Vom 3. bis 8. März fand in Hannover die CeBIT als die weltweit größte Messe für Informations- und Kommunikationstechnik statt. Die Messe bietet eine internationale Plattform zum Erfahrungsaustausch über aktuelle Trends der Branche, für Produktpräsentationen und zum Networking. Auf der diesjährigen CeBIT war das Fachgebiet Multimedia Kommunikation (KOM) der Technischen Universität Darmstadt mit zwei Projekten aus den Bereichen E-Learning und Peer-to-Peer vertreten.
Kompetenznetz E-Learning Hessen
Lehrende an Hochschulen haben in den vergangenen Jahren vielfältige Erfahrungen mit dem Einsatz der neuen Medien und Kommunikationstechnologien in der Lehre gesammelt. Der dabei angehäufte Erfahrungsschatz schlummerte jedoch bisher vielfach im Verborgenen, veraltete, heterogene Projektdatenbanken und persönliche Kenntnisse waren die einzigen Informationsquellen. Im Projekt "Kompetenznetz E-Learning Hessen" haben Wissenschaftler von KOM eine Web 2.0-Community für E-Learning-Erfahrungsträger und -Interessenten erstellt. Die IT-Plattform dient zur Dokumentation von Erfahrungen und Lernmaterialien.
Auf der CeBIT 2009 wurde diese Community Plattform, die allen Lehrenden an den hessischen Hochschulen und auch darüber hinaus offen steht und heute bereits von über 300 Lehrenden genutzt wird, vorgestellt. Statt einer zentralen Datenerfassung kann in der Plattform jeder einzelne Lehrende seine Erfahrungen dokumentieren. Jeder kann unmittelbar selbst von der Community profitieren, indem er andere Erfahrungsträger identifiziert und mit diesen in einen direkten Kontakt tritt. Die Plattform vereint zwei innovative Technologien, die der semantischen Netze und die des Web 2.0. Über ein einfaches Webformular können die Lehrenden ihre Erfahrungen dokumentieren. Die Nutzung der semantischen Technologien erfolgt für die Nutzer transparent und verständlich. Ein Lernaufwand besteht nicht.
"Im Kompetenznetz kann ich mich beispielsweise informieren, wer überhaupt schon E-Learning-Erfahrungen in meinem Fachbereich gemacht hat, welche E-Learning-Tools an den hessischen Hochschulen eingesetzt werden, aber auch welche multimedialen Lerninhalte in meinem Fach von meinen Kollegen an anderen Hochschulen entwickelt wurden. Diese Informationen bieten eine Basis für einen direkten Erfahrungsaustausch oder die gegenseitige Nutzung von Lehr- und Lernmaterialien", erklärt Ralf Steinmetz zu den Anwendungsszenarien. Das Community-Netz ist Bestandteil des übergreifenden Projektes Kompetenznetz E-Learning Hessen, an dem alle hessischen Hochschulen mit Ihren Kompetenzzentren beteiligt sind. Das Projekt wurde vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie der Landesinitiative Hessen Media gefördert.
Das Interesse an der Community Plattform war bei den Besuchern der CeBIT sehr hoch. Neue Teilnehmer und Multiplikatoren aus anderen Hochschulen konnten gewonnen werden. So wurde unter anderem auch im IfS Sport Cast die Plattform vorgestellt (www.uni-giessen.de/IfS-SportCasts/@p=521).
Neben der Community Plattform präsentierte KOM auf der CeBIT auch die vielfältigen Möglichkeiten des E-Learnings, die den hessischen Studierenden und Lehrenden der Sportwissenschaften und der Humanmedizin in den Projekten HeLPS (www.helps-hessen.de) und k-MED (www.k-med.org) angeboten werden.
Ansprechpartner: Dr. Ing. Christoph Rensing, Telefon: 06151 16-6888, E-Mail: Christoph.Rensing@kom.tu-darmstadt.de
"LifeSocial" - Sichere Plattform für Online-Communities auf Peer-to-Peer Basis
Soziale Netzwerke im Internet sind erst einige Jahre alt, haben aber schon eine beträchtliche Nutzerzahl aufgebaut. Interaktionen mit Freunden und Bekannten stehen bei diesen Plattformen im Vordergrund. Nutzer können sich durch ein persönliches Profil vorstellen, Gruppen bilden, Fotos online stellen, chatten und Nachrichten austauschen. In der letzten Zeit waren Online-Community Plattformen wie StudiVZ, Facebook und Co in die Kritik geraten, da sie zum Teil erhebliche Sicherheitsmängel im Bereich des Datenschutzes aufweisen. Die Betreiber der Seiten haben Zugriff auf die persönlichen Daten der Nutzer; ob sie diese vertraulich behandeln, ist schwer zu kontrollieren. Oft sind Daten der Nutzer sogar noch nach der Löschung der Mitgliedschaft verfügbar. Das kann für den Benutzer nicht nur peinlich werden, sondern öffnet Angreifern und Betrügern (z.B. für Phishing) Tür und Tor. Auch die Betreiber sind unzufrieden, da das Bereitstellen der Seiten und der Dienste viele Kosten verursacht aber wenige Einnahmen generiert.
Auf der CeBIT stellte ein Forscherteam von KOM die sichere Plattform „LifeSocial.KOM“ (www.lifesocial.org) vor. Die Plattform basiert auf Peer-to-Peer Technologien, d.h. die Rechner aller Teilnehmer werden als Infrastruktur genutzt. Durch die Dezentralisierung der Organisation werden die Betriebskosten auf alle Nutzer verteilt. „Für den einzelnen Nutzer ist dies kaum merklich und zudem gegebenenfalls durch die Internet-Flatrate abgedeckt. Die Kosten für den Betreiber werden aber dadurch stark minimiert“, erläutert Kalman Graffi. Aufbauend auf dieses Netzwerk haben die Forscher von KOM eine ausgefeilte Datenmanagement- und Sicherheitsarchitektur entwickelt, die eine langfristige Zugriffskontrolle auf die Daten im Netzwerk ermöglicht. Die Kontrolle verbleibt dabei immer und alleine bei dem Autor der Daten. Dies war den Anwendern besonders wichtig, wie sich im direkten Gespräch herausstellte. Die Besucher der CeBIT zeigten reges Interesse an der Plattform. Von anwesenden Universitäten und Unternehmen gingen zahlreiche Anregungen und Angebote für die Weiterführung des Projektes ein.
Als umfassende Plattform bietet LifeSocial.KOM aber nicht nur die Dienste der bekannten Anbieter, sondern auch viele weitere Kommunikations- und Kollaborationstools. So sind neben einer einfachen Chat-Möglichkeit auch ein Gruppenkalender sowie ein gemeinsamer Speicherbereich für Arbeitsteams integriert. Angedacht sind auch Möglichkeiten, über das Internet zu telefonieren oder Multimedia-Anwendungen zu verwenden. Realisiert werden die einzelnen Funktionen der Plattform mit Plugins, die in die technische Grundarchitektur integriert werden. Durch die Plugin-Infrastruktur ist LifeSocial.KOM leicht und bequem erweiterbar.
Ansprechpartner: Dipl.-Math., Dipl.-Inform. Kalman Graffi, Telefon: 06151 16-4959, E-Mail: Kalman.Graffi@kom.tu-darmstadt.de
Keine Kommunikationsobjekte vorhanden.