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Nachhaltige Geldanlagen Anbieter

Winfried Felser
Frage von Dr. Winfried Felser, NetSkill AG zu Nachhaltige Geldanlagen - Kompetenzführer und Pioniere vorgestellt | 6.2.2012, 0:00:48 Nachhaltige Geldanlagen Anbieter

Nach Fukushima und anderen Katastrophen könnte man meinen, dass sich die Finanzbranche im fundamentalen Wandel befände. Große Unternehmen schreiben sich „Nachhaltigkeit“ in Großbuchstaben auf ihre Brust und Kombinationen mit „Green …“ und Co. schmücken die Produktpaletten vieler Anbieter. Befasst man sich jedoch näher mit einzelnen Unternehmen finden sich manchmal kaum mehr als ein paar Fonds oder andere Produkte, die das Label „Nachhaltigkeit“ wirklich verdienen. Haben wir nichts dazugelernt?

Ist Nachhaltigkeit am Ende vielfach doch noch aktuell vor allem eine Marketing-Maßnahme (Green Washing), zur Ansprache von Gutmenschen, ein Trend, auf den man als Finanzunternehmen aufspringen muss oder besteht doch die Hoffung, dass sich die Branche in der Breite nachhaltig(er) ausrichtet? Wie ideologisch muss man Ihrer Meinung nach als Anbieter das Thema „angehen“?

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  • Erol Bilecen
    Antwort von Erol Bilecen, Bank Sarasin & Cie AG zu Nachhaltige Geldanlagen Anbieter von Dr. Winfried Felser | 6.4.2012, 9:54:44 RE: ( 19 ) Nachhaltige Geldanlagen Anbieter

    Der positive Teil meiner Antwort ist: Es hat sich in den letzten zehn Jahren schon einiges bewegt. Wenn ich an meine Zeit als Analyst zurückdenke, da gab es Unternehmen, die auf meine Fragen damals nicht mal ansatzweise antworten konnten. Das hat sich sicherlich verbessert. Und um einen Schritt weiterzugehen: Hier haben... mehr

    Der positive Teil meiner Antwort ist: Es hat sich in den letzten zehn Jahren schon einiges bewegt. Wenn ich an meine Zeit als Analyst zurückdenke, da gab es Unternehmen, die auf meine Fragen damals nicht mal ansatzweise antworten konnten. Das hat sich sicherlich verbessert. Und um einen Schritt weiterzugehen: Hier haben heute sogar manche Unternehmen den Staaten einiges voraus. Regierungen haben in den 90er Jahren noch aktiv in Richtung Nachhaltigkeit gearbeitet (Rio und Kyoto-Protokoll), doch heute ist die Luft leider größtenteils draußen, weil für viele Politiker Kurzfristigkeit entscheidender ist. (Das ändert sich meistens erst dann, wenn sie sich aus dem Politikbetrieb zurückziehen.)

    Andererseits, und hier kommt der Wermutstropfen, haben Sie mit ihrer Eingangsbeobachtung leider auch recht: Es wird von vielen geschummelt, getrickst und gelogen, dass sich die Balken biegen. Dabei ist es ganz besonders schmerzhaft, wenn man in vielen Diskussionen in den gleichen Topf geworfen wird.

    Diese Finanzdienstleister zielen übrigens gar nicht auf die wirklich kritischen Geister, weil diese sie zu schnell durchschauen würden. Nein, die Kommunikation von Green, Sustainable und ähnlichen Attributen zielt auf den „eiligen Investor“, der sich nicht zu sehr in die Details einarbeiten will und die Broschüren ganz nett findet. Und wer kennt denn auch schon die ganzen Unternehmen, in die ein Fonds investiert? Ich habe einmal den Fall erlebt, dass ein Klimawandelfonds alleine in den Top 10 der Investments zwei Unternehmen aufgeführt hat, die schon auf der Startseite ihrer Hompeages technische Meisterleistungen der Rüstungstechnik angeboten haben. Was will man da noch sagen?

    Mein nüchternes Fazit aus der Reihe von Krisen und Blasen, die ich in den letzten 14 Jahren in dieser Branche miterlebt habe, lautet daher, dass sich die Branche als Ganzes nur dann wirklich Richtung Nachhaltigkeit aufmacht, wenn ihr von außen kritische Fragen nicht nur nach dem Wie, sondern auch dem Warum gestellt und Antworten eingefordert werden – am besten seitens der Kunden.

