EMO kommen aus allen wichtigen Industriebranchen, wie Maschinen- und Anlagenbau, Automobilindustrie und ihren Zulieferern, Luft- und Raumfahrttechnik, Feinmechanik und Optik, Schiffbau, Medizintechnik, Werkzeug- und Formenbau, Stahl- und Leichtbau. Die EMO Hannover ist der wichtigste internationale Treffpunkt für die Fertigungstechnik weltweit. Zuletzt präsentierten sich 2007 in Hannover 2 120 Aussteller auf rd. 180 200 m² Nettoausstellungsfläche. Sie zogen 166 500 Fachbesucher aus 80 Ländern an. EMO ist eine eingetragene Marke von CECIMO, dem europäischen Werkzeugmaschinenverband.
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Metallbearbeitung im Jahr 2011 - EMO Hannover 2011 als Weltleitmesse der MetallbearbeitungThemenspecial | 18.8.2011
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Metallbearbeitung im Jahr 2011 - EMO Hannover 2011 als Weltleitmesse der MetallbearbeitungThemenspecial | 18.8.2011