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Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger)

Winfried Felser
Frage von Dr. Winfried Felser, NetSkill AG zu Nachhaltige Geldanlagen - Kompetenzführer und Pioniere vorgestellt | 6.2.2012, 0:34:18 Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger)

Laut einer Studie vom SD-M mit Unterstützung vom Bundesumweltministerium und Allianz Global Investor, spielen Nachhaltigkeitsaspekte auch im Rahmen von Bundespensionsfonds bisher keine Rolle. Der Staat als Vorbild wirkt unglaubwürdig. Auch Privatanleger setzen aktuell eher auf altbewährte Kapitalanlagen. Wie der aktuelle Marktbericht des Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) vom November 2011 zeigt, ist der Anteil nachhaltiger Investments am deutschen Gesamtmarkt im Bereich Publikumsfonds, Mandate und sonstige Finanzprodukte mit 0,9 Prozent noch immer gering.

Wo bleibt Ihrer Meinung nach da die Verantwortung der Anleger? Zählt bei aller Klage gegen die Gier am Schluss für Anleger in der Regel doch vor allem die Rendite?
Wie kann man institutionelle und private Anleger für das Produkt Nachhaltige Geldanlage umfassender interessieren als dies heute der Fall ist? Wie gelingt es, auch die Marktpartner wie Sparkassen und Volksbanken, Allfinanzdienstleister und andere Vermögensberater für das Thema umfassender als heute zu gewinnen?

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  • Erol Bilecen
    Antwort von Erol Bilecen, Bank Sarasin & Cie AG zu Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger) von Dr. Winfried Felser | 6.4.2012, 10:06:50 RE: ( 19 ) Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger)

    Dieses Thema wird zur Zeit sehr intensiv diskutiert. Ich habe hier eine sehr dezidierte Meinung, die ich bereits vorher angedeutet habe: Ein Finanzsystem kann nur so nachhaltig sein wie die Akteure, die sich daran beteiligen. Und dazu gehören natürlicherweise auch die Anleger. Schon das Grundgesetz ist in Artikel 14 Absatz 2... mehr

    Dieses Thema wird zur Zeit sehr intensiv diskutiert. Ich habe hier eine sehr dezidierte Meinung, die ich bereits vorher angedeutet habe: Ein Finanzsystem kann nur so nachhaltig sein wie die Akteure, die sich daran beteiligen. Und dazu gehören natürlicherweise auch die Anleger. Schon das Grundgesetz ist in Artikel 14 Absatz 2 glasklar: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

    Auch ich verstehe nicht wirklich, wie eine Regierung letztlich glaubwürdig sein kann, wenn sie einerseits von Bürgern Dinge fordert, die sie in ihrem eigenen Wirkkreis nicht umzusetzen bereit ist. So kritisch ich gegenüber der Finanzbranche im Ganzen eingestellt bin, gilt es einfach auch festzuhalten, dass sich in all den Jahren die Regulierer auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben.

    Aber auch jeder einzelne Anleger ist gefordert, doch sehe ich tagtäglich, wie viele Menschen mehr Zeit in die Suche nach einem Handytarif, einer neuen Stereoanlage oder ähnlichem investieren als ihre Zukunftsplanung und –vorsorge auf solide Füsse zu stellen. Diese Unlust mag mindestens zwei Gründe haben: Zum einen liegt die Belohnung hierfür in weiter Zukunft, während ich beim Kauf eines Produktes sofort etwas „Handfestes“ habe. Und andererseits besteht leider ein weit verbreiteter Finanzanalphabetismus, der kombiniert mit Gier eine gefährliche Mischung ergibt. Oder wie lässt sich die kontinuierlich steigende Verschuldung der Privathaushalte erklären?