    Und zu Ihrer letzten Frage: Nachhaltiges Investment hat nichts mit Ideologie zu tun. Dorthin wird es gerne geschoben, gerade um den Status quo aufrechtzuerhalten. Aufgabe eines jeden Vermögensverwalters ist es, das Geld seiner Kunden in dessen bestem Interesse anzulegen. Diese fiduziäre Pflicht lässt sich einfach nicht mehr nur auf eine Prozentzahl reduzieren. Nur wer in die Managementleistung auch ökologische und soziale Aspekte einbezieht, kommt dieser Pflicht wirklich nach. Und jetzt kommt das Interessante: Sein Kunde und auch er fahren damit gemäss einer nun langjährigen Erfahrung und vieler wissenschaftlicher Studien finanziell besser. Nachhaltiges Investment ist für uns schlicht die intelligenteste Art des Geldverdienens.
  • Georg Schürmann
    Antwort von Georg Schürmann, Triodos Bank N.V. Deutschland zu Nachhaltige Geldanlagen Anbieter von Dr. Winfried Felser | 5.4.2012, 17:25:23 RE: ( 18 ) Nachhaltige Geldanlagen Anbieter

    Nachhaltigkeit muss autentisch sein. Die Menschen verstehen sehr schnell, ob es jemandem mit der Nachhaltigkeit erst meint. Dies wird in der Regel daran deutlich, wie man Nachhaltigkeit auch nach innen lebt. Die Triodos Bank ist z.B. bereits seit dem Jahr 2000 CO2-neutral. Für Dienstreisen nutzen wir die Bahn und für unsere... mehr

    Nachhaltigkeit muss autentisch sein. Die Menschen verstehen sehr schnell, ob es jemandem mit der Nachhaltigkeit erst meint. Dies wird in der Regel daran deutlich, wie man Nachhaltigkeit auch nach innen lebt. Die Triodos Bank ist z.B. bereits seit dem Jahr 2000 CO2-neutral. Für Dienstreisen nutzen wir die Bahn und für unsere Büros Strom aus erneuerbaren Energien. Wir wollen auch die Beziehung zum Kunden nachhaltig gestalten. Fairness und Transparenz ist für uns eben auch in der Kundenbeziehung von Bedeutung. So haben wir keine Lockvogel-Angebote. Neukunden und Bestandskunden erhalten den gleichen Zins für ihr Tagesgeld. Die Menschen können sehr wohl erkennen, wenn es einem Anbieter von nachhaltigen Produkten nur um den Gewinn geht.

    Wir sehen aber, dass sich immer mehr Finanzunternehmen mit Fragen der Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Dies ist grundsätzlich eine gute Entwicklung, da dadurch die nachhaltige Geldanlage immer mehr zum Thema wird. So bieten einige Sparkassen und Volksbanken nun auch Nachhaltigkeitsfonds oder sogar nachhaltige Sparprodukt an. Dies ist eine erfreuliche Entwicklung. Dies erinnert dran, dass man heute Bio-Lebensmittel in jedem Discounter und Supermarkt findet. Dies wäre vor 10 Jahren noch undenkbar gewesen. Eine ähnliche Entwicklung ist auch für die nachhaltige Geldanlage zu erwarten
  • Klaus Tischhauser
    Antwort von Klaus Tischhauser, responsAbility Social Investments AG zu Nachhaltige Geldanlagen Anbieter von Dr. Winfried Felser | 5.4.2012, 17:24:16 RE: ( 17 ) Nachhaltige Geldanlagen Anbieter

    Ich sehe das nicht ganz so negativ. Wir dürfen zwei Aspekte nicht vergessen. Einerseits hat sich bezüglich Nachhaltigkeit und Integration vieles so positiv entwickelt, dass es bezogen auf den Finanzmarkt mittlerweile Eingang z.B. in die ganz normale Finanzanalyse gefunden hat. Dabei hat es aber das Etikett Nachhaltigkeit verloren... mehr

