CO2 bleibt ein Dauerthema im Klimaschutz. Zu der Frage “Was kommt auf die Airlines und die Politik mit dem Emissionshandel in Deutschland zu?“ wurden am Carbon Economy Round Table Antworten gesucht. Die Veranstaltung bot ein inhaltlich anspruchsvolles Programm mit großer Beteiligung aus allen Bereichen der deutschen Luftfahrtbranche sowie der betroffenen Verbände und Behörden.
Die Büroräume der internationalen Anwaltssozietät Freshfields am Potsdamer Platz in Berlin waren Schauplatz der Vorstellung strategischer und operativer Auswirkungen des Emissionshandels auf Flugzeugbetreiber. Die anschließende rege Diskussion nach den Einführungsvorträgen zeugte von dem großen Interesse der Teilnehmer an dem aktuellen Thema. Emissionshandels-Experte Dr. Moritz Nill von PricewaterhouseCoopers (PwC) stellte die Kernelemente des Richtlinien-Vorschlags der EU dar:
Das Ziel ist die Stabilisierung der Emissionen aus dem Flugverkehr
- Die Betreiber von Flugzeugen sind verantwortlich für die Einhaltung der Auflagen.
- Betroffen sind alle Flüge innerhalb der EU und alle Flüge, die von EU-Flughäfen starten oder dort landen (auch nichteuropäische Fluglinien sind betroffen).
- Das Monitoring von Emissionen erfolgt auf Basis individueller Flüge.
- Die Zuteilung von Emissionsrechten basiert auf einem Benchmarkwert bezogen auf die Transportleistung.
- Jeder Flugzeugbetreiber wird von einem EU-Mitgliedsstaat verwaltet.
- Vergabe an Flugzeugbetreiber erfolgt einheitlich für die EU.
Dr. Moritz Nill betonte, dass es immer noch Streitpunkte zur Emissionshandelsrichtlinie zwischen der Kommission, dem Parlament und dem Rat gebe. Neben dem Thema des möglichen Startzeitpunkts und der Nutzung eines Multiplikatorfaktors für NOx-Emissionen gibt es weitere Meinungsverschiedenheiten bezüglich des Basis-Emissionsniveaus, der Versteigerungsquote und der Begrenzung der Nutzung von Emissionsrechten aus CDM/Ji-Projekten.
Als Reduktionsmaßnahme zur Verminderung der CO2-Emissionen nannte Nill neben dem Einsatz effizienterer Flugzeuge und der Optimierung bestehender Maschinen zum Beispiel durch Winglets auch die Nutzung von Bio-Treibstoffen und Fortschritte bei der Optimierung des Flugablaufs.
Im Juli 2008 wird die 2. Lesung zum Richtlinienvorschlag zum Emissionshandel im Luftverkehr im EU-Parlament stattfinden. Es wird erwartet, dass die Richtlinie bis Ende des Jahres verabschiedet wird. Die Umsetzung in die nationale Gesetzgebung hat dabei innerhalb eines Jahres zu erfolgen. Doch der Gestaltungsspielraum ist eher gering, so dass keine wesentlichen Änderungen zu erwarten sind. Der Emissionshandel soll 2011 oder 2012 starten. Bereits ein Jahr vor Beginn des Handels muss ein funktionstüchtiges CO2-Monitoringsystem vorliegen und ein weiteres Jahr vorher muss zum Zweck der Bestimmung der Zuteilungsmenge die Transportleistung (in Tonnenkilometer) bestimmt werden. Beim Emissionsmonitoring ist darauf zu achten, dass der Treibstoffverbrauch für jeden Flug separat bestimmt werden muss sowie notwendige Informationen über Abflug- und Ankunftsflughafen verfügbar sind.
Die unter den Airlines ausgeteilte Menge an Emissionsrechten wird auf dem Stand von 2005 eingefroren. Bedingt durch das Wachstum der Branche ist mit einer deutlichen branchenweiten Unterdeckung zu rechnen, die sich in Zukunft stetig verstärken wird. Zusätzlich ist geplant, den Anteil der versteigerten und damit nicht kostenfrei ausgegebenen Emissionsrechte deutlich zu reduzieren. Die Zuteilungen basieren auf einem Benchmark bezogen auf die Transportkilometer. Dadurch sind Flugzeugbetreiber mit einer hohen Auslastung und geringen spezifischen Emissionen bessergestellt.
Gute Vorbereitung schafft Wettbewerbsvorteile
Die Erfahrungen aus dem Energiebereich zeigen, dass die Qualität der für den Emissionshandel benötigten Daten mangelhaft ist und die Prozesse komplexer sind, als man es eingangs erwartet hat. Eine frühe Vorbereitung zahlt sich somit aus. Wichtig ist an dieser Stelle die Festlegung von Verantwortlichkeiten und Prozessen. Darüber hinaus sind Anpassungen für das gesamte Unternehmen erforderlich, da der Emissionshandel ein strategisches Unternehmensthema ist und nicht nur eine eingeschränkte Verantwortung des Umweltbereichs.
Die fachlich anspruchsvolle Diskussion wurde von den Teilnehmern des Carbon Economy Round Table als sehr positiv bewertet.
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