    Der einzige Weg aus der Krise ist Wissen. Anleger müssen darüber aufgeklärt werden, was Anlegen bedeutet und welche Konsequenzen damit verbunden sind. Ich plädiere daher schon seit Jahren für die Vermittlung von praktischem Finanzwissen in der Schule.
  • Georg Schürmann
    Antwort von Georg Schürmann, Triodos Bank N.V. Deutschland zu Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger) von Dr. Winfried Felser | 5.4.2012, 17:27:49 RE: ( 17 ) Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger)

    Aktuell befindet sich die nachhaltige Geldanlage in Deutschland noch in der Nische. In anderen Ländern Europas ist dagegen die nachhaltige Geldanlage ein fest etabliertes Segment. Als führende europäische Nachhaltigkeitsbank sehen wir die unterschiedlichen Entwicklungen recht gut. Zur Entwicklung des Bewußtseins und der... mehr

    Aktuell befindet sich die nachhaltige Geldanlage in Deutschland noch in der Nische. In anderen Ländern Europas ist dagegen die nachhaltige Geldanlage ein fest etabliertes Segment. Als führende europäische Nachhaltigkeitsbank sehen wir die unterschiedlichen Entwicklungen recht gut. Zur Entwicklung des Bewußtseins und der Kenntnisse über nachhaltige Geldanlage haben oft institutionelle Investoren eine führende Rolle übernommen. Auch der Gesetzgeber hat hier mit entsprechenden Maßnahmen einen Beitrag zur Förderung der nachhaltigen Geldanlage geleistet. In Deutschland beschränkt er sich allerdings  noch auf die Berichtspflicht über die Anwendung von Nachhaltigkeitsaspekten bei der Kapitalanlage im Versicherungsbereich. Hier gibt es für die öffentliche Hand neben vielen weiteren Möglichkeiten bei der Gesetzgebung auch die Chance, mit gutem Beispiel als Kapitalanleger voran zu gehen. Stiftungen und Unternehmen der öffentlichen Hand sollten in einem ersten Schritt Nachhaltigkeitskriterien bei ihrer Kapitalanlage einfließen lassen. Bei institutionellen Investoren beobachten wir ein deutlich gestiegenes Interesse an der Integaration dieser Kriterien. Die Motive sind hier sehr unterschiedlicher Natur. Die Erkenntnis, dass die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien zu einem besseren Risiko-Rendite-Profil der Kapitalanlage führt, setzt sich in diesem Anlegerkreis immer mehr durch.
  • Klaus Tischhauser
    Antwort von Klaus Tischhauser, responsAbility Social Investments AG zu Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger) von Dr. Winfried Felser | 5.4.2012, 17:27:20 RE: ( 17 ) Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger)

    Staatliche Investoren agieren in der Regel wie andere institutionelle Investoren auch. Sie warten ab, bis sich etwas etabliert hat – also einen ‚track record‘ aufgebaut hat und sind damit nicht gerade die naheliegendsten ‚Trendsetter‘. Zudem beobachte ich einen starken Trend hin zum Mainstream. Mut und Visionen zahlen... mehr

    Staatliche Investoren agieren in der Regel wie andere institutionelle Investoren auch. Sie warten ab, bis sich etwas etabliert hat – also einen ‚track record‘ aufgebaut hat und sind damit nicht gerade die naheliegendsten ‚Trendsetter‘. Zudem beobachte ich einen starken Trend hin zum Mainstream. Mut und Visionen zahlen sich im aktuellen Umfeld eigentlich nicht aus. Man kann fast nichts gewinnen damit, aber viel verlieren. Das regulatorische Umfeld wirkt dem übrigens auch nicht gerade entgegen. Vergessen wir aber nicht, dass es auch hier mutigere und weniger mutige gibt. Holländische Pensionkassen agieren z.B. im Quervergleich etwas visionärer. Dabei spielt übrigens auch die Struktur des jeweiligen Marktes eine Rolle und da ist Deutschland vielleicht etwas anders aufgstellt als z.B. Holland.