    Ich sehe das nicht ganz so negativ. Wir dürfen zwei Aspekte nicht vergessen. Einerseits hat sich bezüglich Nachhaltigkeit und Integration vieles so positiv entwickelt, dass es bezogen auf den Finanzmarkt mittlerweile Eingang z.B. in die ganz normale Finanzanalyse gefunden hat. Dabei hat es aber das Etikett Nachhaltigkeit verloren und erfährt keine besondere Erwähnung mehr. Verschwunden sind diese Aspekte aber keineswegs. In die gleiche Kategorie gehört, dass sich grosse Themen wie erneuerbare Energien, Clean Tech oder Wasser als eigenständige Industrien oder Fokusthemen relativ schnell entwickelt haben. Auch dies bedeutet für den traditionellen Best-in-Class-Ansatz, dass etwas vom Attraktivsten bzw. Konkretesten auch wieder wegfällt. Übrig bleiben Produkte, die sich auf diesen – im Grunde institutionellen – Ansatz beschränken, der gerade bei privaten Investoren seine Grenzen hat.

    Der zweite Aspekt betrifft die Erwartungen, die man überhaupt an nachhaltige Anlagen bzw. die verschiedenen Ansätze haben kann. Hier gibt es Grenzen, vor allem, wenn man die traditionellen Komponenten des Investierens wie Risikomanagement berechtigterweise auch mitberücksichtigen will.

    Dass Unternehmen aktiv über ihre ‚Leistungen‘ bezüglich Nachhaltigkeit kommunizieren, sehe ich auch eher gelassen-positiv. Es bringt zum Ausdruck, dass sie sich bewusst sind, dass es ein Thema ist, das die Allgemeinheit interessiert, was ich schon einmal als grosse Verbesserung gegenüber früher ansehe. 

    Wird dann zu stark übertrieben oder gar Falsches vorgegaukelt, darf man sich in der heutigen Welt durchaus darauf verlassen, dass sich solches über längere Zeit nicht auszahlt, sondern früher oder später bekannt wird. Reputation wird als ‚Währung‘ für die öffentliche Gunst immer bedeutender und spielt daher eine wichtige regulierende Rolle. Wer übertreibt wird früher oder später abgestraft. Allerdings nicht immer gleich dann, wenn man es sich wünscht.

    Zur Frage wie ‚ideologisch‘ Anbieter das Thema angehen sollen oder wie sie sich grundsätzlich verhalten sollen, habe ich einen relativ pragmatischen Ansatz: Unternehmen sollten sich prmär an den Bedürfnissen ihrer Kunden orientieren. Wenn diese etwas nachfragen, sollten sie das ernst nehmen und sich entsprechend ausrichten. Die einen tun dies mehr, die anderen weniger. Besteht materielles Kundeninteresse, werden die einen profitieren, die anderen hinterher hinken. Ausserhalb der Produktepalette müssen sich heute Unternehmen – bisher vor allem grosse – vermehrt mit ihrer Rolle und Verantwortung in der Gesellschaft auseinander setzen. Wir leben in einer Epoche, in der viel Verantwortung, die bis anhin z.B. beim Staat lag, aufgrund von Kräfteverschiebungen langsam auf grosse Marktakteure übergeht. Diesbezüglich gibt es wiederum Unternehmen, die das früher erkennen. Sie werden in einer Welt in der es Wahlmöglichkeiten gibt – nicht nur aus Kundensicht, sondern auch aus Sicht von Investoren und Mitarbeitenden – tendenziell zu den Gewinnern gehören. Somit muss das Thema Nachhaltigkeit nicht ideologisch angegangen werden, sondern erscheint auch mit den üblichen Analyseinstrumenten eines auf langfristigen Erfolg ausgerichteten Unternehmens auf dessen Radarschirm.
  • Markward Kerstiens
    Antwort von Markward Kerstiens, Miller Forest Investment AG zu Nachhaltige Geldanlagen Anbieter von Dr. Winfried Felser | 5.4.2012, 16:08:39 RE: ( 16 ) Nachhaltige Geldanlagen Anbieter

    Ich glaube schon, dass wir etwas dazugelernt haben, nur wird sich dieser Wandel zum nachhaltigen Handeln und Wirtschaften nicht innerhalb von ein paar Jahren vollziehen. Genau so wie der Ausstieg aus der Atomindustrie mindestens ein Jahrhundert dauern wird, wird es auch in einem Wirtschaftssystem wie dem unseren, in... mehr

    Ich glaube schon, dass wir etwas dazugelernt haben, nur wird sich dieser Wandel zum nachhaltigen Handeln und Wirtschaften nicht innerhalb von ein paar Jahren vollziehen. Genau so wie der Ausstieg aus der Atomindustrie mindestens ein Jahrhundert dauern wird, wird es auch in einem Wirtschaftssystem wie dem unseren, in dem es seit dem achtzehnten Jahrhundert nur um Gewinnmaximierung ohne Rücksicht auf Ressourcen und Umwelt ging, viele Jahrzehnte dauern, bis ein durchgreifender Wandel stattgefunden hat.

