Umwelttechnologien - Deutschlands beste Jahre in nachhaltiger Entwicklung kommen noch
Die Börse München hat ihr Jubiläum unter das Motto „Zeitenwende“ gestellt. Zeitenwende bedeutet ja, dass sich etwas ändern wird oder ändern muss. Darauf kann man unterschiedlich reagieren. Man kann gedrückt sein von dem, was alles zu tun ist. Man kann aber auch fasziniert sein, was alles getan werden kann und dass wir in einer Zeit leben, in der wir etwas tun können. Denn heute werden die Weichen für die Zukunft gestellt, auch wenn dies nach einer typischen Politphrase klingt. In 50 Jahren wird man in Geschichtsbüchern vielleicht lesen, dass wir, unsere Generation, es versäumt haben, die Weichen zu stellen, oder aber man wird rückblickend feststellen, dass wir einen Kraftakt vollzogen haben und sich die europäische Gesellschaft in eine bestimmte Richtung entwickelt hat.
Zeitenwende. Wie ist unsere Vorstellung von Wachstum und wirtschaftlicher Entwicklung bisher, und was sind die Bedingungen in der Zukunft? Hier haben wir es mit einer echten Zäsur zu tun. Das Wachstum in der Vergangenheit beruhte seit der Industrialisierung auf dem Verbrauch von Energie, von natürlichen und endlichen Ressourcen. Je mehr verbraucht wurde, desto mehr Wohlstand war vorhanden, so die einfache Definition. Wachstum war mit Verbrauch, mit dem Hunger nach Ressourcen gekoppelt. Aber es handelte sich dabei fast ausnahmslos um endliche Ressourcen. Auch der Verbrauch von CO2 ist in Wahrheit ein Ressourcenproblem: Wir haben, wenn die Erderwärmung nicht außer Kontrolle geraten soll, so etwas wie einen Deponieraum von 750 bis 850 Gigatonnen in der Atmosphäre – ein limitiertes Aufnahmevolumen für CO2. Wenn wir diesen Kredit, diesen Deponieraum, überschreiten, wird eine Erderwärmung die Folge sein, die außer Kontrolle gerät. Die Konsequenzen sind zumindest erahnbar und nur mit gigantischen volkswirtschaftlichen Aufwendungen zu reparieren, wenn sie überhaupt repariert werden können.
Weil der Verbrauch von Ressourcen immer weiter geht und der Deponieraum immer mehr gefüllt wird, führt ein Wachstumskonzept, das auf dem Verbrauch von Endlichkeit beruht, schon per se in eine Sackgasse. Seit mindestens 20 Jahren steht fest, dass wir mehr verbrauchen, als unser Planet regenerieren kann. Wir leben von der Substanz. Genauso wie wir das Finanzkapital der nächsten Generation durch übermäßige Staatsverschuldung für unseren Konsum bereits aufgezehrt haben. Wir zahlen 40 Milliarden Euro Zinsen pro Jahr bei einem Haushalt von nur etwas mehr als 300 Milliarden Euro. Die Neuverschuldung von 48 Milliarden Euro im Jahr 2010 dient fast ausschließlich der Refinanzierung der Zinslast. 80 Milliarden sind der Steuerzuschuss zur Finanzierung des heutigen Rentenproblems am Fuße der demografischen Revolution. Bei den natürlichen Ressourcen ist es ähnlich: Wir verbrauchen mehr, als wir regenerieren. Die tief hängenden Früchte sind abgeerntet, wir müssen heute weit höhere Risiken eingehen, um Ressourcen zu heben, wie etwa die Tiefenbohrung im Golf von Mexiko belegt. [...]
Den vollständigen Bericht, basierend auf einem Vortrag von Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen finden Sie als PDF-Datei im Anhang!
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Dr. Christine BortenlängerBayerische Börse Aktiengesellschaft München | Mitglied der Geschäftsführung der Börse München, Vorstand der Bayerische Börse AG