    Bezüglich der Frage nach der Verantwortung der Anleger können wir nicht erwarten, dass sich der Mensch als Investor in seinem Verhalten massgeblich von seinem Verhalten als Konsument unterscheidet. Wir verhalten uns als Gesamtgesellschaft nicht ausserordentlich nachhaltig; erwarten wir also nicht von Investoren mehr, als wir selber beizutragen gewillt sind.

    Ich sehe aber dennoch enorme Umwälzungen. Wird ein nachhaltiges Angebot zugänglich gemacht, so wird zugegriffen. Im Konsumbereich sieht man das an den beindruckenden Zuwachsraten von Bio- und Fair-Trade-Produkten. Im Finanzmarkt ist Gleiches zu beobachten. Wir haben als Unternehmen durch alle Krisen hinweg sehr hohe Zuwachsraten beim Neugeld. Ein massgeblicher Treiber ist hier die erwähnte Regulierung. Erlaubt der Gesetzgeber – wie das in der Schweiz der Fall ist – z.B. Mikrofinanz- oder Fair Trade-Anlagen dem breiten Publikum anzubieten, sind Banken gerne bereit, diese ihren Kunden anzubieten. Die Nachfrage ist vorhanden. Allerdings ist das weltweite Angebot nicht zuletzt deshalb noch so gering, weil die meisten Aufsichtsbehörden Mühe mit der Zulassung solcher Produkte bekunden. Deutschland hat aber kürzlich den Vertrieb entsprechender Produkte erleichtert. Es bewegt sich also etwas.

    Die Rendite spielt in der gesamten Betrachtung eine wichtige Rolle: wie bei Bio- oder Fair-Trade-Produkten bleibt der Konsum die Domäne von einigen wenigen, solange die Rendite, also der Geschmack und der Preis nicht stimmen. Die steigende Beliebtheit von nachhaltigen Anlagen, zumindest in den Anlagebereichen von responsAbility, ist nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen, dass die Anlagen auch aus Investorensicht geniessbar sind, sprich eine stabile, positive Rendite abwerfen.
  • Markward Kerstiens
    Antwort von Markward Kerstiens, Miller Forest Investment AG zu Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger) von Dr. Winfried Felser | 5.4.2012, 16:10:26 RE: ( 16 ) Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger)

    Der (deutsche) Staat wirkt in der Tat mehr als unglaubwürdig, insbesondere auch im Hinblick auf die europäische Fiskalpolitik und den ESM – "Stabilitätspakt", der den Regierungen der EU jeglichen Handlungs- und Steuerungsspielraum nimmt. Vielleicht braucht es erst einen weiteren Totalzusammenbruch der... mehr

    Der (deutsche) Staat wirkt in der Tat mehr als unglaubwürdig, insbesondere auch im Hinblick auf die europäische Fiskalpolitik und den ESM – "Stabilitätspakt", der den Regierungen der EU jeglichen Handlungs- und Steuerungsspielraum nimmt.

    Vielleicht braucht es erst einen weiteren Totalzusammenbruch der konventionellen Finanzsysteme (nach 1923 und 1948), bis sich eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung in Richtung einer nachhaltigen Fiskal- und Finanzpolitik durchsetzt.

    Selbstverständlich spielt die Rendite bei der Anlageentscheidung eine große Rolle, das scheint wohl in der Natur des Menschen zu liegen. Wenn sich nachhaltige Kapitalanlage auch auf diesem Gebiet dauerhaft den konventionellen Anlagen als überlegen zeigt, wird sich der Umschwung zu einer breiteren Akzeptanz deutlich leichter vollziehen lassen.