    Das soll nicht entmutigen, denn irgendwann muss man ja mal anfangen und wir stehen immer noch am Anfang. Natürlich gibt es neben den Marktakteuren, die es Ernst mit der Nachhaltigkeit meinen, auch eine beträchtliche Anzahl, die sich nur grüne Feigenblätter umhängen und dieses nur für Ihre Vermarktung nutzen. Mit dieser Vorgehensweise wird man allerdings nur die, wie Sie sagen "Gutmenschen" erreichen können. Letztendlich entscheiden der Markt und die Verbraucher, ob sich nachhaltiges Wirtschaften durchsetzen wird.

    Wir gehen mit unserem Waldprojekt einen Weg, der das ideologisch wünschenswerte (ökologische und soziale Verbesserungen) mit dem wirtschafltich machbaren und vernünftigen (Nutzholzerzeugung und Rendite) miteinander kombiniert. Nur wenn wir auf beiden Ebenen etwas erreichen, kommen wir auch wirklich vorwärts.
  • Christof Lützel
    Antwort von Christof Lützel, GLS Gemeinschaftsbank eG zu Nachhaltige Geldanlagen Anbieter von Dr. Winfried Felser | 5.4.2012, 15:44:01 RE: ( 15 ) Nachhaltige Geldanlagen Anbieter

    Die steigende Nachfrage nach sozial-ökologischen Geldanlagen wirkt sich bereits auf die deutsche Bankenlandschaft aus. 1974 fand sich die GLS Bank als Solitär auf dem Markt. Doch die Konzepte und das Nachhaltigkeitsverständnis der Anbieter unterscheiden sich zum Teil tatsächlich noch erheblich voneinander. Ein Umstand,... mehr

    Die steigende Nachfrage nach sozial-ökologischen Geldanlagen wirkt sich bereits auf die deutsche Bankenlandschaft aus. 1974 fand sich die GLS Bank als Solitär auf dem Markt. Doch die Konzepte und das Nachhaltigkeitsverständnis der Anbieter unterscheiden sich zum Teil tatsächlich noch erheblich voneinander. Ein Umstand, der verdeutlicht wie wichtig Transparenz im grünen Investment ist. Interessierte Anleger sollten genau unter die Lupe nehmen, ob die Angebote dunkel- oder nicht doch eher „hell“-grün koloriert sind. Dunkelgrüne Angebote verfahren äußerst restriktiv bei der Auswahl ihrer Investitionen. So achtet die GLS Bank in einem mehrstufigen Auswahlverfahren auf die strikte Einhaltung ihrer Positiv- und Ausschlusskriterien.
    Eine Zusammenarbeit mit Unternehmen, die Menschenrechte verletzen, Kinderarbeit dulden oder ein kontroverses Umweltverhalten verfolgen wird konsequent ausgeschlossen. Und dies sind nur einige der Ausschlusskriterien. Zudem lassen wir uns buchstäblich in die Karten schauen und veröffentlichen jeden neu vergebenen Kredit in unserer Kundenzeitschrift, selbst unsere Eigenanlagen legen wir offen. So können unsere Kunden die Verwendung ihres Geldes detailliert überprüfen.

    Wiederkehrende Finanzkrisen, eine stetig wachsend soziale Schere und Naturkastrophen haben bei den Menschen bleibende Eindrücke hinterlassen. Die ersten Ansätze zu einer weiter verbreiteten nachhaltigen Ausrichtung sind zu erkennnen. Es geht in der Tat darum zu prüfen, wie ernsthaft ein Anbieter nachhaltiger Angebote sozial-ökologische Ziele tatsächlich verfolgt.

