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"Mikrofinanz ist keine Anlageklasse, um Geld zu machen."

Ingo Scheulen
Hinweis von Ingo Scheulen, Ökologische Finanzdienstleistungen Ingo Scheulen für das Netzwerk Nachhaltige Geldanlage | 12.2.2012, 13:28:18 "Mikrofinanz ist keine Anlageklasse, um Geld zu machen."
Diese klare Aussage von Muhammad Yunus (am 24.10.2011 in Frankfurt) relativiert mögliche Vergleiche über Rentabilität, Sicherheit und Fungibiltät. Schon der sozial-kooperative Ansatz unterscheidet diesen Geldverleih vom Üblichen. Gleichwohl bleibt er im Geldsystem verhaftet, indem mehr Giralgeld erzeugt wird. Dies fällt nur deshalb nicht so auf und auch nicht ins Gewicht, weil die Kreditlaufzeiten selten über 2 oder 3 Jahre hinausgehen.
Die beste Idee und das hehrste Ideal sind nicht vor Mißbrauch gefeit. Das System der Grameen-Bank wurde und wird gelegentlich von Leuten benutzt, die etwas anderes im Schilde führen und sich die eigenen Taschen voll machen. Die extremsten Auswüchse wurden aus dem indischen Bundesstaat Andhra Pradesh bekannt. Womöglich funktionieren bislang die Kontrollen (auch durch gesetzliche Sanktionen) gerade deshalb noch nicht genügend, weil die "Geschäftsidee" der Mikrofinanzen auf den guten Willen und Vertrauen gründet.
Die Fehlentwicklungen im System müssen schon aus dem Grund offen gelegt werden, um den Kern des Gedankens zu schützen und weiter zu entwickeln. Gerhard Klas hat dazu Schwächen und kriminelle Machenschaften rund um die Kleinstkredite zusammengetragen. Der Titel seines Buchs verrät die Botschaften, die damit transportiert werden sollen: "Die Mikrofinanzindustrie. Die große Illusion oder das Geschäft mit der Armut." Wenn am Ende die Erkenntnis bleiben soll, dass erstens eine Verbesserung der Lebenslage armer Menschen nicht erreichbar sei und zweitens zu viele Akteure mit einer honorigen Idee unlautere Geschäfte betreiben, dann nützt das Buch leider denjenigen am wenigsten, in deren Interesse es geschrieben sein sollte.
Ein Netz von Mikrofinanzinstituten wird nicht die grundlegenden sozialen und ökonomischen Verwerfungen des globalisierten Kapitalismus aufheben. Es wäre unfair, den Ansatz "Banken für kleine Leute" mit diesem Anspruch zu überladen. Im 19. Jahrhundert entstanden Genossenschaften und Genossenschaftsbanken als Hilfe zur Selbsthilfe der Arbeiterklasse. Anders, nämlich solidarisch zu wirtschaften ist ein alter Gedanke, der das System zwar nicht sprengt, gleichwohl aber darüber hinaus weist. Und gegen Missbrauch und falsche Freunde helfen nur Transparenz und Kontrolle.
Wenn Anleger aus dem reichen Norden mit ihrem Geld kleine Institute in den armen Ländern des Südens mit dem nötigen Kleingeld versorgen und mit 3 oder 4 Prozent Rendite zufrieden sind, ist das ein mehr als nur symbolischer Beitrag für diese Eine Welt.
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