  • Christof Lützel
    Antwort von Christof Lützel, GLS Gemeinschaftsbank eG zu Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger) von Dr. Winfried Felser | 5.4.2012, 15:45:52 RE: ( 15 ) Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger)

    Ich kann die Verwantwortung für mein Geld am Bankschalter abgeben, muss es aber nicht. Wer sein Geld gedankenlos auf ein Girokonto oder in einen rein renditeorientierten Fonds gibt, der läuft Gefahr, Projekte und Unternehmen zu finanzieren, die z.B. Menschenrechte verletzen. Um diesen Zusammenhang deutlich zu machen... mehr

    Ich kann die Verwantwortung für mein Geld am Bankschalter abgeben, muss es aber nicht. Wer sein Geld gedankenlos auf ein Girokonto oder in einen rein renditeorientierten Fonds gibt, der läuft Gefahr, Projekte und Unternehmen zu finanzieren, die z.B. Menschenrechte verletzen. Um diesen Zusammenhang deutlich zu machen und für eine größere Wahrnehmung der Möglichkeiten einer grünen Geldanlage zu werben, setzt sich die GLS Bank gemeinsam mit anderen nachhaltig orientierten Banken in verschiedenen Organisationen, wie z.B. der Global Alliance for Banking on Values (G.A.B.V.), ein.

    Sein Geld nachhaltig anzulegen, bedeutet übrigens nicht auf Rendite zu verzichten. Im Gegenteil: Wir bieten unseren Kunden einen dreifachen Gewinn: menschlich, ökologisch und ökonomisch. Durch den Erwerb von Mitgliedschaftsanteilen oder einer Geldanlage bei der GLS Bank gestalten sie die nachhaltige Entwicklung ihrer Gesellschaft mit, tragen dazu bei, unsere natürlichen Lebensgrundlagen auch für künftige Generationen zu erhalten, und erhalten martkübliche Zinsen.

  • Christoph Groß
    Antwort von Christoph Groß, LBBW Asset Management Investmentgesellschaft mbH zu Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger) von Dr. Winfried Felser | 2.4.2012, 14:21:31 RE: ( 14 ) Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger)

    Durch das Fehlen einer klaren Definition von Nachhaltigkeit bzw. eines etablierten Marktstandards ist es im Moment vor allem für Privatanleger sehr schwierig, sich einen genauen Überblick zu verschaffen. Aktuell ist es noch sehr schwer zu erkennen, welche Nachhaltigkeitsprodukte als glaubhaft anzusehen sind und langfristigen... mehr

    Durch das Fehlen einer klaren Definition von Nachhaltigkeit bzw. eines etablierten Marktstandards ist es im Moment vor allem für Privatanleger sehr schwierig, sich einen genauen Überblick zu verschaffen. Aktuell ist es noch sehr schwer zu erkennen, welche Nachhaltigkeitsprodukte als glaubhaft anzusehen sind und langfristigen Erfolg versprechen und welche Angebote nur aus Gründen kurzfristigen Ertragsinteresses lanciert werden. Aber auch hier setzt langsam ein Entwicklungs- und Denkprozess ein. Auch hat durch die Finanzkrise das Vertrauen in die Banken und Zweifel an der angebotenen Produktqualität im Privatkundengeschäft sicherlich Spuren hinterlassen. Dies erklärt aus meiner Sicht die Verunsicherung und Zurückhaltung des Großteils der Privatanleger, vor allem wenn es darum geht einzuschätzen, ob gerade im sensiblen Bereich Nachhaltigkeit das angebotene Produkt auch wirklich „glaubhaft“ ist. Grundsätzlich glaube ich aber, dass nachhaltig-interessierte Anleger ein gutes Gespür haben zu unterscheiden, wer glaubhaft am Markt ist und wessen Angebote auch auf längere Sicht überleben werden und eine sehr gute Performance erwarten lassen.