    Links:
  • Christoph Groß
    Antwort von Christoph Groß, LBBW Asset Management Investmentgesellschaft mbH zu Nachhaltige Geldanlagen Anbieter von Dr. Winfried Felser | 2.4.2012, 14:18:25 RE: ( 14 ) Nachhaltige Geldanlagen Anbieter

    Wir beobachten diesen Trend in den letzten 2-3 Jahren ebenfalls sehr kritisch. Wie eingangs beschrieben kann die LBBW Asset Management auf eine langjährige , erfolgreiche Historie und eine hohe Reputation bei Bestandskunden blicken und ist nicht - wie viele andere Wettbewerber es unkorrekterweise nennen – auf diesen... mehr

    Wir beobachten diesen Trend in den letzten 2-3 Jahren ebenfalls sehr kritisch. Wie eingangs beschrieben kann die LBBW Asset Management auf eine langjährige , erfolgreiche Historie und eine hohe Reputation bei Bestandskunden blicken und ist nicht - wie viele andere Wettbewerber es unkorrekterweise nennen – auf diesen „Trend“ aufgesprungen.

    Nachhaltigkeit ist aus unserer Sicht definiert als eine Kombination aus Glaubwürdigkeit, Transparenz und vor allem Kontinuität. Wir sehen Nachhaltigkeit als dauerhaften Prozess an und nicht als „Trend“, der gerade marketingmäßig „en vogue“ ist. Unsere Philosophie und gelebte Unternehmenskultur ist es, bei Kunden und Geschäftspartnern als zuverlässiger, langfristiger und vor allem glaubwürdiger Partner angesehen zu werden. Dies gilt gerade und vor allem im Bereich der nachhaltigen Kapitalanlagen.

    Es ist richtig, dass man in letzter Zeit das Gefühl hat, dass viele Wettbewerber bei neu aufgelegten Fonds im Bereich Nachhaltigkeit den Fokus nur auf eine schnell gewinnbringende Vermarktung legen und weniger auf die Qualität des Produkts. Um kurzfristiges Geschäftspotential zu heben, setzt man die gesamte Marketingmaschine in Gang, legt wenig Wert auf eine langfristig durchdachte und seriöse Strategie und ist an einer grundsätzlichen Veränderung wenig interessiert.
    Häufig findet man nur „alten Wein in neuen Schläuchen“, vor allem bei Strategien, die sehr lasche Kriterien als Maßstab nehmen. Es liegt daher zu Recht der Verdacht nahe, dass sich manche Wettbewerber dem Green Washing verschreiben. Glücklicherweise gibt es überwiegend positive Beispiele, sonst hätte sich der Markt für nachhaltige Kapitalanlagen in den letzen Jahren nicht so gut entwickelt.

    Aus meiner Sicht werden daher diejenigen Marktteilnehmer, die die notwendige Ernsthaftigkeit vermissen lassen und nur auf kurzfristige Gewinninteressen fokussiert sind, sich genauso schnell wieder vom Markt zurückziehen. Der Markt für nachhaltige Kapitalanlagen ist zwar hochinteressant und wächst dynamisch, das „schnelle Geld“ wird sich aber kurzfristig damit nicht verdienen lassen und widerspricht auch der Idee nachhaltigen Wirtschaftens. Ein mittel- bis langfristiger Horizont, eine hohe Produktqualität und eine klare Definition werden die Erfolgsfaktoren sein.

    Dies impliziert aber auch, dass die Entwicklung zu einer nachhaltigeren Ausrichtung der gesamten Branche wohl eher kontinuerlich und schrittweise ablaufen wird. Dies muss ja auch nicht im Widerspruch zur Entwicklung hin zu einer nachhaltiger ausgerichteten Branche stehen. Dies kann nur erreicht werden, wenn nachhaltiges Bewusstsein von den Entscheidern in den Unternehmen gelebt wird, als sinnvoller „Mehrwert“ erkannt und nicht nur als „Kostenblock“ angesehen wird und negative Verhaltensweisen der Vergangenheit bewusst hinterfragt werden. Zusammenfassend denke ich, dass zum einen sicherlich ein guter Schuß „Ideologie“ mit hineingehört, um den Stein der Veränderung ins Rollen zu bringen. Andererseits aber auch ein gesundes Maß an Pragmatismus, um mit auftretenden Widerständen umgehen zu können.