    Im Bereich der insitutionellen Anleger sehen wir die Tendenz, dass sich der Einbezug von Nachhaltigkeitskriterien als zusäzliche Kompenente und Instrument des Risikomanagements etabliert. Institutionelle wollen sich nicht mehr in vollem Maße von den Bonitätseinstufungen der etablierten Ratingagenturen abhängig machen. Neben der finanziellen Analyse setzen viele Großkunden daher mehr und mehr auch auf die Analyse der nicht-finanziellen Faktoren, die sich in den Nachhaltigkeits-Ratings widerspiegeln. Die Institutionellen Anleger haben erkannt, dass die Beurteilung einer Kapitalanlage allein unter fundamentalen, ökonomischen Gesichtspunkten in der heutigen Welt nicht mehr ausreicht, sondern viele latente Risiken durch nicht-finanzielle Faktoren wie kontroverse Managementpraktiken oder Umweltkatastrophen existieren, die – sollten diese Risiken eintreten - enorme Kursverluste verursachen können und im schlimmsten Fall sogar den Fortbestand eines Unternehmens in Frage stellen können.

    Dass dabei auf Rendite nicht verzichtet werden muss, haben in der Vergangenheit mehrere Studien bestätigt. Dies war auch Thema meiner eingangs erwähnten Diplomarbeit: Eine strukturelle Underperformance nachhaltiger Kapitalanlagen im Vergleich zu konventionellen Anlageformen war in den meisten Fällen nicht zu beobachten. Angesichts dessen sollten gerade die großen Kapitalsammelstellen ihrer Verantwortung gerecht werden und bei den Kapitalanlagen „nachhaltig-agierende“ Emittenten durch gezielte Investition weiter fördern anstatt das Kapital in ethisch-fragwürdige Firmen anzulegen.

    Berücksichtigt man all diese Aspekte, bin ich ebenfalls der Meinung, dass gerade die „öffentliche Hand“ als Vorreiter agieren und Nachhaltigkeitskriterien in den Eigenanlagen als unumkehrbaren Standard etablieren sollte. Die politischen Kräfte aller Couleur sollten daher gemeinschaftlichen eine entsprechende Initiative auf den Weg bringen.

  • Florian Grohs
    Antwort von Dr. Florian Grohs, Oikocredit Deutschland zu Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger) von Dr. Winfried Felser | 30.3.2012, 15:42:58 RE: ( 13 ) Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger)

    Ich denke, dass ein Großteil der privaten Anleger sich nach wie vor wenig Gedanken darum macht, was mit seinem Geld geschieht und ob es ethisch angelegt ist. Eine bessere Kommunikation der nachhaltigen Finanzbranche und von NGOs betriebene Kampagnen – wie die Kampagne gegen Investitionen in Firmen, die... mehr

    Ich denke, dass ein Großteil der privaten Anleger sich nach wie vor wenig Gedanken darum macht, was mit seinem Geld geschieht und ob es ethisch angelegt ist. Eine bessere Kommunikation der nachhaltigen Finanzbranche und von NGOs betriebene Kampagnen – wie die Kampagne gegen Investitionen in Firmen, die Streubomben produzieren – können hier sicherlich einen Beitrag leisten, dass das öffentliche Interesse steigt. Im Umgang mit institutionellen Investoren ist es meines Erachtens wichtig hervorzuheben, dass Investitionen in nachhaltige Geldanlagen im Schnitt eine ähnlich gute Rendite abwerfen können wie vergleichbare Anlagen.
    Für uns steht in der Kommunikation mit Anlegern nicht nur der finanzielle Gewinn – in den letzten 12 Jahren lag unsere Dividende stabli bei 2 Prozent – im Vordergrund, sondern auch der soziale Gewinn: Nämlich das Wissen, dass ihr Geld an Menschen weitergeleitet wird, die sonst kaum Zugang zu Finanzdienstleistungen haben und mithilfe eines Darlehens oder einer Versicherung ihre Situation verbessern können. Freilich können wir mit unserem Angebot nicht alle Investoren erreichen, für viele ist unsere Dividende nicht ausreichend.

  • Andrew Murphy
    Antwort von Andrew Murphy, Murphy&Spitz Umwelt Consult GmbH zu Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger) von Dr. Winfried Felser | 22.3.2012, 17:17:03 RE: ( 12 ) Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger)

    Wir stellen fest, dass die institutionellen Investoren sehr wohl auf der Suche sind nach guten nachhaltigen Anlageprodukten. Sie wollen das Thema Nachhaltigkeit zu-nehmend in ihre Unternehmenskultur integrieren. Es hapert, so unsere Informationen, jedoch oftmals am Angebot. Die Definition von Nachhaltigem Investment im... mehr

    Wir stellen fest, dass die institutionellen Investoren sehr wohl auf der Suche sind nach guten nachhaltigen Anlageprodukten. Sie wollen das Thema Nachhaltigkeit zu-nehmend in ihre Unternehmenskultur integrieren. Es hapert, so unsere Informationen, jedoch oftmals am Angebot. Die Definition von Nachhaltigem Investment im Sinne von Best-In-Class ist für viele schlichtweg nicht nachvollziehbar. Aufgabe der Experten ist es also, hier entsprechende Produkte zu schaffen. Murphy&Spitz ist mit seiner Fokussierung auf und Definition von Nachhaltigen Geldanlagen eine absolute Ausnahme. Aber Investoren, die nachhaltig investieren wollen, wollen ganz einfach in Naturkost statt in eine „grüne“ Bayer AG investieren. Eine klare qualitative Unterscheidung ist hier gefragt, ein Siegel würde hier Orientierung bieten.

    Was die Privatanleger angeht, ist das Bestreben, mit der Geldanlage eine attraktive Rendite zu erwirtschaften ja durchaus legitim. Hier müssen sich Nachhaltige Geldanlagen mit den konventionellen messen lassen können. Zusätzlich gilt es, die der Nachhaltigen Geldanlagen, die so genannte doppelte Rendite, in der Kommunikation stärker hervor zu heben.

    Betrachten wir die Sparkassen, Volksbanken und Allfinanz-Dienstleister so wäre es sicherlich wünschenswert, auch hier die Nachhaltigen Geldanlagen verstärkt im Angebot zu sehen. Die überwiegende Anzahl der Bundesbürger wünschen sich ja Nachhaltige Geldanlageprodukte, haben aber noch nie welche vorgestellt bekommen. Wir sollten aber berücksichtigen, dass ein fundiertes Know-How erforderlich ist, um Nachhaltiges Investment erfolgreich zu vermitteln und zu betreiben. Hier wären Kooperationen zwischen den Allfinanz-Anbietern und den Experten für Nachhaltige Geldanlagen sicherlich die beste Lösung, um die Nachhaltigen Geldanlagen weiter voran zu treiben.

    Eine weitere Baustelle ist die Politik. Eine Regierung, die sich das Thema Nachhaltigkeit und Energiewende auf die Fahnen schreiben will, gleichzeitig aber einer Zukunftsindustrie wie der Solarindustrie praktisch kurz vor dem „Freischwimmen“ die Schwimmflügel zersticht, ist wahrhaftig kein Vorbild. Die Politik gehört stärker in die Verantwortung genommen. Hier sind Verbände und Nachhaltigkeitsinvestoren gemeinsam gefragt, den Druck zu verstärken.

  • Michael P. Sommer
    Antwort von Michael P. Sommer, BANK IM BISTUM ESSEN eG zu Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger) von Dr. Winfried Felser | 23.2.2012, 10:00:33 RE: ( 11 ) Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger)

    Das sind viele Fragen auf einmal. Die darin anklingende Ungeduld kann ich nachvollziehen, ändert aber nichts an der Notwendigkeit immerwährender Überzeugungsarbeit. Anleger wollen finanzielle Rendite – deshalb legen sie ihr Geld in verschiedene Produkte an und bezahlen ja auch dafür. Das Kernproblem ist nicht die Frage, ob... mehr