  • Florian Grohs
    Antwort von Dr. Florian Grohs, Oikocredit Deutschland zu Nachhaltige Geldanlagen Anbieter von Dr. Winfried Felser | 30.3.2012, 15:41:13 RE: ( 13 ) Nachhaltige Geldanlagen Anbieter

    Es gibt sicherlich viele Unternehmen, die sich mit Greenwashing eine weiße Weste erkaufen wollen. Ich persönlich halte diese Strategie für nicht sehr sinnvoll, denn früher oder später kommt ans Licht, was vertuscht werden sollte. Wir dürfen die Konsumenten und Anleger nicht unterschätzen. Durch das Internet und die sozialen... mehr

    Es gibt sicherlich viele Unternehmen, die sich mit Greenwashing eine weiße Weste erkaufen wollen. Ich persönlich halte diese Strategie für nicht sehr sinnvoll, denn früher oder später kommt ans Licht, was vertuscht werden sollte. Wir dürfen die Konsumenten und Anleger nicht unterschätzen. Durch das Internet und die sozialen Medien haben wir heute ein hohes Maß an Transparenz und es ist für Konsumenten viel leichter geworden, sich zu organisieren und die Unternehmen bloßzustellen oder zu boykottieren, die des Greenwashings überführt werden. Bei Oikocredit sind wir diesbezüglich in der glücklichen Lage, dass wir genossenschaftlich organisiert sind. Viele unserer Anleger, auch hier in Deutschland, bringen sich aktiv in die Genossenschaft ein und bestimmen die Geschäftspolitik mit. Die starke Mitbestimmung und Beobachtung durch unsere Anleger verhindert Greenwashing schon im Ansatz.

  • Andrew Murphy
    Antwort von Andrew Murphy, Murphy&Spitz Umwelt Consult GmbH zu Nachhaltige Geldanlagen Anbieter von Dr. Winfried Felser | 22.3.2012, 17:14:01 RE: ( 12 ) Nachhaltige Geldanlagen Anbieter

    In der Gesellschaft ist ein grundsätzlicher Trend hin zu mehr individueller Verantwortung und einer nachhaltigen Lebensweise zu beobachten. Das Bewusstsein hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Ich denke, da ist es völlig in Ordnung und nachvollziehbar, dass möglichst Viele an dem Erfolg einer großartigen Idee... mehr

    In der Gesellschaft ist ein grundsätzlicher Trend hin zu mehr individueller Verantwortung und einer nachhaltigen Lebensweise zu beobachten. Das Bewusstsein hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Ich denke, da ist es völlig in Ordnung und nachvollziehbar, dass möglichst Viele an dem Erfolg einer großartigen Idee teilhaben wollen. Das heißt aber noch lange nicht, dass die großartige Idee sich auch bei allen wirklich niederschlägt, dass alle sie auch wirklich praktizieren. Für die Anleger bedeutet das, dass sie genau hinsehen müssen, was Nachhaltigkeit denn bei dem jeweiligen Anbieter von Geldanlagen bedeutet: eine rein auf Werterhalt angelegte Strategie? Eine Auswahl der Anlageziele nach dem Best-In-Class-Ansatz, der aus allen Branchen die jeweils nachhaltigsten Unternehmen auswählt, egal ob Rüstungs- oder Luftfahrtunternehmen? Oder gibt es klare Ausschluss- und / oder Positivkriterien?

    Hinsichtlich der Ideologie kann ich nur für Murphy&Spitz sprechen - Murphy&Spitz steht für Nachhaltiges Investment aus Überzeugung. Wir haben eine klare Definition, was Nachhaltiges Investment bedeutet. Nachhaltig Investieren heißt, in Branchen und Themen zu investieren, die einen gesellschaftlichen und ökologischen Mehrwert schaffen; Die den eigentlichen Sinn des Begriffes Nachhaltigkeit leben, nämlich erfolgreich zu wirtschaften, indem sie der Begrenztheit natürlicher Ressourcen Rechnung tragen und einen Beitrag zur nachhaltigen ethisch-ökologischen Entwicklung leisten. Dies sind bspw. Erneuerbare Energien, Nachwachsende Rohstoffe, Energieeffizienz, Gesundheit, nachhaltige Verkehrstechnik, Naturkost, ökologisches Bauen und Wasser. Murphy&Spitz investiert ausschließlich nach dem Best-Of-Class-Ansatz in die besten Unternehmen dieser Branchen. Ein Investment in das nachhaltigste Luftfahrtunternehmen oder in den Atomkraftwerksbetreiber, der nun auch einen Windpark plant, ist in unseren Augen kein Nachhaltiges Investment. Unsere Ausschlusskriterien wie auch die Positivkriterien sind klar definiert und für jeden auf unserer Internetseite www.murphyandspitz.de nachzulesen.

    Unsere Anleger kommen zu uns, weil sie genau diese Auslegung von Nachhaltigkeit suchen, weil sie mit ihrem Geld nicht nur Geld verdienen wollen, sondern auch etwas Positives bewirken wollen.

  • Michael P. Sommer
    Antwort von Michael P. Sommer, BANK IM BISTUM ESSEN eG zu Nachhaltige Geldanlagen Anbieter von Dr. Winfried Felser | 23.2.2012, 9:57:37 RE: ( 11 ) Nachhaltige Geldanlagen Anbieter

    Es macht keinen Sinn, das Thema dogmatisch oder mit ideologischen Scheuklappen anzugehen. Entscheidend ist erstens, sich darüber im Klaren zu sein, daß es sich hierbei um einen Weg handelt und zweitens dieser Weg einer ständigen Nachjustierung bedarf. Es gibt keine zertifizierte Ethik und bei der Frage, sich nachhaltig... mehr

    Es macht keinen Sinn, das Thema dogmatisch oder mit ideologischen Scheuklappen anzugehen. Entscheidend ist erstens, sich darüber im Klaren zu sein, daß es sich hierbei um einen Weg handelt und zweitens dieser Weg einer ständigen Nachjustierung bedarf.

    Es gibt keine zertifizierte Ethik und bei der Frage, sich nachhaltig zu verhalten, befindet man sich in einem ständigen Abwägungsprozess. Es gibt keine einhundertprozentige Nachhaltigkeit im täglichen Leben und die wechselseitigen Abhängigkeiten und Interaktionen in einer globalisierten Welt erfordern ein sich ständig Entscheiden zwischen einer Vielzahl von Alternativen. Die Prioritäten in der Gewichtung von Nachhaltigkeitsaspekten sind bei Anlegern unterschiedlich, auch fließen ethische Fragen und ihre jeweilige Beantwortung entscheidungserheblich mit in Anlageentscheidungen ein.

    Unabdingbar ist es, sich ernsthaft mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Ein oberflächliches green-washing wird den Anforderungen verantwortlichen Wirtschaftens nicht gerecht und erweist sich schnell als substanzloses Marketing. Ich bin allerdings auch der Auffassung, daß die inzwischen fast flächendeckende Nutzung des Begriffs der Nachhaltigkeit bei im Einzelnen durchaus sehr fragwürdiger Handhabung immerhin aber die Auffassung deutlich macht, daß man sich diesem Thema nicht mehr verweigern kann ohne dass dies auch zu wirtschaftlichem Schaden führt. Deshalb handelt es sich meines Erachtens um einen umumkehrbaren Trend – auch wenn es natürlich so ist, daß die ethisch-nachhaltig bewegten Volumina derzeit noch nicht mehr als eine Nische in den globalen Finanzströmen ausmachen.

  • Janina Goldenstein
    Antwort von Janina Goldenstein, Sustainability-Congress GmbH zu Nachhaltige Geldanlagen Anbieter von Dr. Winfried Felser | 6.2.2012, 15:23:54 RE: ( 10 ) Nachhaltige Geldanlagen Anbieter

    Ideologisch ja, dogmatisch auf keinen Fall. Man muss überzeugt sein von den Grundsätzen, nach denen man handelt, sonst kann man niemand anderen überzeugen. Green Washing wird sich bei genauerem Hinsehen sehr schnell selbst enttarnen. Schaut man sich die Kunden und Verbraucher genauer an, die auf grüne Produkte... mehr

    Ideologisch ja, dogmatisch auf keinen Fall. Man muss überzeugt sein von den Grundsätzen, nach denen man handelt, sonst kann man niemand anderen überzeugen. Green Washing wird sich bei genauerem Hinsehen sehr schnell selbst enttarnen. Schaut man sich die Kunden und Verbraucher genauer an, die auf grüne Produkte stehen, so haben wir es hier zu einem großen Teil mit Menschen zu tun, die einen gewissen Bildungshintergrund mitbringen, die klare Vorstellungen davon haben, wie grün ihr Pordukt sein soll und die wahrscheinlich auch wenig Bereitschaft haben werden, hier Kompromisse einzugehen. An diesen Kundenbedürfnissen muss sich unsere Branche ausrichten. Ob dies in der Breite sein muss, weiß ich nicht. Mir sind ehrlich gesagt überzeugte Spezialanbieter lieber als die Alleskönner, die zusätzlich auch noch in Nachhaltigkeit machen.

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