    Das sind viele Fragen auf einmal. Die darin anklingende Ungeduld kann ich nachvollziehen, ändert aber nichts an der Notwendigkeit immerwährender Überzeugungsarbeit. Anleger wollen finanzielle Rendite – deshalb legen sie ihr Geld in verschiedene Produkte an und bezahlen ja auch dafür. Das Kernproblem ist nicht die Frage, ob die Anleger mehr oder weniger verantwortungsbewusst agieren will, sondern der Nachweis, dass ein ethisch-nachhaltig ausgerichtetes, verantwortungsbewusstes Anlageverhalten kein Renditeverzicht bedeutet. Je eindeutiger dies dem Anleger anhand von einschlägigen Untersuchungen zu vermitteln ist, desto offener wird dieser auch neuen Anlageformen oder neuen Anlagepolitiken innerhalb bewährter Anlageklassen gegenüber sein. Auch hier gilt es, nüchtern zu analysieren und nicht den missionarischen Eifer dominieren zu lassen. Inzwischen gilt es nämlich als nachgewiesen, dass ein nachhaltig gemanagtes Portfolio bei gleicher Professionalität ebenso ertragreich sein kann wie eine konventionell aufgestellte Anlage. Wer aber meint, in ökologischem Überschwang alles auf Solarenergie setzen zu müssen, der geht die gleichen Klumpenrisiken ein, wie einer, der alles in Kernkraft investiert.

    Im Übrigen gilt auch hier: gelebtes Beispiel ist am Überzeugendsten. Sich mit einer angemessenen Rendite einverstanden zu erklären, schützt vor unethischer Gier und ist langfristig auch betriebswirtschaftlich nachhaltig erfolgreicher. Warum? Weil nicht die eigene Erfolgsmaximierung allein das Maß der Dinge ist, sondern zugleich die Nichtschädigung der anderen Glieder in der Wertschöpfungskette, von der man selbst profitiert. Dies ist nichts anderes als ein professionell sauberes Risikomanagement! Gerade dem Genossenschaftsbanken-Sektor mit seinem historisch an der Realwirtschaftaft orientierten Geschäftsmodell sollte ein solches Denken nahe liegen.

  • Janina Goldenstein
    Antwort von Janina Goldenstein, Sustainability-Congress GmbH zu Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger) von Dr. Winfried Felser | 6.2.2012, 15:32:40 RE: ( 10 ) Nachhaltige Geldanlagen Anleger (institutionelle Anleger)

    Nachhaltigen Kapitalanlagen haftet für Viele immer noch das Vorurteil an, dass sie gegenüber traditionellen Anlageformen in der Rendite schwächeln, obwohl es längst hinlänglich analysiert wurde, dass dies nicht zutrifft. Sie wissen aber, Vorurteile halten sich oft gegen alle Vernunft. Wir mit unserem Kongress sind in dieser... mehr

    Nachhaltigen Kapitalanlagen haftet für Viele immer noch das Vorurteil an, dass sie gegenüber traditionellen Anlageformen in der Rendite schwächeln, obwohl es längst hinlänglich analysiert wurde, dass dies nicht zutrifft. Sie wissen aber, Vorurteile halten sich oft gegen alle Vernunft. Wir mit unserem Kongress sind in dieser Hinsicht ausdauernd. Wir wissen, dass wir uns in einem Feld mühevoller Klein- und Überzeugungsarbeit bewegen und freuen uns über jeden Anleger und jeden Profi, der überzeugt wurde, in der Zukunft neue Wege zu gehen. Das Standardrezept, wie der Markt schnell und umfassend für das Thema interessiert werden kann, gibt es nicht – sonst hätten wir es nach achtjähriger Arbeit längst gefunden. Sie können davon ausgehen, dass jede Hiobsbotschaft – und davon gibt es immer mehr, gleich ob auf der ökologischen, politischen oder wirtschaftlichen Ebene, zum Umdenken zwingen wird. Da werden sich auch traditionelle Institute am Ende des Tages nicht verschließen können.

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